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Rock&Pop

Interview: JORIS über sein neues Album „Schrei es raus“ & die anstehende Tour

05.10.2018 von Felix Goth

Endlich ist es soweit: Heute ist für Joris Release-Day und sein neues, zweites Album „Schrei es raus“ ist erschienen. Vor wenigen Wochen haben wir den schwer sympathischen Sänger in Hamburg zum ausführlichen Gespräch getroffen. Dabei hat er uns nicht nur alle Fragen, die man sich zum neuen Album stellen könnte, beantwortet, sondern auch ausführlich über seine anstehende Tour ab Ende Oktober und seine denkwürdigsten Konzerterlebnisse gesprochen – und zwar als Performer auf der Bühne und als Fan davor.

Bevor ihr euch das Interview durchlest, würden wir allerdings empfehlen, das wunderbare Album aufzulegen und euch dann Tickets bei EVENTIM zu sichern – der Vorverkauf ist bereits gestartet.

Das brandneue Album von Joris – „Schrei es raus“

Unser Gespräch mit Joris haben wir in zwei Teile aufgeteilt – in der linken Spalte steht er zu seinem neuen Album Rede und Antwort, in der rechten geht es um Tourleben, Konzerte und die anstehende Tour.

Über das neue Album

Stichwort: 5. Oktober.

5. Oktober! Das ist eine Art Geburtstag für mich, auf jeden Fall. Ich arbeite ja mittlerweile seit anderthalb Jahren so richtig intensiv an diesem Album. Ich war lange im Studio, neun Monate lang habe ich dann mit supertollen Grafikern zusammen die ganze Gestaltung entwickelt. Als Beispiel: jedes einzelne Single-Cover ist in Weiß eingefärbt, hat aber einen eigenen Akzent, eine eigene Farbwelt. Auf dem Album-Cover bin ich dann in Weiß eingefärbt, aber in meinen Pupillen sieht man alle Farbwelten der Singles. Der Mund ist bedeckt von einem Bandana und das Album heißt „Schrei es raus“, das heißt, die letzte Möglichkeit dann zu schreien ist aus den Augen heraus.

Ah, okay, krass – das haben wir nicht bemerkt – aber jetzt wo du es sagst.

Und solche Dinge sind natürlich unglaublich aufwendig gewesen, viele, viele Nächte haben wir daran gesessen, auch an den einzelnen Videos dafür, gemeinsam mit dem wundervollen Daniel Breuer in Berlin. Ich erinnere mich an die ein oder andere Rotweinnacht mit ihm *lacht* und das war echt eine tolle Zeit. Natürlich eine Zeit ohne allzu viel Feedback und ohne Applaus.

Ja.

Und für jemanden, der so gerne auf der Bühne ist und sich dort so wohl fühlt wie ich, ist es eine Qual in gewisser Weise. Aber jetzt ist das Album endlich fertig und kann in die Welt.

 … anderthalb Jahre arbeitest du intensiv dran, meintest du gerade. Lange Pause, warum? Zweites Album wirklich das Schwierigste, wie immer behauptet wird?

Kann ich so nicht sagen. Ich finde, jedes Album ist herausfordernd und jedes Album ist natürlich total erfüllend, weil man einfach eine riesengroße Spielwiese hat, die offen ist. Und da gibt’s keine Grenzen, sondern da dürfen auch mal Nummern sechs Minuten, sieben Minuten lang werden, weil Longplayer, wie ich sie früher kennengelernt habe, einfach ein Gesamtkunstwerk sind. Wo alle Farben eben einfach zusammengehören.

Man merkt aber nicht nur an der Gestaltung, sondern auch an den Songs selbst, das da ein starkes Konzept hinter steht, eben das Bedürfnis, genau so ein Gesamtkunstwerk zu erschaffen.

