Simple Minds sind eine 1978 in Glasgow gegründete schottische Musikgruppe und eine der erfolgreichsten Bands der 1980er und 1990er Jahre. Ab Mitte der 1980er bis in die frühen 1990er Jahre platzierten sie fünf Langspielplatten und eine Single auf Platz 1 der Hitparade in Großbritannien, eine weitere Single in den USA.
Die Band hat seit 1979 unter verschiedenen Plattenlabeln über 30 Millionen Tonträger verkauft.
Die Gründungsmitglieder, der Sänger Jim Kerr und der Gitarrist Charlie
Burchill, sowie Schlagzeuger Mel Gaynor und Bassist Eddie Duffy bilden
die aktuelle Besetzung der Band.
Bandgeschichte
Anfänge
Die Anfänge der Gruppe liegen 1975-1976 in der Coverband Biba-Rom!. Die
Schulfreunde Jim Kerr, Charlie Burchill, Brian McGee und weitere Musiker
spielten Songs von Patti Smith, Cockney Rebel, David Bowie und Lou
Reed.
Im April 1977 startete die Gruppe in leicht veränderter Besetzung unter
dem Namen Johnny and the self Abusers als Punkband. Nach nur einer
Single (Saints and Sinners/Dead Vandals) löste sich die Gruppe im
November 1977, wegen interner Querelen, wieder auf.
1978 starteten Jim Kerr (Gesang), Charlie Burchill (Gitarre), Brian
McGee (Schlagzeug) und Tony Donald (Bass) dann unter dem Namen Simple
Minds. Den Namen entlehnte die Band einer Textzeile des
David-Bowie-Songs The Jean Genie („He’s So Simple Minded He Can’t Drive
His Module“). Im März 1978 stieß Keyboarder Michael MacNeil zu der Band,
im Mai 1978 verließ sie Bassist Tony Donald. Für Demoaufnahmen nahm die
Band den Gitarristen Derek Forbes von der aufgelösten Band Subhumans als
Bassisten mit ins Studio. Derek Forbes, der eigentlich als Leadgitarrist
weitermachen wollte, wurde während der Arbeit an den Demos die Gitarre
gestohlen, und so fragte er die Band, ob er als Bassist bleiben
könne.
Somit hatte sich Mitte 1978 die Formation gefunden, die ab 1979
Schallplatten veröffentlichen würde und den Welterfolg der Simple Minds
begründete.
Im November 1978 unterschrieben sie ihren ersten Plattenvertrag bei
Bruce Findlay's Zoom Records.
1979 wurde im Februar mit Life in a Day das erste Album aufgenommen, im
März die Single Life in a Day und im April die LP Life in a Day
veröffentlicht.
Nach dem ersten Album, dessen Klang noch stark vom Punk beeinflusst war,
kamen die beiden nächsten Alben nicht so gut an. Real to Real Cacophony,
das zweite Album, veröffentlicht im November 1979, ist eine völlige
Abkehr vom Punk und klingt vergleichsweise experimentell. Beim dritten
Album, veröffentlicht im September 1980, Empires and Dance, versuchte
die Band einen eher tanzbaren Sound zu schaffen; der Rhythmus steht klar
im Vordergrund. Obwohl die Kritik positiv war, verkauften sich die Alben
und die Singles schlecht. Die Plattenfirma Arista Records zeigte sich
skeptisch und weigerte sich zunächst, die Platte überhaupt zu pressen.
Der Ärger ging so weit, dass die Band kurz vor der Trennung stand. Als
sich kurz darauf Peter Gabriel als Anhänger der Simple Minds bekannte
und diese mit auf Tour nahm, war klar, dass es weiter gehen konnte.
Die Simple Minds waren finanziell ziemlich am Ende, als sie im Herbst
1980 mit der Empire-And-Dance-Tour als Vorgruppe von Peter Gabriel auf
Europatournee gingen. Die Tournee verschaffte der Gruppe zwar einen
Popularitätsschub, der die Frustration über die Plattenfirma jedoch
nicht mildern konnte. Man trennte sich Anfang 1981 und Arista willigte
ein, den Vertrag zu lösen, wobei die Rechte an den Alben aber bei dem
Label blieben. Die Band unterschrieb einen neuen Vertrag bei Virgin
Records.
Erste Erfolge
In den folgenden Jahren veröffentlichte die Band mehrere Alben mit
stetig wachsendem Erfolg. Ihr Klang veränderte sich in dieser Zeit sehr
stark von New Wave hin zu Rock/Pop. Im Frühjahr/Sommer 1981 nahm sie das
Album Sons And Fascination und das limitierte Bonusalbum Sister Feelings
Call auf. Ein Sampler aus beiden Alben, Sons And Fascination/Sister
Feelings Call, kam auf Platz 11 der Hitparade in Großbritannien und
hatte Erfolg auf dem internationalen Markt, insbesondere in Kanada und
Australien: In beiden Ländern wurde die Single-Auskopplung Love Song zum
Top-20-Hit.
