Bild: Marcel Brell
Von Peter Maffay über Tokio Hotel, Die Toten Hosen und Johannes Oerding bis zu den Scorpions – auf ihrem achten Album „Our Songs“ interpretiert Anastacia unterschiedliche Hits aus Deutschland in ihrer ganz eigenen Version. Was verbindet sie mit Deutschland? Ist das deutsche Publikum anders? Wir trafen die Amerikanerin, die Anfang des Jahrtausends mit „I’m Outta Love“ ihren Durchbruch feierte, zum Backstage-Interview. Dabei sprach sie auch über denkwürdige Bühnenmomente und ihre kommende Tour mit Peter Maffay.
Anastacia: Mein Produzent schlug vor, ein deutsches Cover-Album zu machen und zuerst dachte ich, das bedeute, dass ich auf deutsch singen soll. Ich liebte die Idee, aber ich sollte auf keinen Fall je auf Deutsch singen (lacht)! Als mir klar wurde, dass von englischsprachigen Versionen deutscher Künstler die Rede war, war ich zunächst skeptisch. Ich fragte mich, ob die Leute das wirklich brauchen. Englischsprachige Filme und Serien werden in Deutschland ja übersetzt, also warum sollte jemand deutsche Songs auf Englisch hören wollen?
Ich beschäftigte mich mit der Idee und dann kam ziemlich schnell Campino von den Toten Hosen ins Spiel. Er schickte mir seine Übersetzung von „An Tagen wie diesen“ und ich war überrascht, dass aus diesem deutschen Song plötzlich ein englischer geworden war. Es war genauso ein Hit, aber auf andere Weise und ich erkannte: Es ist möglich! „Best Days“ ist unglaublich! Den Song hätte ich genau so schreiben können, er spricht mir komplett aus dem Herzen. Das setzte meine kreativen Säfte frei und ich dachte: Wenn es bei diesem Song funktioniert, kann es auch bei anderen funktionieren. Deutsche Musik hat ja leider keinen großen Export. Keine Ahnung, warum, aber die Welt hört all diese tollen Songs nicht. Vielleicht kann ich das mit meinem Album ein Stück weit ändern.
Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass da von Anfang an eine starke Verbindung war. Ich mag zum Beispiel die direkte und präzise Art der Deutschen. Ich komme aus Chicago und lebe in New York, ich bin da ähnlich! Man sagt hey, wie geht’s, aber macht halt nicht viel Small Talk. Das hat nichts mit Unfreundlichkeit zu tun. Ich versuche übrigens bei meinen Touren immer kleine Nuancen zu lernen über jeden Ort, wo ich bin. Über die unterschiedlichen Regionen von Deutschland, ob es dort vielleicht einen anderen Slang gibt oder was auch immer.
Ich weiß nicht, ob sie anders sind. Leidenschaft haben die Leute in jedem Land, sie drückt sich nur vielleicht anders aus. Ich habe im Laufe der letzten 20 Jahre aber festgestellt, dass viel mehr Leute meine schlechten Witze verstehen (lacht). Meine Witze sind jeden Abend anders, weil ich einfach sage, was mir in den Sinn kommt. So bin ich halt. Und das coole ist – vielleicht durch das Internet oder so – dass Englisch inzwischen scheinbar noch besser verstanden wird.
Meinen ersten Auftritt hatte ich ziemlich sicher in einer TV-Show, denn bevor meine Tour losging, habe ich eine Menge Promo gemacht. Das erste richtige Konzert müsste dann Rock am Ring 2001 gewesen sein. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, denn wir verwendeten das Material später für das Musikvideo meiner vierten Single „Made For Lovin‘ You“. Es war so kalt und windig – ich weiß noch, wie mein Schal im Wind flatterte. Aber das Publikum war on fire und ich war überrascht, wie freundlich ich empfangen wurde. Ich war ein kleines Mädchen aus Amerika, das noch nie den Atlantik überquert hatte, und plötzlich standen da Leute und sangen meine Songs mit. Es gab mir so einen Kick zu sehen, wie Musik in ein anderes Land reisen und dort genauso geliebt werden kann. Ich habe das auch später nie als selbstverständlich betrachtet.
