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Indie

Backstage mit Blumengarten: „Ich habe immer so eine Duftkerze dabei“

28.03.2025 von Nadine Wenzlick

Seit ihr Song „Paris Syndrom“ 2022 viral ging, sind Blumengarten einer der gehyptesten deutschen Acts. Mit ihrer smoothen Mischung aus Indiepop und R&B und den emotionalen Texten mit Coming-Of-Age-Vibes haben Sänger Rayan Djima und Produzent Samuel „Sammy“ Eickmann sich in den letzten Jahren eine treue Fanbase erspielt. Nach mehreren EPs und Singles ist mit „Ich liebe dich für immer“ nun endlich ihr das erste Album des Duos aus Nordrhein-Westfalen erschienen. Im Interview sprechen die beiden über ihre unterschiedlichen Backgrounds und die großen Erwartungen an ihr Debüt, über Nostalgie und natürlich ihre anstehende Tour, die sie ab Anfang April quer durch Deutschland führt.

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Sammy, Rayan – ihr beide könntet auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Sammy ist Vollblutmusiker und hat sich schon im Jugendalter das Produzieren beigebracht, Rayan hat bis vor drei Jahren weder Musik gemacht noch je auf einer Bühne gestanden. Wie kamt ihr auf die Idee, gemeinsam eine Band zu gründen?

Rayan: Ja, das stimmt, wir haben beide sehr unterschiedliche Backgrounds. Trotzdem haben wir uns nach der Schule beide gleich verloren gefühlt. Ich denke das ist ziemlich normal in dem Alter. Wir hatten beide ein starkes Gefühl der Hoffnungslosigkeit beziehungsweise wussten einfach nicht so recht was wir machen wollen mit unserem Leben. Das gemeinsame Musikmachen wurde da irgendwie zum Ventil.

Sammy: Genau, es hat sich einfach gut angefühlt, zusammen an etwas zu arbeiten und sich kreativ auszutoben, deshalb haben wir uns zu der Zeit eigentlich jeden Tag getroffen und nur das gemacht. Ich glaube wir haben uns damit beide sehr viel Kraft gegeben.

Warum funktioniert ihr so gut zusammen? Was schätzt ihr am jeweils anderen?

Sammy: Das könnte ich gar nicht so leicht sagen. Schon nach der ersten Session, die wir gemeinsam hatten, wussten wir irgendwie es „funkt“. Wir haben beide eigentlich schon unterschiedliche musikalische Einflüsse, aber irgendwie hat es perfekt aufeinander gepasst.

Könnt ihr euch noch an euren ersten Auftritt erinnern?

Rayan: Ja, das war auf der Ghostrare Tour 2022. Ein paar aus der Gruppe hatten uns geschrieben, ob wir Lust hätten, in Essen während des Sets rauszukommen und zwei Songs zu performen. Wir waren echt total aufgeregt, aber das Publikum war so süß und hat toll mitgemacht. Wir sehen jetzt immer noch Leute von dem Abend bei Shows von uns!

Seit eurer 2022 veröffentlichten EP „sag deinen freunden, dass du sie liebst“ seid ihr in aller Munde, euer Debütalbum „Ich liebe dich für immer“ wird sehnsüchtig erwartet. Wie seid ihr im Aufnahmeprozess mit dem Druck und den hohen Erwartungen umgegangen? Ihr habt euch ja sehr viel Zeit gelassen.

Sammy: Ich denke Druck macht man sich immer, vor allem beim ersten Album. Das wichtigste ist, dass man selber zufrieden mit der Musik ist und das sind wir definitiv. Ob es dann noch irgendwelchen Erwartungen gerecht wird wie „erfolgreich“ es wird oder so, das kann man nicht wirklich kontrollieren und davon muss man sich trennen. Wir haben das Gefühl ein tolles Album gemacht zu haben und das ist das wichtigste, auch gerade weil wir uns die Zeit dafür genommen haben!


Blumengarten – Ich liebe dich für immer

Nach drei EPs legen Blumengarten endlich ihr facettenreiches Debütalbum vor. In 13 Songs erzählt das Duo von Vergänglichkeit und Erinnerung, von Sehnsucht und dem Versuch, die Zeit festzuhalten. Musikalisch bewegt sich „Ich liebe dich für immer“ zwischen cineastischer Weite und intimer Melancholie: Orchestrale Arrangements, analoge und digitale Klänge verschmelzen zu einem Sound, der sich zwischen Indie, R’n’B, Folk und Soul bewegt und von Rayan Djimas markanter Stimme getragen wird. Auch Gäste wie Sido, Symba, Kasi und Antonius sind mit von der Partie.


Was war euch bei diesem Album wichtig und wie ist es euch gelungen, euren Sound zu finden?

Rayan: Wir haben versucht, uns nicht zu begrenzen, und haben erstmal alles probiert und erst im Nachhinein versucht es zu reduzieren. Grundsätzlich war es aber ein sehr offener Prozess, der keinen wirklichen Regeln gefolgt ist. Wir wollten einfach der Idee des Albums folgen und uns davon leiten lassen.

Laut Pressemitteilung gleicht das Album „einem musikgewordenen Ratgeber für den Umgang mit der eigenen Vergangenheit und einem versöhnlichen Aufruf, ewig Kindzu bleiben“. Könnt ihr das erklären?

Sammy: In unserer Wahrnehmung ist Erwachsenwerden eine Art Entscheidung. Natürlich können manche Menschen diese Entscheidung leichter treffen als andere, gerade wenn man Kinder hat oder schon früh Verantwortung übernehmen muss, aber wir versuchen trotzdem uns so lange wie möglich diesen Spirit vom „Kind sein“ zu bewahren.

