Burak Özdemir (* 5. Oktober 1983 in Istanbul) ist ein deutscher Komponist, Fagottist, Choreograf und Regisseur. Özdemir ist Sohn des Komponisten und Pianisten Cengiz Özdemir, seine Mutter war Balletttänzerin. 2008 gründete er an der Juilliard School in New York das Ensemble Musica Sequenza und ist seitdem Künstlerischer Leiter des Ensembles, welches für die Innovation alter Musik und interkultureller Produktionen steht. In Berlin entwickelt er eigene Methoden, um neue Aufführungsweisen zu schaffen. Özdemirs Kompositionen bestehen größtenteils aus Wiederentdeckungen unbekannter Werke von der Renaissance bis zur Klassik. Seine Produktionen reichen von Bühnenkonzepten Neuer Musik, elektroakustischen Aufführungen, Tanz und experimentelles Theater, Opernvorstellungen, Portrait- und Gesprächskonzerte, Workshops, Begleitprogramme bis hin zu CD-Produktionen. Özdemir erhielt verschiedene Auszeichnungen. 2005 wurde er mit seinem Werk Vintage Keys von dem Istanbul International Jazz Festival ausgewählt. Im gleichen Jahr folgte die Young Talents Auszeichnung der Türkiye Is Bankasi. 2010 gewann Özdemir den ersten Preis der Juilliard Concerto Competition.
Im Jahr 1995 begann Özdemir am Istanbuler Konservatorium mit seinem ersten Klavier- und Fagottunterricht. Von 2001 bis 2005 machte er seinen Bachelor of Music an der Universität Istanbul. 2005 zog er nach Berlin und studierte an der Universität der Künste mit dem Schwerpunkt Fagott. 2008 schloss er seine Diplomarbeit ab und ging nach New York an die Juilliard School, wo er 2010 als erster Fagottist sein Artist Diploma in Performance erhielt. Im Rahmen seines Studiums an der Juilliard School gründete Özdemir 2008 das Ensemble Musica Sequenza. Das Ensemble widmet sich der Innovation in der Barockmusik und setzt sich zum Ziel, eine interkulturelle Künstlerbewegung mit Musikern, Sängern, Tänzern, Choreografen, bildenden Künstlern, Architekten, Designern und Filmemachern zu entwickeln. Das Ensemble spielt auf historischen und modernen Instrumenten, um die Elektronische- und Alte Musik in einen Dialog zu setzen. Das Ensemble präsentiert Aufführungen mit einem Repertoire von der Renaissance bis zu zeitgenössischen Komponisten an Opernhäusern, Festivals, Konzerthallen, Stadttheatern, Kunststiftungen und Museen. Mit interdisziplinären Produktionen von Barock, Neuer Musik, Elektroakustik, Modernem Tanz, Performance und experimentellem Musiktheater wirkt das Ensemble auch in der zeitgenössischen Kunstszene mit.
Özdemirs Produktionen wurden in Europa, Nord- und Südamerika und Asien an Häusern wie der Elbphilharmonie, Berliner Philharmonie, Peter Jay Sharp Theater, Berliner Musikclub Berghain, Amsterdamer Concertgebouw, Staatsoper Wien und dem Teatro Colón in Buenos Aires aufgeführt. Er spielte als Gast bei den Istanbuler Philharmonikern, dem Juilliard Symphony Orchestra und L’arte Del Mondo und kollaborierte unter anderem mit Sasha Waltz, Matthew Herbert, Werner Ehrhardt, Rolando Villazon, Nicolas McGegan und Edita Gruberova.
Özdemir fokussiert sich auf die Verknüpfung verschiedener künstlerischer Bereiche, wie die Dialogsetzung von Choreografie und Musik. Auf dem Festival d’Avignon arbeitete er 2013 zusammen mit Sasha Waltz & Guests und komponierte die Musik des Projektes „Dialoge“. Die anschließende Aufführung fand in der Opera Avignon statt. 2016 komponierte und spielte Burak Özdemir für Sasha Waltz‘ Produktion „Zuhören“ bei Radialsystem V. Im folgenden Jahr trat er zusammen mit Waltz bei der Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie mit der choreografischen Installation „Figure Humaine“ auf. 2013 arbeitete Burak Özdemir für das Werk „One Day“ auf dem Elbjazz Festival mit Matthew Herbert zusammen. Die Aufführung fand im Hamburger Thalia Theater statt.
Burak Özdemir spezialisiert sich auf die Wiederbelebung und Erforschung historischer Opern und Stücke, indem er mit den Mitteln zeitgenössischer Aufführungen die Werke in einen neuen Kontext setzt. Mit seinen Projekten etablierte er das neue Genre des Elektro-Barock. „Fuga – The Electro-Baroque Opera“ war seine erste Opernproduktion, die ihre Premiere 2010 im Baruch Black Box Theater feierte. Auch in den folgenden Projekten „Opera del Futuro“ (2015) und „Sampling Baroque“ (2019) verbindet Özdemir die barocke oder klassische Tradition mit elektronischen und audiovisuellen Elementen. Im Jahr 2012 komponierte Özdemir die Musik zu der Serie „Götter wie wir“ und im folgenden Jahr zu dem Film „Lifelong - Hayatboyu“.
2015 erhielt Özdemir den Auftrag des Grand Palais Museums in Paris, zusammen mit früh Barockkomponisten, Musik für die weltweit gezeigte Ausstellung des spanischen Barockmalers „Diego Velázquez“ zu komponieren. Die von Karim Aïnouz kuratierte und gefilmte Arbeit wurde später von Arte Edition auf DVD veröffentlicht. Burak Özdemirs Alben wurden von Deutsche Harmonia Mundi, Sony Music und Neue Meister/Edel herausgegeben.