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Musiktheater

Wahnfried - Uraufführung in Karlsruhe

22.02.2018 von Jens Fischer

Zoff im Hause Wagner

Nach elf Jahren erlebt Karlsruhe wieder eine Opern-Uraufführung. Erzählt wird die Geschichte des Wagner-Clans, der nach dem Tod des Meisters von Bayreuth aus bestimmte, was als Wagners Erbe zu gelten hatte.

Das Publikum wird Zeuge eines grotesken und provokanten Kampfes hinter den Mauern von Haus Wahnfried, dem Wohnhaus Richard Wagners in den Jahren 1874 bis 1883. Es geht um die Deutungshoheit von Wagners Werk und Leben.

In Verbindung mit der Neuinszenierung des Ring-Zyklus’ am Badischen Staatstheater ist diese Oper ein  Beitrag zum Wagner-Erbe und der langen Wagner-Tradition des Hauses.

Das Libretto für den ersten Opernauftrag in der Intendanz von Peter Spuhler wurde den meistgespielten deutschen Theaterautoren, Lutz Hübner und Sarah Nemitz, anvertraut.

Der Kompositionsauftrag ging an Avner Dorman. Der Amerikaner israelischer Herkunft ist in Karlsruhe bereits durch mehrere deutsche Erstaufführungen im Konzertprogramm wie der Ellef Sinfonie oder dem Concerto Grosso bekannt. Wagner-Spezialist GMD Justin Brown hat die Musikalische Leitung. Regie führt Keith Warner. 

Premiere war am 28. Januar 2017.

Aufführungsdauer: 2 Stunden 45 Minuten.

Wahnfried - Der Trailer

Pressespiegel

"Im Text der einundzwanzig locker aneinander gereihten Szenen mischen sich frei Erfundenes und originale oder zumindest Als-ob-Anspielungen. Das gibt dem Libretto einen nicht geringen Unterhaltungswert. Freilich, nicht nur Historisches wird wach, auch die Gegenwart schlägt herein: Einheit oder Reinheit des Volkes, scharfes Freund-Feind-Denken, Kampf wider alle ,zersetzenden' Tendenzen werden von der Rechten immer lauter propagiert; und nicht zuletzt die Sehnsucht nach dem „starken Mann“ wird größer. Insofern kommt Dormans Stück zur richtigen Zeit. Avner Dorman . . . hat . . . lockeren Stilmix gesetzt, in dem Wagner-Zitate, Opern-Versatzstücke und Musical-Verve einander durchdringen. Da gibt es ,schöne' Arien, schwungvolle Chöre, nostalgisch edles Streicher-Gewirk, aber auch donnernde Schlagzeug-Raster und Blechbläser-Opulenz. Larmoyanz hat hier kaum Platz, eher erinnert manch ratternde Motorik an den frühen Sergej Prokofjew oder an Dmitri Schostakowitsch. Und alles wird perfekt und effektvoll serviert. Stildogmatiker mögen die Nase rümpfen, doch im Rahmen dieses satirischen Konzepts funktioniert das Ganze griffig ... Die Gesangslinien sind eingängig, aber nicht banal, Chor und Instrumentalsolisten agieren oft genau auf der Grenze zum Übersteuern. Wenn Chamberlain die angeblichen Vorzüge der arischen Rasse preist, klingt dies wie eine Tanznummer aus einer düsteren Operette - großartig! Justin Brown sorgt am Pult der Badischen Staatskapelle für Präzision, Dynamik, Kraft. Das Publikum jubelt. Ein toller Abend!" (FAZ, 30. Januar 2017)

"'Wahnfried' strotzt vor Wortwitz, Anspielungen und skurrilen Figuren." (dpa, 30. Janaur 2017)

 "Die Librettisten Lutz Hübner und Sarah Nemitz wollen viel erzählen, von biographischen Details und Konflikten in der Sippe bis zu traumatischen Momenten - etwa Siegfried Wagners Leiden an seiner Homosexualität - reicht das Spektrum. Man echauffiert sich über eine frühe Form von Lügenpresse, vulgo: schlechte Berichterstattung, und kämpft um Erfolg, Ruf, künstlerische Wahrheit. Immer wieder verdichten sich die Sujets und Motive in einer Figur: nein, nicht im urdeutschen Gesamtkunstwerker Wagner, sondern im Briten Houston Stewart Chamberlain, der seine erste Frau Anna für Richards Tochter Eva links liegen ließ und ansonsten vorwiegend rechtes Gedankengut verbreitete. Die Vorherrschaft der arischen Rasse war für ihn reine Selbstverständlichkeit und sein fanatisches Streben, Deutsch zu werden, Deutscher zu sein, zeigt Regisseur Keith Warner in unter die Haut gehenden Momenten ... hat ebenso ein Händchen für den überraschenden Knalleffekt wie fürs Feinfühlige, er verknüpft Konkretes und Surreales mühelos." (BR Klassik, 30. Januar 2017)

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