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Metal

BULLET FOR MY VALENTINE: TourTalk-Interview mit Sänger Matt Tuck

24.10.2018 von Ben Foitzik

Das Fever steigt: Die Deutschland-Tour der walisischen Metal-Macht Bullet For My Valentine ist gestartet (vielleicht gibt‘s ja noch Tickets?), auf der BFMV natürlich auch ihr neues Album „Gravity“ mit im Gepäck haben! Dies nehmen wir zum Anlass, euch mal wieder eins unserer berüchtigten TourTalk-Interviews zu kredenzen. Wir klingelten bei Bullet-Sänger Matthew Tuck durch, der zur Zeit unseres Gesprächs gerade mit der Band in den Staaten weilte und bereitwillig über das Leben „on the road“ plauderte.

Im folgenden TourTalk erfahrt ihr unter anderem, was Bullet For My Valentine schon alles auf Tour widerfahren ist, wo sie von der Bühne gebuht wurden und wieso sie sich auf Deutschland freuen. Und nicht zuletzt, warum sie mal ein Hotelzimmer in seine Einzelteile zerlegt haben.


"Einen Lenny-Kravitz-Penis-Eier-Moment gab es bei uns zum Glück noch nicht."

[ MATT TUCK ]

 


Hi Matt! Bist du eigentlich gerne auf Tour in fernen Ländern unterwegs?

Yeah, das ist ein tolles Leben. Du bereist die Welt, triffst viele interessante Menschen und hast einfach eine gute Zeit mit deinen Freunden. Alles in allem ist das ein toller Lifestyle und eine tolle Erfahrung und ich fühle mich privilegiert, so leben zu können. Natürlich gibt’s auch triste Momente, wenn man weit weg ist und sein Zuhause vermisst. Aktuell sind wir in Las Vegas, wo wir heute Abend die letzte Show einer fünfwöchigen Tour spielen – man kann sich also denken, dass wir alle ein bisschen im Arsch sind und uns auf zu Hause freuen. Grundsätzlich lieben wir es aber, auf Tour zu sein. Shows zu spielen, ist ja letztlich der aufregendste Teil des Jobs.

Heute tourt ihr vermutlich anders als vor 15 Jahren. Wie ging es bei euch los – mit dem Van durch Wales juckeln und unbezahlte Shows spielen?

Wir haben angefangen wie viele andere Bands auch: Es war alles selbstfinanziert, wir mussten alles selber machen und haben Shows vor niemandem und ohne Bezahlung gespielt. Wir waren vier Jungs aus Wales, die einfach rein gar nichts hatten. Und wir haben es irgendwie hingekriegt, Erfolg zu haben. Das ist echt eine unglaubliche Reise gewesen.

Fühlt sich das manchmal immer noch wie ein Traum an?

Tief in uns haben wir natürlich immer gehofft, dass wir das erreichen würden. Aber wir sind nie davon ausgegangen. Was wir in den 15 Jahre erreicht haben, übertrifft aber unsere kühnsten Vorstellungen. Wie gesagt – wir kommen aus sehr einfachen Verhältnissen und wir haben das alles aus eigener Kraft geschafft. Nichts davon ist ein Selbstläufer in der Musikindustrie, du musst dir einfach deinen Arschaufreißen, dich zu 100 Prozent hingeben und sehr viele Opfer bringen, um auch nur einen Hauch von Erfolg zu haben. Wir hatten einen Traum, und das war genug für uns. Also haben wir einfach immer weitergemacht und glücklicherweise eine Chance bekommen. Und sobald diese Chance kam, haben wir sie mit beiden Händen ergriffen und sind davongelaufen. Und wir laufen noch immer.

Was war der peinlichste Moment, den du auf Tour erlebt hast? Gab es zum Beispiel Lenny-Kravitz-Momente?

