Biografie

Wladimir Klitschko (ukrainisch Володимир Володимирович Кличко / Wolodymyr Wolodymyrowytsch Klytschko; * 25. März 1976 in Semipalatinsk, Kasachische SSR, heute Semei, Kasachstan) ist ein ukrainischer Boxer und aktueller Weltmeister im Schwergewicht nach Version der IBF, WBO, WBA und IBO. Zudem hält er derzeit den vom Ring Magazine vergebenen Titel als bester Schwergewichtsboxer. Er gilt bei Fachzeitschriften und in den unabhängigen Ranglisten als aktuelle Nummer 1 im Schwergewicht. Er ist der jüngere Bruder von Vitali Klitschko.

Leben

Wladimir Klitschko wurde als Sohn des ukrainischen Offiziers der Sowjetarmee Wladimir Rodionowitsch Klitschko (1947–2011) und der ukrainischen Pädagogin Nadeschda Uljanowna Klitschko in Semipalatinsk geboren. Der Großvater väterlicherseits, Rodion Klitschko (1910 - ?), war Mitarbeiter des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD), die Großmutter väterlicherseits, Tamara Jefimowna geb. Etkinson, war Dorfschullehrerin und Holocaustüberlebende. Ihre Eltern, ein Bruder und ihr ältester Sohn wurden ermordet. Sie selbst wurde von ihrem Ehemann bis zur Befreiung versteckt.

Wie sein älterer Bruder Vitali studierte Wladimir Sportwissenschaften und Philosophie an der Pädagogischen Universität Hryhorij Skoworoda im ukrainischen Perejaslaw-Chmelnyzkyj. 2001 erfolgte an der Universität Kiew seine Promotion in Sportwissenschaften zum Thema Pädagogische Kontrolle im Sport.

Von 1996 bis 1998 war Klitschko mit Alexandra Klitschko verheiratet. Von Januar 2010 bis Mai 2011 war er mit der Schauspielerin Hayden Panettiere liiert. 2013 erneuerten sie ihre Liaison. Im Oktober 2013 wurde die Verlobung der beiden bestätigt.

Ein Hobby von Klitschko ist die Zauberkunst. Er zauberte unter anderem bei Wetten, dass..?, TV total und Stars in der Manege.

Amateurkarriere

Wladimir Klitschko begann seine Sportlerkarriere mit 14 Jahren. Als Amateur gewann er 112 Kämpfe bei nur 6 Niederlagen (laut Boxing Digest März 1999, sogar 134-6 mit 65 KOs). 1993 wurde er in Thessaloniki Junioreneuropameister im Schwergewicht. Die Juniorenweltmeisterschaft 1994 in Istanbul beendete er mit dem zweiten Platz, er verlor dort gegen den Kubaner Michel López. Bei seiner Teilnahme an der Amateurweltmeisterschaft 1995 in Berlin scheiterte er aufgrund einer Punktniederlage im Viertelfinale an Luan Krasniqi, konnte ihn aber wenige Monate später im Finale der Militärweltmeisterschaft im italienischen Ariccia besiegen und sich dort die Goldmedaille sichern.

Im Jahre 1996 wurde Wladimir Klitschko Zweiter bei den Europameisterschaften in Vejle; er unterlag im Finale dem Russen Alexei Lesin. Seinen größten Erfolg als Amateur errang er bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, als er als erster Weißer die Goldmedaille in der Gewichtsklasse über 91 kg (Superschwergewicht) gewann. Ursprünglich war sein Bruder Vitali in dieser Gewichtsklasse für die Olympischen Spiele nominiert worden, da dieser aber positiv auf ein Steroid getestet und gesperrt worden war, rückte Wladimir Klitschko nach. Auf dem Weg zum Olympiasieg schlug Klitschko den US-Amerikaner Lawrence Clay-Bey, Attila Levin aus Schweden, Alexei Lesin und im Finale Paea Wolfgramm aus Tonga.

