Semperoper Dresden © Klaus GiggaSemperoper Dresden © Klaus Gigga
Musiktheater

Das Opern-Abc: A bis L

01.09.2017 von Anna Stumpf - How to Opera

Theater- und Opernhäuser prägen unsere Innenstädte. Sie bilden eines der Aushängeschilder für das Land der Dichter und Denker. Trotzdem sind sie vielen Menschen fremd geblieben. Dabei sind es Orte, an denen die Themen des Lebens und unserer Zeit gesehen, gehört, gefühlt und diskutiert werden. Nichtsdestotrotz sieht man sich bei der Auseinandersetzung mit der Kunstform Oper mit vielen Eigenarten konfrontiert. Das Opern-Abc bietet daher einen schnellen und unkomplizierten Blick auf die Kunstform Oper. Von A wie Abendgarderobe über L wie Leitmotiv bis zu Z wie Zeit.

A wie Abendgarderobe

Das Rundfoyer der Semperoper Dresden © Klaus Gigga

Wer an Oper denkt, der hat wahrscheinlich direkt ein Bild von glamourösen und fein gekleideten Zuschauern im Kopf. Dieses Bild entspricht bei weitem nicht der Realität im alltäglichen Opernbetrieb. Konkret gibt es kein deutsches Opernhaus, das eine Kleiderordnung vorschreibt. Jeder Besucher soll in der Kleidung ins Opernhaus gehen, in der er sich wohl fühlt.

Jedoch lässt sich nicht bestreiten, dass ein Opernbesuch ein soziales Event ist und feines Einkleiden zum Genuss dazugehören kann. Dennoch soll auch die Oper eine Begleitung im Alltag sein: Kunst lässt sich sehr gut in Jeans und Pullover genießen. Dennoch gilt, dass andere Besucher nicht durch die Kleiderwahl beeinträchtigt werden sollten – das Mitnehmen von Winterjacken und großen Taschen in den Zuschauerraum ist ungern gesehen und großteils auch nicht gestattet.

B wie Bühnenbild

Bühnenbilder ermöglichen den Zuschauern einen Zugang in eine andere Welt. Dabei gibt es neben der Darstellung naturalistischer Orte auch die Möglichkeit zur Darstellung irrealer Welten. Von der detailreichen Einrichtung von Anna Viebrock, bis hin zu der farb- und lichtorientierten Bühnengestaltung von Robert Wilson, bietet die Opernwelt viele unterschiedliche Ansätze und Schwerpunkte in der Gestaltung der Bühne.

Je mehr Bühnenbild, desto besser ist jedoch der falsche Ansatz. Auch eine Opulenz kann im Laufe einer Vorstellung uninteressant werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Gesang, Regie, Licht, Musik, Geschichte und Raum — schlicht: eine gute Idee. In der Realisierung und Verwendung der Bühnenbilder entstehen viele handwerkliche, organisatorische und logistische Herausforderungen. In der Folge gibt es heute eine Vielzahl von spezialisierten Fachkräften, die für den Ablauf verantwortlich sind, beispielsweise der Bühneninspektor. Um auch den weniger sichtbaren Orten und Gesichtern eine Bühne zu verschaffen, bieten viele Opern-, Konzert- und Theaterhäuser Hausführungen an. 

Die Wehleider Inszenierungsfoto © Matthias Horn
„Die Wehleider“ nach Maxim Gorkis „Sommergäste“, Bühnenbild: Anna Viebrock, Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Der Sandmann im Düsseldorfer Schauspielhaus © Lucie Jansch
E.T.A.-Hoffmanns „Der Sandmann“, Bühnenbild Robert Wilson, Düsseldorfer Schauspielhaus

C wie Claqueur

Die Claques in Schwetzingen © Christian Spannagel CC BY-SA 2.0
Guido Messer: Die Claques (Claqueure), 2002, Hebelstraße/Gänsplatz in Schwtzingen

Einer der skurrilsten und zeitgleich spannendsten Jobs, rund um die Oper, etablierte sich um 1820 in Paris. Dort entwickelte ein gewisser Monsieur Sauton eine Versicherung für Bühnenerfolg. Bei diesem Unternehmen konnten anonym und diskret professionelle Beifallsklatscher für Vorstellungen gebucht werden.Heute kaum vorstellbar, entstand die Stelle des Claqueurs in einer Zeit, in der schwere Beschimpfungen und sogar Handgreiflichkeiten während der Vorstellungen denkbar waren. Des Weiteren konnte die Reaktion des Premierenpublikums einen unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg oder den Untergang von Stücken haben. Intendanten mussten daher mit allen Wassern gewaschen sein, um sich und ihre Künstler vor der Öffentlichkeit und der Konkurrenz zu behaupten.

Ob und wie Claqueure heute für Theater-, Konzert- oder Opernvorstellungen gebucht werden, ist nicht bekannt. Auch wenn ein flächendeckender Einsatz sehr unwahrscheinlich ist, zeigt eine kurze Internetrecherche, dass es bis heute Agenturen für „Mit-Klatscher oder „nebenberufliche Beifallsklatschergibt.

