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Singer-Songwriter

Backstage mit GRETA: „Songwriting ist die beste Art der Therapie“

08.08.2025 von Marie Jahnke

Musik spielte im Leben von GRETA schon immer eine große Rolle: Die Hamburger Sängerin und Songwriterin lernte bereits in jungen Jahren mehrere Instrumente und spielte sogar im Orchester der Hamburger Staatsoper. Im Sommer 2024 veröffentlichte sie mit „Chaos im Kopf“ ihre erste Single. Ihr Sound zwischen Indie, Pop, Soul, elektronischen Einflüssen und Urban kam an und GRETA baute sich in der Folge eine beachtliche Fanbase auf. Nun ist ihr Debütalbum „Sonne und Schmerz“ erschienen – ein spannungsreiches Werk zwischen Leichtigkeit und Melancholie. Bevor sie im Dezember damit auf Tour geht, trafen wir sie zum Interview und sprachen unter anderem über denkwürdige Auftritte und ihr neues Tourmaskottchen „Simba Groot“.

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Klavier, Gitarre und Saxophon – du beherrscht fast ein halbes Orchester. Wann hast du mit der Musik angefangen und wie kamst du dazu, so viele Instrumente zu lernen? 

GRETA: Beherrschen wäre vielleicht etwas weit hergeholt – aber ich weiß mit den Instrumenten auf jeden Fall etwas anzufangen. Mein Vater ist Filmkomponist und somit sind meine Geschwister und ich sehr früh mit Musik in Kontakt gekommen. Mein Bruder und ich haben beide im Alter von vier Jahren angefangen, Klavier zu lernen. Nach und nach habe ich immer mehr meine Freude an der Musik entdeckt und wollte Gitarre lernen. In der Schule hatte ich das Glück, dass mir in einem Musikförderkurs das Saxophon in die Hand gedrückt wurde, und irgendwie hatte ich dafür Talent. Mit dem Singen habe ich als Letztes angefangen. Also ich habe immer gesungen, aber irgendwann hab ich angefangen, mich am Klavier zu begleiten und so richtig zu singen… nicht nur auf SingStar! Obwohl da wahrscheinlich meine gesanglichen Anfänge stattgefunden haben. Avril Lavigne,  Sunrise Avenue und Amy Winehouse liefen damals auf der PS2 rauf und runter. 

Schon im Alter von 14 bist du im Orchester der Hamburger Staatsoper aufgetreten. Wie war das und was hast du für deinen späteren Werdegang gelernt?

Das war eine aufregende Zeit, aber vor allem mit sehr viel Druck verbunden. Damit konnte ich damals nicht so gut umgehen. Ich hab wahnsinnig viel geübt, weil ich immer das Gefühl hatte, nicht gut genug zu sein. Das ist etwas, das sich bei mir aber durch alle Bereiche im Leben gezogen hat. Ich hab schon immer versucht, so viel wie möglich zu üben, weil ich große Versagensängste hatte. Das wurde da natürlich auch getriggert. Ich war im Vergleich zu den Leuten vor Ort auch einfach auf einem anderen Level. Ich mochte es nie so gerne, nach Noten zu spielen, und saß auf einmal vor einer 200-Seiten-Partitur. Mein Saxophonlehrer musste mir die Parts oft vorspielen, und ich habe sie damals aufgenommen und nach Gehör gelernt, anders ging das nicht so gut. Bis heute spiele ich eigentlich nie nach Noten, sondern immer Freestyle-Improvisation oder raushören. Ich war damals schon froh, als wir dann die letzte Aufführung hatten und das Jahr vorbei war.

Mit „Sonne und Schmerz“ ist nun dein Debütalbum erschienen. Wie entstand der Titel und wofür steht er?

Auf den Titel bin ich zusammen mit Max Richard Lessmann in einer späten Nacht in Hyères, Frankreich gekommen, als wir den gleichnamigen Song geschrieben haben. In dem Moment hat alles Klick gemacht, Max und ich haben uns angeschaut und gesagt: So muss das Album heißen! Ich sag immer, dass dieser Gegensatz und diese beiden Welten mich ganz gut beschreiben. Leichte Schwere, nach vorne gehende Sounds mit textlichem Tiefgang. Ein Kontrast, ein Up and Down. Wie das Leben halt. Ich wollte auf meinem Album nicht nur melancholische Texte mit traurigen Melodien verpacken, aber ich wollte auch kein Happy-Happy-Album machen, weil das bin ich einfach nicht nur. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob das wirklich funktioniert, diese beiden doch sehr gegensätzlichen Gefühle zusammenzubringen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir das auf dem Album gelungen ist. Schmerz ist eine Konstante, die sich nicht vermeiden lässt und mit der ich in den letzten Jahren tagtäglich zu tun hatte. Sonne hingegen ist etwas, wonach man sich sehnt und was einem gute Laune macht. Die Balance macht es, und egal wie negativ ich in einem Song werde, ich lasse immer Platz für einen Lichtblick und ein Stück Hoffnung, nach dem Motto: Egal wie scheiße es gerade ist, es wird wieder gut. Und wenn’s nicht gut wird, auf jeden Fall besser als jetzt.

Die Songs sind sehr persönlich und emotional. Wolltest du beim Schreiben etwas Bestimmtes loswerden oder verarbeiten? 

Songwriting ist die beste Art der Therapie. Manchmal schreibe ich Songs, die ich erst Wochen oder Monate später verstehe, das ist super interessant. Aber klar, beim Schreiben verarbeitet ich ganz viel, und Songs über bestimmte Ereignisse zu schreiben hilft mir auf jeden Fall auch, diese Gefühle ein Stück weit gehen zu lassen, weil sie dann ausgesprochen sind und nicht mehr im Unterbewusstsein herumschwirren und um die Ecke kommen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Am meisten inspirieren mich Momente, in denen ich ganz viel fühle. Neue Situationen, Menschen, Geschichten. Ab und zu verarbeite ich auch fremde Geschichten in Songs zu meinen.

