Kabarett

Kabarett – Pointiert, politisch, gesellschaftskritisch

Als Kleinkunstform ist Kabarett ebenso beliebt wie bissig. Kabarettisten und Satiriker knüpfen sich bevorzugt Themen des öffentlichen und politischen Lebens vor und kreiden Missstände mit schneidendem Humor an. Obwohl es längst das Fernsehen erobert, genießt man Kabarett am besten auf die klassische Art: in einem Kabaretthaus oder Kleinkunsttheater.

Kabarett kommt nicht aus der Mode, denn es geht mit der Zeit. Doch was bedeutet Kabarett eigentlich? Das eingedeutschte Wort geht auf das französische „cabaret“ zurück, was so viel wie Kneipe bedeutet. Grund dafür: In der frühen Form des französischen Kabaretts ist es üblich, dass Kabarettisten bei „café-concerts“ – also Café-Konzerten – auftreten, während das Publikum isst und trinkt.

Ein Chamäleon namens Kabarett

Kabarett lässt sich nicht auf ein Erscheinungsbild festlegen. Zum Repertoire von Kabarettisten und Satirikern gehören Sketche, Musik, Parodien, Pantomime, Stand-up-Comedy sowie Schauspiel- und Theatereinlagen. In TV-Shows sind die Stilmittel sogar noch vielfältiger. So verschieden die Erscheinungsformen jedoch sind, Kabarett ist und bleibt humoristisch-unterhaltender politischer Kommentar und zur Kunst erhobene Gesellschaftskritik.

Das zeitgenössische Kabarett ist vielen aus bekannten TV-Sendungen wie „Neues aus der Anstalt“ oder „Mitternachtsspitzen“ bekannt. Auch Sendungen wie „Extra 3“ und die „heute-show“ des ZDF lassen sich zum Kabarett zählen. Da die Grenzen zwischen Comedy und Kabarett heutzutage fließend sind, finden sich unter heutigen prominenten Comedians unweigerlich auch Kabarettisten und Kabarettistinnen.

Bekannte deutsche Kabarettbühnen

Obwohl sie täglich im Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu hören oder sehen sind, geht nichts über das Erlebnis, Kabarett und Satire live auf der Kleinkunstbühne zu sehen. In Deutschland treten die Künstlerinnen und Künstler sowohl solo als auch als Teil fester Ensembles von Kleinkunsttheatern auf und ziehen mit ihren Shows zahlreiche Zuschauer an.

Zu den bekanntesten Kabarettbühnen Deutschlands zählen:

  • Die Wühlmäuse (Berlin)
  • Die Stachelschweine (Berlin)
  • Die Distel (Berlin)
  • Leipziger Pfeffermühle
  • Pantheon-Theater (Bonn)
  • Nürnberger Burgtheater

Eine kurze Geschichte des Kabaretts

Die Keimzelle des modernen Kabaretts findet sich im berüchtigten Pariser Künstler-Café „Le Chat Noir“. Gegründet von Rudolphe Salis, treffen sich hier Künstler, Schauspieler und Sänger von 1881 bis 1897, um Gäste mit kunstvoller Gesellschaftskritik zu unterhalten und neue Ideen unter Gleichgesinnten auszutesten.

Die Anfänge des deutschen und österreichischen Kabaretts liegen im Jahr 1901. Fast zeitgleich eröffnen das Berliner Kabarett Überbrettl und das Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin. Beide bestehen kaum länger als ein Jahr. Grund ist in Deutschland die strenge Zensur des Kaiserreichs. Erst nach Ende des Ersten Weltkriegs beginnt die Blütezeit des deutschen Kabaretts.

Zu wichtigen deutschen Kabarett-Künstlern und -Künstlerinnen der Zwischenkriegszeit zählen Claire Waldoff, Isa Vermehren, Erika und Klaus Mann, Kurt Tucholsky und Erich Kästner. Legendäre Kabarettbühnen der Goldenen Zwanziger sind Die Pfeffermühle, Die Katakombe und Wien-München. Mit Machtergreifung der Nationalsozialisten gerät das Kabarett zunehmend unter Druck. Viele Vertreterinnen und Vertreter dieser Kunstform fliehen, gehen in den Untergrund, werden inhaftiert oder begehen gar Selbstmord.

In der Nachkriegszeit erobert die Kleinkunstform wieder die Bühnen. Sowohl in West- als auch Ost-Deutschland entstehen neue Kabaretts – im Osten stets mit Blick auf die staatliche Zensur, im Westen deutlich entfesselter mit Witzen am Puls der Zeit. Vor allem Satire spielt ab 1950 eine zentrale Rolle. Auch große Kabarett-Ensembles wie die Berliner Wühlmäuse (ab 1966) oder TV-Programme wie Dieter Hildebrandts „Notizen aus der Provinz“ üben prägenden Einfluss.

Obwohl der Aufstieg der Comedy und des Privatfernsehens in den 1990ern alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist und bleibt Kabarett mit seinem Gespür für Zeitgeist und politische Streitthemen ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Kulturlandschaft.

Auch heute finden sich in vielen deutschen Städten Kabarettbühnen mit regelmäßigen Auftritten von gestandenen Kabarettisten und Nachwuchskünstlern. Tickets für einen Abend im Kabarett-Theater lassen Zuschauer und Zuschauerinnen live dabei sein, wenn die Pointen genau da landen, wo es weh tut: zwischen Zwerchfell und Intellekt.