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Pop

So schön traurig: FIL BO RIVA im Interview zum Album „Beautiful Sadness“

18.04.2019 von Felix Dreifürst

Vor einigen Wochen haben Fil Bo Riva ihr Debüt-Album „Beautiful Sadness“ released und die Platte läuft seitdem bei uns rauf und runter. Der unverkennbare Sound der Band lässt sich keiner speziellen Musikrichtung zuordnen und macht die Jungs aus Berlin zu einem der interessantesten Newcomer in diesem Jahr.

Die Single „Different But One“ beschreibt schon im Titel, dass die unterschiedlichen Seiten des Albums am Ende ein Gesamtkonzept ergeben. „In meinen Augen ist dieser Song das Herzstück des Albums. Ein Track, bei dem man sich wirklich hinsetzen und konzentrieren muss, um all seine Facetten zu verstehen und zu genießen - ein Kontrast zur heutigen Musik und eine Hommage an die Vergangenheit“, sagt Frontmann Filippo zu dem 10-minütigen Track.

Weil es einfach so wunderschön ist: Hier ist "Beautiful Sadness" zum Reinhören!

 

Interview mit Akustik-Performance

Nach unzähligen Shows und drei ausverkauften Tourneen gehen Fil Bo Riva zum allerersten Mal mit ihrem neuen Album auf große Tour durch Deutschland. Wenn ihr das Live-Erlebnis nicht verpassen wollt, sichert euch schnell Tickets für die „Beautiful Sadness“-Tour.

Wir trafen uns vor ein paar Tagen bei bestem Hamburger Schietwetter mit Fil Bo Riva zum Interview und plauderten mit Band-Namenspatron Filippo Bonamici über das neue Album, über seine persönliche Odyssee durch Europa und wie es war, zum ersten Mal in seiner Muttersprache Italienisch zu singen. Im Anschluss daran spielten uns Filippo und Felix noch eine Akustikversion ihrer Single „Go Rilla“. Falls ihr die Session verpasst habt, könnt ihr hier noch mal in die Insta-Story reinschauen.

Bild: Juliane Spaete

Hallo Fil Bo Riva! Seit kurzem ist euer Debütalbum „Beautiful Sadness“ draußen. Wie ist eure Gemütslage?


Wir freuen uns, dass es endlich draußen ist, weil man selbst die Songs immer schon lange kennt und gehört hat und sich fragt „Wann kommt es endlich raus?“. Wenn man jetzt Nachrichten bekommt von den eigenen Eltern oder guten Freunden, die die Songs vorher noch nie gehört haben, fühlt man schon etwas mehr als an einem normalen Tag.

Jetzt kannst du aber auch nichts mehr dran ändern. Will man das manchmal als Künstler?


Im Nachhinein passiert es eher selten, dass man sagt: Das hätte ich lieber anders gemacht. Für die Songs, die schon zwei Jahre alt und jetzt auf dem Album sind, haben wir schon so viele Versionen ausprobiert, dass wir jetzt wirklich zufrieden sind.

Wie wichtig ist es euch, den ganzen Album-Prozess über Cover-Artwork bis hin zu den Musikvideos mitgestalten zu können?


Das Schönste an dem ganzen Zirkus rund um die Musik ist eigentlich das Kreieren und Gestalten der unterschiedlichen Sachen, die damit zu tun haben. Das war eigentlich der Hauptgrund, warum ich 2014 mein Studium abgebrochen habe, um Musik zu machen. Ich wollte den Leuten zeigen, was ich mir ausgedacht habe. Das hat mit Songwriting zu tun, mit Album-Artwork, mit Merch, mit Postern, was wir anziehen, wie die Bühne aussieht. Das kommt alles von uns selbst.

Ihr habt auf Facebook geschrieben: „Geht und findet den Moment der Stille. Setzt euch ins Dunkle, schließt die Augen und spielt das Album von Anfang bis Ende.“ Das heißt, dass „Beautiful Sadness“ seine ganze Pracht am besten entfaltet, wenn man es am Stück hört, richtig?


Ja, voll. Als das Album fertig war und wir es zum ersten Mal Freunden, unserem Manager und Kollegen vorgespielt haben, war immer unser Ritual, dass Felix, ich und unser Produzent Robbie in unserem Studio saßen. Dann haben wir die Gardinen zugemacht, was getrunken und die Boxen mega laut gemacht. Auch tagsüber. Die Leute sollten das Handy ausmachen und die Musik im Dunkeln hören. War irgendwie… geil.

Was sehr ihr denn vor eurem geistigen Auge, wenn ihr euch hinsetzt, die Augen zumacht und das Album anhört?


Ich sehe immer, auch wenn es komisch klingt, Szenen aus „Forrest Gump“. Emotionale, energetische, aber trotzdem rührende Szenen. „Forrest Gump“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Wenn man bei der Musik an einen Film denkt, erinnert man sich immer ein bisschen an die Vergangenheit. Genau wie in „Forrest Gump“. Man hat dieses Reisegefühl, wie Forrest durch ganz Amerika von Westen nach Osten läuft… an Gewässern vorbei oder in der Wüste. Das ist so mein Gefühl, mein persönlicher Film im Kopf, wenn ich unsere Musik höre.

