Antonín Dvořáks Oper „Rusalka“ am Theater Bremen - Inszenierungsfoto © Jörg LandsbergAntonín Dvořáks Oper „Rusalka“ am Theater Bremen - Inszenierungsfoto © Jörg Landsberg
Konzerte

Sieben Gründe, warum Oper nicht langweilig ist

01.03.2018 von Anna Stumpf, Bloggerin und Gastautorin

Sie glauben, Sie haben in Ihrem Leben keine Berührungspunkte mit der Oper? Sie denken, dass Ihnen die Kunstform nichts zu sagen hat? Super, dann sind Sie hier genau richtig gelandet, denn hier erfahren Sie, an welchen Stellen die Oper ihr Leben bereits unterwandert hat.

1. Zeitlose Geschichten sind nie altmodisch – oder warum Arielle eine Rusalka sein könnte

Der abendfüllende Disney-Zeichentrickfilm Arielle (1989) handelt von einer Meerjungfrau, die sich in einen Prinzen verliebt. Da sie den Prinzen unbedingt für sich gewinnen will, sucht sie bei einer Hexe nach Rat. Die Hexe bietet an, ihre Flosse gegen Menschenbeine einzutauschen. Als Bezahlung muss die Meerjungfrau ihre Stimme hergeben.

Die 1900 von Antonín Dvořák komponierte Oper Rusalkahandelt ebenfalls von einer Meerjungfrau, die sich in einen Prinzen verliebt. Da sie den Prinzen unbedingt für sich gewinnen will, sucht sie bei einer Hexe nach Rat. Die Hexe bietet an, ihre Flosse gegen Menschenbeine einzutauschen. Als Bezahlung muss die Meerjungfrau ihre Stimme hergeben.

Im Detail unterscheiden sich die Storys. Der grobe Handlungsfaden ist jedoch sehr ähnlich. Wer Ariellenicht langweilig findet, der kann Rusalkamit Sicherheit etwas abgewinnen.

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2. Coming of Age – nicht nur im Film ist die Pariser Bohème ein Dauerbrenner

Der Film Zusammen ist man weniger alleinbehandelt die Geschichte von einem ärmlichen, kranken Mädchen, das in Paris in einer Wohnung unter dem Dach lebt. Sie lernt schließlich andere, junge Leute aus ihrem Haus kennen und alles ändert sich.

In der Oper La Bohèmevon Giacomo Puccini geht es ebenfalls um ein ärmliches, krankes Mädchen, das in Paris in einer Wohnung unter dem Dach lebt. Sie lernt schließlich andere, junge Leute aus ihrem Haus kennen und alles ändert sich.

Trailer auf Youtube: Robert Dornhelms „La Bohème"-Verfilmung (2008)

Zwar endet Zusammen ist man weniger allein" mit einem Happy End und La Bohème" nicht. Aber die fröstelnde, winterliche Stimmung im romantischen Paris ist sich auf jeden Fall sehr nah. Im besten Fall ergänzen sich die beiden Storys hervorragend und der Film bringt den Zuschauer in die richtige Stimmung für einen La Bohème"-Opernbesuch. Wem ein Opernbesuch dennoch noch zu weltfremd ist, der kann sich den Film Lilien im Winter" von Mark Dornford-May anschauen. Dort spielt die Geschichte der La Bohème" unter realistischen Bedingungen in Afrika. Der Film macht deutlich, dass Oper alles andere als gestrig ist.

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3. Das Kino nutzt die Wirkung der Opernmusik

Für die englische BBC istMelancholiavon Lars von Trier einer der 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts (BBC Culture’s 100 Greatest Films of the 21st Century). Ob dies vielleicht auch daran liegt, dass der Film mit Musik aus der OperTristan und Isolde" von Richard Wagner hinterlegt wurde? In Melancholiageht es um den unausweichlichen Zusammenstoß zweier Planeten und das damit verbundene Ende der Welt.

Trailer auf Youtube: Lars von Triers „Melancholia“ (2011)

In Tristan und Isoldevon Richard Wagner geht es um eine gesellschaftlich unmögliche Liebe und den damit verbundenen Willen zur Vereinigung im Tod. Richard Wagner destillierte diese Gefühlsachterbahn im Tristan-Akkord. Lars von Trier schuf zu dieser Musik eine neue Geschichte und starke Bilder. Wer sich also noch nicht so sicher ist, ob ein Abend im Opernhaus ein Gewinn ist, der findet in vielen Filmen Melodien aus Opern und kann sich so einen Vorgeschmack verschaffen. Aber Achtung: Genau wie im Kino geht es auch in der Oper nicht nur um Wellness.

