FUSION 1977 – 2013
1977 fand unter der musikalischen Regie des Pianisten/Keyboarders Wolfgang Fiedler die Band FUSION zusammen, zunächst bestehend aus ehemaligen Mitgliedern der Klaus-Lenz-Band und jungen Nachwuchsmusikern wie z. B. Volker Schlott. Der Name FUSION war programmatisch gewählt – im Sinne der Zusammenführung unterschiedlichster Einflüsse aus Jazz, Rock, Blues und Pop, wobei Fiedler in geschlossen wirkenden Kompositionen und Arrangements den Raum zur Entfaltung der Individualität der beteiligten Musiker organisiert.
Aus einer Kritik von J. E. Berendt zum Jazzfestival Debrecen 1978 in der Zeitschrift Jazz Podium: „[...] Die Band spielt oft frei, aber ihre Kollektive – und auch die freien Electronic-Sounds, die sie verwendet – münden immer wieder in mitreißenden Jazz-Rock-Rhythmen. Für mich gehört die Begegnung mit Fusion zum Erfreulichsten am diesjährigen Debrecen-Festival.“
FUSION war nie etwas für Puristen. Tabus hinsichtlich Stilistik, Instrumentarium oder Spielweisen gab es keine. Gesangssolisten wie Regine Dobberschütz und Hansi Klemm waren zeitweilig dabei und Konzerte mit Blues-Repertoire und mit mehr oder weniger prominenten Gästen aus der Blues-Szene (z. B. Memphis Slim) gehörten ebenso ins Spektrum, wie die Integration von Musikern mit musikalischer Heimat im Free Jazz.
Seit den 1980er Jahren gab es FUSION nur noch zeitweilig, stärker dem Jazz zugewandt und in Besetzungen, die nur befristet und speziell für Tourneen oder zu bestimmte Anlässen zusammenfanden. Erwähnenswert wäre da z. B. eine 7-wöchige Tournee 1981 durch die Sowjetunion, in einer Besetzung und mit einem Programm, in dem auch Free Jazz eine wesentliche Rolle gespielt hat.
1984 gab es wieder einen komplett neuen Ansatz. Die junge Besetzung und das neue Repertoire standen nun unter dem Einfluss des 80er-Jahre-Synthesizer-Pop. Ein Auftritt auf der Jazzbühne Berlin 1986 sollte den endgültigen Abschluss des Projekts FUSION bilden, allerdings nur für ca. 17 Jahre, denn ...
2003 initiierte Volker Schlott eine Wiederbelebung des Projekts. Als einzige Konstante in den wechselnden Besetzungen von FUSION war er von Anfang an dabei. Auf einer Party zu Fiedlers 50. Geburtstag organisierte er ein kleines Konzert mit ein paar Arrangements und in annähernd der Besetzung von 1986. Aber eine nostalgische Wiederbelebung der „alten“ FUSION war zu der Zeit nicht mit Fiedlers Vorstellungen von einem zeitgemäßen Live-Projekt vereinbar. Ohne den Retro-Gedanken gänzlich zu verleugnen, musste zumindest ein neuer Name und ein aktualisiertes Repertoire her. So wurde aus dem provisorischen Namen FBO (Fusion Birthday Orchestra) ~TEMP (abgeleitet von temporär). Unter diesem Namen gab es im Jahr 2003 ein paar Konzerte und einen Mitschnitt durch den rbb (Kulturradio).
2013 – nach weiteren 10 Jahren – ist es wieder Volker Schlott, der zu einer erneuten Runde FUSION aufruft. Nunmehr, ca. 36 Jahre seit dem erstmaligen Erscheinen dieses Projekts, liegt der Gedanke an eine Retrospektive näher denn je. Aber abgesehen vom Namen – nun wieder FUSION – findet man Hinweise darauf vor allem in der Präsentation dieses Namens – genauer: in dem Design, das 1984 von R. Görß für ein FUSION-Poster kreiert wurde. Darüber hinaus dürfte schon allein die aktuelle Besetzung einen Hinweis darauf geben, dass man neben einer Rückbesinnung auch viel musikalische Innovation erwarten darf.