Durch das Album zieht sich ein nostalgischer Ton. Es geht viel ums Erwachsenwerden und darum, nicht loslassen zu wollen – eine Liebe, den letzten Sommer, die Kindheit. Ein Track heißt sogar „Nostalgie“ und ihr bezieht euch auch auf das Frank Ocean Album „Nostalgia“. Woher kommt dieses Gefühl des Festhalten wollens, warum hat euch das so stark beeinflusst?

Rayan: Wir sind einfach riesige Frank Ocean Fans und finden es bemerkenswert, wie er es schafft, in seiner Diskografie ähnliche Gefühle zu verarbeiten. Nostalgie ist schon was kompliziertes. Ich weiß natürlich, dass es mir nicht wirklich besser ging in der 3. Klasse beziehungsweise man da auch seine eigenen Probleme hatte. Trotzdem wünscht man sich nichts mehr als diese Zeit nochmal zu erleben, auch wenn es irgendwie Quatsch ist.

Was fällt euch am „Erwachsenwerden“ am schwersten?

Rayan: Dass es einfach immer nach vorne geht. Mit jeder Sekunde wird man ein Stück erwachsener und das ist ein Prozess, den man irgendwie nicht aufhalten kann, dem sind wir alle erlegen. Das ist natürlich was Schönes, aber auch ziemlich gruselig.

Das Album beginnt mit eurer Kollaboration mit Sido. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Rayan: Sido war für uns beide schon immer eine absolute Ikone. Wenn du in Deutschland aufwächst, kommst du da einfach nicht dran vorbei. Also dass wir mal mit ihm arbeiten wollen, war ein absoluter No-Brainer. Wir hatten ihn dann mal auf so einer Party kurz kennengelernt und uns relativ schnell schnell geeinigt, mal zusammenzuarbeiten – und dann führte eins zum anderen!

Blumengarten & Sido - Erinnerung



Auf dem Album sind außerdem Symba, Kasi und Antonius zu hören, ihr wart mit Künstlern wie Cro, 01099 und Casper auf Tour. Gibt es jemanden, mit dem ihr euch gerne mal die Bühne teilen würdet?

Sammy: AnnenMayKantereit wahrscheinlich am meisten. Das ist einfach die Band in Deutschland, die den größten musikalischen Einfluss auf uns hatte. Und jetzt wo wir einen Song mit Sido haben, wäre es auch sehr cool mal mit ihm auf einer Bühne zu stehen!

Habt ihr Lampenfieber vor euren Shows?

Rayan: Ja, immer. Aber das gehört dazu. Sobald man auf der Bühne ist, geht es aber sofort weg. Das ist irgendwie eine ganz eigene Welt, in der man dann ist, das kann ich schwer beschreiben.

Ihr habt in der Vergangenheit bereits zwei ausverkaufte und zum Teil sogar hochverlegte Touren gespielt. Welche Abende sind euch besonders in Erinnerung geblieben?

Sammy: Boah, wo soll man da anfangen… Ich glaube die erste Tour war generell sehr magisch, vor allem die letzte Show in Köln war echt crazy. Spontan fällt mir noch eine Show letztes Jahr ein, da waren wir bei so einem EM Public Viewing Ding in Leipzig, wo wir vor einem Spiel ein kostenloses Konzert gespielt haben. Wir waren uns vorher nicht so ganz sicher, wie cool das wird, vor allem weil es an dem Tag auch sehr stark geregnet hat, aber es sind echt super viele Leute gekommen und die Energie war wirklich super cool! Generell bei so spontanen kostenlosen Konzerten ist die Stimmung immer mega sweet.

Was war der größte Fail auf Tour?

Rayan: Bisher lief eigentlich alles immer ganz smooth zum Glück. Wir hatten auf der ersten Tour als Bühnenbild so aufblasbare Luftballons, also diese silbernen Buchstaben wie auch bei einem Geburtstag oder so, mit denen wir dann „Blumengarten“ hinter uns geschrieben haben. Das hat leider so gar nicht funktioniert und die sind eigentlich bei fast jeder Show bis zum Ende abgefallen. Wir müssen jetzt immer schmunzeln wenn wir Bilder von der ersten Tour sehen und hinter uns „Bue arte“ steht.

Was habt ihr auf Tour immer dabei?

Sammy: Ich habe immer so einen Digital-Camcorder dabei, mit dem ich schon seit Jahren viel filme. Macht immer Spaß, sich das im Nachhinein anzuschauen.

Rayan: Ich habe immer so eine Duftkerze dabei. Ich finde es wichtig, es sich – auch wenn man jeden Tag unterwegs ist – etwas „heimisch“ zu machen und da hilft das auf jeden Fall!

Was können die Leute auf eurer kommenden Tour erwarten?

Rayan: Wir haben versucht nochmal einen Schritt nach vorne zu gehen in allen Bereichen. Wir haben zum Beispiel ein zusätzliches Bandmitglied und ein etwas aufwändigeres Bühnenbild. Generell haben wir versucht, bei dem Set nochmal eine Schippe draufzulegen!

Welches Konzert hat euch zuletzt nachhaltig beeindruckt und warum?

Sammy: Wir sind immer sehr von den Shows von Bilderbuch beeindruckt. Also von Bühnenpräsenz bis zu dem Setdesign ist das echt immer sehr beeindruckend. Wir mögen aber auch etwas simplere HipHop-Shows, wo einfach die Energie stimmt. Ich war zum Beispiel letztens bei 2Hollis, das war crazy.

Was steht mit Blumengarten ganz oben auf eurer Bucketlist?

Rayan: Einfach das alles so lange weiter zu machen, wie es geht, und bald mal ein paar eigene Open Air Konzerte zu spielen!


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