© Monika Rittershaus© Monika Rittershaus
Konzerte

Entflammt für zeitgenössische Musik

01.03.2018

Sie singt, sie dirigiert, sie spielt und tanzt. Offene Haare, offener Blick. Stets aus einer enormen Körperlichkeit heraus agierend. Ein unabdingbar diszipliniertes Einlassen auf die Musik, voller Entschiedenheit und Energie. 1971 wurde Barbara Hannigan in der kanadischen Provinz geboren - ihre Familie war musikbegeistert, sie selbst begann früh ihre Stimme gesanglich auszuprobieren und ging bereits mit  17 Jahren nach Toronto, um Musik zu studieren.

Ihr außergewöhnliches Talent führte sie bald nach dem Studium nach Europa. Ob in der Berliner Philharmonie oder bei den Salzburger Festspielen, ob bei Festivals zeitgenössischer Musik oder auf den großen Opernbühnen der Welt: Barbara Hannigan hat sich schnell den Ruf einer stimmlich und darstellerisch herausragenden Interpretin erarbeitet. Und den einer Künstlerin mit verblüffend starker Affinität zur zeitgenössischen Musik.

Sie liebt es, wenn höchste Komplexität und größte Emotionalität zusammenkommen. Dem NDR erzählte sie: "Ich habe mich immer für zeitgenössische Musik interessiert. Sie hat etwas in ihrer Architektur, das ich intuitiv verstehe und sehr liebe. Meine Lehrerin hatte selbst mit Ligeti und Stockhausen gearbeitet. Sie hat mich ermutigt, Risiken auf diesem zeitgenössischen Terrain einzugehen. Ich habe in der zeitgenössischen Musik eine Freiheit gefunden, die ich im Belcanto-Repertoire nicht finden konnte. Wer war ich schon? Ein kleines Mädchen aus der kanadischen Provinz - wie konnte ich mir anmaßen zu glauben, ich könne Belcanto singen! Aber zeitgenössische Musik zu singen, das war wie auf frischem Schnee zu laufen."

Aus ihrer Liebe zu zeitgenössischer Musik entstanden umfangreiche Zusammenarbeiten, unter anderem mit den Komponisten Boulez, Dutilleux, Ligeti, Stockhausen, Sciarrino, Barry, Dusapin und Abrahamsen. Insgesamt gab sie bereits über 80 Weltpremieren. Aber auch mit den Berliner Philharmonikern, Münchner Philharmonikern, Göteborger Symphonikern, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia und Toronto Symphony Orchestra hat sie gearrbeitet. In Deutschland gastiert Hannigan 2017 mit dem Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Teodor Currentzis.

Barbara Hannigans Opernkarriere

Ihr unvergleichliches Opernrepertoire beinhaltet die Titelrolle in „Pelléas et Mélisande“ in Katie Mitchells Inszenierung auf dem Festival d’Aix-en-Provience 2016 unter der musikalischen Leitung von Esa-Pekka Salonen. Die Rolle wird sie und Krszysztof Warlikowskis Neuproduktion im Rahmen der Ruhrtriennale in Bochum zu hören sein. Sylvain Cambreling dirigiert die Bochumer Symphoniker.

In Deutschland überzeugte Hannigan bisher mit ihrer ungestümen Interpretation der Marie in Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“ an der Bayerischen Staatsoper – eine hochgelobte Inszenierung von Andreas Kriegenberg, für die sie mit dem „Faust“ ausgezeichnet wurde. Ihr Debut an der Opera de Paris gab sie in der letzten Spielzeit in Francis Poulenc' „Die menschliche Stimme“ in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski. Sie gestaltete die Rolle der Agnes in George Benjamins „Written on Skin”, die am New Yorker Lincoln Center zu sehen war und auch im Londoner Royal Opera House. Barbara Hannigan hat intensiv mit der Choreographin Sasha Waltz gearbeitet und konnte dabei umfassend von ihrer physischen als auch stimmlichen Agilität Gebrauch machen.