Das ist ja auch ein bisschen dein Leben – Italien, Irland, Deutschland. Du bist auch hin- und hergelaufen wie Forrest. Was haben diese verschiedenen kulturellen Einflüsse mit dir gemacht?


Die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, hatte auf jeden Fall für mich persönlich einen sehr starken Impact darauf, wie ich über Musik denke und was für Musik ich höre. Die unterschiedlichen Kulturen und Länder haben einfach verschiedene Musikrichtungen und eine andere Weise Musik wahrzunehmen. Was jetzt das Songwriting angeht, versuche ich nicht nach einer bestimmten Kultur zu klingen. Ich merke auch selbst nicht, ob es so oder so klingt. Ich schreibe die Songs, weil ich sie genau so fühle und so haben möchte.

FIL BO RIVA - "Different But One"

Was hat dich in den unterschiedlichen Ländern, in denen du gelebt hast, musikalisch inspiriert?


In Italien habe ich die ersten Bands kennengelernt und angefangen Musik zu spielen. Das waren aber eher englische Bands wie die Beatles oder die Libertines. Als ich nach Irland umgezogen bin, kamen die ganzen 2000er Indie-Rock-Bands dazu, wie The Strokes, Arctic Monkeys, Mumford & Sons, The Fratellis. Die ganze Bewegung, die in England und Irland losgetreten wurde. Als ich vor sieben Jahren nach Berlin kam, war meine Inspiration dann, ernsthaft Musik zu machen und Leute kennenzulernen, die wirklich Musik machen wollten. Und die Musik so lieben, wie ich sie liebe.

Fühlst du dich in Berlin zu Hause, auch musikalisch?


Es ist musikalisch sicherlich die Heimat, weil ich seit sieben Jahren dort wohne und mich dort auch sehr wohl fühle. Immer wenn ich zurückkomme, denke ich mir: Ja, das ist richtig hier. Ich hätte sicher nichts dagegen, irgendwann auch nochmal woanders hinzuziehen, aber aktuell habe ich hier alles: Studio, Band, Freunde und so weiter. Das ist eine gute Stadt. Im Sommer.

Am Anfang warst du oft allein auf deinem Streifzug durch Europa. War das auch ein Auslöser dafür, dass du deine Gefühle in Musik ausgedrückt hast?


Ich habe schon immer Musik gemacht, seit ich denken kann. Ich hatte keine anderen Hobbys, ich habe wenig Sport gemacht und deswegen war nur noch Musik übrig. Warum ich es dann ernsthaft gemacht habe, war, weil ich es einfach versuchen wollte. Ich dachte, bevor ich älter werde, mein Studium fertig mache und anfange zu arbeiten, wollte ich Musik von meiner Bucket-List abhaken.

Auf dem Track „L’impossibile“ singst du das erste Mal in deiner Muttersprache Italienisch. Welche Verbindung hast du noch zu Italien? Ist der Song eine kleine Hommage an deine alte Heimat?


Zum Glück kommt es gut an in Italien. Mittlerweile läuft der Song dort auch im Radio. Es war aber nicht geplant, dass ich einen Song schreibe, der in Italien funktioniert. Ich war in Italien im Urlaub und habe mich einfach inspirieren lassen von der Musik und allem drumherum. Dann kam einfach dieser Song raus, zwischen Luftmatratze und dem kleinen Linienbus mit 18 Plätzen, der von unserem Airbnb zum Strand ging.

Schon bevor das Album draußen war, wurde zum Beispiel eure Show in Hamburg hochverlegt. Verspürt ihr dadurch mehr Druck? Nach dem Motto „Jetzt kommen die alle – und finden das Album möglicherweise scheiße“?


Hmmm… darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht (lacht). Nein, ich glaube, es ist das Gegenteil: Wir freuen uns, dass die Songs draußen sind. Dass die Menschen sie hoffentlich anhören und kennen, wenn sie zum Konzert kommen. Davor haben wir immer nur so fünf Songs gehabt von der EP. Und die Leute haben da gestanden und gewartet, dass wir „Franzis“ spielen. Was okay ist, aber jetzt haben sie wenigstens mehr Möglichkeiten. Sie können sagen „Den Song kenn ich, ist nicht geil, ich geh pissen“. Und nicht: „Ich geh pissen, weil ich den nicht kenne.“ Oder? Finde ich irgendwie fair…

Klingt absolut logisch – auch wenn wir nicht glauben, dass dieser Fall bei den bevorstehenden Konzerten der „Beautiful Sadness“-Tour eintreten wird. Wir sagen "Grazie mille!" an Fil Bo Riva und sind gespannt, wie es mit den Jungs weitergeht!

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