Wie würdest du das Album jemandem beschreiben, der deine Musik noch nie gehört hat? 

Eine Mischung aus Melancholie und Leichtigkeit. Das Album ist sehr ehrlich, ich erzähle viel und ungefiltert aus meinem Leben – die ersten Krisen, Heartbreaks, Mixed Feelings, Familien-Issues, Burnout, Wut, Frustration, Sehnsucht. Ich sag immer zu Leuten, die noch nichts gehört haben: Hör dir „Holidaze“ an für den Vibe Check und „Chaos im Kopf“, wenn du mich kennenlernen willst.

Hattest du während des Prozesses Referenzen oder Künstler:innen im Kopf, die dich inspiriert haben? 

Im letzten Jahr vor allem Lola Young. Die hat mir Clueso Anfang 2024 empfohlen und daraufhin hab ich mich krass in ihren Sound verliebt. Ansonsten bin ich mit Musik von Jack Johnson, Avril Lavigne, The Kooks, Red Hot Chili Peppers, Cro, Supertramp und so weiter groß geworden. Und in den letzten Jahren vermehrt mit Tash Sultana, Tom Misch, Jorja Smith, Dominik Fike, Frank Ocean, Bon Iver, Cleo Sol, Masego und RY X. Ich glaube, dass man von allen Seiten stetig inspiriert wird, aber diese Künstler liefen bei mir in den letzten Jahren auf Dauerschleife.

Im Dezember gehst du mit deinem Album auf Tour. Was bedeutet dir das Live-Spielen im Vergleich zum Studio? 

Das Live-Spielen macht mir so viel Spaß! Das bedeutet mir alles, und darüber bin ich so froh – weil ich noch vor einem Jahr, als ich noch nie mit meinen Songs auf der Bühne gestanden hatte, ein bisschen Angst davor hatte, dass mir das vielleicht nicht so viel Spaß macht. Aber jetzt gibt es für mich eigentlich nichts, was da rankommt. Ich würde auch sagen, ich stehe lieber auf der Bühne als im Studio. Aber das sind auch zwei wirklich sehr unterschiedliche Umgebungen.

Wie spiegelt sich die Dualität des Albums bei deinen Konzerten wider? 

Es gibt ganz viele schöne, mit Leichtigkeit behaftete Momente in meiner Show, die zum Tanzen einladen und „Good Vibes“ versprühen. Andererseits gibt es auch viele schöne emotionale & deepe Momente und schmerzvolle, laute und wütende Momente. Ein Meer an Emotionen, könnte man vielleicht sagen.

Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt erinnern? 

Wenn Grundschulaufführungen zählen: Ich glaube, ich war in der sechsten Klasse im Musikkurs, und wir hatten eine Aufführung. Da unser Kurs aber nichts auf die Beine gestellt hatte, wussten wir nicht, was wir aufführen sollten. Ich hatte zu der Zeit angefangen, Zuhause am Klavier „Read all about it“ von Emeli Sandè zu singen. Den habe ich meiner Musiklehrerin vorgespielt, und dann meinte sie: „Cool, kannst du den bitte aufführen?“ So hatte ich meinen ersten Solo-Auftritt in der Schule. Den ersten Support-Gig habe ich im Oktober 2024 bei GReeeN im Docks Hamburg spielen dürfen. Das war so aufregend! Ein komplett eigenes Konzert habe ich bisher noch nicht gespielt, das steht dieses Jahr mit meiner Tour an.

Hast du vor deinen Auftritten bestimmte Rituale oder sowas wie einen Glücksbringer, der nicht fehlen darf? 

Ja! Ganz neu: Wir haben ein Tourmaskottchen, das wir „Simba Groot“ getauft haben. Ein flauschiger Flummi mit ultra süßen Augen. Benannt nach Simba von König der Löwen. Der kommt neuerdings immer in die Bassdrum von Merlin, wenn wir mit Live-Drums spielen. Ansonsten haben wir noch als Pre-Show-Ritual einen Check mit Hand und Fuß, den wir vor jeder Show hinter der Bühne vollziehen. Der darf nicht fehlen!

Was war bisher dein intensivster Live-Moment – entweder emotional oder völlig verrückt? 

Wir haben vor zwei Wochen eine Show in Bonn gespielt und dort einen Slot nach Zartmann und vor Clueso bekommen. Das war eine große Ehre und eine riesige Bühne, die wir spielen durften. Beim letzten Song des Sets  „Herz im Meer", der sehr emotional ist, habe ich mit meinem Gitarristen zusammen einen Gitarrensolo-/Scream-Moment. Ich hab das so doll gefühlt, weil sein Solo so emotional war, dass mir voll die Tränen kamen – vor Freude und Emotionen und allem zusammen. Das war ein krasser Live-Moment. Und eine der besten Shows, die wir je gespielt haben. Aber ich durfte auch bei der Cluesos Weihnachtsshow 2024 Support spielen – das war für mich auch schon eine der krassesten Erfahrungen, vor allem im Duett mit ihm zu singen… komm ich immer noch nicht drauf klar. Als nächstes kommen die Cro-Supports, das ist für mich auch total krass.

Gibt es dieses „eine“ große Ziel, was du erreichen möchtest? 

Ich will das hier für immer machen. Songs schreiben und live auftreten, bis ich alt bin. Irgendwann hoffentlich dann ein Album machen, das „Gretas Hits“ heißt.


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