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Backstage mit Inhaler: „Ich höre neue Horizonte auf diesem Album“

07.02.2025 von Nadine Wenzlick

Seit Inhaler 2018 ihr Debütalbum „It Won't Always Be Like This“ veröffentlicht und damit direkt Platz 1 in Großbritannien und Irland erreicht haben, geht es für die Indierock-Band stetig bergauf: Über eine Viertelmillion verkaufte Platten und 500 Millionen Streams sowie ausverkaufte Shows sprechen für sich. Mit ihrem dritten Album „Open Wide“ dürfte es für das Quartett aus Dublin nun noch höher hinaus gehen. Inspiriert von Bands wie T.Rex, MGMT, Prince, Depeche Mode aber auch dem Indie- und Garagenrocksound ihrer Jugend strotzt die von Grammy- und Brit-Award-Preisträger Kid Harpoon produzierte Platte nur so vor eingängigen Indie-Hymnen. Bevor die Band das Album auf ihrer bis dato größten Tour live vorstellt, sprachen wir mit Sänger Elijah Hewson – Sohn von U2-Sänger Bono – und Schlagzeuger Ryan McMahon.

Bild: Lewis Evans

Elijah, über euer neues Album „Open Wide“ hast du gesagt, dass du darauf eine Band hörst, die eine neue Perspektive auf ihre Musik und ihr Leben findet. Kannst du erklären, was du damit meintest?

Elijah Hewson: Als die Tour zu unserem zweiten Album zu Ende war und wir eine Auszeit in Dublin hatten, fühlte es sich an, als würden wir mit der Band an einem echten Scheideweg stehen. Wir haben angefangen, auf Tour zu gehen, als wir gerade aus der Schule kamen. Und ich habe das Gefühl, dass wir jetzt die große Chance hatten, zu entscheiden, wie unsere Zukunft aussehen soll. Oder zumindest sie ein bisschen klarer zu sehen. Wir haben uns einige große Fragen gestellt – was wir als Band wirklich wollen, wie wir klingen wollen. Und wir sind jetzt auch einfach andere Menschen. Wir sind definitiv auf eine Art erwachsener geworden. Ich denke das ist es, was ich meinte. Ich höre einfach neue Horizonte auf diesem Album. 

Neue Horizonte stehen euch auch live bevor: Eure bisher größte Tour durch Großbritannien, ein Auftritt in Dublin vor 20.000 Menschen und auch in Deutschland spielt ihr im Mai größere Venues als je zuvor. Wie wollt ihr eure Live-Show auf das nächste Level heben?

Elijah: Gute Frage! Salsa tanzen vielleicht (lacht).

Ryan McMahon: Und Röcke tragen. Im Ernst: Parallel zum promoten unseres Albums sind wir gerade dabei, die neue Show zu gestalten. Davon abgesehen ist es natürlich jedes Mal, wenn wir ein neues Album veröffentlicht haben und die Songs zum ersten Mal live präsentieren, so, dass das zwangsläufig etwas Neues und eine Fische mitbringt. Wir haben das Glück, dass wir jetzt schon öfter Leute getroffen haben, die uns mehrmals live gesehen haben und immer wieder zurückkommen. Ich denke das ist etwas, das wir nie ganz begreifen werden. Aber neue Songs zu spielen, verjüngt uns irgendwie – ein besseres Wort dafür fällt mir nicht ein. Und es sorgt dafür, dass wir jedes Mal länger spielen wollen. Es ist wie eine Wiederentdeckung von uns selbst.

Ihr kennt euch seit eurer Kindheit. Könnt ihr euch noch dran erinnern, wann ihr angefangen habt, zusammen Musik zu machen?

Ryan: Ja, sehr lebhaft!

Elijah: Du hast ein T-Shirt an von… War es Metallica oder Megadeth?

