Als Stuart Murdoch vor bald 30 Jahren in Glasgow seine Indie-Pop-Band Belle & Sebastian lancierte, geschah dies im Rahmen eines sozialen Projekts für Arbeitslose - Murdoch war damals selber aufgrund einer chronischen Erkrankung lange erwerbsunfähig und daher auf der Suche nach einer auch für ihn zu bewältigenden Beschäftigung. Trotzdem etablierte er sich so unbeabsichtigt wie zügig als herausragender Vordenker der gesamten Indie-Szene Großbritanniens.
Belle & Sebastian – seit dem Jahrtausendwechsel fast unverändert bestehend aus Murdoch (Gesang, Gitarre), Stevie Jackson (Gitarre), Chris Geddes (Keyboard), Sarah Martin (Gesang, Violine), Dave McGowan (Gitarre, Bass), Bobby Kildea (Gitarre, Bass) und Richard Colburn (Schlagzeug) – gehören schon lange zu den wichtigsten Vertretern dieses Genres und feiern international enorme Erfolge. Fast jedes ihrer bislang zwölf Alben notierte in den Top 20 der UK- und den Top Ten der schottischen Albumcharts. Dabei gehören kommerzielle Erfolge nun wahrlich nicht zu den Prioritäten ihrer künstlerischen Arbeit; viel entscheidender ist die fortwährende Entwicklung ihres signifikant eigenen Songwriting- und Ästhetik-Gefühls.
Ihr Debüt gab die siebenköpfige Band im Jahr 1996 mit dem Album „Tigermilk“. Noch im selben Jahr folgte „If You‘re Feeling Sinister“, das aufgrund seiner zeitlosen Gradezza von vielen Fachgazetten unter die „besten Alben der 1990er Jahre“ gewählt wurde. Kommerziellen Erfolg erreichten Belle & Sebastian zwei Jahre später mit dem dritten Studioalbum „The Boy With The Arab Strap“, für das sie unter anderem mit einem BRIT Award als beste britische Band ausgezeichnet wurden. Weitere Musikpreise folgten, denn auch die Nachfolgeralben erzielten ähnliche Erfolge in Europa, aber auch in Australien und den USA. Zu Recht: Stuart Murdoch zeigt seit jeher ein einzigartiges Gespür für Melodie gewordene Emotionen zwischen größter Melancholie und optimistischer Aufbruchsstimmung. Voller Gravität mäandern diese durch ihre Musik und verleihen ihnen dabei eine beinahe hymnische Anmutung. Damit erhalten ihre Songs und Texte stets eine Tiefe, die jede Liedzeile aufrichtig und authentisch wirken lässt. Nicht nur auf Platte, sondern vor allem live auf der Bühne schafft das Septett damit eine einzigartige Atmosphäre.
Dies bewies auch ihre 2019 veröffentlichte Werkschau „What to Look for in Summer“, deren Aufnahmen nicht ohne Grund auf Konzerten einer US-Tournee live mitgeschnitten wurden. Bereits im März waren Belle & Sebastian für jeweils zwei phänomenale Konzerte in Berlin und Köln und spielten sich anlässlich des 30. Geburtstags von „If You’re Feeling Sinister“ unter anderem einmal chronologisch durch das komplette Album, ergänzt um einige der größten Fan-Favoriten; Anfang Dezember wird man in München und Frankfurt noch einmal die Gelegenheit haben, dieser einziartigen Setlist live beizuwohnen.