Biografie

Salut Salon ist der Name eines kammermusikalischen Frauen-Quartetts aus Hamburg, das seit 2000 in der Formation Klavier, Cello und zwei Geigen auftritt und von den Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried gegründet wurde.

Überblick

Charakteristisch für ihr Repertoire sind neu arrangierte klassische Stücke, Anleihen aus Volks- und Filmmusik, eigene Chansons, Tango, Pop, Jazz, Puppenspiel und Instrumental-Akrobatik – ein Crossover jenseits der Kategorien „E“ und „U“. Der Name Salut Salon geht auf das Lieblingsstück der ursprünglichen Quartett-Formation (mit Ameli Winkler am Klavier und der Cellistin Simone Bachmann) zurück: Edward Elgars „Salut d’amour“. Da die Keimzelle des Quartetts in den 90er Jahren ein regelmäßiger literarisch-musikalischer Salon war, ein „Jour fixe“ im Hamburger Stadtteil Eppendorf, wurde daraus Salut Salon.

Geschichte

Die beiden Gründerinnen des Quartetts Salut Salon lernten sich in den 80er Jahren in Hamburg kennen, spielten gemeinsam am ersten Pult im Schulorchester. Sie blieben auch nach dem Abitur zusammen, gründeten in ihrer Heimatstadt eine WG und gingen gemeinsam ein paar Monate auf Weltreise. Seit dem ersten Auftritt als Duo spielten sie regelmäßig Kammermusik – beim Jour fixe in der Altbauwohnung der mit ihnen befreundeten Pianistin Ameli Winkler, einem Treffpunkt von Schauspielern, Musikern und Literaten, der sich in der Tradition des Salons des 19. und 20. Jahrhunderts verstand. Als Quartett (mit Ameli Winkler am Klavier und Simone Bachmann am Cello) hatten sie ihren ersten gemeinsamen Auftritt im Herbst 1999 in der Galerie Rose in Hamburg. In den Jahren danach wurde das Quartett immer häufiger gebucht. Am 3. Januar 2003 spielten sie in der Hamburger Musikhalle ihr erstes großes öffentliches Konzert, für das sie noch selbst die Plakate klebten. Noch im selben Jahr veröffentlichten sie bei Warner ihre erste CD Was kann das Herz dafür. Kurz darauf bot ihnen Warner einen Plattenvertrag an. Mittlerweile gibt das Quartett über 100 Konzerte jährlich – in den ersten Jahren in wechselnden Formationen, in denen die Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried immer Herzstück des Quartetts blieben; seit 2008 durchgängig mit der Pianistin Anne von Twardowski und der Cellistin Sonja Lena Schmid.

Seit 2005 treten Salut Salon auch im Ausland auf. Sie geben regelmäßig Gastspiele in den USA, in China (2010 vertraten sie auf der Expo in Shanghai die Hansestadt Hamburg darüber hinaus als musikalische Botschafterinnen), in Kanada, in Chile, in Russland, in der Schweiz, Italien, Luxemburg und Spanien. Dazu kommen zahlreiche Auftritte im Fernsehen und Beiträge im Radio.

2012 ging das Quartett auf Jubiläumstournee und feierte das zehnjährige Bestehen von Salut Salon - und dass, obwohl das Ensemble bereits seit zwölf Jahren bestand, wie Iris Siegfried bei der Premiere im Hamburger Thalia Theater augenzwinkernd bemerkte.

Biografien
Angelika Bachmann

Angelika Bachmann (* 1972) wurde in Hamburg geboren und aufgrund ihrer musikalischen Sonderbegabung durch den Senat der Hansestadt Hamburg vom Schulunterricht befreit, so dass sie sich schon in frühester Kindheit dem Geigenspiel widmen konnte. Seit dem siebten Lebensjahr ist sie als Konzertsolistin u.a. mit den Hamburger Symphonikern aufgetreten, sammelte Erfahrungen bei Fernsehauftritten und gewann zahlreiche 1.Bundespreise bei „Jugend musiziert“-Wettbewerben. Ihre musikalische Ausbildung genoss sie u.a. bei Roland Greutter, dem 1.Konzertmeister des NDR-Sinfonie-Orchesters. Angelika Bachmann war über viele Jahre hinweg Stipendiatin der Oscar- und Vera-Ritter-Stiftung sowie Jurorin des LTM-Wettbewerbs in Hamburg. Ihre eigenen musikalischen Arrangements sind unter dem Titel „Flexible Strings“ 2007 im Musikverlag Breitkopf & Härtel erschienen. Neben der Musik studierte Angelika Bachmann Philosophie und Germanistik. Im Oktober 2011 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement in der musikalischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Iris Siegfried

