© Tim Kramer
Rechnet man die Zahl auf dem Wappen des VfL Bochum zurück, so kommt man auf ganze 170 Jahre. Heute feiert der Club allerdings erst sein 80-jähriges Jubiläum. Doch wie kommt es zur festgeschriebenen Jahreszahl der Blau-Weißen?
Das Jahr 1848 bezieht sich auf den Turnverein Bochum, den Vorgänger des VfL. Die Zahl spiegelt aber nicht etwa das Gründungjahr wieder, sondern den Aufruf in der Zeitung "Märkischer Sprecher" einen Verein zu gründen, was 1849 in die Tat umgesetzt wurde. Am 14. April 1938 wurde durch die Fusionierung des Turnvereins mit dem Sportverein Germania 1906 Bochum und dem Turn- und Sportverein 1908 Bochum der VfL ins Leben gerufen – beide Vereine lagen nah beieinander in der Castroper Straße, aber unterschieden sich doch im Wesentlichen. Germania 1906 war eher der arbeitergeprägte Verein mit dem Sitz des heutigen RuhrCongresses. 1908 Bochum war mehr an die gehobenere Bevölkerung gerichtet und am heutigen Ruhrstadion vertreten.
Im Jahre 1968 gewinnt der VfL Bochum durch das DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Köln (1:4) bundesweit an Bekanntheit. Das erste Bundesliga-Heimspiel wurde drei Jahre später im August gegen Eintracht Braunschweig mit einem 1:0 Sieg bestritten. In der Saison 1985/86 wird Stefan Kuntz als erster VfL´er mit 22 Toren Bundesliga-Torschützenkönig. Die Nummer 22 verzeichnet zudem ein weiteres Bochumer Geschichtsereignis, denn nach dieser Anzahl an Jahren musste der VfL Bochum im Jahre 1993 das erste Mal aus der Bundesliga absteigen. Die „unabsteigbaren“ Bochumer erwiesen sich als „absteigbar“. Doch bereits ein Jahr später waren sie wieder zurück in der Bundesliga. Diese Meisterleistung des Wiederaufstiegs wiederholten die Bochumer gleich vier Mal (1996, 2000, 2002 und 2006).
Einer, der vier von den fünf Wiederaufstiegen miterlebte, war VfL-Legende Dariusz Wosz. Inmitten der Saison 1991/92 kam der 1,69 Meter “große“ Mann nach Bochum, der zuvor für Halle als Spielmacher noch den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga realisierte. Mit dem gebürtigen Polen gelang dem VfL die erste Qualifikation für den UEFA-Cup, der 1997 mit Platz fünf beendet wurde. Die darauffolgenden internationalen Begegnungen gegen Trabzonspor, Brügge und Amsterdam blieben der Mannschaft und den Fans unvergessen. Die „Zaubermaus“ Wosz war darüber hinaus auch der zweite deutsche Spieler beim VfL, der für die Nationalmannschaft spielen durfte. Nach seiner aktiven Spielerkarriere prägt er den Verein als Trainer lange Zeit in unterschiedlichen Positionen.
Heute feiert der VfL sein 80-jähriges Jubiläum. Seit der Saison 2010/11 spielen die Bochumer in der 2. Fußball-Bundesliga. Doch der VfL will langfristig wieder nach oben und so hoffen auch die Fans, dass sich Bochum zukünftig zum „aufsteigbaren“ Club weiterentwickeln wird – aktuell zählt aber erst einmal der Klassenerhalt.
Genau dieser ist momentan in Gefahr. Der VfL war wie jedes Jahr mit großen Ambitionen in die Saison gestartet; Der Kader wurde mit einigen früheren Bundesligaspielern wie Sidney Sam, Robbie Kruse oder Robert Tesche verstärkt. Doch Turbulenzen im Umfeld überschatteten die Arbeit der Mannschaft gleich zu Saisonbeginn: Noch in der Vorbereitung trennte man sich vom Niederländer Gertjan Verbeek, der sich nach zweieinhalb sportlich erfolgreichen Jahren mit der sportlichen Leitung überworfen hatte.
Sein Nachfolger wurde der ambitionierte Jungtrainer Ismail Atalan, dieser konnte an der Castroper Straße aber nicht an seine Erfolge mit Drittligist Sportfreunde Lotte anknüpfen und musste schon im Oktober wieder gehen; Außerdem wurde Mannschaftskapitän Felix Bastians für zwei Wochen suspendiert. Der dritte Trainer dieser Runde hieß Jens Rasiejewski, doch auch der vorherige U-19-Coach konnte den VfL nicht stabilisieren und wurde nach nur 13 Spielen entlassen. Der Verein trennte sich nicht nur erneut vom Trainer, sondern feuerte mit Christian Hochstätter auch den sportlichen Vorstand.
Anfang Februar wurde Robin Dutt als bereits vierter Übungsleiter dieser Spielzeit eingestellt und soll nun sportlich für Ruhe sorgen. Der frühere Leverkusen- und Bremen-Coach holte nach zuvor einer Niederlage und einem Unentschieden am Montagabend seinen ersten Sieg mit den Bochumern und gewann 1:0 beim FC Ingolstadt.
Mit dem 53-jährigen soll auch außerhalb des Platzes wieder Ruhe und Stabilität einkehren damit der VfL in Zukunft wieder höheren Zielen nachgehen kann, und zumindest in der zweiten Liga unabsteigbar bleibt.