Bild: Robert Maschke
Seit Chris Tall mit seinem aktuellen Programm „LAUGH STORIES“ auf Tour ist, verkauft er eine Arena nach der nächsten aus. Im Juni erfüllt der Comedian sich nun einen lang gehegten Traum: Er tritt im Hamburger Volksparkstadion auf – also dem Stadion seines Lieblingsvereins. Im Interview verrät er nicht nur, was die Leute erwartet, sondern der 33-Jährige spricht auch über denkwürdige Bühnenmomente und Begegnungen, seine Vorbilder, lustige Heckler und seine Liebe zum Golfen.
Chris Tall: Ja, unglaublich. Die Vorfreude ist aber noch größer.
Das ist eine sehr gute Frage. Ich gebe zu, ich habe von Anfang an davon geträumt „groß“ zu spielen. Das Volksparkstadion kam in eben diesen Träumen auch vor, allerdings war es nie eine reale Option, weil ich dann doch ein ganz klein wenig Realitätssinn besitze (lacht). In meinem Kopf war tatsächlich die Barclays Arena in Hamburg realistisch, wenngleich ich immer dafür belächelt wurde. Als dieses Vorhaben wirklich Realität wurde, habe ich als HSV-Fan dann doch mal einen Blick auf die andere Straßenseite geworfen. Da stand unser „Wohnzimmer“ und ich dachte: „Jetzt oder nie. Einmal im Leben will ich das durchziehen“.
Mit 10 Jahren war ich das erste Mal im Stadion und schockverliebt. Die Stimmung, die Fans und das ganze Drumherum hat mich nachhaltig so sehr begeistert, dass ich Fan wurde. Bis heute habe ich es keine Sekunde bereut.
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine Show im Volksparkstadion für meine Fans und mich anders anfühlen wird als die anderen Shows. So ehrlich möchte ich sein. Darüber hinaus werde ich mir einige Überraschungen einfallen lassen, die diesen Abend für uns alle sehr besonders machen werden.
Das müssen andere entscheiden. Ich bin froh, dass ich das Geheimnis nicht kenne, weil dann die Gefahr bestünde, eine Parodie meiner selbst zu werden. Grundsätzlich hilft aber natürlich, viel live aufzutreten. Gerade am Anfang. Ich lerne auf jeden Fall immer noch dazu. Und Authentizität ist, glaube ich, in der heutigen Zeit auch ein wichtiger Schlüssel. Ich versuche, meinem Publikum ehrlich gegenüberzutreten und die Menschen scheinen das aktuell zu honorieren.
Selbstverständlich! Am 5. März 2011 beim Comedy Slam in Trier. Ein Wettbewerb für Newcomer. Ich bin verdammt stolz ins Finale gekommen und dann krachend gescheitert (lacht). Ich erinnere mich trotzdem immer wieder positiv zurück.
Tatsächlich nach meinem ersten Auftritt in Trier. Ich wollte es nur einmalig ausprobieren, auf der Bühne zu stehen und habe dort dann entschieden, den Weg des Comedians ernsthaft durchzuziehen. Als Kind habe ich zwar davon geträumt, aber die Entscheidung fiel final in Trier.
Da gibt es einige. Bei Özcan Cosar, Herr Schröder und Alain Frei findet man mich auf jeden Fall regelmäßig. Die Drei dürften von mir aus auch wöchentlich im Stadion auftreten. Auf der Bühne und menschlich sind alle Drei überragend.
Kommt ein Mann zur Wahrsagerin und setzt sich vor die Chris Tall Kugel. „Wie ich sehe, sind Sie Vater von zwei Kindern", sagt die Wahrsagerin. „Das glauben SIE!“, erwidert er. „Ich bin Vater von drei Kindern.“ Die Wahrsagerin lächelt und antwortet: „Das glauben SIE!"
Da könnte ich jetzt einen dreiseitigen Monolog halten, versuche es aber kurz: Live ist die Atmosphäre ganz anders greifbar für die Menschen. Und wenn mal etwas Unerwartetes oder auch Fehler passieren, kriegen die Zuschauerinnen und Zuschauer alles mit. Einer von 37.000 im Stadion zu sein, wird sicher bei den meisten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das macht den besonderen Reiz aus. Vielleicht trage ich ja auch noch einen kleinen Teil dazu bei.
Alle Shows in Hamburg habe ich anders im Herzen. Das bringen Heimspiele einfach so mit sich. In wirklich toller Erinnerung ist mir auch mein Auftritt in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen, heute die Rudolf Weber-Arena. Das war 2016 und wir haben dort meine erste DVD aufgezeichnet. Mensch, was hatte ich die Hosen voll! Aber das Publikum hat mich sowas von getragen.
Klar, gerade in der Anfangszeit ging ich oft baden. Die sogenannte Ochsentour über kleine Bühnen war somit essenziell für meine Entwicklung. Man lernt das Handwerk am besten auf die harte Tour. Einen Abend, an dem keiner gelacht hat, gab es zum Glück nie. Vielleicht habe ich es aber auch nur verdrängt.
Die verrückteste und schönste Begegnung hatte ich mit einem Rollstuhlfahrer in Kiel. Der hieß Cedrik. Er erzählte mir, er habe eine Spastik in beiden Beinen und im rechten Arm. Da sagte ich, dass das aber ziemlich heftig sei. Woraufhin er erwiderte: „Ja, und? Dann mache ich es mir halt mit links!“ Dafür bekam er zurecht für satte 5 Minuten Standing Ovation. Diesen Moment werde ich niemals vergessen, weil er auf ganz vielen Ebenen großartig war.
Wenn das Publikum lustig ist, kann es eine Show ja nur bereichern. Solange die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Grenzen kennen und andere nicht nerven, liebe ich es, mit ihnen zu interagieren. Zu lustig gibt es eigentlich nicht. Dass ich mit jemandem nicht fertig wurde, habe ich zum Glück noch nie erlebt.
Mittlerweile ja. Eine Stunde vor Showbeginn ziehe ich mich komplett zurück. Meistens lege ich mich circa 20 bis 30 Minuten hin, um meinen Körper komplett runterzufahren. Danach mache ich meistens etwas lautere Musik an, wasche mir mein Gesicht, ziehe mich um und bin bereit für die Show.
Mein Golfbag! Wenn das Wetter es zulässt, stehe ich meistens auf dem Golfplatz. Eine Runde dauert circa vier bis fünf Stunden und die gehören komplett mir. Ich kann mich in Ruhe meinem Sport widmen. Das ist im Grunde für mich wie eine Auszeit. Anschließend geht es in die Halle. Da dusche ich erstmal, dann wird gegessen. Meistens zocke ich noch eine Runde Fifa, bis eine Stunde vor Showstart. Was dann passiert, wisst ihr ja jetzt (lacht).
Eine regelmäßige Show im Fernsehen wäre schon wieder toll. Meine Late Night Show „Darf er das? LIVE“ wurde – aus mir nicht ersichtlichen Gründen – abgesetzt. Ich muss zugeben, dass dieser Stachel noch immer recht tief sitzt, wenngleich ich die Entscheidung natürlich akzeptiert habe. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, im TV eine etwas größere Rolle zu spielen als jetzt. Wer weiß…
Am 7. Juni tritt Chris Tall mit einem Programm „LAUGH STORIES“ im Hamburger Volksparkstadion auf. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Termine in anderen Städten. Alle Daten und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.