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Konzerte

Wenn die Nacht zur Heimat wird

03.01.2018

Ob rockorientierte Hörer oder Klassik-Neulinge: Lambert verzückt beide Fan-Lager mit filigran gedämpfter Klaviermusik.

Tierisch sieht er aus, der künstliche Kopf mit dem zweiten Gesicht. In der griechischen Tragödie erlaubten die Masken ihrem Träger, vorübergehend aus seiner eigenen Persönlichkeit herauszutreten und durch Verwandlung eine fremde, bisweilen übernatürliche Existenz anzunehmen. Masken drücken Geschlecht und Stimmung der zu spielenden Figur aus. Indem sie den Darsteller verbergen, sind sie auch ein spannungskitzelndes Instrument. Das auch in der Musik gern genutzt wird. So muss der Künstler nicht als er selbst auf der Bühne stehen, sondern kann sich hinter einer von Gerüchten umraunten Maskenexistenz als Kunstfigur inszenieren.

Cro setzt erfolgreich die  Panda-Maske auf, der Schweizer DJ Mike Candys steht bei Auftritten mit einem großen gelben Smilie-Kopf hinter den Turntables. Deutschrapper Sido und Marsimoto haben es mit finsteren Gesichtsverhüllungen versucht, beim Phantom der Oper klappte es, Daft Punk taten es, Lordi, Slipknot, Deichkind spielen hübsch theatralisch mit der Idee, Pussy Riot versuchten sich so vor Strafverfolgung zu schützen. Nun kommt ein Mitdreißiger hinzu. Geboren in Hamburg, in Berlin lebend. Nachdem er sich als Schlagzeuger in Garagenrockbands ausprobiert hat, ließ er sich zum Jazz-Pianisten ausbilden – so die durchgesickerten Infos zur Person. Die sitzt mit sardischer Stier-Maske hinterm Klavier, spielt elegische Weisen und nennt sich: Lambert.

Lambert: Mehr Freiheit hinter der Maske

„Lambert kommt von Land-Oberst; heißt also Oberster im Land. Ich habe mir quasi selbst die Krone aufgesetzt. Diesen Anflug von Größenwahn kann ich nur als Charakter ausleben. Lambert darf machen, was er will“, erzählte der Künstler der Hamburger Mopo. „Ich mache das zum einen aus Scham. Zum anderen möchte ich die Freiheit haben, jemand anderes zu sein.“ Während die Welt immer komplizierter wird, das Leben immer digitalisierter, verweigert sich hier einer und zieht sich mit übersichtlichen Tonfolgen aufs analoge Klangerzeugen hinters Klavier zurück.

Neoklassisch aufspielen und Trost spenden

Lamberts Genre: Neoklassik. So wird Musik genannt, die nicht so heilig tut wie klassische Konzertmusik und Einflüsse aus Pop und Jazz in ihre Kompositionen einbaut. Es geht nicht darum, eine Partitur möglichst virtuos nachzuspielen, sondern einen eigenen Sound zu entwickeln. Einaudi ist diesbezüglich der Star, Nils Frahm, Hauschka oder Chilly Gonzales die experimentierfreudigen Kollegen. Lambert gibt den Träumer. „Mal spendet er Trost, mal streichelt er sanft die Katze namens Melancholie, mal entwickelt er aus der Angst ein überlebensgroßes Pathos und lässt uns unerwartet über den Dingen schweben“, dichtet die Plattenfirma. Bei Lambert wird nicht gesungen, kein Rhythmus geschlagen – melodische Entwürfe perlen hoffnungssehnsüchtig vor sich hin. Hübsch reduziert und schön repetitiv. Tanzen kann man dazu kaum. Live-Auftritte sind Zuhörkonzerte für die Pop-Gemeinde mit Klassik-Appeal.

Lamberts aktuelles Album heißt „Sweet Apocalypse“. Und so klingt es auch. „Ich wollte den süßen Erlösungsmoment beschreiben und nicht die typische Musik zu einem Weltuntergangsfilm machen“, so Lambert in der Mopo. Er habe das Album komplett nachts geschrieben und aufgenommen. Nun wünsche er sich Zuhörer, die ihre eigenen Bilder zu dieser Musik im Kopf erschaffen.

Trailer auf Youtube

Pressespiegel

„Ohne viel Trara setzte sich der wie immer seine auf Sardinien handgefertigte Ledermaske tragende Pianist ans Klavier und ließ sofort aufscheinen, wofür er bekannt geworden ist: perlendes, leichthändiges Spiel, emotional packend, nachtromantisch tief. Schöne, eigenwillige Kompositionen.“ (Neue Westfälische, 9. Juli 2017)

„Seine Miniaturen verlangen Zeit, Muße, Geduld und Konzentration, bevor man sich nach einer Weile in sie hineinfallen lassen kann wie in einen Haufen weicher Kissen.“ (Die Welt, 9. Mai 2017)

„Nur mit seinem Klavier zaubert der Mann mit der Fabelwesen-Maske, die auch einem Film von David Lynch entliehen sein könnte, eine schwerelose Stimmung von erhabener Schönheit. Wer Frahm, seinen Labelkollegen Olafur Arnalds und die ganze Neoklassik-Szene noch nicht kennt, stelle sich einfach die Melancholie von ,Die Fabelhafte Welt Der Amelie‘ in vorsichtig-zärtlichen Pianoklängen vor.“ (Abendzeitung München, 30. Mai 2017)

Die nächsten Termine

Jezt ist Lambert mit dem Wahl-Hamburger Elektronik-Künstler Martin Stimming auf Tour. Lambert übt sich in der Reduktion in einer eigenen Form von Romantik, minimaler Opulenz, manchmal des Jazz. Stimming hingegen mischt neuzeitliche, minimale elektronische Sounds mit Formen aus der Musik aus dem 18. Jahrhundert. Dazu benutzt er seine große Sammlung von analogen Synthesizern, aber auch viele live aufgenommen Geräusche – meist aus der Natur.

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