Bild: TVNOW / Markus Hertrich
Viel Liebe gab es beim mittlerweile fünften Abend auf der „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“-Couch in Südafrika zu verteilen. Kein Wunder, schließlich waren Jan Plewka und die Songs von Selig an diesem Abend die Hauptattraktion – einer Band, deren Songs vor Liebes, Schmerz und Hingebung förmlich bersten. Zum Bersten gespannt war auch Plewka selbst, der es vor Aufregung gar nicht abwarten konnte, bis es endlich losging.
Den Auftakt des seligen Abends machte Ilse DeLange, die „Ist es wichtig“ interpretierte, eine Single vom zweiten Selig-Album „hier:“ aus 1995. Natürlich lieferte der niederländische Country-Engel auch diesmal wieder ab und ließ mit einer kraftvollen Performance Plewkas Augen glänzen. „Ich liebe diese Frau!“, jubilierte er im Anschluss und verteilte das größte aller Lobe: „Du bist Selig!“
Danach machte Plewka das, was er neben dem Singen und Performen am besten kann: geile Geschichten erzählen! Gebannt hingen ihm seine jüngeren Mitstreiter an den Lippen, als er von der Hochzeit von Selig in den 90ern und vom jähen Band-Ende berichtete und eine coole Anekdote nach der anderen rausfeuerte.
Einer der ersten großen Selig-Hits war „Ohne dich“ vom genialen selbstbetitelten Debütalbum von 1994 – und LEA performte diesen Song, den sie „unnormal“ liebt, mit ihrer charakteristisch gehauchten Stimme. Auch hier war der bestens aufgelegte Herr Plewka voller Zuneigung: „Ich liebe dich!“, sprudelte es aus ihm heraus. Und über ihre Version des Selig-Klassikers urteilte er: „Ich würde sagen… fresh!“
Als Nächster ging Nico Santos ans Mikro, dem MoTrip in Anspielung auf sein stilvolles schwarzes Outfit ein neckisches „Noch’n Agentenjob danach?“ mit auf den Weg gab. Mit einer schönen Pianoversion von „Wir werden uns wiedersehen“ erwies er Selig seine Ehrerbietung und meisterte dabei auch die ungewohnte Herausforderung, auf Deutsch zu singen. „Eine Mischung aus Clark Gable und Michael Jackson“, hatte auch Plewka einen Kommentar zu Nicos Outfit über und sagte bewegt „Danke, danke, danke!“
Max Giesinger überraschte mit einer Version von „Alles auf einmal“, die als ruhige Gitarrenballade begann und sich zu einer beschwingten Country-Banjo-Nummer entspann. Michael Patrick Kelly erlöste dabei LEA in ihrem Bewegungsdrang und begann mit ihr zu tanzen. Dem schlossen sich die anderen an und legten einen choreografisch hochwertigen Gruppentanz aufs Parkett.
Auch dieses Mal setzte Rapper MoTrip eins der absoluten musikalischen Highlights des Abends und interpretierte nicht nur die Vorlage von „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, sondern gab darin auch eine Antwort auf die rhetorische Frage, die Jan Plewka vor zehn Jahren in diesem Song gestellt hatte. Dieser Mann ist einfach Künstler durch und durch und hört nicht auf, seine Mitstreiter und das Publikum zu flashen.
Plewka performte im Anschluss den neuen Selig-Song „Alles ist so“, der bei der Aufzeichnung in Südafrika noch keinen Titel hatte. Eigens dafür angereist war Selig-Gitarrist Christian Neander, der diesen wunderschönen Song über den Zustand unserer Erde zusammen mit Plewka performte. Bester Moment: Als der Selig-Sänger plötzlich einen Rap-Part einstreute und MoTrip ungläubig in die Runde schaute.
Den krönenden Abschluss setzte schließlich Host Michael Patrick Kelly. Und was für ein Abschluss es war: War der Abend bis dahin nicht ganz so emotional wie einige andere davor verlaufen, kulminierte bei seiner Performance alles in einem gigantischen Knall. Er hatte sich den Song „Feuer und Wasser“ vorgenommen, in dem Selig ungewöhnlich politisch werden und gegen Krieg, Hunger, Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit in dieser „kaputten Welt“ antreten.
Der Host hatte dafür eigens eine neue Gitarre mit einer Weltkarte und Händchen haltenden Männchen verziert – und nachdem der Song in bester Rage-Against-The-Machine-Manier begonnen und Paddy ein paar Mal kreuz und quer über die Bühne gesprungen war, griff er sich plötzlich die Gitarre, hievte sie über seinen Kopf und holte zum ultimativen Zerstörungsmove aus. Der schockierte Jan Plewka sprang auf die Bühne und wollte ihn davon abhalten, doch Paddy ließ sich nicht abbringen und zerdrosch das Instrument in seine Einzelteile. Fast noch besser als diese Aktion war der Blick von Nico Santos, der offenbar nicht glauben konnte, was sich da vor ihm abspielte.
Ein sichtlich aufgewühlter Michael Patrick Kelly gestand im Anschluss, dass er noch nie in seinem Leben eine Gitarre zerstört habe. So absurd dieser Moment auch wirkte – er war ein perfektes Bild für das, was diese Welt braucht: Menschen, die der mutwilligen Zerstörung unserer Lebensgrundlage mutig entgegentreten. Dass "Retter" Plewka den "Zerstörer" Paddy letztlich nicht aufhalten konnte, zeigt aber auch, dass es Solidarität braucht, um die Zerstörung zu verhindern. Wären alle sechs auf der Couch aufgesprungen, hätte man die Gitarre sicherlich retten können. Ein kleines Spontan-Theaterstück, das perfekt zu diesem Song passte. Und ein ungewohnt anarchistischer Moment in der diesjährigen Staffel von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“.
Am Ende gab’s von Meister Plewka die Kollektive Seligsprechung: „Sensationell. Ihr seid alle Selig!“
Weiter geht’s in zwei Wochen mit den Songs von LEA. Nächsten Dienstag gibt’s eine Folge mit den verrücktesten Momenten der „Sing meinen Song“-Geschichte. Da gehört der Auftritt von Paddy, dem Gitarrenschredder definitiv dazu.
[Titelbild: TVNOW / Markus Hertrich]