Profikarriere
1996 – 2000: Einstieg in den Profiboxsport

Wladimir und Vitali Klitschko wurden anschließend vom Hamburger Boxstall Universum Box-Promotion des Promoters Klaus-Peter Kohl unter Vertrag genommen. Seinen ersten Profikampf bestritt Klitschko im November 1996. Er erreichte zunächst nicht ganz die Schlaghärte seines Bruders Vitali, galt und gilt dafür jedoch als der schnellere, variablere und technisch vielseitigere Boxer. Im September 1998 gewann er gegen den völlig unbekannten Steve Pannell durch K. o. in der zweiten Runde, ging im Verlauf dieses Kampfes jedoch erstmals in seiner Profikarriere zu Boden; diesbezüglich wurden erstmals seine Nehmerfähigkeiten diskutiert (siehe auch „Glaskinn“).

In den ersten zwei Jahren bestritt er 24 Profikämpfe. Seine erste, überraschende Niederlage erlitt er am 5. Dezember 1998 in Kiew bei seinem ersten und bisher einzigen Profikampf in seinem Heimatland gegen den US-Amerikaner Ross Puritty durch technischen K. o. in der elften Runde. Bis kurz vor Schluss dominierte er Puritty vollkommen, bekam gegen Ende des Kampfes allerdings starke Konditionsprobleme. So wurde er in der zehnten Runde zu Boden geschlagen und wurde dann von seinem Trainer Fritz Sdunek in der elften Runde völlig erschöpft aus dem Kampf genommen. Es war das erste Mal, dass er in einem Kampf mehr als acht Runden im Ring stand.

Im September 1999 gewann er mit einem souveränen TKO-Sieg in der achten Runde über Axel Schulz den Europameistertitel, den er nach nur einer Titelverteidigung wieder niederlegte. Ein aus heutiger Sicht bedeutender Sieg seiner Aufbauphase ist der K.-o.-Sieg gegen Monte Barrett, der Anfang 2006 unter den Top-10 im Ring Magazine aufgeführt wurde.

2000 - 2003: Kämpfe um den WBO-Titel

Klitschko wurde am 14. Oktober 2000 durch einen ungefährdeten Punktsieg über den Rechtsausleger Chris Byrd Weltmeister der WBO. Byrd hatte den Titel wenige Monate zuvor durch die verletzungsbedingte Aufgabe des Titelverteidigers Vitali Klitschko gewonnen und war aufgrund dieses glücklichen Sieges ein Weltmeister mit wenig Ansehen.

In der Folgezeit stieg Klitschkos Popularität insbesondere in Deutschland rapide an. Er verteidigte seinen Titel fünf Mal: durch K.-o.-Siege gegen Derrick Jefferson, Charles Shufford, den bekannt guten Nehmer und ehemaligen WBO-Weltmeister Ray Mercer (der allerdings schon 40 Jahre alt war), Jameel McCline und Francois Botha. Er befand sich in der bis dahin besten Phase seiner Karriere und galt als ungekrönter Nachfolger der damaligen Nummer Eins im Schwergewicht, Lennox Lewis. Während dieser Zeit etablierte sich auch Klitschkos Kampfname Dr. Steelhammer.

2003 - 2004: Klitschko in der Krise

Klitschko trat am 8. März 2003 gegen den Südafrikaner Corrie Sanders an und verlor völlig überraschend durch technischen K. o. in der zweiten Runde. Sanders wurde aufgrund seines Alters von bereits 37 Jahren und einer K.-o.-Niederlage gegen Hasim Rahman im Jahre 2000 als eigentlich zweitklassiger Gegner angesehen. Klitschko wurde in der ersten Runde von einem Konter des schlagstarken Rechtsauslegers am Kinn getroffen und ging anschließend vier Mal zu Boden, bevor der Kampf zugunsten Sanders’ abgebrochen wurde.

