Als er ins Rap-Game einsteigt, ist er noch ein Kind: Im Alter von 12 Jahren mischt Brown-Eyes White Boy bereits unter seinem damaligen Alias „Gr1mer“ mit. Ein Jahr später, 2016, löst „dieser kleine Junge“ mit „Alles Mango“ und „Messer raus“ von seinem (Mini-)Album „Vibes“ einen gar nicht mal so kleinen Underground-Hype aus. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er für „Messer raus“ ein Trettmann-Feature an Land zieht. So ist der Österreicher Bestandteil der SoundCloud-Ära, als er gerade eben ein Teenager ist. Seitdem ist viel passiert. Nach dem Höhenflug kam der Fall und Aufs und Abs ziehen sich bis heute durch das Leben und Schaffen des immer noch jungen Rappers. Inzwischen jedoch hat Brown-Eyes White Boy nicht nur einen festen Platz in der Wiener Szene gefunden, sondern macht mit Tracks der Sorte „Ikarus“ und Alben wie „Metanarkose“ auch in Deutschland von sich reden.
Brown-Eyes White Boy wächst in Salzburg auf und zieht erst mit Eintritt der Volljährigkeit in die österreichische Hauptstadt. Lange Zeit ist nicht klar, wer genau sich hinter dem Pseudonym verbirgt – sein Gesicht hält er bewusst aus der Öffentlichkeit heraus. Seine Eltern wissen zwar, dass ihr Sprössling im Kinderzimmer Musik produziert, ahnen jedoch nicht, dass er diese online veröffentlicht. Dem Hype, den „Alles Mango“ und der Trettmann-Remix von „Messer raus 2.0“ auslösen, tut dies jedoch keinerlei Abbruch. Im Gegenteil: Sein junges Alter rückt den Newcomer noch weiter in den Fokus. Neben Trettmann hatte Yung Hurn Interesse an einem Remix angemeldet und auch Ufo 361 bekundet seinen Respekt für den damals 13-Jährigen. Außerdem wird er in die Berg Money Gang aufgenommen. In der Schule fristet er trotz allem ein Außenseiterdasein. Zudem lässt der fulminante Start mit dem ersten Album „Vibes“ Brown-Eyes White Boy nicht nur überwältigt, sondern gleichermaßen überfordert zurück. Als der Nachwuchsrapper 2017 die EP „Hab kein passenden Titel gefunden“ herausbringt, nehmen davon weit weniger Leute Notiz als von „Vibes“. Eine Weile scheint es fast so, als sei Brown-Eyes White Boy von der Bildfläche verschwunden. Dass er ein Geheimnis aus seiner Identität macht und auf einschlägigen Plattformen nicht öffentlich auftritt, macht es Interessierten nicht gerade leichter, ihn zu finden.
Brown-Eyes White Boys Entwicklung von „Bubblegum Dreams“ bis „Metanarkose“
Wenn man als so junger Künstler einen Hype auslöst und dieser dann abebbt, weckt das natürlich Zweifel. Bei Brown-Eyes White Boy gingen diese mit depressiven Phasen und dem Konsum von Substanzen einher. Sicher waren daran noch weitere Faktoren beteiligt, doch die frühe Erfolgswelle hat ihre Spuren hinterlassen. Daran weiter Musik zu machen, hindert ihn das jedoch glücklicherweise nicht. Zwar erreicht er nicht ganz die anfänglichen Höhen, doch mit dem Album „Bubblegum Dreams“ und dem darauf enthaltenen „Gatorade“ kehrt der Österreicher 2019 ins kollektive Bewusstsein der Rap-Community zurück. Sein weiterer Werdegang zeichnet sich durch einen beachtlich hohen Output aus. Bis 2022 jagt ein Release den nächsten: „1819“, „Archive (1619)“, „Bunte Bündel“, „Graue Tage“, „Bunte Tage“ und „Graue Bündel“. Statt mit einem oder zwei Tracks viral zu gehen, gelingt Brown-Eyes White Boy über die Jahre etwas weitaus Wichtigeres: Er baut sich eine treue Fanbase auf.
2023 landet der Youngster mit der Single „Ikarus“ noch einmal einen Volltreffer. Es ist ein emotionaler an einen Freund gerichteter Song. Überhaupt präsentiert sich Brown-Eyes White Boy immer öfter als gereifter Künstler, der nicht vor persönlichen Themen zurückschreckt und sich zwischen genretypischen oberflächlichen Rap-Nummern reflektiert und verletzlich zeigt. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht er 2025 mit dem Album „Metanarkose“ und Titeln wie „Dieser kleine Junge“, „Traumfänger“ oder „Zwilling“. „Metanarkose“ ist auch deshalb ein Meilenstein, weil es das erste Album ist, das bei einem Label erscheint. In einem Alter, in dem andere gerade einmal anfangen professionell Musik zu machen, hat Brown-Eyes White Boy schon einiges hinter sich. Vor allem aber deutet alles darauf hin, dass er noch mindestens genauso viel vor sich hat.