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Konzerte

Wann darf ich klatschen?

05.03.2017 von Rainer Glaap

Noch vor wenigen Jahrzehnten war dem bürgerlichen Publikum klar, wie man sich im Theater, der Oper oder im Konzert „benimmt“. Dunkler Anzug mit Krawatte für den Herrn, Abendkleid oder das kleine Schwarze für die Damen. Die einschlägigen Regeln vor, während und nach der Vorstellung waren dem kleinen, eingeweihten Kreis von Bildungsbürgern bekannt.

Neuankömmlinge hatten es schwer und fielen auf, wenn sie den Kanon nicht kannten. Das galt vor allem für eine heute noch befolgte Regel, im klassischen Konzert zwischen den Sätzen einer Symphonie nicht zu klatschen, um die Konzentration der Musiker auf der Bühne und die der Zuschauer im Saal nicht zu brechen. Sollten Sie sich nicht sicher sein, wann eine Symphonie zu Ende ist: einfach warten mit dem Klatschen, bis der Dirigent sich umdreht und verbeugt.

Heute ist das zum Glück etwas anders. Der Operndirektor der Hamburger Oper sagte vor kurzem einer Zeitung:  "Mir ist es hundert Mal lieber, jemand kommt in Jeans und Pulli als gar nicht - einigermaßen gewaschen wäre ganz nett." So entspannt sieht man das an den meisten deutschen Bühnen. Jeder Besucher ist willkommen. Es gelten die ganz normalen Grenzen des Anstands, die lauten: alles ist OK, solange andere Besucher nicht gestört werden.

Die ausgezeichnete Akustik der Elbphilharmonie ist vielfach beschrieben worden in den ersten Wochen nach der Eröffnung. Man hört die Musiker hervorragend – aber auch jeden Zuschauer, der eine Packung Papiertaschentücher aufreißt oder ein Bonbon gegen den Husten auswickelt. Auch Damenhandtaschen mit Reiß- oder Schnappverschlüssen lassen gerne den ganzen Saal aufhorchen.

Viele Theater bieten eigene Hinweisseiten, welche Verhaltensregeln man am besten befolgt für einen angenehmen Besuch einer Vorstellung, so z. B. die Komische Oper mit ihrem kleinen Opern-Knigge.

Zu den wichtigsten Regeln gehören:

  • Kommen Sie pünktlich – manche Vorstellungen erlauben keine Störungen, weil die Zuschauer auf einer Raumbühne sitzen und der einzige Weg zum Sitzplatz über die Bühne führt. Oft gilt die Regel, dass Zuschauer nach Beginn erst eingelassen werden, wenn es die Situation auf der Bühne erlaubt oder eine Pause zwischen Akten oder Bildern entsteht.
  • Smartphones und Handys sollten unbedingt abgeschaltet werden, auch ein Vibrationsalarm ist in der nächsten Umgebung spür- oder hörbar und stört ihre Nachbarn. Der Schauspieler Kevin Spacey (House of Cards) hat in New York wegen Handyklingelns schon mal die Vorstellung unterbrochen, der Dirigent Alan Gilbert (New York Philharmonic) ein Symphoniekonzert.
  • Auch das schnelle Einschalten des Displays zur Prüfung, ob neue Facebook-Nachrichten eingegangen sind, bleibt nicht unbemerkt.
  • Das Filmen und Fotografieren ist in der Regel aus Gründen des Urheberrechts ausdrücklich untersagt. Der bekannte Pianist Krystian Zimerman hat wegen eines filmenden Zuschauers sein Spiel unterbrochen und erst wiederaufgenommen, als der Zuschauer aus dem Saal geführt worden war.
  • Mit Hustenerkrankungen sollte man besser zu Hause bleiben.
  • Parfüm sollte man dezent einsetzen.
  • Unterhaltungen während der Vorstellung stören die Umsitzenden und sind oft auch auf der Bühne als Störung wahrnehmbar. Bitte verschieben Sie Ihre Unterhaltung aus Respekt auf die Pause oder den Drink nach der Vorstellung.

Der Lohn des Künstlers (neben der Gage) ist der Applaus. Geben Sie reichlich und bleiben Sie bis zum Ende des Applauses – die Garderobe läuft nicht davon und die Ausfahrt aus dem Parkhaus gelingt stressfreier, wenn Sie etwas später ausfahren. Viele Kultureinrichtungen bieten nach Vorstellungen noch die Möglichkeit, bei einem Glas Wein oder Bier das Gesehene zu besprechen – und vielleicht trifft man noch den einen oder anderen Künstler. Selfie erlaubt, wenn man höflich fragt!

Die meisten der Tipps gelten übrigens auch für den Opern- oder Schauspielbesuch.

Der weltbekannte Geiger Daniel Hope hat zum Thema übrigens ein wunderbar leichtes Buch geschrieben: „Wann darf ich Klatschen?“. In elf Kapiteln auf 250 Seiten beschreibt er, welche Basisinformationen für ein Verständnis des Konzertbetriebs wichtig sind. Von A wie Auftritt bis Z wie Zugabe behandelt er alle wichtigen Themen im Konzertsaal.

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Foto oben: Christian Michelides CC BY-SA 4.0 via Wikimedia 

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