Ja natürlich, ich hatte ja auch viele Möglichkeiten. Es gibt erstmal am Anfang diese hochenergetische Phase, mit vier Nummern, bis zu „Signal“. Diese ganzen Festivals, die in mir drin stecken, diese ganze große Energie. Dann wiederum kommt ein Block von vier Nummern, angefangen mit „Unerreichbar weit“, wo es erstmal emotional wird.

Und dann „Feuerwesen“, „Glückauf“, „In Zeitlupe“, das ist natürlich so ein Abschnitt, der eher diesen introvertierten Charakter hat. Danach wird es dann progressiv.

Gutes Stichwort: „progressiv“! in „Das sind wir“, ist ja ziemlich breiter, großer, emotionaler Song. Viele Streicher, ganz großer Aufbau. Und am Ende bricht der Song völlig unvermittelt ab.

Das ist lustig, so viele Leute haben mir geschrieben, da ist irgendwas falsch, da stimmt was nicht!

Ja, es folgt ja aber schon dem Text des Songs.

Ja, na klar.

Man weiß nicht so genau.

Genau. Genau! Es gibt keinen größeren Kontrast als das. Und die Dinge finden eben alle gleichzeitig im Leben statt, das ist manchmal das Verrückte. Man kann auf der einen Seite Dinge gewinnen, während man gleichzeitig auf der anderen Seite Dinge verliert. 

Und alles kann in einem Augenblick vorbei sein.

Genau! Und das Schöne ist, dieser Song baut sich immer weiter auf, bis eben am Ende alle meine Kumpels und Kumpelinen gemeinsam an meinem Geburtstag im Studio waren und wir diese riesengroßen Chöre aufgenommen haben.

 Ah geil.

Der Song hat diese Streicher-Arrangements, die wir geschrieben und in München aufgenommen haben. Außerdem gibt’s die Bläser von der Musik-Hochschule in Mannheim, wo ich studiert habe. Es wird wirklich am Ende mit Kanonen auf Spatzen geschossen und dann kommt eben dieser riesen Bruch von Hundert auf Null und das ist der größte Kontrast, den man in der Musik schaffen kann.

Ja, man denkt dann auch wirklich über den Inhalt nach, also es hallt nach. Es hallt still nach, stark. Andere Frage: „Schrei es raus!“ Warum ausgerechnet der Titel. Gab’s andere?

Es gibt natürlich immer viele Möglichkeiten, jetzt in dem Fall 13 Möglichkeiten, wie das Album heißen konnte. Für mich war’s so diese konsequente Weiterentwicklung von „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“. Die Musik ist weiterhin, getränkt von Mut und Hoffnung, aber eben auch gepaart mit viel Haltung, und progressiverem Sound. „Schrei es raus“ ist auch ein Statement zur Welt, in der es wichtiger denn je ist, Dinge rauszuschreien und Haltung zu zeigen.

 Wir vermuten, diese Frage musstest du in letzter Zeit öfter beantworten, wir fragen trotzdem: Wann hast du zuletzt etwas herausgeschrien?

Das ist tatsächlich DIE Frage zum Album bisher. Also ich glaube, wir haben das letzte Mal groß rausgeschrien jetzt in Chemnitz bei der #wirsindmehr-Veranstaltung.

 Ah, warst du auch da?

Genau, da waren wir auch dabei. Wie eben schon angedeutet, es ist gerade im Moment einfach super wichtig, dass man den Leuten einfach nicht das Gefühl gibt, dass sie alleine da sind, sondern dass auch wir Künstler uns aussprechen, für zumindest, mindestens für Menschenrechte und Toleranz und gegen Gewalt. 

Drei Jahre hast du dir Zeit genommen für das Album, hast du da so ein bisschen Inspirationen aufgesaugt? Willst du so ein bisschen Namedropping machen, was so ein bisschen die größten Alben der vergangen Zeit waren?

Oh, es gibt wirklich viel, viel Musik, Alben natürlich sowieso, aber für mich war die Festivalzeit natürlich noch viel, viel prägender. Also, Highfield, South Side, Hurricane Festival, Deichbrand Festival, Taubertal Festival. Diese hochenergetischen Momente, die man da von den Künstlern miterleben darf.