Nach zwei erfolgreichen Aufbaukämpfen durfte Klitschko am 10. April 2004 gegen Lamon Brewster erneut um den mittlerweile vakanten WBO-Titel boxen, den Sanders inzwischen niedergelegt hatte, um gegen Wladimirs Bruder Vitali um die WBC-Krone boxen zu können. Auch diesen Kampf verlor er jedoch, wiederum überraschend, durch technischen K. o. in Runde fünf. Klitschko dominierte den Kampf zu Beginn deutlich. In der vierten Runde gelang ihm zudem ein Niederschlag, der erste in Brewsters Profikarriere. Anschließend musste er jedoch seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Begünstigt durch die abrupt einsetzenden Konditionsprobleme Klitschkos gelangen Brewster in der fünften Runde seinerseits mehrere schwere Wirkungstreffer, die zunächst zu einem Anzählen im Stehen und schließlich zum Kampfabbruch durch den Ringrichter Robert Byrd führten. Nach Angaben Klitschkos sollen körperliche Beschwerden, unter anderem ein erhöhter Blutzuckerwert, hervorgerufen durch die Manipulation seiner Getränke, für den K. o. verantwortlich gewesen sein. Ernsthaft erhärtet wurden diese Behauptungen trotz Ermittlungen des FBIs jedoch nie.

Im Frühjahr 2004 wechselte Wladimir Klitschko den Trainer. Sein neuer Cheftrainer wurde Emanuel Steward. Nach Auslaufen des Vertrages mit Universum Box-Promotion trennten sich Wladimir und Vitali Klitschko zudem von Universum und gründeten ihre eigene Promotionfirma K2 Promotions. Dies führte zu einem fünfjährigen Rechtsstreit mit dem Hamburger Boxstall, der die Auffassung vertrat, dass sich die Vertragsdauer um verletzungsbedingte Ausfallzeiten verlängern würde. Erst 2009 wurde durch den Bundesgerichtshof in diesem Verfahren in letzter Instanz zugunsten der Klitschkos entschieden.

2004 – 2007: Neuanfang und IBF-Titel

Den folgenden Kampf gegen DaVarryl Williamson gewann Klitschko aufgrund einer so genannten „technischen Entscheidung“. Nach einem unbeabsichtigten Kopfstoß wurde der Kampf wegen Klitschkos stark blutender Platzwunde abgebrochen und nach Punkten zu seinen Gunsten entschieden. Er ging auch in diesem Kampf wieder zu Boden.

Den ungeschlagenen Kubaner Eliseo Castillo, Bezwinger des Ex-Weltmeisters Michael Moorer, konnte er durch technischen K. o. in der vierten Runde besiegen.

Am 24. September 2005 fand Klitschkos Aufeinandertreffen mit dem bis dahin ungeschlagenen und stark eingeschätzten Samuel Peter als Endausscheidung um einen IBF- oder WBO-Titelkampf in Atlantic City statt. Zusätzlich wurde um den Nordamerikanischen Meistertitel der NABF geboxt. Wladimir Klitschko ging in der fünften Runde zweimal zu Boden, hervorgerufen durch regelwidrige Nackenschläge des Nigerianers, die vom Ringrichter jedoch nicht geahndet wurden. Auch in der zehnten Runde musste Klitschko zu Boden. Anders als in kritischen Situationen in der Vergangenheit fing Klitschko sich gegen Peter aber jedes Mal wieder und wurde, wenngleich unter einem gellenden Pfeifkonzert des Publikums, zum einstimmigen Punktsieger erklärt. Danach war er berechtigt, erneut um einen Weltmeistertitel im Schwergewicht der Verbände IBF oder WBO zu kämpfen.

Sein WM-Kampf gegen Chris Byrd (beim Ring Magazine seinerzeit als längster amtierender Titelträger auf Rang eins geführt) fand am 22. April 2006 in Mannheim statt. Nach einem verhaltenen Beginn in der ersten Runde bestimmte Klitschko zunehmend den Kampf und konnte in der ersten Minute der fünften Runde einen Niederschlag erzielen, der angeschlagene Byrd schaffte es aber noch in die Ringpause. Nach einer wieder etwas „ruhigeren“ sechsten Runde schlug Klitschko Byrd Anfang der siebten Runde erneut nieder. Byrd war zwar relativ schnell wieder auf den Beinen, als Ringrichter Wayne Kelly jedoch die stark blutende Platzwunde an Byrds linkem Auge sah, brach er den Kampf sofort ab. Klitschko wurde somit zum Sieger durch technischen K. o. in der siebten Runde und zum Weltmeister der Verbände IBF und IBO ernannt.