In 2017/18 singt sie sowohl in der Uraufführung von Brett Deans „Hamlet” (Glyndebourne Festival), als auch in Bergs „Lulu” in einer Neuproduktion von Christoph Marthaler an der Hamburgischen Staatsoper sowie die Elle in „La Voix humaine“ von Francis Poulenc (Musik) und Jean Cocteau (Libretto) in einer Inszenierung von Krzysztof Warlikowski im Palais Garnier der Opéra National de Paris. Des Weiteren singt sie in „Lessons in Love and Violence“, eine von Katie Mitchell inszenierte neue Oper von George Benjamin (Musik) and Martin Crimp (Libretto) am Royal Opera House in London, gastiert damit anschließend in De Nationale Opera in Amsterdam.

Als „Lulu“ an der Hamburgischen Staatsoper

Diese Lulu ist kein männerverschlingender Vamp, sondern ein unverstandener Teenager, der erwachsen werden will und dazu Haltungen, Bewegungen, Mimik, Gestik und Verhaltensmuster ausprobiert. In einem Zirkus-Ambiente turnt sie auf den Schultern der Männer, dirigiert auch mal die szenischen Stellungen. Schon in ihrer Brüsseler „Lulu“ (2012) wurde Hannigan für ihre überragende Dreifachbegabung zwischen Tanz, Singen und Schauspiel bewundert. Jetzt triumphiert sie damit erneut in Hamburg.

„Lulu“-Trailer auf Youtube

Pressespiegel „Lulu“

„Barbara Hannigan – am Ende der einhellig bejubelten Staatsopern-Premiere besonders begeistert gefeiert – ist für sie alle diese verwirrend widersprüchliche Lulu, die Lust und Launen auslebt, ist Zentrum einer Varieté-Bühne, auf, vor und hinter der das Ein-Frauen-Drama abläuft. Nie verschleiert, immer offenkundig. Hannigan ist eine Idealverkörperung, ein Traum von "Lulu"-Darstellerin und eine grandiose Präzisions-Sängerin. Sie ist das spröde, hell glimmende Zentralgestirn dieser sonderbaren Inszenierung von Alban Bergs unvollendet gebliebenem Meisterwerk.“ (Hamburger Abendblatt, 14. Februar 2017)

„Sie zittert, tanzt, turnt, posiert und wirbelt über die Bühne, dass man nie den Blick von ihr lassen kann: Was die kanadische Sängerin/Darstellerin Barbara Hannigan an diesem Premierenabend in der Hamburgischen Staatsoper mit Alban Bergs ,Lulu‘ anstellt, verdient neben dem Ausdauerpreis auch die Top-Haltungsnote. Von der spirituellen Pantomime zum sportlichen Wettkampf spielt sie stets mit vollem Körpereinsatz, die Grenzen zum Ballett verschwimmen. Und, ja: Sie singt diese stets als männermordend apostrophierte Überfrau mit einer lustvollen Kraft, dass man fast von muskulös pulsierenden Koloraturen sprechen muss.“ (Spiegel online, 13. Februar 2017)

„Lulu aber darf im Hamburger Opernhaus endlich einmal und zudem völlig anders als üblich eine ganz normale junge Frau sein, ein wahrer Mensch unter falschen Männern. Barbara Hannigan ist für diese Rollenauffassung die Idealbesetzung, wirkt sie doch immer und überall wie ein junges Mädchen. Hannigan begeistert nicht nur durch die seltsamsten, in Serie wiederholten Zirkusakrobatiknummern. Nebenher katapultiert sie auch noch die aberwitzigsten Koloraturen bis in die unglaublichsten Höhen. Das macht sie nicht bloß elegant, sondern wie die leichteste Kunstübung der Welt. So ergänzen sich bei dieser Ausnahmesängerin, die in letzter Zeit zunehmend auch als Dirigentin Erfolge feiert, Erscheinung und Gesang zum idealen Glück.“ (Süddeutsche, 23. Februar 2017)

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