„It Ain’t Over ’til It’s Over“, „Are You Gonna Go My Way“, „Fly Away“, „Again“, „I’ll Be Waiting“ – die Liste an Lenny-Kravitz-Hits ist lang und umspannt rund 35 Jahre Musikgeschichte. Denn genau die hat der Sänger, Musiker und Songwriter mit Alben wie „Mama Said“, „Are You Gonna Go My Way“, „5“ sowie dem 2024er-Release „Blue Electric Light“ geschrieben. Inspiriert von der Musik der Sechziger- und Siebzigerjahre und zwischen Rock, Funk, Soul und R&B pendelnd, macht der vierfache Grammy-Gewinner seit jeher sein eigenes Ding. Überdies ist Lenny Kravitz nicht nur Multiinstrumentalist – seine weiteren Aktivitäten als Produzent und Schauspieler machen ihn auch zum Multitalent. Als wäre das alles nicht genug, ist er obendrein eine an Coolness kaum zu überbietende Stilikone, der man ihr Alter – Lenny Kravitz feierte 2024 seinen sechzigsten Geburtstag – weder ansieht noch anmerkt.
Kindheit, musikalische Anfänge und das Debütalbum „Let Love Rule“
Von nichts kommt nichts – Lenny Albert Kravitz hat sich seinen Ruhm nicht nur durch herausragendes Talent verdient, sondern mit Disziplin und Zielstrebigkeit erarbeitet. 1964 in Brooklyn, New York geboren, trommelt er schon als kleiner Junge auf Töpfen und träumt davon einmal Musiker zu werden. Unterstützung erfährt er dabei von seinen Eltern. Seine Mutter ist die Schauspielerin Roxie Roker, eine Afro-Amerikanerin mit bahamesischen Wurzeln; sein Vater Seymour Kravitz, ein ukrainisch-jüdischer TV-Produzent. Schon früh nehmen die beiden ihren Sprössling mit auf Konzerte, etwa der Jackson 5. Geprägt durch den elterlichen Musikgeschmack, wächst Lenny Kravitz zunächst mit Klassik, Jazz, Blues, R&B und Gospelmusik auf. Mit Rockmusik von The Beatles über Led Zeppelin bis Kiss kommt er erst in Berührung, nachdem die Familie Mitte der Siebzigerjahre nach Los Angeles zieht. Dort singt Kravitz im California Boys Choir und besucht die bekannte Beverly Hills High School gemeinsam mit anderen zukünftigen Stars.
Nachdem Lenny Kravitz als Kind bereits Schlagzeug und Gitarre gelernt hat, bringt er sich in L. A. Klavier und Bass spielen bei. Dank Vorbildern wie Prince, mit dem er später einige Zeit verbringen wird, nimmt das Vorhaben, Musiker zu werden noch während der Schulzeit konkretere Formen an. Um in der Musikwelt Fuß zu fassen, nimmt er erste Tapes auf und legt sich den Künstlernamen Romeo Blue zu. Doch bei den Labels blitzt er mit seinem Stilmix zunächst ab – den einen ist seine Musik nicht schwarz, den anderen nicht weiß genug. Unbeirrt davon, geht Lenny Kravitz mit seiner zukünftigen Frau, der Schauspielerin Lisa Bonet, zurück nach New York. Dort lernt er den Toningenieur und Musiker Henry Hirsch kennen – der Beginn einer langen Zusammenarbeit. Mit ihm nimmt er die Songs für das Album „Let Love Rule“ in Eigenregie auf. Diese wecken schließlich doch das Interesse einiger Labels: 1989 erscheint „Let Love Rule“ bei Virgin Records – gut zehn Monate nach der Geburt seiner Tochter Zoë Kravitz.
Lenny Kravitz’ Weg nach oben
Der Karriere-Grundstein ist damit gelegt, doch der Durchbruch erfolgt 1991 mit dem zweiten Album „Mama Said“. Darauf enthalten sind der erste Hit „It Ain’t Over ’til It’s Over“ sowie die Single „Always on the Run“ featuring Slash, der zusammen mit Lenny Kravitz die High School in L. A. besuchte. Das Album entstand nach der Trennung von Lisa Bonet, die Gerüchten zufolge mit einer angeblichen Affäre zwischen Kravitz und Madonna im Zuge der Zusammenarbeit an Madonnas „Justify My Love“ zusammenhing. Mit seinem nächsten Album, „Are You Gonna Go My Way“, kann Lenny Kravitz die Verkaufszahlen von „Mama Said“ noch um einiges toppen. Nachdem das nächste Werk „Circus“ nicht ganz an den Erfolg der beiden Vorgänger anknüpfen kann, landet er 1998 mit dem schlicht „5“ betitelten fünften Longplayer einen Volltreffer inklusive mehrfacher Gold- und Platinauszeichnungen. Größter Hit des Albums ist der Ohrwurm „Fly Away“.
„Greatest Hits“ und weitere Alben bis „Blue Electric Light“
Im Jahr 2000 hat Lenny Kravitz genügend Hits für ein „Greatest Hits“-Album angesammelt. Die Kompilation entwickelt sich zum Bestseller. Ein Jahr später erscheint mit „Lenny“ das nächste Studioalbum, das erneut ein voller Erfolg wird. Ebenfalls 2001 gibt er sein Schauspieldebüt in „Zoolander“, worauf diverse Rollen folgen, darunter „Die Tribute von Panem“ (2012) und „Shotgun Wedding – Ein knallhartes Team“ (2024). Lenny Kravitz’ Energie und Kreativität scheinen unerschöpflich. So veröffentlicht er zwischen 2004 und 2018 fünf weitere Alben: „Baptism“, „It Is Time for a Love Revolution“, „Black and White America“, „Strut“ und „Raise Vibration“. Fast sechs Jahre später, am 24. Mai 2024 – zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag – präsentiert Lenny Kravitz sein 12. Studioalbum „Blue Electric Light“. Natürlich muss er sich als Künstler längst nicht mehr beweisen, dennoch stellt der Megastar einmal mehr fest, dass er auch mehr als drei Jahrzehnte nach „Mama Said“ und „Are You Gonna Go My Way“ nichts an Relevanz eingebüßt hat.
Ein neues Album verlangt nach einer Tour und so zeigt Lenny Kravitz im Rahmen seiner „Blue Electric Light Tour“, die ihn 2024 und 2025 unter anderem nach Deutschland führt, erneut, dass er auch in Sachen Live-Performance zur ersten Riege der internationalen Top-Musiker gehört.