Klitschko rückte dadurch auch in der Rangliste des renommierten Ring Magazine auf die erste Position vor. Am 11. November 2006 verteidigte er seinen Titel in einer freiwilligen Titelverteidigung gegen den ungeschlagenen Calvin Brock, da der zunächst als Gegner anvisierte Shannon Briggs gegen den WBO-Titelträger Sjarhej Ljachowitsch boxte. Auch den Kampf gegen Brock gewann Klitschko durch TKO in der siebten Runde.

Die erste Pflichtverteidigung seines Titels absolvierte er am 10. März 2007 gegen Ray Austin wiederum in der Mannheimer SAP-Arena; er siegte ungefährdet durch TKO in der zweiten Runde. Anschließend trat Klitschko am 7. Juli 2007 in einen Revanchekampf gegen seinen letzten Bezwinger Lamon Brewster an. Die einseitige Begegnung in der Kölnarena endete vorzeitig nach der sechsten Runde, als Brewsters Trainer Buddy McGirt aufgrund der Chancenlosigkeit seines Schützlings den Kampf abbrechen ließ.

Seit 2008: Titelverteidigung

Nach seinem Sieg gegen Ray Austin erklärte Wladimir Klitschko, die Titel aller großen Boxverbände erobern zu wollen. Dazu trat der Ukrainer am 23. Februar 2008 in einem ersten Titelvereinigungskampf gegen den russischen WBO-Weltmeister Sultan Ibragimow an. Das Aufeinandertreffen im Madison Square Garden in New York City war die erste Titelvereinigung im Schwergewicht seit 1999, als Lennox Lewis seinen Konkurrenten Evander Holyfield besiegte. Den beiderseits sehr defensiven Kampf gewann Klitschko letztlich deutlich nach Punkten. Höhepunkt waren einige Wirkungstreffer Klitschkos in der neunten Runde, die den Russen ins Ringseil warfen, jedoch nicht zu einem Niederschlag führten. Klitschko hatte den gesamten Kampf in ruhigem, kontrollierten und risikoarmen Stil geboxt, was ihm insbesondere in den USA Kritik einbrachte.

Durch die Eroberung des WBO-Gürtels musste Klitschko zwei Pflichtverteidigungen in Folge bestreiten: Der US-Amerikaner Tony Thompson erwarb das Recht auf einen Titelkampf des WBO-Verbandes bereits im Juli 2007 durch einen Sieg über Luan Krasniqi und bekam somit zunächst den Vorzug vor dem Russen Alexander Powetkin, der im Januar 2008 zum Pflichtherausforderer für den IBF-Titel wurde. Der Rechtsausleger Thompson hatte Klitschko in der Vorbereitung auf seinen Kampf gegen Corrie Sanders im Jahre 2003 als Sparringpartner gedient. Klitschko trat am 12. Juli 2008 in der Hamburger Color Line Arena gegen Thompson an und siegte durch K. o. in der elften Runde. Klitschko fiel es dabei lange schwer, gegen den defensiv, häufig hinter geschlossener Doppeldeckung agierenden Thompson klare Treffer zu setzen. Beide Boxer erlitten zum Ende der zweiten Runde nach einem Zusammenstoß der Köpfe Platzwunden an den Augen. In der zweiten Kampfhälfte schien Thompson zunehmend zu ermüden, und so gelang Klitschko schließlich in der elften Runde durch einen Treffer mit der rechten Schlaghand der K.-o.-Erfolg.

In der Zwischenzeit gelang den Klitschko-Brüdern mit dem Gewinn des WBC-Weltmeistertitels durch Vitali Klitschko im Oktober 2008 ein boxhistorisches Novum: Zum ersten Mal in der Geschichte des Profiboxens waren zwei Brüder gleichzeitig Titelträger im Schwergewicht. Wladimir Klitschkos Verteidigung des IBF-Titels gegen den russischen Olympiasieger von 2004, Alexander Powetkin, sollte am 13. Dezember 2008 in der Mannheimer SAP-Arena stattfinden. Powetkin verletzte sich jedoch Ende Oktober am linken Sprunggelenk und sagte daraufhin den Kampf ab. Der Kampftermin wurde dennoch beibehalten, und stattdessen der Ex-Weltmeister Hasim Rahman, in der IBF-Weltrangliste auf Rang fünf platziert, als Ersatzgegner verpflichtet. Klitschko gewann den Kampf in Mannheim durch technischen K. o. in der siebten Runde.