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4. Coverversionen gibt es nicht nur in der Pop-Musik

Janis Joplins Summertimeist weltberühmt. Wer spürt bei diesem Song nicht die schwellende Hitze einer Großstadt und riecht den aufgeweichten Teer der Straße? Hätten Sie gedacht, dass Janis Joplin damit an der Verbreitung einer Opern-Arie gearbeitet hat?

Youtube: Janis Joplin - Summertime (Live 1969)

Dieser Song ist eine Arie aus der Oper Porgy and Bess, die aus der Feder des New Yorkers George Gershwin stammt. Sie wurde 1935 uraufgeführt und ist damit ein vergleichsweiser junger Vertreter seines Genres. Die Oper ist mit einer Vielzahl jüngerer Musikformen gespickt: Jazz, Spiritual und Blues. Porgy and Bessspielt in einer Siedlung in Charleston und beschäftigt sich mit dem Leben der Afroamerikaner. Gershwin bestand darauf, dass die inszenierte Oper ausschließlich von Schwarzen aufgeführt werden darf. Die Oper ist daher in Deutschland entweder als Gastspiel oder als Teil eines Liederabends zu genießen.

5. Oper ist ein reiches und viel genutztes Melodienarchiv

Wer in der Oper Die Liebe zu den drei Orangenvon Sergei Prokofjew sitzt, der könnte sich wie im Film vorkommen.

Das Moscow City Symphony Orchestra spielt unter der Leitung von Michail Jurowski „Die Liebe zu den drei Orangen“-Suite von Sergei Prokofjew

Selbst wer kein Star Wars-Fan ist, der weiß: Diese Melodie kennt man doch irgendwo her. John Williams hat sich beim Komponieren des Ewok Themesaus dem Film Die Rückkehr der Jedi-Ritterstark von Prokofjew inspirieren lassen. Und das ist die Magie der Oper: Sie verarbeitet die Mythen der Menschheit und bietet wiederrum selbst Rohstoff für weitere Kompositionen. Wer Opern kennt, der wird im Alltag oft denken: Oh, das habe ich doch schon einmal gehört?

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6. Selbst Tiefkühlpizza kann nicht wiederstehen

Nahezu jeder wird bei den ersten Klängen der Kanzone La donna è mobile" an Pizza denken. Nun kann man sich aber fragen, warum eigentlich eine Pizzawerbung mit einem Lied hinterlegt wird, in dem es darum geht, dass Frauen so launisch wie die Federn im Wind seien.

Die Kanzone stammt ursprünglich aus der Oper Rigoletto" von Giuseppe Verdi. Die Oper handelt von einem Hofnarren, der sich über viele Leute lustig macht, was er mit dem Tod seiner Tochter bezahlen muss. Auch wenn die Pizzen so schmierig wie der Herzog von Mantua sein sollten, passt der Inhalt der Arie und die Werbung nicht zusammen. Die Bekanntheit der Werbung, und die damit einhergehende großflächige Verbreitung der Melodie, sorgt hingegen für ein garantiertes Mitwippen in der Oper.

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„La donna é mobile“ aus Guiseppe Verdis Oper „Rigoletto“ - interpretiert von Andrea Bocelli

7. Oper berührt die Seele

Die Oper vereint viele Künste: Dichtung, Gesang, Komposition, Dirigat, Regie, Kostüm und Bühnenbild. Über Generationen hinweg widmen sich viele Menschen der Erarbeitung und Neuinterpretation bekannter Melodien und Geschichten. Obwohl die Kunstform über 400 Jahre alt ist, gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Selbst wem sich eine Melodie nicht sofort offenbart, der kann an der Kunst wachsen.

Die größte Stärke der Oper ist jedoch die direkte Übermittlung der menschlichen Emotion. Schlussendlich
muss man Oper fühlen. Selbst wer die Oper Norma" von Vincenzo Bellini nicht kennt, der wird sich der
Magie der Arie Casta Divakaum entziehen können, hier interpretiert von Maria Callas:

Diese Aufnahme haben Wissenschaftler Ureinwohnern am Amazonas gezeigt (Video unten, ab Minute 6:30), die noch wenig Kontakt mit der westlichen Kultur hatten. Sie hören zum ersten Mal eine Opernaufnahme und sind sichtlich berührt (siehe auch Claudia Spahn / Gerhard Richter: Musik mit Leib und Seele", Seite 10 ff. Google Books). Die Oper trifft den Kern des Menschseins.

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