(Lacht) Nein, so was ist uns glücklicherweise noch nicht passiert. Mir selbst ist bisher auch noch nichts Megapeinliches passiert, außer dass ich vielleicht mal die Wörter zu einigen Songs vergessen habe. Da fühlt man sich natürlich schon wie ein Volltrottel, wenn du einen Song schon tausend Mal gesungen hast, plötzlich aber nicht mehr weißt, wie die erste Strophe anfängt. Einige von den Jungs sind auch schon mal gestolpert und haben sich frontal auf die Fresse gelegt – das ist für andere natürlich megalustig, aber für sie einfach nur unfassbar peinlich. Letztlich aber alles nichts Dramatisches, einen Lenny-Kravitz-Penis-Eier-Moment gab es zum Glück noch nicht.

Schlimmstes Essenserlebnis auf Tour?

Ach, wir sind ja schon überall auf der Welt getourt, da hat natürlich jedes Land und jede Region ihre kulinarischen Besonderheiten. Wir haben alles vom russischen Borschtsch bis zu den verrücktesten Meeresfrüchten Japans erlebt. Ich liebe Essen und versuche daher immer, mutig zu sein und Dinge zu essen, die ich zu Hause nicht bekomme.

Muss man da auf Tour nicht ein bisschen vorsichtig sein mit dem Magen und so?

Schon, aber den Magen kannst du dir letztlich auch zu Hause in London verstimmen. Ich mache mir da eigentlich keine Gedanken und versuche, das alles mitzunehmen. Das Leben zu erleben und den Moment zu genießen. Es läuft nicht immer so, wie man sich das vorstellt, aber es ist immer gut, Erfahrungen zu sammeln.

Bullet For My Valentine - Not Dead Yet

Was war der verrückteste Moment ever bei Bullet For My Valentine?

Wir haben schon eine Menge verrückter Momente gehabt – hauptsächlich besoffene Bullshit-Ausschweifungen in Clubs. Ärger bekommen, Schlägereien anzetteln und all dieses Zeug. Im Nachhinein ging es da immer um Kleinigkeiten – Dinge, die jeden Samstagabend in jeder Stadt auf der ganzen Welt passieren. Den verrücktesten Moment hatten wir aber ganz am Anfang unserer Karriere: Wir hatten gerade einen 5-Alben-Deal mit Sony abgeschlossen und haben das ordentlich gefeiert. Zuerst gab es die epischste Party aller Zeiten in einem Londoner Stripclub, die wir dann in unser Hotelzimmer verlagert haben. Dort haben wir dann einfach den gesamten Raum komplett zerlegt. Wir dachten uns „Wenn wir so was irgendwann mal durchziehen können und das totale Rock-Klischee abliefern können, dann jetzt“. Wir haben das Sofa durch die Wand in den nächsten Raum gehauen und versucht, die Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen. Da sich die Fenster jedoch nicht so weit öffnen ließen, haben wir die Fernseher einfach auf dem Boden zerdonnert und am Ende einfach draufgepisst (lacht). Einfach nur kompletter Nonsens und absolut lächerliches Verhalten. Wir haben diese Rock’n’Roll-Nummer einfach sehr früh von unserer To-do-Liste gestrichen.

Das ist also kein Standard auf einer BFMV-Tour?

Absolut nicht. Wir fühlten uns in dieser Nacht einfach nur unverwundbar. Wir hatten gerade einen Plattenvertrag mit einem Major-Label abgeschlossen – davon hatten wir unser Leben lang geträumt. Und wir dachten: „Wenn wir in irgendeiner Nacht mit so was davonkommen, dann in dieser“. Also haben wir es getan (lacht).

Was war die sonderbarste Form der Bezahlung für eine Show?

Es gibt eigentlich nur drei Formen der Bezahlung: 1. Keine, 2. Alkohol und 3. Cash. An diesen Stufen kann man auch die Entwicklung unserer Band verfolgen: Am Anfang haben wir lange Zeit rein gar nichts bekommen und haben sogar eher dafür bezahlt, spielen zu können, da wir einen Van mieten, Sprit bezahlen und Urlaub nehmen mussten. Irgendwann hatten wir dann Glück und wurden mit Alkohol bezahlt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt gab es dann sogar Geld.

Habt ihr ein besonderes Tour- oder Pre-Show-Ritual?