Seit der britische ehemalige Cruisergewichtsweltmeister David Haye 2008 seinen Aufstieg in das Schwergewicht angekündigt hatte, versuchte er mit zahlreichen Provokationen und despektierlichen Aussagen einen Kampf gegen die Klitschko-Brüder zu forcieren. Unter anderem erschien im Magazin Men’s Health eine Fotomontage, in der Haye den abgetrennten Kopf Wladimir Klitschkos hielt. Nachdem ein zunächst diskutierter Kampf des Briten gegen Vitali Klitschko wegen dessen bevorstehender Pflichtverteidigung gegen Juan Carlos Gómez nicht zustande kam, einigte sich Wladimir Klitschko mit Haye auf ein Aufeinandertreffen in einer freiwilligen Titelverteidigung am 20. Juni 2009 in dem Gelsenkirchener Fußballstadion Veltins-Arena. Zu den folgenden Pressekonferenzen erschien Haye, um den Kampf zu promoten, in einem T-Shirt, auf das ein Bild gedruckt war, welches ihn mit den abgetrennten Köpfen beider Klitschko-Brüder zeigte.

Zweieinhalb Wochen vor dem Kampftermin sagte Haye den Kampf ab. Als Grund gab er eine Rückenverletzung an. Da Klitschko und sein Management den Kampftermin, für den zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 57.000 Karten abgesetzt worden waren, beibehalten wollten, sollte kurzfristig ein hochklassiger Ersatzgegner verpflichtet werden. Da der für den 30. Mai 2009 angesetzte Kampf um die World Boxing Association/WBA-Weltmeisterschaft zwischen dem Russen Nikolai Walujew und dem Usbeken Ruslan Chagajew in der Woche zuvor ebenfalls abgesagt worden war, wurde beim Management beider Boxer angefragt. Walujew lehnte wegen der kurzen Vorbereitungszeit ab, der ungeschlagene Chagajew sagte jedoch zu und trat am 20. Juni 2009 in der mit mehr als 61.000 Zuschauern gefüllten Schalker Arena gegen Klitschko an. Chagajews WBA-Titel stand in diesem Duell nicht auf dem Spiel, da die WBA wegen der zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärten Kontroverse um die Absage des Kampfes gegen Walujew die Zustimmung verweigerte. Weil das Dach des Stadions wegen der Lärmschutzbestimmungen um 22 Uhr geschlossen werden musste, stellte dieser Kampf zudem einen Zuschauerrekord für eine Indoor-Box-Veranstaltung auf. Es war zudem die größte Zuschauerzahl bei einem Boxkampf in Deutschland seit 1939, als Max Schmeling in Stuttgart Adolf Heuser vor 70.000 Zuschauern besiegte. Klitschko dominierte den Kampf und schlug den Usbeken Chagajew in der zweiten Runde erstmals in dessen Profikarriere zu Boden. Nach vielen schweren Wirkungstreffern in den folgenden Runden entschloss sich Chagajews Trainer Michael Timm nach der neunten Runde zur Aufgabe des Kampfs.

Der Kampf gegen Chagajew blieb Klitschkos einziger Kampf im Jahr 2009. In den folgenden neun Monaten bestritt er keinen Kampf, dies war die bis dahin längste inaktive Periode seiner Profilaufbahn. Er einigte sich in der Zwischenzeit mit dem IBF-Verband auf eine weitere Fristverlängerung für seine Pflichtverteidigung gegen Powetkin, die ursprünglich bis zum September 2009 hätte stattfinden sollen, und vereinbarte ein Duell mit dem US-Amerikaner Eddie Chambers, der sich mit einem Sieg gegen Alexander Dimitrenko für einen Titelkampf des WBO-Verbandes qualifiziert hatte. Chambers war 2006 Sparringspartner von Klitschko in dessen Vorbereitung auf den Kampf gegen Calvin Brock. Die Begegnung fand am 20. März 2010 in der Düsseldorfer ESPRIT arena statt und wurde von Wladimir Klitschko durch K. o. mittels eines linken Hakens in den letzten Sekunden der zwölften Runde gewonnen.