D wie Dramaturgie

Als eine der Bühnenkünste spielt die Oper mit der Illusion der Zuschauer. Dazu gehört auch, dass viele Berufe unsichtbar sind. Wer hat schon die Gelegenheit einmal einen Kostümbildner oder einen Beleuchter zu treffen? Diese Menschen sind zwar nicht sichtbar, aber es ist offensichtlich, welche Arbeit sie ausführen. Ganz im Gegensatz zu der Arbeit eines Dramaturgen, dessen Handwerk man nicht greifen kann. Er richtet den Spielplan aus, ist Kurator, Anwalt des Textes, Vermittler zwischen den Gewerken, Anlaufpunkt für die Kritik der Darsteller und stellt darüber hinaus eine Qualitätssicherung dar.

E wie Einführung

Eine Einführung wird zumeist von der  Dramaturgie oder der Theaterpädagogik durchgeführt. Sie bieten dem Zuschauer zwischen dem Ankommen im Haus und dem Vorstellungsbeginn ein kostenfreies und schnelles Briefing. Meistens behandelt eine Einführung die Handlung, spannendes zu den Urhebern oder der Zeit und Denkanstöße zur konkreten Aufführung. Ob eine Einführung stattfindet lässt sich meistens auf der Website des jeweiligen Opernhauses herausfinden. Abgekoppelt vom Spielbetrieb bieten einige Häuser darüber hinaus gesonderte Matinee-Veranstaltung oder Workshops an. 

F wie Festspiele

Wenn die Opern und Theater in ihren verdienten Sommerschlaf verfallen beginnt inoffiziell die sommerliche Festspielsaison. Der Ursprung der Festspiele liegt in der Antike und stand damals für ein religiöses Gemeinschaftserlebnis. Auch wenn sich die Bedeutung über die Zeit verändert hat, werden ländliche Regionen, Seeufer und Parkanlagen im Sommer zu Pilgerstätten für Opern-, Theater- und Klassikliebhaber.

Das Angebot ist vielfältig, doch die Motivation oft ähnlich: Der Austausch mit Gleichgesinnten, der Ausbruch aus dem gewohnten Kontext und die Suche nach dem besonderen Erlebnis. Abseits der großen und bekannten Festspiele gibt es eine Vielzahl an reizvollen Programmen. Die Karte von Zeit-Online erlaubt einen Blick auf die Vielfältigkeit des Angebots.

Aida in der Arena di Verona © Jakub Halun CC BY-SA 2.0
Guiseppe Verdis „Aida“, Arena di Verona
Feuerwerk bei den Händel-Festspielen in Halle © Thomas Ziegler
Händel-Festspiele in Halle
Die Tribühne der Bregenzer Festspiele © Anja Köhler
Open Air am Bodensee: Bregenzer Festspiele

G wie Generalprobe

Die Generalprobe bildet idealerweise den Abschluss der Probearbeiten und ist der letzte Durchlauf vor einer Premiere. Alle Gewerke sowie Künstler sind anwesend und spielen das Stück in voller Länge, so als wären Zuschauer bereits anwesend.

Rund um die Generalproben gibt es eine Reihe von Aberglauben. So ist beispielsweise vielerorts Applaus am Ende der Generalprobe unerwünscht. Grundsätzlich sind die Generalproben keine öffentlichen Veranstaltungen. Theater- und Opernhäusern gewähren jedoch gelegentlich Interessierten, jungen Leuten, Vereinsmitgliedern oder Förderern Zugang ( Netzwerk).

Der Ablauf der verschiedenen Proben erfolgt folgendermaßen:

• Solo- und Ensembleprobe
• Ensemble-Bühnenprobe
• Chor-Bühnenprobe
• Orchester-Allein-Probe
• Sitzprobe
• Bühnen-Orchester-Probe
• Erste Hauptprobe mit Klavier
• Zweite Hauptprobe mit Orchester
• Generalprobe

Quelle: Philharmonisches Orchester Heidelberg

H wie halbszenisch

Bei einer halbszenischen Aufführung kommt die Imagination der Zuschauer ins Spiel. Entgegen der Vorgaben und gewohnten Möglichkeiten wird bei einer halbszenischen Vorführung auf einen Teil der Szene und Regie verzichtet.

Auch wenn Oper grundsätzlich mit voller Szene und Regie gedacht ist, kann eine Reduktion reizvoll sein und eine spannende Verschiebung der Aufmerksamkeit bieten. Durch das sichtbare Orchester ist ein Einblick in den Maschinenraum der Musik möglich. Darüber hinaus können Opern auch konzertant aufgeführt werden – gänzlich ohne Szene. Besonders bei  Festspielen erhält man auf diese Weise, durch den geringeren Aufwand, auch einen Einblick in selten aufgeführte Stücke.