Durch den Stress der letzten Tour und den chaotischen
Aufnahmebedingungen bei den Alben sah sich Brian McGee im Juli 1981
veranlasst die Band zu verlassen. Kenny Hyslop wurde für die folgende
Sons-And-Fascination-Tour sein Nachfolger am Schlagzeug.
New Gold Dream (81, 82, 83, 84) aus dem Jahre 1982 erreichte dann in den
UK-Charts Platz 3. Die Singleauskopplungen Promised You a Miracle und
Glittering Prize wurden ebenfalls Hits, und Jim Kerrs Texte kombiniert
mit einem neuen, euphorischen Sound waren an der vordersten Reihe des so
genannten „New Optimism“, neben U2 und später Big Country und anderen
Bands. Neben Kenny Hyslop spielte auf diesem Album noch Mike Olgetree
und Mel Gaynor Schlagzeug, wobei Mel Gaynor dann festes Bandmitglied
wurde und mit auf die folgende Tour ging, welche auch das ganze Jahr
1983 umfasste.
Sparkle In The Rain aus dem Jahr 1984 brachte dank des Produzenten Steve
Lillywhite einen größeren Sound und das Album auf Platz 1 der UK-Charts.
Waterfront, Up On The Catwalk und Speed Your Love To Me wurden Hits.
Simple Minds hatten nun eine Fangemeinde, die dafür sorgte, dass ihre
Tourneen in Europa, Kanada und Australien gut besucht waren und auf
große Begeisterung stießen. In den USA blieben sie eher unbekannt:
Anstatt dort als Headliner zu spielen, waren sie im Vorprogramm der
Pretenders zu sehen.
Internationaler Durchbruch
1985 gelang den Simple Minds mit der Single Don't You (Forget About Me)
aus dem Film Der Frühstücksclub, die sich zu einem internationalen
Erfolg entwickelte, der Durchbruch. Bassist Derek Forbes verließ nach
den Aufnahmen des Titels die Band und wurde durch John Giblin ersetzt.
Am 13. Juli 1985 traten sie beim Live-Aid-Konzert im
John-F.-Kennedy-Stadium in Philadelphia auf.
Im Herbst 1985 folgte das Album Once Upon A Time, in dem die Band ihr
politisches Engagement (vor allem für Amnesty International) in den
Vordergrund stellte. Das Album erreichte ebenfalls Platz 1 der
UK-Charts, die Singleauskopplungen Alive & Kicking, Sanctify Yourself
und All the Things She Said erreichten hohe Positionen in den Charts.
Einnahmen der folgenden Once-Upon-The-Time-Tour wurden an Amnesty
International gespendet.
Mit dem folgenden, live in Paris aufgenommenen Doppelalbum Live In the
City of Light, aus dem Jahr 1987, gelang der Band das dritte Album in
Folge auf Platz 1 der UK-Charts. Im schottischen Loch Earn wurde das
bandeigene Bonnie-Wee-Studio eingerichtet.
Am 11. Juni 1988 spielten die Simple Minds auf dem Nelson Mandela 70th
Birthday Tribute Concert, wofür der Titel Mandela Day komponiert und
uraufgeführt wurde. Es folgte ein Auftritt bei der
Artists-Against-Apartheid-Rally in Londoner Hyde Park.
Mit dem wieder auf Platz 1 der UK-Charts platzierten, mit stark
politisch gefärbten Texten versehenen, 1989 erschienen Album Street
Fighting Years, waren die Simple Minds auf dem Höhepunkt ihres Erfolges.
Mit ihrem Lied Belfast Child über den Nordirlandkonflikt erreichten sie
in Großbritannien Platz 1 in den Single-Charts. Wie U2 nutzten sie ihren
Erfolg nun immer wieder, um auf soziale Missstände oder politische
Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Bassist John Giblin wurde von
Malcom Forster von den Pretenders ersetzt. Nach der
Street-Fighting-Years-Tour nahm sich Mick MacNeil eine Pause von der
Band, sollte aber nie mehr zu ihr zurückkehren.
Die 90er Jahre
Mit Jim Kerr und Charlie Burchill verblieben nur noch zwei
Stammmitglieder in der Band und in den folgenden Jahren fand ein
ständiger Wechsel der weiteren Besetzung statt.
1990 begann mit dem Nelson Mandela Freedom Concert, auf dem Peter
Vetesse das erste Mal bei den Simple Minds die Keyboards spielte. Im
Herbst wurde das Themes Boxes Projekt mit der Veröffentlichung der
Themes Boxes Volume One bis Volume Four gestartet, dann aber erst 2008
mit der Veröffentlichung der Themes Box Volume Five beendet.
Es folgte 1991 mit Real Life ein weiteres, mit Platz 2 in den UK-Charts,
oben platziertes Album, aus dem die Singles Let There Be Love, See The
Light und Real Life ausgekoppelt wurden. Der 1992 erschienene Sampler
Glittering Prize 81/92 schaffte dann wieder den Sprung auf Platz 1 der
UK-Charts.