Auf Anweisung der IBF sollte sich Klitschko daraufhin mit Powetkin auf einen Termin für die seit langem überfällige Pflichtverteidigung einigen. Eine erneute Ausnahme wäre von der IBF nur zugelassen worden, wenn Klitschko eine weitere Titelvereinigung mit einem Titelträger eines anderen großen Weltverbandes hätte vereinbaren können, da Titelvereinigungen grundsätzlich eine höhere Priorität eingeräumt werden. Die Verhandlungen mit dem neuen WBA-Titelträger Haye scheiterten im Juni 2010 jedoch, und auch mit Powetkin war keine Übereinkunft erzielt worden, so dass die IBF den Weltmeisterschaftskampf zwischen Klitschko und Powetkin schließlich zur Versteigerung ausschrieb. Klitschkos K2 Promotions sicherte sich das Veranstaltungsrecht mit einem Gebot von 8,3 Millionen US-Dollar, Powetkins Promoter Sauerland Event bot 4,3 Millionen US-Dollar. Da Powetkin daraufhin nicht zur ersten offiziellen Pressekonferenz in Frankfurt am Main zur Ankündigung des für den 11. September 2010 in der Commerzbank-Arena geplanten Kampfes erschien und auch den Kampfvertrag wegen, nach Aussage Sauerlands, benachteiligenden Vertragsklauseln nicht fristgerecht unterschrieb, wurde ihm auf Antrag Klitschkos der Pflichtherausfordererstatus im IBF-Verband aberkannt. Klitschko einigte sich stattdessen mit dem in der IBF-Rangliste nach Powetkin auf Rang zwei platzierten Ex-WBC-Weltmeister Samuel Peter auf einen Rückkampf, fünf Jahre nach ihrer ersten Begegnung, die Wladimir Klitschko nach Punkten gewonnen hatte. Diesen Kampf gewann Klitschko durch technischen K. o. in der zehnten Runde.

Als nächster Gegner für eine mögliche freiwillige Titelverteidigung am 11. Dezember 2010 in der Mannheimer SAP-Arena wurde der mit erst 14 Profikämpfen relativ unerfahrene Dereck Chisora ausgewählt. Dieser Termin kam aufgrund einer Bauchmuskelverletzung Klitschkos nicht zustande. Da Klitschko allerdings vertraglich zu dem Kampf gegen Chisora verpflichtet war, wurde zunächst ein Nachholtermin am 30. April 2011 vereinbart, obwohl Klitschko zu diesem Zeitpunkt bereits in neuen konkreten Verhandlungen mit WBA-Titelträger David Haye für einen Vereinigungskampf im Juni oder Juli 2011 stand. Das Aufeinandertreffen mit Chisora wurde dann im März 2011 wegen einer noch nicht ausgeheilten Schulterverletzung Klitschkos endgültig abgesagt. Stattdessen wurde, nach mehreren erfolglosen Versuchen und durch Provokationen Hayes angeheizt, die Titelvereinigung gegen Haye für den 2. Juli 2011 in der Hamburger Imtech Arena vereinbart. Den Kampf, der in Deutschland die bisher höchsten Einschaltquoten eines Klitschko-Kampfes erreichte, gewann Klitschko einstimmig nach Punkten, womit er seine Titel mit dem WBA-Gürtel von David Haye vereinigte.

Der Haye-Kampf blieb sein einziger Kampf im Jahr 2011. Erst acht Monate später kehrte er für eine freiwillige Titelverteidigung gegen den 39-Jährigen Jean-Marc Mormeck aus Frankreich in den Ring zurück. Klitschko besiegte den chancenlosen Mormeck, der Mitte der 2000er Jahre mehrfach Weltmeister im Cruisergewicht gewesen war, am 3. März 2012 in der Düsseldorfer Esprit Arena durch K. o. in der vierten Runde. Es war sein 50. Knockout-Sieg im 60. Profikampf. Danach wurde eine weitere Pflichtverteidigung des IBF-Titels fällig. Als Herausforderer war der bereits 2008 von Klitschko besiegte Tony Thompson bestimmt worden. Der Kampf fand am 7. Juli 2012 im Berner Stade de Suisse statt und wurde von Klitschko nach Niederschlägen in den Runden fünf und sechs durch technischen K. o. gewonnen.