Trailer auf Youtube: Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ (halbszenisch), Theater Plauen-Zwickau

I wie Inszenierung

Eine Oper lebt von Text und Musik. Beides hat der Komponist vereint. Wie die Oper jedoch auf die Bühne gebracht wird, ist hingegen nicht immer festgeschrieben. Die Regiearbeit kann eine weitere Aussage über die Oper stülpen und so eine Inszenierung erzeugen.

Wer also in dem einen Opernhaus „Die Zauberflöte gesehen hat, der wird in einem anderen Opernhaus Die Zauberflöte auf eine ganz andere Weise erleben können. Und dies ist der Grund, warum Oper ein tolles Hobby ist: Es gibt kein Ende. Jede Oper lässt sich in den unterschiedlichsten Ausführungen und an den unterschiedlichsten Orten erleben. Dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Daher existieren die kuriosesten Inszenierungen, die nicht immer einen Mehrwert zur Operngeschichte bieten. Aus diesem Grund schauen einige Zuschauer irgendwann die Opern am liebsten nur noch so wie sie sind“:  halbszenisch oder konzertant.

Ein berührendes Beispiel, für die Bedeutung der Regiearbeit, ist die Inszenierung der Oper Fidelio von Christine Mielitz an der Semperoper Dresden im Jahr 1989. In der Rettungsoper Fidelio von Ludwig van Beethoven geht es um Leonore, die sich als den Burschen Fidelio verkleidet, um ihren Mann Florestan aus dem Kerker zu befreien. Florestan wird zu Unrecht von dem Gouverneur eingesperrt. Dem Gouverneur droht eine Strafe, wenn entdeckt wird, dass sein Gefängnis Opfer willkürlicher Gewalt zulässt. Darum will er den unschuldigen Florestan umbringen lassen. Christine Mielitz inszeniert diese Oper mit einem Bühnenbild, das ein DDR-Gefängnis darstellt. Und das, während direkt vor der Semperoper Demonstrationen für Recht und Freiheit stattfanden. Der Chor spielte auf der Bühne in Straßenkleidung und wirkte damit wie die demonstrierende Menge vor dem Haus.

Trailer auf Youtube: Ludwig van Beethovens „Fidelio“, Semperoper Dresden, Regie: Christine Mielitz

J wie Jubel

Nach einer gelungenen Vorstellung gesellen sich zum  Klatschen gerne einige Bravo-Rufe. Bravo bedeutet auf Italienisch soviel wie ausgezeichnet. Wer dies ausgezeichnet rufen möchte, kann sein Opernwissen unter Beweis stellen, indem er das Wort passend konjugiert:

• „Bravo!“ ist die männliche Form,
• „Brava!“ die weibliche Form,
• „Bravi!“ die gemischte Pluralform und
• „Brave!“ die weibliche Pluralform.

K wie Klatschen

Die Frage wann Klatschen erlaubt ist, und wann nicht, scheidet oft die Gemüter. Grundsätzlich gilt: Klatschen ist immer dann gestattet, wenn niemand belästigt wird und die Vorstellung nicht unerwünscht unterbrochen wird. Oft entscheidet die Gruppendynamik über einen Zwischenapplaus. Es bietet sich an, die Umgebung zu beobachten und dann konform mit ihr zu agieren. Lassen Sie das Orchester gerne noch den letzten Ton spielen, bis Sie Ihre Anerkennung ausdrücken. Was oft untergeht: Der Komponist hat auch die Wirkungs-Pause nach der Musik mitkomponiert.

Nach der Vorstellung einer Oper wird für gewöhnlich der Vorhang geschlossen. Mit dem Applaus öffnet sich der Vorhang erneut und die Akteure können gefeiert werden. Wer der erbrachten Leistung eine besondere Wertschätzung entegegen bringen möchte, kann dies nun (nach der Vorstellung) mit Aufstehen signalisieren. Nach einem ersten Verbeugen wird der Vorhang wieder geschlossen und je nach Jubel wieder geöffnet. Auf diese Weise lassen sich nach einer Vorstellung die „Vorhänge“ zählen. Die meisten Vorhänge kann übrigens Luciano Pavarotti für sich behaupten: Die Vorstellung „Der Liebestrank an der Deutschen Oper erhielt im Jahr 1988 mit ihm 165 Vorhänge und 67 Minuten Applaus.

Siehe auch: „Wann darf ich klatschen?

L wie Leitmotiv

Bei Darth Vader oder Bonanzahaben viele Menschen direkt die gleichen Melodien im Ohr. Die Musik ist mit einer Geschichte gekoppelt. Diese Entwicklung kam aber nicht erst mit dem Film und Fernsehen auf. Richard Wagner gilt als einer der Mitbegründer der Leitmotive. Besonders in seinem Opernzyklus Der Ring des Nibelungen erhalten einzelne Personen, Tätigkeiten, Emotionen und Dinge einen eigenen Klang. Wer das Vokabular kennt, der kann ohne einen Blick auf die Bühne die Handlung der Geschichte in allen Nuancen verstehen.

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Weitere Infos: How to Opera von Anna Stumpf

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