Mit dem 1995 veröffentlichten Album Good News From The Next World, mit
den Singles She's A River und Hypnotised, auf Platz 2 der UK-Charts ging
die Zeit der Top-Platzierungen für die Band zu Ende. Die nachfolgenden
Alben erreichten nicht mehr die Popularität der LPs aus den 80er Jahren.
Trotz teilweise ausgedehnter Tourneen 1991 und 1995 gelang es nicht, an
alte Erfolge anzuknüpfen. Ein erneuter Wechsel der Plattenfirma (von
Virgin/EMI zu Chrysalis/EMI) folgte 1996.
1997 traten Jim Kerr und Charlie Burchill das erste Mal bei den Night of
the Proms auf und der Sampler The Promised wird zu diesem Anlass
herausgebracht.
Das vergleichsweise elektronische Album Neapolis, für das die Band nur
sehr wenig Konzerte gab, folgte 1998. Eine wieder neu zusammengestellte
Formation spielte dann 1999 das Album Our Secrets Are The Same ein,
welches aber erst 2004 veröffentlicht werden sollte.
Nach 2000
Nachdem Chrysalis/EMI das bereits aufgenommenes Album (Our Secrets Are
The Same) nicht veröffentlichen wollte und immer wieder neue Termine
bekannt gab, wechselten Simple Minds das Plattenlabel und
unterzeichneten bei Eagle Records. Hier erschien 2001 zunächst Neon
Lights, ein Album mit Cover-Versionen bekannter Rocksongs, und
schließlich 2002 mit Cry ein weiteres Studioalbum mit Originalmaterial,
für das die Band ausgiebig in Europa und den USA auf Tournee ging.
Virgin Records brachte 2001 das Doppelalbum The Best Of Simple Minds auf
den Markt.
Für das Jahr 2003 wurde wieder die Veröffentlichung von Our Secrets Are
The Same angekündigt, aber erneut nach hinten verschoben. Im Oktober
2004 war es dann endlich soweit, unter Virgin Records erschien, lange
angekündigt, das Album als CD 5 des Samplers Silver Box, welches vier
weitere CDs mit Demos, Live-Stücken und Radio-Sessions der Jahre 1979
bis 1995 enthielt.
Im Frühjahr 2005 gab die Gruppe auf ihrer Website bekannt, dass sie beim
Label Sanctuary Records unterschrieben hatte. Das Album Black & White
050505 erschien am 12. September 2005. Als erste Single-Auskoppelung
erschien Home, das in Großbritannien Platz 41 und in Deutschland Platz
53 erreichte. Das Album verkaufte sich am besten in Belgien (Platz 3),
Italien (Platz 6) sowie in Deutschland (Platz 6).
Mit über 60 Konzerten in Europa, Asien, Neuseeland und Australien befand
sich die Band von Ende Januar bis August 2006 auf Tournee. Im Frühjahr
2007 spielten die Simple Minds eine kurze Tour mit INXS in Australien.
Im April sowie im Herbst 2008 gaben Jim Kerr und Charlie Burchill einige
Konzerte im Rahmen der Night of the Proms.
Im Frühjahr 2008 gab es Pläne für eine Reunion in der Originalbesetzung
mit Jim Kerr, Charlie Burchill, Mick MacNeil, Derek Forbes und Brian
McGee. Es wurden Studios gebucht doch schon nach kurzer Zeit scheiterte
der Versuch an unüberbrückbaren Differenzen der Bandmitglieder. Ende
November bis Anfang Dezember feierten die Simple Minds ihr 30-jähriges
Bestehen mit einigen Shows in Großbritannien. Als Kern der Show spielte
die Band ihr Album New Gold Dream aus dem Jahr 1982 erstmals komplett
live.
Am 25. Mai 2009 erschien das neue Album Graffiti Soul in zwei Versionen.
Neben dem Standard-Album gibt es ein zusätzliches Doppelalbum mit
Coverversionen bekannter Songs. Ab dem Herbst 2009 ist die Band wieder
auf Tournee, der Graffiti-Soul-Tour-2009, durch zahlreiche europäische
Länder.
Sonstiges
1985 heiratete Kerr Chrissie Hynde, Sängerin der Pretenders. Mit ihr hat
er eine gemeinsame Tochter, die 1985 zur Welt kam. Die Scheidung wurde
fünf Jahre später eingereicht. Die zweite Ehe mit Patsy Kensit wurde
ebenfalls geschieden.
Die Simple Minds hatten in Schottland ein eigenes Aufnahmestudio, (Bonny
Wee Studios), dieses wurde nach den Aufnahmen für Neapolis im Jahr 1999
verkauft und in ein Wohnhaus umgebaut.
Die Lieder von den Simple Minds dienen als Hintergrundmusik für die
Werbespots der Krombacher Brauerei. Von 2000 bis 2010 wurde das Lied
"Belfast Child" verwendet, seit Sommer 2010 wird Gitarren-Riff von
"Stars will lead the way" verwendet.
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