Bild: Denisse Ariana Perez
Vielen ist Emilio Sakraya in erster Linie als Schauspieler bekannt: Im zarten Alter von neun Jahren stand er das erste Mal vor der Kamera. Sein Kinodebüt gab er 2010 in dem von Bushios Biographie inspirierten Film „Zeiten ändern dich“, zuletzt war er in dem Netflix-Action-Film „60 Minuten“ zu sehen. Mindestens genauso groß wie seine Liebe zum Schauspiel ist aber Emilios Leidenschaft für Musik, und so veröffentlichte er bereits 2016 seine erste Single „Down by the Lake“. Mit „Blessings“ ist gerade sein drittes Album erschienen, auf dem er anspruchvollen Pop mit Einflüssen aus R&B und HipHop zu einem ganz eigenen Sound verbindet. Bevor er damit im Mai auf Deutschlandtour geht, trafen wir den 27-Jährigen zum Interview und sprachen unter anderem über den Reiz der Konzertbühne, sein Blubberrohr und seine Teilnahme bei „Sing meinen Song“.
Emilio: Ja genau. „Blessings“ ist die Überschrift zu diesem Album, weil ich Erfahrungen grundsätzlich so einstufe, dass sie „Blessings“ sind – je nachdem, wie man mit ihnen umgeht und was man daraus lernt. Und ein Segen kann auch etwas sein, das erstmal schmerzhaft war. Man muss es vielleicht nur aus dem richtigen Winkel betrachten. Das ist so meine Grundeinstellung in den letzten zweieinhalb Jahren – und deswegen ist eigentlich alles ganz nice gerade.
Meine Grundeinstellung hat sich eigentlich nicht geändert, aber es hat sich trotzdem viel verändert. Ich trinke seit zwei Jahren keinen Alkohol mehr. Ich bin voll familiär geworden, arbeite sehr viel – wobei das schon immer so war. Aber ich bin viel bewusster und klarer in allem, was ich mache. Um es ganz plump zu sagen: Ich glaube ich bin einfach erwachsen geworden und habe angefangen, Verantwortung zu übernehmen für meine Sachen.
Tja, wo wollte ich hin? Ich weiß gar nicht, wo ich hinwollte. Dieses Album ist einfach dabei herausgekommen, als wir uns hingesetzt und angefangen haben. Und ich fand es gut so. Für mich ist das einfach Pop, guter deutscher Pop.
Bei mir war tatsächlich nichts zufällig, gar nichts. Das war alles sehr, sehr geplant, so wie es jetzt ist. Ich habe schon immer gerne Filme geguckt, Filme haben mich immer sehr gecatcht. Und ich wollte irgendwie Teil sein von dieser Welt, die Leute durch Filme in so eine Fantasiewelt zu bringen.
Die war tatsächlich schon immer da. Meine Mutter hat viel Musik gemacht, hat sich irgendwann ein Keyboard gekauft, aber nie benutzt – und dann habe ich es benutzt. Ich habe meine ersten Lieder gelernt, war in der Schulband. Wenn ich nicht in der Schule war, war ich entweder beim Sport oder habe Musik gemacht. Film kam zwar zuerst, aber die Leidenschaft für Musik war mindestens genauso groß und ich habe im jungen Alter mehr musiziert, als ich Filme gedreht habe. Ich habe nur früher angefangen, mit Filmen Geld zu verdienen.
Ich kann das gar nicht richtig beschreiben, ich mache das einfach sehr gern. Touren ist tatsächlich die dankbarste Arbeit, die ich mache. Man kriegt halt direktes Feedback und darf seine Kunst performen. Das ist schon sehr nice. Film hingegen ist manchmal auch anstrengend. Man ist ewig nicht zu Hause und es geht über sechs Monate, wenn nicht noch länger. Man muss echt viel ackern und wenn man fertig ist, dauert es oft nochmal ein Jahr oder so, bis der Film zu sehen ist. Touren macht einfach viel mehr Spaß.
Meine erste Tour mussten wir wegen Corona verschieben. Eigentlich sollten es nur so 150 Tickets pro Venue sein, weil es eine Clubtour war. Mit der Verschiebung wurden die Clubs dann viel größer und die erste Show, die ich gespielt habe, war dann in Hannover im Capitol. 2022 war das – und es war einfach nur geil.
