Bild: AFM Group
In den vergangenen zehn Jahren hat Vanessa Mai wie nur wenige andere Sängerinnen die deutsche Musikszene geprägt. Nach ihrem Ausstieg bei Wolkenfrei legte die Powerfrau eine beeindruckende Solokarriere hin, die sie bis in die größten Hallen des Landes und an die Spitze der Albumcharts geführt hat. Am 26. März erscheint das neue Album der sympathischen Sängerin, die sich darauf – so zeigen die bisher veröffentlichten Singles – so vielseitig und wandelbar wie noch nie präsentiert. Kein Wunder, dass die kunterbunte neue Platte den Titel „Mai Tai“ trägt.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März haben wir mit Vanessa Mai ein Interview geführt, in dem wir über die Rolle der Frau in der Musikszene und den Frauentag generell gesprochen haben. Obwohl, das ist nicht ganz korrekt: Eigentlich haben wir mit Vanessa ja ein Interview über ihr neues Album „Mai Tai“ geführt. In diesem Rahmen nutzten wir dann einfach die Gunst der Stunde und stellten ihr auch noch ein paar Fragen zum Thema Weltfrauentag. Diesen Teil des Interviews könnt ihr nun hier lesen – der Part zum neuen Album folgt dann im Laufe der kommenden Wochen.
Was ich als Frau merke, ist, dass Selbstbewusstsein auch gerne in die falsche Schublade gesteckt wird. Ich weiß nicht, woher das kommt. Als Frau hat man damit tatsächlich auch manchmal zu kämpfen. Wenn ein Rapper mit nacktem Oberkörper die Fuffies in den Club schmeißt, wird er gefeiert, aber wenn ich mich als Frau so kleide und präsentiere, wie ich das in meinen Musikvideos tue, dann heißt es „die hat’s nötig“. Als Frau ist es also auf jeden Fall etwas anderes in der Branche. Aber damit muss man umgehen können. Mir ist das aber auch egal. Ich mach ja nichts Schlimmes – ich tu keinem weh, ich verletze niemanden, also alles gut.
Ich versuche es mal so auszudrücken: Ich bin jetzt keine Feministin und ich bin auch grundsätzlich kein Fan von extremen Dingen. Ich bin der Meinung, wenn die Frau etwas am besten macht, soll es die Frau machen, wenn der Mann etwas am besten macht, soll der Mann den Job machen. Ich sehe da gar keine Unterschiede, für mich ist das gar kein Thema. Ich bin aber gottseidank auch nicht damit groß geworden. Ich glaube, dass die Generationen vor uns viel dafür geleistet haben, dass es heute anders ist. Aber es gibt dann doch noch immer wieder Bereiche, wo so etwas aufploppt, wie ich es eben beschrieben habe. Warum wird zum Beispiel eine Frau für etwas mehr angefeindet als ein Mann?
Ja, das ist eben das Ding. Man gibt damit eigentlich eine Gewichtung bei etwas, was gar keine Frage oder gar kein Thema mehr sein sollte. Ich persönlich bin aber eh niemand, der solche Tage feiert. Es sollte eigentlich keine Diskussion darum geben. Wenn es aber noch Thema ist, sollte natürlich alles dafür getan werden, dass es kein Thema mehr ist. Ein Ungleichgewicht, egal in welcher Hinsicht, ist nie gut.
Ich kann immer nur davon sprechen, was ich so mitbekomme oder was mir geschrieben wird. Klar ist das ein schönes Gefühl, wenn man weiß, man ist ein Vorbild und gibt jemandem Kraft. Das ist ja bei mir auch so, ich habe gerade in der Teenie-Zeit auch weibliche Vorbilder gehabt. Wie Christina Aguilera oder Britney Spears, was ja auch sehr selbstbewusste Frauen waren, um es mal so auszudrücken. Klar, es ist auf jeden Fall was Schönes, ein Vorbild zu sein und jungen Mädels Kraft und Mut zu geben. Aber da ist natürlich auch Social Media so eine Geschichte, bei der das Mental Health Thema sehr schnell aufploppt.
Ich kann auf jeden Fall gut damit umgehen, ich bin ja die Generation Social Media. Für mich ist es ja nicht so, dass es dazu kam und man dachte „oh Gott, wie muss ich jetzt damit umgehen?“, sondern ich bin ja mehr oder weniger damit groß geworden. Ich glaube, dann ist das noch mal was anderes. Es ist ja auch bei jedem persönlich unterschiedlich. Ich kann gut damit umgehen, ich habe ein gutes Umfeld ein gutes Selbstwert- und Körpergefühl, deswegen kann ich da klar denken. Es gibt aber natürlich auch viele Mädels oder auch Jungs, die das nicht können, und da ist es natürlich wichtig, dass es ein starkes Umfeld gibt. Und dass man da – auch als Vorbild – klarmacht, dass es die eine, aber auch die andere Welt gibt. Das ist ein sehr sensibles Thema, bei dem es keine pauschalen Regeln gibt.