Thema Texteschreiben, wie machst du das, setzt du dich hin und sagst dir: „Jetzt schreib ich einen Text“ oder geht das gar nicht, und du sammelst stattdessen immer wieder Fragmente?

Für mich ist es eher das Letztere. Wenn ich unterwegs bin, dann gibt’s Momente, wo ich mir zwar Sachen aufschreibe, die mir in den Kopf kommen, aber ich komm nicht so richtig dazu, mich jetzt wirklich in Ruhe hinzusetzen und daraus einen Text zu machen. Für mich ist das so, es gibt diese zwei Welten, es gibt diese intuitive Welt, wenn man an einem schönen alten Klavier sitzt und dann erzählen die Finger mehr, als dass man drüber nachdenkt, was passiert. Und das Schreiben ist natürlich eine wesentlich proaktivere Sache. Wenn ich, wie bei „Glück auf“ beispielsweise ein Thema für einen Song gefunden habe, müssen natürlich die Bilder auch dazu passen. Das ist dann nur mit Intuition nicht mehr zu bewerkstelligen – da kommt dann das Nachdenken und am Text schleifen ins Spiel.

 Was man deinen Texten auf jeden Fall anmerkt, ist diese schöne Mischung aus Abstraktion und Konkretheit. Es wird halt nie so konkret, dass es kitschig wird, es bleibt immer so abstrakt, dass man es sich gut anhören kann.

Für mich gibt’s auch nichts Schlimmeres, als wenn ich Musik höre, wo mir komplett vorgeschrieben wird, was ich jetzt in dem Moment zu denken und zu fühlen habe. Das ist für mich in seltenen Fällen in Ordnung, es gibt zum Beispiel in „All den Augen“ diese Zeile: „Ich steige aus der 14, grelle Screens, mal wieder 100 Tote irgendwo“, das ist ein sehr konkretes Bild, wo jeder sich vorstellen kann, wie man in einer Großstadt aus der S-Bahn steigt und sich diese Screens anschaut. Aber ich mag eben auch sehr, sehr gerne „Glückauf“, diese Thematik, wo jedem ein Gefühl natürlich klar ist und jeder meine Geschichte auch versteht, aber man trotzdem wie bei einem Hörbuch eine große Fantasiewelt offenlässt, die jeder sich selber dann im Kopf ausmalen kann.

Ganz andere Frage: Wenn du mit Casper verglichen wirst, von der Stimme her, wie sehr nervt dich das? *lacht*

*lacht* Ehrlich gesagt—

Oder ist das vielleicht auch ein bisschen ein Kompliment?

Also ich muss sagen, es ist… ja…, es nervt mich nicht. Ich finde die Musik von Casper nach wie vor herausragend gut, aber es ist natürlich so, dass meine Musik nichts mit Caspers Musik zu tun hat.

Hast du einen Lieblingssong auf dem Album? Oder fällt es dir schwer, einen zu picken? Oder anders: Freust du dich vielleicht besonders darauf, einen live zu spielen?

Ich freu mich besonders drauf, „Zeitlupe“ live zu spielen, das ist einfach für mich so ein introvertierter Song, der dann aber so eine schöne Dynamik entwickelt. Es macht auch so viel Spaß, den auf der Gitarre zu spielen. *lacht* Im Moment ist es wirklich so, dass ich mich sehr darauf freue, dass ganze Album bald live spielen zu können. 

Dass du es jetzt endlich teilen kannst.

Was uns aufgefallen ist, auf dem ersten Album war kein Feature, auf dem zweiten ist auch kein Feature…

Ich mache super gern mit anderen Leuten Musik, aber auf meinen eigenen Platten denk ich immer, dass ich meine Welt erstmal alleine zeigen möchte. Außerdem haben Features auch oft so ein bisschen ein Gefühl zum Beispiel von: Rap verkauft grade gut, nimm mal noch einen Rapper mit drauf – mag ich nicht.