Ich bin so schlecht darin, Sachen von früher zu erzählen, weil ich mich an nichts erinnern kann. Das ist gefühlt so lange her… Aber ich war auf jeden Fall nicht aufgeregt. Ich habe mich einfach nur gefreut, hatte Bock und bin auf die Bühne – und dann ging alles ganz schnell. Dann war die Show auch schon wieder vorbei. Es ist immer so, dass alles schneller vorbei ist, als man es realisieren kann. Aber es war sehr schön.
Ich habe jeden Tag irgendwelche Highlights, deswegen fällt es mir schwer, da eine Sache rauszupicken. Das ist so, als würde man jemanden in der Bibliothek fragen, auf welchem der 10.000 Bücher, die er gelesen hat, dieser eine Satz stand, der ihn besonders berührt hat. Wir sind halt einfach eine geile Travelparty. Ich mag mein Team und wir haben sehr viel Spaß zusammen. Und so eine Tour ist immer ein bisschen wie ein Traum. Es fühlt sich nicht real an, wenn man für 3 Wochen unterwegs ist, jeden Abend spielt, und dann geht es plötzlich wieder nach Hause.
Tatsächlich gar nicht. Mein Manager muss eher aufpassen, dass ich nicht schon auf die Bühne springe, bevor die Show losgeht! Mich stresst wenn dann eher das Drumherum Backstage, also was noch alles passiert und irgendwie geklärt werden muss, als die Show selbst. Aber eigentlich ist es nur geil. Es ist ein sehr surreales Gefühl, wenn man vor 5.000 Leuten steht, die alles mitsingen.
Es gibt total viele Idole, mit denen ich gerne auf der Bühne stehen würde. Aber ich finde die Frage zu beantworten irgendwie komisch. Wenn ich jetzt sage, ich würde gern mal mit Beyoncé auftreten, klingt das so… kindlich. Und das ist natürlich kein tatsächliches Ziel, das ich auf irgendeine Art und Weise verfolge. Aber klar wäre es geil, mit Justin Bieber, Daniel Caesar, Giveon oder Justin Timberlake auf der Bühne zu stehen. Oder eben Beyoncé. Einmal ein bisschen tanzen mit Beyoncé – nicht schlecht.
Voll viel! Meine Musikbox darf nicht fehlen, die Playstation darf nicht fehlen, mein Team darf natürlich nicht fehlen. Und mein Blubberrohr, um meine Stimme aufzuwärmen.
Ich weiß gerade den professionellen Begriff nicht. Das ist so eine Falsche, da kommt ein bisschen Wasser rein und ein Gummischlauch, und dann blubbert man einen Ton und macht die Stimme warm. Ich bin tatsächlich ein sehr vorbildlicher Künstler. Ich rauche und trinke nicht, sondern ich summe und blubbere, habe ganz viele Lutschpastillen und achte darauf, dass ich fit bin für die Show, damit alles richtig geil wird.
Am allermeisten vermisse ich meine Wohnung. Meine Couch. Mein Bett. Einfach Zuhause zu sein. Ich schlafe sehr schlecht in anderen Betten. Und im Tourbus kann ich gar nicht schlafen, weil der Bus fährt und alles so extrem wackelt.
Also in erster Linie haben wir das Bühnenbild aufgestockt, da passiert dieses Mal viel mehr. Und wir haben natürlich neue Songs dabei! Wir haben gerade die Setlist fertiggestellt und die ist echt geil, wie ich finde.
Ja, das war auf jeden Fall mit Abstand die wahrscheinlich beeindruckendste Erfahrung, die ich bisher gemacht hab. Das ist schon krass, wenn Leute deine Songs performen. Das ist jeden Abend wie eine Therapiestunde. Wir sind dadurch alle sehr enge Freunde geworden. Das passiert mir sehr selten. Also ich habe natürlich Freunde, aber die werden nicht mehr. Deswegen ist das etwas sehr Besonderes.
Ich habe letztes Jahr eine gigantische amerikanische Serie gedreht, zusammen mit Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner. Die kommt dieses Jahr raus. Das wird sehr geil. Und dann kommt noch was anderes sehr Geiles, worüber ich noch nicht sprechen darf. Aber ich bewege mich in einem nicht deutschen Bereich der Filmindustrie.
Ja wer weiß, nächstes Jahr sitzen wir alle zusammen hier.
Emilios „Blessings“-Tour startet am 12. Mai. Die Termine und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.