In seinem dritten Kampf des Jahres 2012 bestritt Klitschko eine freiwillige Titelverteidigung gegen den zuvor ungeschlagenen Mariusz Wach. Mit dem 2,02 Meter messenden Polen stand Klitschko erstmals in seiner Profikarriere ein körperlich größerer Gegner im Ring gegenüber. In der Vorbereitung auf den Kampf musste Klitschko zudem auf seinen langjährigen Trainer Emanuel Steward verzichten, der an den Folgen einer Darmerkrankung am 25. Oktober 2012 verstarb. Neuer Trainer wurde der US-amerikanische Schwergewichtsboxer und Trainingspartner Klitschkos, Johnathon Banks. Den Kampf gegen Wach am 10. November 2012 in der Hamburger O2-World-Arena gewann Klitschko durch einem deutlichen Punktsieg über zwölf Runden.

Am 25. Mai fand im WBA-Hauptquartier in Panama-Stadt die Versteigerung der Austragungsrechte für den dritten Anlauf (nach den gescheiterten Versuchen 2008 und 2010) zur Pflichtverteidigung gegen Alexander Powetkin statt. Dabei gewann ein Gebot des Powetkin-Managers Wladimir Chrjunow in Höhe von 23,3 Millionen US-Dollar gegen die Gebote von Klitschkos K2 Promotions und Powetkins Promoter Sauerland Event mit 7,13 bzw. 6 Millionen US-Dollar. Entsprechend den WBA-Regeln erhält Klitschko als Titelverteidiger 75 % und Powetkin als Herausforderer 25 % der Summe. Zunächst bestritt Klitschko allerdings eine weitere freiwillige Titelverteidigung am 4. Mai 2013 in der SAP-Arena in Mannheim und gewann diese gegen den Italiener Francesco Pianeta nach Niederschlägen in der vierten, fünften und sechsten Runde durch technischen K. o., der sechzigste Sieg in seiner Profikarriere.

Der „Showdown des Jahres“ 2013 fand am 5. Oktober zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Powetkin in der Moskauer Olimpijski-Halle statt. Es ging um eine Geldsumme von 17,84 Mio. €, von der Klitschko 13,38 Mio. € und Powetkin 4,46 Mio. € erhielten. Klitschko siegte in zwölf Runden einstimmig nach Punkten.

Boxstil

Wladimir Klitschko gilt momentan als einer der besten Techniker im Schwergewicht. Er ist Linksausleger und boxt damit orthodox. Sein Stil ist in erster Linie durch einen starken Jab geprägt, den er als Dublette oder einzeln heraus schlägt. Durch schnelle Beinarbeit versucht er, die Distanz zum Gegner zu wahren, um seine Reichweite ausspielen zu können. Dabei vermeidet es Klitschko, mit kleineren Gegnern in den Infight zu geraten, was für einen Boxer mit seiner Armlänge nachteilig wäre. Aufgrund der Körpergröße von 1,98 m ist Klitschko in den meisten Fällen nicht auf schnelle Pendelbewegungen mit dem Oberkörper angewiesen. Diese sind für Boxer wichtig, die unter dem Größendurchschnitt der jeweiligen Gewichtsklasse einzustufen sind, da sie auf diese Weise Schläge vermeiden und Reichweitennachteile ausgleichen können. Klitschkos Wettkampfstrategie ist in erster Linie darauf ausgelegt, zu zermürben und einen vorzeitigen Sieg erst dann anzustreben, wenn der jeweilige Gegner konditionell überfordert oder durch zahlreiche Führhandtreffer beeinträchtigt ist.