Nichts wirklich Ungewöhnliches. Wir alle machen Aufwärmübungen. Ich zum Beispiel wärme 20 Minuten lang meine Stimmbänder auf. So wie es auch jeder Athlet tut, ob es nun ein Läufer oder ein Fußballspieler ist, muss man auch als Sänger die Muskeln aufwärmen, die man benutzt. Die Stimmbänder stellen da keine Ausnahme dar, da sie sehr klein und empfindlich sind. Du kannst nicht einfach auf die Bühne gehen und eine Anderthalb-Stunden-Show spielen, ohne dich vernünftig vorzubereiten. Ich gehe also meine Bewegungen durch, bereite meine Stimme vor, sehe zu, dass ich genug Wasser trinke und stelle mich mental auf das Chaos ein, das bald losbrechen wird. Du musst deinen Körper einfach vernünftig vorbereiten.

Bullet For My Valentine - Letting You Go

Wurdet ihr schon mal von der Bühne gebuht oder mit unschönen Dingen beworfen?

Oh yeah, davon hatten wir auch schon eine Menge. Am besten ist mir in Erinnerung geblieben, als wir in Nordamerika Iron Maiden supportet haben, das war 2006, als „The Poison“ in den Staaten veröffentlich wurde. Wir hatten echt eine harte Zeit, da die Fans nicht wussten, wer wir waren, und es ihnen auch scheißegal war. Sie waren sehr feindselig, haben mit Münzen und Getränken und allem Möglichen geworfen, uns den Finger gezeigt und uns einfach von der Bühne gebuht (lacht). Das gehörte für uns aber irgendwie zum Erwachsenwerden dazu. Dadurch haben wir ein dickes Fell bekommen – es war nicht schön, aber wir haben es durch jede einzelne Show geschafft. Und nur sechs Monate später ging unsere Band dann durch die Decke. Im Nachhinein war das natürlich irgendwie witzig. Und wir durften auch etwas erleben, was nicht viele Bands erleben: Wir sind mit Ikonen wie Iron Maiden getourt – das allein war schon unglaublich. Daran erinnern wir uns lieber als an die Reaktionen des Publikums.

Wenn ihr nach einer großen Tour nach Hause kommt, habt ihr dann manchmal Entzugserscheinungen, wenn das Rampenlicht auf einmal erlischt und man das „normale“ Leben leben muss?

In den ersten Tagen ist es sicherlich schwierig, sich wieder an das normale Leben anzupassen, in einen normalen Schlafrhythmus und eine Alltagsroutine zu kommen. Aufstehen, joggen gehen, shoppen gehen, essen machen – die normalen Dinge, die jeder Mensch tut. Dieses Bodenständige und Alltägliche sind etwas, auf das wir uns freuen, wenn wir nach Hause kommen. Die Anpassung daran ist etwas schräg, besonders wenn man einen Jetlag hat. Wir brauchen einfach beides, um die Spannung nicht zu verlieren: Wir brauchen eine Auszeit, um wieder Lust aufs Touren zu bekommen, und wir müssen auf Tour gehen, um uns wieder auf Zuhause freuen zu können.

Bald spielt ihr wieder in Deutschland – habt ihr besondere Erinnerungen an eure deutschen Fans?

Aber klar, sehr viele! Seit unserer Debüt-EP aus 2005 haben wir eine besondere Beziehung zu unseren deutschen Fans. Ich glaube, in Bezug auf Größe der Shows, verkaufte Tickets und Platten ist Deutschland unser größter Markt auf dem ganzen Planeten. Wir sind also extrem dankbar und freuen uns immer darauf, nach Deutschland zurückzukommen und das zu tun, was wir am besten können: Euch den Rock’n’Roll zu bringen!

Danke für das Interview, Matt. Und noch viel Spaß in den Staaten!

Danke, heute Nacht steht erst mal Vegas an. Vorher haben wir Orte wie Wichita und Kansas City gespielt, die im Nirgendwo liegen und in denen man kaum was machen kann. Las Vegas ist aber immer ein Highlight und heute werden wir danach noch eine kleine Party starten.

Aber nicht wieder das Hotelzimmer zerschrotten.

Nein, das wird nicht mehr passieren. Ist viel zu teuer (lacht).

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