Ryan: Es war Led Zeppelin! Ich war einfach ein Kind mit langen Haaren, schiefen Zähnen, Zahnspange und Lederjacke, die ich nicht mal zum Schlafen ausziehen wollte…

Elijah: Ich sah wahrscheinlich ähnlich aus…

Ryan: Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ich dich gesehen habe. Du hattest eine gebrochene Hand, ebenfalls eine Zahnspange und sehr kurze Haare. Wir waren keine Augenweide, so viel ist sicher! Etwa einen Monat, nachdem wir auf die weiterführende Schule kamen, stellten Eli, ein Freund namens Sam, der immer noch zu unserem Freundeskreis gehört, und ich fest, dass wir dieselbe Musik mochten. Bands wie Black Sabbath oder Palma Violets hat sonst niemand gehört, die Leute haben sich nicht wirklich um Gitarren geschert – aber wir schon. Als wir dann herausfanden, dass jeder von uns ein Instrument spielt, haben wir uns getroffen und den ganzen Samstag Musik gemacht. Wir waren schlecht, wirklich richtig schlecht.

Elijah: Nicht nur an dem Samstag, sondern auch danach (lacht). 

Ryan: Ja, für den Rest unseres Lebens. Jeder Tag ist der erste Samstag (lacht). Aber es hat keine Rolle gespielt, dass wir noch nicht spielen konnten. Wir haben es einfach geliebt, die Verstärker aufzudrehen. Wir dachten Persönlichkeit ist besser als Perfektion – und wir hatten das Gefühl, dass wir davon etwas hatten. 

Wann habt ihr euer erstes Konzert gespielt?

Ryan: Unser erster Auftritt war in der Schule, als wir 14 waren. Wir haben „Smells Like Teen Spirit“ gecovert, den wir bis heute nicht mehr hören können… Den ersten bezahlten Auftritt hatten wir 2016, kurz nachdem Josh zur Band gestoßen war. Wir mussten die Tickets selber verkaufen und haben bei allen Werbung gemacht. Am Ende kamen vielleicht vier Leute und wir haben 20 Euro verdient. Aber diese 20 Euro waren sehr besonders für uns, weil das unsere erste Gage war!

Elijah: Ich erinnere mich aber daran, dass ich damals dachte, dass das nicht mal eines unserer Abendessen deckt…


Elijah, du bist praktisch Backstage und neben der Bühne aufgewachsen, denn dein Vater ist U2-Sänger Bono. Diese Größenordnung so hautnah mitzuerleben, macht einen das ehrgeizig?

Elijah: Als wir unsere ersten Auftritte hatten, habe ich mich gefragt: „Wo ist die Limousine? Und wo ist das Catering und all das?“ (Lacht) Ich hab’s immer noch nicht gefunden! Nein, ich glaub das hat uns definitiv hungrig gemacht. Es hat uns dazu gebracht, wirklich hart zu arbeiten, weil wir wussten, dass wir in einer sehr guten Position waren. Wenn man wie wir aus Irland kommt, muss man sich sowieso ein bisschen mehr anstrengen, weil die Leute nur nach einer Gelegenheit suchen, um einen zu vernichten. Also ja, ich würde sagen es hat uns dazu gebracht, sehr hart zu arbeiten!

Habt ihr Lampenfieber, bevor ihr auf die Bühne geht?

Ryan: Früher war das stärker als jetzt. Es hängt auch davon ab, was für einen Gig man spielt. Ich erinnere mich, dass wir bei unserer letzten Dublin-Show sehr nervös waren. Am nervösesten sind wir sowieso bei Shows in unserer Heimatstadt. Aber wir brennen einfach dafür, auf die Bühne zu gehen. Diese eineinhalb Stunden, die du dort stehst – das ist unser Job! Der Rest ist warten. Es zielt alles auf den Moment hin, in dem wir da rausgehen, die Verstärker aufdrehen und einfach loslegen. 

Habt ihr Rituale vor einer Show?

Ryan: Ich mache meine Aufwärmübungen. Und wir machen laute Musik an. Motörhead oder Queens of the Stone Age. Vielleicht trinken wir ein bisschen was. Aber wir machen keine Gruppengebete oder Meditation oder sowas in der Art. Die letzten zehn Minuten stehe ich auch gerne am Rand der Bühne. Kurz bevor wir anfangen zu sehen, wie das Licht ausgeht, das mag ich.