In seiner bisherigen Profikarriere erzielte Klitschko die meisten K.-o.-Siege nach Treffern mit seinem rechten Cross, der zu den härtesten Schlägen im momentanen Schwergewicht zählt. Unter der Aufsicht seines langjährigen Trainers Emanuel Steward war Klitschko darauf bedacht, seine Körpergröße optimal zu nutzen, was zur Folge hat, dass viele Schläge als Gerade und nicht als Haken geschlagen werden. Im Verhältnis zu anderen Schwergewichtlern schlägt er wenig über die Außenbahn. Klitschko ist dafür bekannt, am Kampfabend in guter konditioneller Verfassung zu sein. Ferner wird ihm ein gutes Antizipationsvermögen nachgesagt.

Politik

Die Klitschko-Brüder engagierten sich in der Demokratiebewegung „Orange Revolution“ in der Ukraine. 2006 und 2008 trat Wladimirs Bruder Vitali Klitschko erfolglos bei den Bürgermeisterwahlen der Stadt Kiew an und kandidierte auch für das ukrainische Parlament.

Sonstiges

Als Einlaufmusik wählte Wladimir Klitschko das Lied Can’t Stop von den Red Hot Chili Peppers. Seit November 2006 kämpft Wladimir Klitschko exklusiv beim TV-Sender RTL.

Das Lied Sonne der deutschen Rockband Rammstein wurde auf Anfrage von Klitschko geschrieben, sollte ursprünglich Der Boxer heißen und als Klitschkos Einmarschlied dienen. Da Klitschko die Endfassung jedoch zu hart war, kam das Lied nicht zum Einsatz.

Seit 1996 engagieren sich Wladimir Klitschko und sein Bruder Vitali neben dem Sport für diverse Wohltätigkeitsprojekte. Sie haben einen Fonds für sozial benachteiligte Kinder gegründet und starteten in Marokko und Brasilien Hilfsprojekte. Sie unterstützen Schulungs- und Bildungsaktivitäten für Kinder in Afrika, Asien und Südamerika. Für ihren Einsatz wurden sie von der UNESCO als „Heroes for Kids“ ausgezeichnet, als Vorbilder für Fairness, sportlichen Erfolg und Bildung.

In der deutschen Synchronisation des Disney-Films Die Kühe sind los liehen er und sein Bruder Vitali 2004 den Rindern Boris und Noris ihre Stimmen. Im Spielfilm Ocean’s Eleven (2001) hatte Klitschko einen Kurzauftritt als Gegner von Lennox Lewis. In den deutschen Produktionen Keinohrhasen (2007) und Zweiohrküken (2009) spielte Wladimir Klitschko sich selbst.

Die Klitschko-Brüder betreiben seit Oktober 2007 eine eigene Vermarktungsagentur „Klitschko Management Group GmbH“ (KMG) mit Sitz in Hamburg-Ottensen. Geschäftsführer der Agentur ist der langjährige Klitschko-Manager Bernd Bönte.

Im Jahr 2009 veröffentlichten Musikvideo zum Lied Part of Me des US-amerikanischen Musikers Chris Cornell trat Wladimir Klitschko als tanzender Cowboy auf.

2012 versteigerte Klitschko seine 1996 gewonnene Goldmedaille. Ein unbekannter Bieter zahlte eine Million US-Dollar dafür. Das Geld floss in den Fonds der Klitschko-Brüder. Die Medaille blieb auf Wunsch des Bieters jedoch im Besitz der Familie Klitschko.

Film

Wladimir Klitschko ist zusammen mit seinem Bruder Vitali Protagonist eines Kinofilms, Klitschko, der am 16. Juni 2011 im Majestic Filmverleih in die deutschen Kinos kam. Regisseur Sebastian Dehnhardt begleitete in seinem Kinodebüt die Klitschkos über einen Zeitraum von zwei Jahren in Deutschland, der Ukraine, den USA, Kasachstan, Kanada, Österreich und der Schweiz. Seine Weltpremiere feierte der Film auf dem Tribeca Film Festival, das vom Schauspieler Robert De Niro und der Produzentin Jane Rosenthal ins Leben gerufen wurde.

„Es geht um […] die Liebe zwischen zwei Brüdern, die einander ganz buchstäblich raushauen, einander durch Niederlagen und Zusammenbrüche beistehen und durch eine seltsame Mischung von Brüderlichkeit und zähem Beharren zu Weltmeistern werden. “
– Hannes Stein: Welt Online



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