Nein, normalerweise nicht. Aber wenn ich mit anderen Künstlern auftrete, ist mir das schon einige Male passiert – gerade, wenn ich einen Song das erste Mal live singe.
Meine Mutter hat mich schon früh ermutigt, zu singen, weil sie wusste, dass ich es kann, dass ich den Funken habe. Sie war ja selbst Schauspielerin, mein Vater war Sänger – ein Crooner wie Frank Sinatra. Sie merkten früh, dass ich Talent habe. Wenn meine Mutter zu Auditions ging und mich dabei hatte, sagten die Leute oft, dass sie mich haben wollten! Sie hat mich also immer animiert, dass ich Musiktheater oder sowas mache. Aber das Ding ist, dass ich Auditions einfach nicht mochte. Wenn meine Mutter mir wieder von einer erzählte, ging ich irgendwann einfach nicht hin. Sie dachte anfangs noch, dass ich nicht genommen wurde, bis ihr irgendwann klar wurde, dass ich gar nicht da war. Ich hatte da einfach keinen Spaß dran! Das ist der Teil, den ich an diesem Geschäft bis heute nicht mag: Die Konkurrenz!
Das ist so eine Philosophie, die deinem Hirn einen Streich spielt, wenn es heißt „was, wenn du Nummer 2 bist?“. Aber was ist denn dann? Dann bist du halt Nummer 2! Ich mache Musik nicht, weil ich die Nummer 1 sein will, sondern weil ich es liebe. Und ich bin dankbar dafür, dass die Leute meine Musik mögen und ich das nach all den Jahren immer noch machen kann!
Ich mag es mir vorzustellen, dass mich niemand im Publikum je live gesehen hat. Es ist mein Job, diesen Leuten eine gute Show zu liefern. Klar sind da Leute, die Superfans sind, die ich immer wieder sehe, aber da sind auch Leute, die mich vielleicht zehn Jahre nicht oder noch nie gesehen haben. Die muss ich überzeugen! Ich will ihnen ein Erlebnis bieten. Deswegen bin ich auch immer sehr professionell. Wenn ich am nächsten Tag eine Show habe, gehe ich abends nicht aus. Das kann ich machen, wenn ich frei habe. Ich muss nicht auf irgendwelche Partys oder Eröffnungen, nur um fotografiert zu werden. So war ich nie drauf.
Da gibt es so viele! Ich habe mit so wundervollen Leuten wie Pavarotti, Elton John, Céline Dion, Jamiroquai, Paul McCartney oder Eros Ramazzotti gesungen, jetzt kam noch Peter Maffay dazu. All das sind Erinnerungen, die ich nie vergessen werde! Es war wirklich surreal. Elton Johns Musik habe ich gehört, als ich fünf war! Es ist echt irre, dass ich all das erleben durfte.
Bei der Night Of The Proms war ich vor einer Weile schon mal dabei und ich freue mich sehr, dass ich erneut dort auftreten darf. Was ich daran liebe ist zum einen die Vielfalt an Künstlern, die in der Show auftreten, und zum anderen die Möglichkeit, mit einem Orchester zu arbeiten und Versionen meiner Songs zu kreieren, die wie Soundtracks klingen. Was die Tour mit Peter Maffay betrifft – was die Leute da erwartet, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt selbst noch nicht! Wir sind noch ganz am Anfang der Vorbereitungen, aber ich bin sehr glücklich, dass Peter mich eingeladen hat.
Ganz ehrlich: Ich denke nie wirklich nach, was als nächstes kommt. Ich hätte zum Beispiel auch nie gedacht, dass ich mal ein Album mit Coverversionen deutscher Songs machen würde! Was immer als nächstes kommt, nehme ich an, sofern mein Bauchgefühl stimmt. Aber ich habe keine Bucketlist, die ich abarbeite.
Im Dezember tourt Anastacia im Rahmen der Night of The Proms durch Deutschland. 2024 ist sie Special Guest auf Peter Maffays Abschiedstournee. Tickets und Termine findet ihr mit einem Klick auf den Button.