Über die Tour

Im zweiten Teil wollen wir mit dir über Konzerte im Allgemeinen und deine anstehende Tour sprechen. Zum Einstieg: Hast du als Fan irgendein Konzert besonders krass in Erinnerung?

Ja klar, ich hab ganz, ganz viele Konzerte starke Erinnerungen - auch Momente mit denen ich gar nicht so gerechnet habe und die mich auf einmal total umgehauen haben. Billy Talent zum Beispiel beim Open Flair Festival, das war ein Monster Sound. Die stehen zu viert auf der Bühne und es kommt nichts von irgendwelchen Bändern, sondern das ist einfach die reine Gitarrenwand. Mega geil!

Aber mein erster ganz großer Moment war hier in Hamburg, damals hab ich die Viva-Tour von Coldplay gesehen.

Ja.

Und Coldplay war in der Zeit für mich so die erste riesen Inspiration. Zuerst sieht man da nur den Bühnen-Vorhang, und dann macht’s einmal Klick *schnippst* und dann fällt er. Die ganze erste Nummer haben Coldplay aber hinter dem Vorhang gespielt.

Ah geil!

Und auf einmal fällt dieser Vorhang und… *fängt an zu lachen* … ich weiß noch, dass es mich so umgehauen hat, dass ich wirklich Tränen in den Augen hatte. Auf einmal steht dieser Typ einfach zehn Meter vor dir. Ich hab glaub ich das ganze Konzert lang mitgesungen und war unfassbar berührt. Und das Schöne war, damals gab’s auch noch keine Handys mit denen man filmen konnte.

Und als Künstler selbst, ist dir da ein Auftritt besonders krass in Erinnerung geblieben? Vermutlich ist das immer krass, wenn auch nur zehn Leute da stehen und einen sehen wollen, kann ich mir vorstellen.

Ich erinnere mich an die allererste Tour, wo wir auch nicht so recht wussten, was passiert jetzt eigentlich. Anfang 2015 war auf einmal die Tour ausverkauft, aber du weißt trotzdem nicht, was das bedeutet. Du weißt da kommen jetzt heute Abend 400 Leute, das ist krass, und dann stehst du da aber und die Leute können auf einmal wirklich die ganzen Lieder mitsingen. Du stehst vorher im Backstage und guckst raus und siehst eine super lange Schlange auf der Straße, wo du denkst: Die kommen jetzt gerade alle wegen uns!

Geil!

Ich weiß noch, dass bei uns jeden Tag der Adrenalinspiegel hoch war, weil wir alles nicht richtig glauben konnten. Es ist nach wie vor so unfassbar für mich, dass auf einmal so viele Leute sind, die wegen meiner Musik auf diese Konzerte kommen. Das ist wahnsinnig schön. Und das Tolle ist, dass jetzt neue Musik kommt und ich überhaupt nicht weiß, was bei welchem Song passiert. 

Ja. Wird ein spannender Oktober!

Ja. Unfassbar spannend im Oktober und November. Ich will auf die Bühne, und wir haben so viele Ideen…

Da schließt unsere nächste Frage an. Was können wir erwarten? Bombast-Show mit Pyro und Von-der-Decke-hängen, oder eher so intim und kuschelig wie eure Spotify-Session.

Das war super, allerdings ein ganz kleiner Rahmen. Das waren nur 20 Leute oder so.

Ja, aber es kam halt trotzdem total gut rüber und hört sich geil an. Ich vermute, es wird irgendwo dazwischen liegen?

*lacht* Naja, ich glaube, das alte Album darf natürlich nicht zu kurz kommen, das neue erst recht nicht. Ich kann zum ersten Mal eine Set-List vorbereiten. Es gibt wirklich die Möglichkeit, Abend für Abend das Programm abzustimmen. Wie du ja gerade schon gesagt hast, die Spotify-Session, ist komplett anders als ein Auftritt beim Hurricane-Festival. Und das war wieder komplett anders, als ein Club-Konzert im Docks hier in Hamburg. Die Möglichkeit frei Musik zu machen, so wie man es gerade in dem Moment fühlt, birgt natürlich Abend für Abend etwas sehr, sehr Besonderes.

