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Rock

GHOST: Weihrauchexzesse auf der Popestar-Tour 2017

25.04.2017 von Ben Foitzik

Der zum Bersten gefüllte Saal verdunkelt sich. Das raunende Publikum verstummt in andächtiger Stille. Sakraler Gesang erfüllt den Äther und vermengt sich mit dem immer penetranter werdenden Weihrauchgeruch zu feierlicher Synästhesie. Was geht hier vonstatten? Osternacht? Ayurveda-Orgie? Geisteraustreibung? Nein, im Gegenteil: GHOST sind in der Stadt und zelebrieren im Rahmen ihrer „Popestar“-Tour eins ihrer fesselnden Musikrituale!

Auch wenn es im Vorfeld der jüngsten Ghost-Tour ein paar unschöne Nachrichten aus dem Lager der schwedischen Okkult-Rocker gab (Kurzform: kompletter Austausch der als „Nameless Ghouls“ bekannten Musiker, die daraufhin ihren Frontmann Papa Emeritus III verklagten), sind die jüngsten „Rituale“ der Band gerammelt voll und zum größten Teil ausverkauft. Weil jeder, der schon einmal bei einer Ghost-Show war, weiß: Hier gibt es episches Entertainment kombiniert mit grandiosen Rockhymnen!

Vorhersehbar? Ja: vorhersehbar ghostartig!


Auch wenn der Begriff „Ritual“ beim ein oder anderen vermutlich negative Konnotationen hervorruft, ist er im Kontext einer Ghost-Show doch absolut zutreffend – der Duden definiert das Wort schließlich folgendermaßen: „wiederholtes, immer gleichbleibendes, regelmäßiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung; Zeremoniell“. Der Sakralgesang zum Einstieg, der Weihrauch, die maskierten Ghouls, der Sänger in Papstkluft, die Hostienverteilung, das Finale mit „Monstrance Clock“ – all das ist ein fester Bestandteil jeder Ghost-Performance, die somit per definitionem durchaus ein Ritual ist. „Some may find that a little predictable“, sagt selbst Papa Ghost – die meisten aber kommen genau deswegen immer wieder zu Ghost.

Auch wir waren (mal wieder) dabei, als Papa Emeritus III. und seine neuen Ghouls Anfang April ihren Weihrauch im Hamburger Docks verströmen ließen und einmal mehr eine großartige Show ablieferten. Zuerst bekamen die Fans im ausverkauften Club aber erst mal die Vorband Zombi serviert, die mit ihrem schrägen Synthie-Instrumental-Rock eine echte Entdeckung ist. Wie die Untermalung eines 80er-Jahre-Horrorfilms klingt das Duo aus Pittsburgh – checkt die Jungs unbedingt mal aus:

Die Ghost-Feierlichkeiten sind eröffnet


Ob Zombi als Vorband die beste Wahl für Ghost sind, sei mal dahingestellt – welche Band ist das denn schon? In Hamburg gab’s zumindest anerkennenden Applaus für die untoten Instrumentalisten. Und kurz darauf öffneten sich auch schon die heiligen Weihrauch-Schleusen und läuteten die 15 Songs starken Ghost-Feierlichkeiten ein, die mit dem aktuellen Überhit „Square Hammer“ ihren Anfang nahmen.

So phänomenal auch diese Show der Schweden war – als langjähriger Ghost-Jünger merkte man durchaus, dass die namenlosen Instrumenten-Ghouls anders besetzt waren als sonst. War die ursprüngliche Formation durch hunderte Shows perfekt aufeinander eingestimmt, schienen sich die neuen Ghouls hinsichtlich der Dosierung ihrer Performance noch nicht ganz einig zu sein. Der Bass-Ghoul wirkte beispielsweise etwas (zu) hibbelig und agil auf der Bühne – wir wollen doch bitteschön nicht von Papa ablenken!

Der spielte seine Rolle mit gewohnter Souveränität, Ausgelassenheit, Grandezza und Frivolität: Papa Emeritus III. ist einfach ein begnadeter Entertainer, der sein Publikum mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Charisma und Chuzpe in kürzester Zeit um den Finger wickelt und Song für Song perfekt abliefert. Egal ob härtere Nummern wie „From The Pinnacle To The Pit“, „Con Clavi Con Dio“, Cirice“ oder „Mummy Dust“ oder Melodie-Orgasmen à la „Year Zero“, „Ritual“, „He Is“, „Absolution“ oder „Ghuleh/Zombie Queen“ – Papa ist immer auf den Punkt. Einziger Wermutstropfen in einer ansonsten genialen Setlist: Die Mega-Ballade „If You Have Ghosts“, Cover des gleichnamigen Songs von Roky Erickson, fehlt neuerdings bei den Ghost-Ritualen – was ja eigentlich nur am Austausch der Ghouls liegen kann, sonst würde man auf einen derart großartigen Song wohl kaum verzichten.

Weil "If You Have Ghosts" einfach Pflicht ist:

Übrigens: Wir haben uns Ghost im Rahmen eines kleinen Urlaubstrips auch noch mal live in Lissabon angeschaut - eine Show, die ebenfalls das Prädikat „Weltklasse“ verdiente! Muss an den gefühlt 2.000 durchgeknallten iberischen Metalheads gelegen haben, die die an sich recht sterile Tejo Hall in einen wahren Hexenkessel verwandelten.

Oder ist doch die Akustik-Version besser? Was meint ihr?

Ghost sind längst zum internationalen Phänomen avanciert, was nicht nur der Gewinn des Grammys im vergangenen Jahr, sondern auch die immer hochwertiger werdenden Festival-Slots belegen – inzwischen spielen Papa & Co. Headliner-Slots neben Metal-Größen wie Amon Amarth oder Megadeth. Läuft bei Ghost! Auch wenn man abwarten muss, ob die Klage der Ex-Ghouls dem Projekt Ghost möglicherweise schaden wird – was äußerst schade wäre.

Also: Wenn ihr die Chance habt, irgendwo eine Ghost-Show zu sehen – nutzt sie! Meldet euch am besten gleich hier für den Ghost-Ticketalarm an und ihr werdet informiert, sobald Papa & seine Ghouls wieder live zu sehen sind!


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