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Metal

SPOTLIGHT37/16: TRADE WIND

12.09.2016 von Hendrik Margenfeld

Hat da jemand Supergroup gesagt? Für Trade Wind liegt man mit diesem doch etwas mit Vorsicht zu genießenden Begriff aus dem Rock-Lexikon nicht völlig daneben. Gegründet wurde die Band von Jesse Barnett und Tom Williams. Barnett dürfte der Hardcore-Gemeinde vor allem als Front-Derwisch von Stick to Your Guns bekannt sein, während Williams auf seine Meriten als Gitarrist von Stray from the Path verweisen kann. Zu den beiden Köpfen der Band gesellen sich Drummer Andrew McEnaney, der ansonsten bei den Structures die Stöcke schwingt, sowie Produzent Randy LeBoeuf, der bei Trade Wind den Bass-Part übernimmt. Ab Anfang Oktober stellt sich das Quartett hierzulande auch live vor - Tickets gibt es auf eventim.de.

Zu ihrer Zweitband kamen die beiden Hauptprotagonisten von Trade Wind allerdings eher zufällig. Auf gemeinsamen Tourneen tauschte man Ideen aus, welche in musikalischer Fernbeziehung via Internet weiter ausgearbeitet wurden. Irgendwann wurde mehr daraus. Man kennt das. Wer allerdings fürchtet, dass Barnett, Williams & Co. bei Trade Wind etwa Song-Recycling betreiben würden, liegt falsch. Ganz falsch!

Musikalisch sind die Parallelen zu den jeweiligen Hauptbands doch eher gering. Während Stick to Your Guns in puncto Aggressivität stets im roten Bereich fahren, lassen es Trade Wind generell etwas ruhiger angehen. Der Sound gerät weitaus atmosphärischer, Barnetts Stimme beschwört immer wieder Melancholie herauf, was nicht zuletzt an den Texten liegt, in denen der Kalifornier eine niederschmetternde Trennung verarbeitet. Dank komplexer Arrangements und clever eingestreuter Experimente siedelt sich der Vierer fernab vom Post-Hardcore-Einheitsbrei an.

TRADE WIND - Lowest Form

Im Juli 2016 ist mit „You Make Everything Disappear“ auch das erste vollwertige Album von Trade Wind erschienen. Kaum mehr als 30 Minuten benötigt das Quartett hierbei, um den Hörer ganz für sich einzunehmen, auch wenn die Platte vielleicht nicht unbedingt als Sommer-Soundtrack durchgehen würde. Einem Herbsttag mit allem Drum und Dran stünde die Musik wohl etwas besser zu Gesicht.

Wie gut, dass sich Trade Wind jüngst für ebenjene Jahreszeit im Rahmen einiger Live-Shows angekündigt haben. Anfang Oktober schauen die US-Amerikaner für fünf Konzerte hierzulande vorbei und bringen mit Sights & Sounds eine ebenfalls höchst formidable Band mit. Zu dieser gehören übrigens Mitglieder von Comeback Kid, Figure Four und Sick City. Ein Supergroup-Doppel? Vielleicht, für Freunde von experimentierfreudigem Post-Hardcore werden das aber auf jeden Fall Superkonzerte!


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