Ja cool.

Und natürlich gibt es verrückte Ideen. Ich war auch bei der letzten Tour schon so, dass ich Dinge gemacht habe, die einfach homemade sind. Wo auch Sachen auf der Bühne passieren, die man so noch nicht gesehen hat, das kann ich versprechen.

Mit Mut zum Risiko, ja?

Mit Mut zum Risiko, absolut. Weil selbst wenn diese Dinge schief gehen, ist es doch wieder so geil, weil die Leute sich so drüber freuen, dass Dinge ausprobiert werden. Da spreche ich jetzt nicht von einem dreifachen Rückwärtssalto oder sowas, sondern wirklich von verrückten—

Spoiler nicht zu viel!

*lacht* Also, da wird auf jeden Fall sehr, sehr viel passieren. Und ich kann will auch nicht jedes einzelne Detail vorher schon geplant haben und dann umsetzen, sondern es wird auch sehr, sehr viel Interaktion geben.

 Wollen wir noch über deine Tourunterstützung reden? Du hast gleich Vierfachsupport.

Mr. Me, Kelvin Jones, Lotte und Max Prosa. Das ist für mich eine wahnsinnig schöne Bandbreite. Lotte hab ich bei meiner allerersten Tour kennengelernt, ich glaube 2014. Da stand in meiner Lokalzeitung in Vlotho „Joris auf Deutschlandtour“, was de facto so war. Ich habe drei Konzerte gegeben, eins in Vlotho, in Ludwigsburg und eins in Ravensburg. Und Lotte kommt aus Ravensburg ist glaube ich noch zur Schule gegangen und sie hat da aber immer in der Kulturscheune gespielt, weil der Veranstalter so gerne lokale Künstler supportet.

Es gab von mir noch nichts zu hören! Und trotzdem war der Laden voll und es waren 250 Leute da. Sie haben da so eine tolle Förderung von jungen Projekten, dass ich immer wieder gern dran zurückdenke. Da habe ich Lotte kennengelernt und jetzt hat sie ihr eigenes Ding total erfolgreich gemacht und ja, sie kommt mit und begleitet uns, da ist eine große Ehre.

Kelvin Jones habe ich als Labelkollegen kennengelernt, und wir haben zusammen beim Sony Cup Fußball gespielt. Toller Typ, wir waren in einer Mannschaft. Er macht tolle Musik und deshalb freue ich mich, dass er auch mit dabei ist.

Mr. Me war bei den Sessions auch sehr beeindruckend und ist ja eher ein Hip-Hop affiner Musiker.  Und dann eben Max Prosa, einer der ganz, ganz Großen, was meine Erinnerungen an deutsche Musik angeht.

Ich habe bis ich 22 Jahre alt war immer nur Englisch geschrieben und auch immer nur englische Musik gehört. Und mein erster deutscher Song war „Im Schneckenhaus“ und da hab ich gemerkt: Wow, es ist doch total schön, auf Deutsch zu schreiben und es ist gar nicht so, dass es phonetisch nicht funktioniert, sondern es geht doch gut. Und du hast die Möglichkeit, dass die Leute dich verstehen. Und Max Prosa war natürlich gerade zu der Zeit einer der ganz großen Namen und es ist eine riesen Ehre, dass er mitkommt.

Ja cool. Vielleicht noch ganz spontan aus der Hüfte: Seid ihr im Nightliner unterwegs auf der Tour?

Genau, ja.

Und wahrscheinlich gibt es da einen Playlist-Verantwortlichen, gehe ich jetzt mal von aus.

Haha, ja. *lacht*

Und bist du das?

Nein, das ist der Tobi, mein Bassist.