Iris Siegfried (* 1972) wurde in Hamburg geboren und war Preisträgerin beim „Jugend musiziert“-Wettbewerb. Sie sang später bei Auftritten in verschiedenen Hamburger Chören und a-cappella-Gruppen. Neben ihrer musikalischen Ausbildung absolvierte sie in Hamburg ein Jura-Studium, das sie 2000 mit dem 2.Staatsexamen abschloss. Seitdem arbeitet sie als Rechtsanwältin in einer Hamburger Kanzlei im Bereich Wettbewerbs- und Urheberrecht. Darüber hinaus schloss sie ihr Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg als Kulturmanagerin ab. Inzwischen ist sie dort als Dozentin für Kultur- und Medienmanagement tätig. Im Oktober 2011 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement in der musikalischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Sonja Lena Schmidt

Sonja Lena Schmid (*1981) wurde in Tübingen geboren und studierte Violoncello und Kammermusik an den Musikhochschulen Hamburg, Amsterdam und Den Haag. Sie war „Huygens“-Stipendiatin der niederländischen Regierung sowie „ZEIT“-Stipendiatin der Deutschen Stiftung Musikleben. Die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin – u. a. mit dem 1. Preis beim Wettbewerb „Elise Meier”, dem 1. Preis beim internationalen Kammermusikwettbewerb „Charles Hennen” (Niederlande) und einem Sonderpreis beim internationalen Wettbewerb „Schubert und die Moderne” in Graz für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werkes – wurde 2006 für das niederländische „Toptalent”-Programm ausgewählt und zudem in die Förderung der Villa Musica Rheinland-Pfalz aufgenommen. Seit 2007 gehört sie dem „Ensemble Intégrales” für zeitgenössische Musik an. An der Musikhochschule Lübeck absolviert sie seit 2010 ein Aufbaustudium bei Troels Svane.

Anne-Monika von Twardowski

Anne-Monika von Twardowski (* 1982) wurde in Durban (Südafrika) geboren und erhielt in Deutschland im Alter von sechs Jahren ihren ersten Klavierunterricht. 2002-2007 studierte sie an der Musikhochschule Lübeck im Diplomstudiengang Instrumentalpädagogik in der Klasse von Barbara Martini. Anschließend absolvierte sie von 2008 bis 2011 ihr künstlerisches Diplom als Pianistin, zunächst bei Prof. Jacob Leuschner und ab 2009 bei David Meier. Im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms lebte sie 2005/2006 in Barcelona und war Studentin an der Escola Superior de Música Catalunya in Barcelona, wo Prof. Pierre Reach und Prof. Alan Branch ihre Lehrer waren. Es folgte im April 2011 der Masterstudiengang „Master of Arts“ an der Musikhochschule Lübeck bei David Meier. Meisterkurse bei Elisabeth Leonskaja im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals und der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ergänzten ihre Ausbildung. Die Pianistin engagiert sich ehrenamtlich.

Programm

Salut Salon schreiben für ihre Programme klassische Stücke für ihre Besetzung um, mischen Klassik mit Filmmusik, Folk, Jazz und Pop. Eine Rolle in allen Programmen von Salut Salon spielt außerdem der argentinische Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Hinzu kommen Puppenspieleinlagen mit der Puppe Oskar. Die Chansons im Programm werden von Iris Siegfried gesungen, wie etwa Drei blaue Augen (ursprünglich von Georg Kreisler), Ich spiele leidenschaftlich gerne zweite Geige (Iris Siegfried, Franz Wittenbrink), Der Haifisch-Song (Iris Siegfried, Franz Wittenbrink) oder C’est une Chanson (Iris Siegfried) über die Liebe zur Musik.

Soziale Projekte

Die Salut-Salon-Gründerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried setzen sich neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit dafür ein, dass junge Menschen Musik als eine Grunderfahrung erleben können. Sie engagieren sie sich seit den 90er Jahren in verschiedenen, eigenen Kinderprojekten. Im Oktober 2011 erhielten Angelika Bachmann und Iris Siegfried für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Die coolen Streicher

Die Coolen Streicher sind das Kinderorchester von Salut Salon, gegründet 1995. Keimzelle des Orchesters waren Kinder, die Angelika Bachmann und Iris Siegfried schon während ihrer Schulzeit unterrichteten. Im Elternhaus von Iris Siegfried, im Hamburger Stadtteil Tonndorf, hatten die „Coolen Streicher“ ihre ersten Auftritte und fanden das cool (daher der Name). Dass die Kinder und Jugendlichen, unabhängig von ihrem Niveau, zusammen spielen ist konzeptgewollt. Angelika Bachmann schreibt die Arrangements für die „Coolen Streicher“. Jeder bekommt die Stimme, die zu ihm passt. Mehrfach gewannen die „Coolen Streicher“ den Hamburger LTM-Wettbewerb und konzertierten bereits mit den Berliner Symphonikern in der Berliner Philharmonie. 2004 bekamen sie vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau den „inventio“ als innovativstes Musikprojekt Deutschlands überreicht.

