Purer Rock ’n‘ Roll
Cool, cooler, Social Distortion: Wenn eine Band den vom Punk geschwängerten Rock’n’Roll mit der Muttermilch aufgesogen hat und aus allen Poren ihres tattooübersäten Körpers wieder ausströmt, dann ist es die 1979 gegründete Formation aus Orange County in Kalifornien. Ursprünglich als klassische Punk-Band ins Feld gezogen, durchläuft die Truppe im Laufe der 80er Jahre einige Metamorphosen und entwickelt dabei immer mehr ihren eigenen einzigartigen Sound. Dabei tritt der klassische Punk mehr und mehr in den Hintergrund und überlässt Elementen wie Rock ’n‘ Roll, Rockabilly und Country-Musik das Feld. Die immense musikalische Bedeutung von Social Distortion ist dabei unbestritten: Selbst von Legenden wie Johnny Cash, Rolling Stones, The Sex Pistols, The Clash oder den Ramones beeinflusst, inspiriert die Band ihrerseits eine Vielzahl von wegbereitenden US-Punkrockbands wie Pennywise, Green Day oder The Offspring zu künstlerischen (und kommerziellen) Höhenflügen.
Rückschläge machen stark
Auch schwere Zeiten wie Mitte der 80er, als Sänger und Mastermind Mike Ness – heute einziges verbliebenes Gründungsmitglied der Band – mit seiner Heroinabhängigkeit kämpft und in den Entzug (und den Knast) muss, und der tragische Tod von Gitarrist Dennis Danell im Jahr 2000 können Social Distortion nicht in die Knie zwingen: Nach einer ersten Auszeit im Anschluss an ihr Albumdebüt „Mommy's Little Monster“ aus 1983 gehen die Kalifornier 1988 mit „Prison Bound“ wieder in die Vollen und legen zwei Jahre darauf ihr absolutes Referenzwerk vor – das selbstbetitelte dritte Album, das Song-Klassiker wie "Ball And Chain", "Story Of My Life" und das Johnny-Cash-Cover „Ring Of Fire“ enthält. Mit dem Nachfolger „Somewhere Between Heaven And Hell“ (1992) und „White Light, White Heat, White Trash“ von 1996 etablieren Social Distortion weiter ihren unverwechselbaren Sound, bis Danells Tod schließlich eine tiefe Wunde ins Bandgefüge reißt.
Legendenstatus
Doch Social Distortion sind unkaputtbar – nicht umsonst haben sie ein tanzendes Skelett mit einer Zigarette in der einen und einem Martini-Glas in der anderen als Bandmaskottchen auserkoren: Auf „Sex, Love And Rock ’n‘ Roll“ zelebrieren sie 2004 wieder ihren „Pure Rock ‘n‘ Roll“, und sieben Jahre später feiern sie mit „Hard Times And Nursery Rhymes“ den bis dato größten Erfolg ihrer Karriere – in ihrer Heimat geht das Album auf #4, in Deutschland sogar auf #3 in den Albumcharts. Social Distortion – die Legende lebt weiter.