Und im Tourbus, ist da eher so Tee mit Honig, Stimme schonen, oder auch mal ein Bierchen und ein bisschen…

Also, das kommt ein bisschen drauf an. Meine letzte Tour ist anderthalb Jahre her, ich kann mich gar nicht mehr im Detail erinnern, wie alles war. Ich weiß nur, dass die letzten anderthalb Jahre sehr exzessiv waren.

Okay.

Wenn wir nur zwei, drei, vier Festivals spielen und danach zwei, drei Tage Pause haben vertragen wir ein bisschen mehr Party im Bus. Tobi ist definitiv der Playlist-Beauftragte, da läuft super viel Unterschiedliches. Aber es läuft gerne auch mal ein bisschen, ähm…

Eskalationsmusik.

Eskalationsmusik. Und jetzt auf Tour ist es schon so, dass wir uns wahrscheinlich wieder ein gewisses Maß an Professionalität erarbeiten müssen. *lacht*

Hast du eigentlich Heimweh auf Tour?

… jetzt wär’s echt mal toll, mal wieder zuhause zu sein. Wenn man dann ein tolles Konzert vor sich hat, ist das Gefühl auch schnell wieder weg.

Schöne Erlebnisse sind sozusagen das Mittel gegen Heimweh.

Definitiv!

Zum Schluss: Magst du einmal deinen bewegendsten Fanmoment mit uns teilen oder ist dir das zu kitischig?

Es gibt unfassbar emotionale Momente für mich und nach den Tourkonzerten gehe ich immer noch mal raus zu den Fans. Manche Leute wollen gern Fotos haben, andere Leute haben Lust, sich noch kurz zu unterhalten. Das wird jetzt immer größer, manchmal bin ich dann anderthalb Stunden nach den Konzerten noch draußen. Da gibt es Geschichten, die super traurig sind, bis hin zu „Wir haben unser Kind verloren und diese Nummer hat uns total viel Kraft gegeben und wir haben zwei Stunden hier noch gewartet, weil wir einfach noch mal Danke sagen wollten.“

Sehr berührend, krass.

Da habe ich dann einen Kloß im Hals.

 Wir wollen dich jetzt aber nicht mit so einem emotionalen, traurigen Moment aus dem Gespräch entlassen – magst du noch einmal deinen witzigsten Live-Moment mit uns teilen?

Klar. In Münster haben wir auf einem Festival gespielt und da waren wir Headliner. Vor uns hat Seven gespielt. Und da hat eine Gruppe Betrunkener Champs-Élysées gesungen. Ich hab mir nur gedacht: „Oh, das ist mir jetzt gerade ein bisschen unangenehm.“ Ich meine, die singen da Champs-Élysées, was zumindest noch stilvoll ist, aber halt mitten im Konzert eines anderen Künstlers. Und dann stand ich abends auf der Bühne, es war wunderschön, 10.000 Leute, tolle Stimmung, und auf einmal kommt so eine merkwürdige Unruhe auf. Und ich merke, dass die Securitys rumrennen. Einer dieser Jungs war einfach so auf die Bühne gegangen, dass keiner gedacht hat, dass man ihn aufhalten müsse und folgte ihm, als er schon auf der Bühne war. Ich sagte: „Okay, wartet mal, lasst uns jetzt niemand von der Bühne während des Konzerts abführen.“ Als ich ihn fragte „Hey, was geht denn?“ Wollte er einfach nur seine Jungs grüßen, wie man dann halt manchmal so drauf ist und dann hab ich gesagt: Seid ihr nicht diejenigen gewesen, die Champs-Élysées gesungen haben? „Ja klar!“ Dann hab ich ihm das Mikrofon gegeben, hab mich ans Klavier gesetzt, hab Champs-Élysées gespielt, er hat’s gesungen und 10.000 Leute haben mitgesungen.

Ach Quatsch!

Das sind Momente, die manchmal spontan entstehen und das kann man ja nicht planen. 

Ja, krass – vielen Dank für deine Zeit, für das nette Gespräch und viel Spaß auf der Tour zum Album, Joris.

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