Die Escuela Popular de Artes in Chile

2003 übernahmen Salut Salon die Patenschaft für die Escuela Popular de Artes in Chile – ein Projekt der Deutschen Kindernothilfe. Die Musikschule liegt mitten in Achupallas, einem Elendsviertel von Viña del Mar. Salut Salon haben die Schule in Achupallas bereits mehrmals besucht, einmal waren auch die „Coolen Streicher“ dabei. Als ein transatlantisches Orchester gingen die jungen Musiker aus Deutschland und Chile schon zweimal zusammen auf Tour. Mittlerweile lernen über 300 Kinder und Jugendliche in der 1997 gegründeten Escuela von Achupallas klassische und moderne Instrumente, spielen in Gruppen zusammen, geben Konzerte. Sie stammen aus armen Familien, die sich die musikalische Ausbildung ihrer Kinder selbst nicht leisten können.

The Youngs ClassX

Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam die Musik für sich zu entdecken, darum geht es auch im jüngsten Projekt von Salut Salon. Für „The YoungClassX“ entwickelte Angelika Bachmann 2007 zusammen mit Dr. Alexander Birken von der Otto Group die Grundidee für ein Förderprogramm, das möglichst vielen Kindern überall in Hamburg kostenlos den Zugang zu klassischer Musik ermöglichen will. Die Otto Group trägt das Projekt finanziell. Im ersten Jahr 2011 nahmen 3186 Kinder am Angebot von „The Young ClassX“ teil; 1700 Kinder aus 21 Schulen sangen in 31 verschiedenen Stadtteilchören. Die Instrumentalschüler werden nach dem „Coach-the-coach“-Prinzip von fortgeschrittenen Schülern oder Musikstudenten unterrichtet. Die Kinder und Jugendlichen können außerdem in einem Projektorchester spielen. Gäste bei den „The Young ClassX“ waren u.a. der Ausnahme-Percussionist Martin Grubinger, der schwedische Chorleiter Gunnar Eriksson, der seit vielen Jahren weltweit die Chorimprovisations-Bewegung prägt, sowie der Dirigent Christoph von Dohnany, mit dem das Projektorchester öffentlich probte. Anlässlich des 80. Geburtstags von Christoph von Dohnányi spielte das „The Young ClassX“ Projektorchester im großen Saal der Laeiszhalle in Hamburg beim Festkonzert Antonín Dvořáks Slawischen Tanz Nr. 8 als Zugabe nach dem offiziellen Programm des NDR Sinfonieorchesters.

Mit dem chinesischen Dirigenten Muhai Tang gab das Projektorchester mit anderen Hamburger Orchestern zusammen das Eröffnungskonzert „Tag der Musik 2010“ in der Laieszhalle Hamburg. Die Idee von „The Young ClassX“ soll aber auch dort lebendig werden, wo Kinder gar nicht selbst musizieren, wohl aber das erste Mal mit klassischer Musik in Berührung kommen. Dafür gibt es das „MusikMobil“. Der projekteigene Bus fährt Schulklassen z. B. zum Probenbesuch in die Hamburger Oper und zum NDR-Sinfonie-Orchester. Mit den Blechbläsern von Sänger Jan Delay ging es 2011 zu Yamaha und zu Konzerten mit dem Geräuschesammler und Klangforscher Dr. Sound. Vernetzt werden auf der Young-ClassX-Plattform im Internet alle eigenen sowie sämtliche andere Musikprojekte für Kinder und Jugendliche in der Stadt. Im zweiten Jahr seines Bestehens erhielten „The Young ClassX“ in dem von Bundesregierung und Wirtschaft ausgeschriebenen Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ die Auszeichnung „Ausgewählter Ort 2011“. Auf Einladung von Schirmherr Bundespräsident Christian Wulff sang der „The Young ClassX“-Chor im Juni 2011 beim Sommerfest im Garten von Schloss Bellevue. Bei der Uraufführung von Nathaniel Stookeys „Mahl/er/werk“ spielten Kinder von „The Young ClassX“ Ende Mai 2011 zusammen mit Musikern des NDR-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Christoph Eschenbach vor 10.000 Zuschauern in der Hamburger O2-Arena. Kooperationspartner des Projekts sind u.a. die Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung sowie das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, die Elbphilharmonie, das Ensemble Resonanz, das Schleswig-Holstein-Musikfestival, Yamaha, Steinway, das NDR-Sinfonie-Orchester, Hamburg Ballett - John Neumeier, Hochschule für Musik und Theater (HfMT) und Staatsoper Hamburg.

Hamburger Instrumentalwettbewerb

Seit 2013 leiten Angelika Bachmann und Iris Siegfried den renommierten Hamburger Instrumentalwettbewerb, der vor über 60 Jahren vom Landesverband der Tonkünstler und Musiklehrer begründet wurde. Er findet alljährlich im Herbst statt. Seit über 30 Jahren werden Preisträger des Wettbewerbs beim großen Konzert der Kinder in der Laeiszhalle Hamburg präsentiert. Jedes Jahr nehmen mehr als 250 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 20 Jahren am Wettbewerb teil.

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