Kasperl hat schlechte Laune. Seppel hat ihm die Polizei auf den Hals gejagt, seine Frau schickt ihn in den Fischladen, obwohl man vor Nebel fast nichts sieht und die Schiffe im Hafen tuten so laut, dass einem die Ohren zerreißen möchten. Als er dann vom Rundfunkreporter Maulschmidt vors Mikrofon gezerrt wird, ist das Maß voll. Übers Radio macht sich Kasperl Luft, er beschimpft Seppel mit einem ungebremsten Wortschwall. Der Sender ruft die Polizei, Kasperl flieht und eine rasante Verfolgungsjagd beginnt. Der Rest der Geschichte ist ein einziger Aufruhr, "ein Krachen, da kommt man nicht gegen auf": Es hagelt Ohrfeigen, im Zoo brüllt der Löwe gegen eine Horde kreischender Kinder an, auf dem Jahrmarkt dröhnen Schießbudenlärm und ein lauthals jammernder Chinese. Überall ist Polizei, sind Straßenbahnen, Schiffe, Lokomotiven und am Schluss eine gewaltige Explosion. Kurz: Radau!
Walter Benjamin revolutionierte die Medientheorie.
"Radau um Kaperl" (1932) ist das erste Hörspiel für Kinder und die einzige seiner Arbeiten für den Rundfunk, die als fragmentarisches Tondokument erhalten ist, und steht für den Versuch Benjamins, im Hörspiel nicht nur eine Geschichte, sondern das Medium selbst zu thematisieren: ein Hörspiel vom Hörspiel. Ein Medium solle sein Programm nicht nur an den Anforderungen der Technik ausrichten, sondern auch an denen seines Publikums. Regisseur Thomas Fiedler gibt dem Radio eine Bühne und nimmt das Publikum mit in eine Welt aus Klang und Lärm und deren Herstellung.
Regie/Bühne: Thomas Fiedler
"Regisseur Thomas Fiedler gibt dieser einzigen Rundfunk-Arbeit Benjamins, die noch als fragmentarisches Tondokument erhalten ist, nun eine Bühne und entführt die begeisterten Zuschauer in eine Welt aus Klang und Lärm, erweitert noch um herrlich komische Slapstick-Szenen und jede Menge bunter Figuren. Die Herstellung von Geräuschen mittels Blecheimern, klackernden Steppschuhen, Stöcken oder einfach per Stimme wird quasi nebenbei demonstriert – und bildet doch den Mittelpunkt des turbulenten Stücks, das so auf zwei Ebenen funktioniert. [...]
Das fünfköpfige Darstellerteam, unter anderem Johannes Hendrik Langer als Kasperl und Anton Berman, von dem auch Musik und Kompositionen stammen, als dicker Budenbesitzer, agiert mit viel Spielfreude und zeigt, dass man mit einer guten Stimme und wenigen Requisiten fast jeden Ton hinbekommt, vom Tuten der Schiffe bis zur großen Explosion am Schluss."
Neues Deutschland)
Super für alle kleinen und großen Feuerwehr-Fans von Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt, 05.01.11
Das Stück ist wirklich prima: Mein Sohn (4,5 Jahre) war von Beginn bis Ende fasziniert, und auch für mich als Erwachsenen waren immer wieder witzige Stellen dabei, so dass ich mich nicht langweilen musste, wie sonst oft bei Kinderstücken. Das Theaterstück richtet sich stark nach dem Bilderbuch mit dem gleichen Titel, ergänzt aber die Figur Herta Hastig, so dass es auch für Kinder, die das Buch auswendig kennen, nicht langweilig ist. Wir jedenfalls hatten eine Stunde lang herrlichen Spaß.
Berlin - Theater an der Parkaue
04.10.10
Wirklich zu empfehlen! von Laura, 09.10.10
Im Rahmen unseres Kurzurlaubs in Berlin, haben wir die Aufführung
Irrungen, Wirrungen in der Fassung von Sascha Bunge gesehen.
Das Stück geht mit Pause ca. 150 Minuten lang. Die Schauspieler
haben wirklich Talent. Obwohl ich kein Freund von modernen
Interpretationen alter Werke bin, fand ich diese doch etwas andere Art
von Fontanes Werk sehr gut. Ein wirklicher Geheimtipp. Wer also noch
etwas für seine Abendgestaltung in Berlin sucht, sollte sich das Stück
ansehen!