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Rock

BILLY TALENT: das neue Album „Afraid Of Heights“ im Check

26.07.2016 von Ben Foitzik

Am Freitag, den 29. Juli 2016 geht eine fast vierjährige Wartezeit zu Ende: So viel Zeit liegt zwischen dem letzten Billy Talent-Album „Dead Silence“ und ihrem fieberhaft erwarteten neuen Werk „Afraid Of Heights“. Wir haben das 5. Album der Kanadier, die damit bekanntermaßen Ende des Jahres auf Tour gehen, schon hören können… wie mag es wohl klingen?!

Billy Talent sind zurück!



Vier Jahre sind eine lange Zeit – im Leben eines Individuums und erst recht im Leben einer vierköpfigen Band. Einer Band, die auf „Afraid Of Heights“ sogar um einen Kopf angewachsen ist, da der langjährige Drummer der Band, Aaron Solowoniuk, aufgrund seiner MS-Erkrankung nicht aktiv bei den Aufnahmen mitwirken konnte. Als Ersatzmann holten sich Billy Talent ihren langjährigen Freund Jordan Hastings von den kanadischen Kollegen Alexisonfire! ins Boot, der Solowoniuk bis auf Weiteres vertritt. Auf den offiziellen Promobildern für „Afraid Of Heights“ sind sowohl Hastings als auch Solowoniuk zu sehen – ein schönes Zeichen einer Band, die seit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im Jahr 2003 keinen einzigen Besetzungswechsel zu verzeichnen hatte.

Wie hat sich der unfreiwillige Besetzungswechsel bei Billy Talent wohl auf den Sound der Band ausgewirkt? Und was haben die vier Jahre auf künstlerischer Ebene mit Mastermind und Gitarren-Gott Ian D’Sa, Sänger Ben Kowalewicz und Bassist Jon Gallant gemacht? Sind Billy Talent noch die gleiche Rockhymnenhitmaschine wie auf ihren großartigen ersten vier Studioalben, von denen zwei auf der Pole Position und eins auf Platz #2 der deutschen Albumcharts landeten?

Die Antwort ist: JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Und hier sind die zwölf Gründe für dieses JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!:

#1 Big Red Gun


Mit einer wuchtigen Gitarren-Wand zum Einstieg wollen Billy Talent gleich mal klarstellen, dass sie auch nach der langen Auszeit nichts von ihrer Intensität und Hymnenhaftigkeit verloren haben. Als wollten sie sagen „Keine Sorge, Fans – wir sind immer noch die Alten!“ Der Track fährt mit einem mächtigen Chorus auf, in dem die Instrumente clever in den Hintergrund treten, sich Ben Kowalewicz in Hochform zeigt und Ian D’Sa auf altbewährte Weise die Background-Shouts abliefert. Dieser Song ist eine 3 Minuten und 17 Sekunden lange Ansage an die Rockwelt: Billy Talent sind zurück!

#2 Afraid Of Heights


Auch der Titeltrack begeistert mit sauberen, kräftigen Riffs und der einzigartigen Stimme von Kowalewicz, die man unter 1000 Sängern heraushören würde. Aber hört doch einfach selbst!

#3 Ghost Ship Of Cannibal Rats


Also zuerst einmal ist das Billy Talents coolster Songtitel überhaupt. Und auch musikalisch ist „Ghost Ship Of Cannibal Rats“ überragend: Zum Einstieg gibt’s groovige Staccato-Riffs, die in einen beinahe grungigen Part übergehen und in einem fantastischen Refrain münden. Danach liefert Kowalewicz sogar einen Sprechgesang-Part à la Faith No More ab, den man so auch noch nicht bei Billy Talent gehört hat.

#4 Louder Than The DJ


Achtung, jetzt kommt ein Schrammel-Punkrock-Song zum Mitgrölen! Zunächst wirkt die Nummer vielleicht etwas stumpf, entwickelt sich aber schnell zum absoluten Hit! „Someone said a long time ago rock and roll will never grow old…“ – Recht haben sie! Explodiert in epischem Kakophonie-Crescendo – geile Nummer, oder?!

#5 The Crutch


Beim nächsten Song tauchen Billy Talent dann in (Hard-)Rock-Gefilde ab: Der Song gefällt mit seinem mitreißenden Refrain, hat hohes Mitgröl-Potenzial für Live-Konzerte.

#6 Rabbit Down The Hole


Plötzlich klingen melancholische Akustikgitarren aus den Boxen und Kowalewicz stimmt eine emotionale Gänsehaut-Ballade an, die sich zum gefälligen Midtempo-Song mit Grunge-Flair entwickelt. D’Sas Gitarrensolo im Mittelteil ist einfach nur großartig… was für ein Sound! Mit einer Laufzeit von über sechs Minuten der längste Billy Talent-Song aller Zeiten – und jede Sekunde davon ist grandios.

#7 Time Bomb Ticking Away


Bevor hier Kuschelstimmung aufkommt, treten Billy Talent das Gaspedal schon im nächsten Song wieder voll durch und liefern eine Full-Speed-Punkrock-Keule ab. Der erste Song, der etwas willkürlich wirkt und im Vergleich zu den anderen auch beim Refrain etwas abfällt.

#8 Leave Them All Behind


Oha: Kowalewicz kann seiner Stimme ja auch ein raues Timbre verleihen! Klingt wie eine Mischung aus Green Day, Lifehouse und… nun… Billy Talent! Eine interessante Variation, die der Band bestens zu Gesicht steht und mit einem schmissigen Refrain punktet.

#9 Horses & Chariots


Huch, was ist das denn?! Synthies?! Muse – seid ihr es? Billy Talent probieren auch hier etwas Neues aus… und es funktioniert ebenfalls! Der vielleicht ungewöhnlichste Song, den die Kanadier je gemacht haben – daran werden sich sicherlich einige Fan-Geister scheiden.

#10 This Is Our War


Dass man keine Sorge haben muss, Billy Talent könnten zur Electro-Rock-Band mutieren, zeigt der nächste Track, den Kowalewicz in seinem altbewährten Sprech-Sing-Sang intoniert. Ein wuchtiger Rocksong mit ordentlich Dynamik.

#11 February Winds


Mit einer Midtempo-Rocknummer geht’s Richtung Finale. In der zweiten Song-Hälfte gibt’s einen wunderbaren Akustik-Gitarren-Übergang, ansonsten ein relativ unspektakulärer Song.

#12 Afraid Of Heights (Reprise)


Tempogedrosselte und mit Electro-Elementen unterfütterte Version des Titeltracks. Interessant. Wirft die Frage auf, in welche Richtung Billy Talent nach diesem Album gehen werden. Steht die Band nach viereinhalb reinrassigen Rockalben etwa am Scheideweg?

"Afraid Of Heights" - das Fazit


Neun Killer-Songs, nur zwei mittelprächtige Tracks und ein paar wirklich gelungene Electro-Experimente: Billy Talent fügen ihrem einzigartigen Trademark-Sound auf "Afraid Of Heights" ein paar spannende neue Elemente hinzu, die die Band noch variabler und faszinierender machen. Insgesamt ein überaus gelungenes Album, das Billy Talents Ausnahmestellung in der kontemporären Rockmusikszene eindrucksvoll unterstreicht, jeden bisherigen Fan begeistern und viele neue anlocken dürfte.


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