Elijah: Ich isoliere mich vor unseren Auftritten immer. Einfach, um mich ein bisschen in Stimmung zu bringen und Aufwärmübungen für meine Stimme zu machen. Das ist immer ein bisschen peinlich, deswegen habe ich irgendwann angefangen, das im Badezimmer zu machen. Hören kann mich natürlich meistens trotzdem jeder. Vor allem in kleineren Venues. Da hören dich dann wahrscheinlich sogar die Leute im Saal… Aber es muss gemacht werden.

Welche eurer bisherigen Shows werdet ihr nicht vergessen?

Ryan: Da gibt es mehrere. Eine, die für mich heraussticht, war als wir vor ein paar Jahren in Dublin an einem Ort namens Fairview Park gespielt haben. Zum damaligen Zeitpunkt war das die größte Show, die wir je gespielt haben. Und es war die erste Show in unserer Heimatstadt, die uns gezeigt hat, dass es dort Leute gibt, die uns wirklich den Rücken stärken. Sehr besonders war auch unsere Show im Vorprogramm von Harry Styles im Slane Castle 2023. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Menschen bei einem Konzert gesehen. Das war der Wahnsinn. Es waren so viele Leute dort, dass sie von der Bühne aus quasi ineinander verschmolzen sind.

Ihr habt in dem Jahr nicht nur Harry Styles supportet, sondern auch Pearl Jam und die Arctic Monkeys. Ist die Schnittmenge aus diesen drei Acts der Punkt, wo ihr euch musikalisch Zuhause fühlt? 

Ryan: Vielleicht. Diese drei Künstler sind ja so unterschiedlich, dass wir immer noch versuchen, einen Sinn darin zu erkennen, warum wir als Support für alle drei ausgewählt wurden. Aber wir werden ständig von so viel Musik beeinflusst, dass wir gar nicht anders können, als all diese verschiedenen Einflüsse in unser Tun einfließen zu lassen.

Elijah: Ich finde die eine Sache, die all diese Bands und Künstler, die wir supportet haben, verbindet, ist dass sie eine unglaubliche Verbindung zu ihren Fans haben. Besonders Harry Styles. Das Publikum war da wie elektrisiert. Das ist eine ganz andere Art von Energie. Es ist schwierig, sowas zu erreichen, aber diese drei Künstler haben es geschafft. Und genau das würden wir auch gerne erreichen: Dass unsere Musik die Menschen auf dieser Ebene mit uns verbindet.

Ganz gleich ob Stadion oder Club – Hauptsache es gibt diese Verbindung?

Elijah: Ja, genau. Aber je Leute mehr, desto besser natürlich. Wir sind auf jeden Fall ziemlich ehrgeizig, was das angeht. Und ich finde das ist auch in Ordnung. 

Ryan: Ich weiß noch bei den Pearl-Jam-Shows in Amerika, bei denen wir sie supportet haben – ich glaube, es waren fünf Shows an Orten, die total weit voneinander entfernt waren, aber es standen jeden Abend dieselben fünf Leute vor Eddies Mikrofon. Diese Art von Hingabe hat etwas Romantisches, finde ich.

Gibt es jemanden, mit dem ihr euch gerne mal die Bühne teilen würdet?

Elijah: Oh ja, da gibt es einige, die mir einfallen.

Ryan: Als ich gehört habe, dass Oasis wieder auf Tour gehen würden, war mein erster Gedanke es wäre so toll, einen Gig mit ihnen zu spielen. Aber dann dachte ich, nein – der Druck ist einfach zu groß!

Elijah: Wahrscheinlich kriegt man da eine Bier-Dusche… 

Ryan: Ja, die Leute, die da kommen, wollen einfach nur Oasis sehen!

Elijah: Irgendwann mal mit Paul McCartney zu spielen wäre großartig, oder mit den Rolling Stones. Eine dieser Legenden. Bruce Springsteen. Ich würde am liebsten einfach nur hinten auf der Bühne sitzen und Rhythmusgitarre oder so. Ganz leise.

Ab dem 2. Mai sind Inhaler im Rahmen ihrer „Open Wide World Tour“ live in Deutschland zu sehen. Termine und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.

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