Biografie

Nina Hagen (* 11. März 1955 als Catharina Hagen in Ost-Berlin) ist eine deutsche Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin.

Leben Nina Hagen wurde als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen und des Drehbuchautors Hans Oliva-Hagen 1955 im Ostteil von Berlin geboren. Hagens Stiefvater ist der Liedermacher Wolf Biermann.

Nina Hagen wollte in der DDR ursprünglich Schauspielerin werden, fiel allerdings 1972 durch die Aufnahmeprüfung der Schauspielschule. Darauf sang sie bei einigen Bands in Polen und kam dadurch zum "Orchester Alfons Wonneberg". Hagen beendete 1974 eine einjährige Gesangsausbildung mit Erfolg und wurde bei einem Konzert von der Gruppe "Automobil" entdeckt und sofort engagiert. Diese Band wurde später zu ihrer Begleitband. Keyboarder Michael Heubach schrieb das Lied "Du hast den Farbfilm vergessen" (Text: Kurt Demmler) für sie, das noch heute Kultstatus hat. Bereits 1975 verließ sie "Automobil" und wechselte zu "Fritzens Dampferband" (mit Achim Mentzel). Eine öffentliche Solidaritätsbekundung für den verfemten Autor und Musiker Wolf Biermann, der 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, brachte Hagen ins Abseits, so dass sie im gleichen Jahr die Chance nutzte, in den Westen zu emigrieren. Sie ging zuerst nach Großbritannien und war dort in der Punkszene unterwegs.

Nach ihrer Rückkehr in die Bundesrepublik gründete sie im Herbst 1977 zusammen mit den Kreuzberger Musikern Bernhard Potschka, Herwig Mitteregger, Manfred "Manne" Praeker, die zuvor bei Lokomotive Kreuzberg gespielt hatten, und Reinhold Heil die "Nina Hagen Band". 1978 erschien das international beachtete Album "Nina Hagen Band". Nicht viel später überwarf die exzentrische Punksängerin sich mit den vier Musikern, die ihr Unberechenbarkeit und egozentrische Starallüren vorwarfen. Da mit der CBS jedoch bereits ein zweites Album vertraglich vereinbart war, wurden die Aufnahmen dafür zunächst durch die vier Musiker eingespielt, später wurde – in Abwesenheit der vier Musiker – Nina Hagens Gesang aufgenommen. Der Titel des 1979 erschienenen Albums "Unbehagen" erscheint unmissverständlich. In den 80er Jahren konnten die vier Musiker unter dem Bandnamen "Spliff" ohne Nina Hagen Erfolge verzeichnen. In den 80er und 90er Jahren machte Nina Hagen durch ihre UFO-Theorien, ihr großes Interesse an der Spiritualität und den Religionen sowie ihr Engagement für den Tierschutz auf sich aufmerksam. Diese Einflüsse finden sich auch auf den zahlreichen, mit unterschiedlichsten Musikern eingespielten Plattenveröffentlichungen dieser Zeit.

1985 trat sie bei der Premiere von Rock in Rio auf. Sie stilisierte sich, beraten vom Mode-Designer Jean-Paul Gaultier, als Punk-Rock-Diva. Auf Platten, die sie von Zeit zu Zeit ihrer Fangemeinde vorlegte, gab sie sich kosmopolitisch, sang mal Deutsch, mal Englisch, schlug sich zur Präsidentin vor (Street, 1991), fand aber nicht die Musik, die ihr entsprach. 1993 unternahm sie mit dem Album "Revolution Ballroom" und dem Produzenten Phil Manzanera einen neuen Anlauf. 1996 sang sie auf dem BAP-Album "Amerika" gemeinsam mit Wolfgang Niedecken den Titel "Weihnachtsnaach", eine Cover-Version des Pogues-Titels "Fairytale Of New York". 1997 sang sie mit Thomas D den Song "Solo", der später auch als Single ausgekoppelt wurde, für dessen gleichnamiges Album ein.

Zum 100. Geburtstag des Dramatikers Bertolt Brecht zog es sie Anfang 1998 zurück in ihre Geburtsstadt Berlin. Zusammen mit der Schauspielerin und Chansonsängerin Meret Becker gab sie im Berliner Ensemble den Punk-Brecht-Abend "Wir hießen beide Anna" und dialogisierte mit dem Dichter. 1999 sang sie für ein CD-Doppelalbum der kompletten Dreigroschenoper mit Max Raabe als Mackie Messer und dem Ensemble Modern unter HK Gruber die Sopran-Partie der Celia Peachum, getreu der Originalpartitur von Kurt Weill, aber für sie eine Oktave zu hoch. Für die Live-Aufführung im Berliner Konzerthaus sagte sie ab. Zitat: "Soll ich mir etwa den Kopf absingen? Ich mache mir doch nicht die Stimme kaputt." Im Jahr 1998 spielte Nina Hagen für den Berliner Fußballverein 1. FC Union Berlin eine neue Vereinshymne ein.

Im März 2000 präsentierte sie, barfuß im seidenen Sari, auf der Bühne des von Räucherstäbchen eingenebelten Berliner Ensembles vor einem Altar mit Opfergaben eine "Indische Nacht". Ansprache von Nina Hagen: "Ich bin noch aufgetankt voll guter Energien aus meiner zweiten Heimat. Ich war sechs Wochen oben im Himalaya und habe bei Navaratri im Haidhakan Vishva Mahadham zu Babaji große mystische Sachen gemacht und Kräfte entfesselt, die bei meinem indischen Abend im BE vor einem Jahr noch nicht da waren." Ein Teil der dort vorgestellten Gesänge erschien ausschließlich auf Nina Hagens Website, deren Erlös zur Hälfte dem Babaji-Ashram, einem deutschen Sterbehospiz, brasilianischen Straßenkindern, Kinderkrankenhäusern in Indien und Tschernobyl und ähnlichem zugute kommen sollte.

Der Filmemacher Peter Sempel drehte einen experimentellen Dokumentarfilm, der die Jahre 1994 bis 1999 dokumentiert, über Nina Hagen, ihre Familie und die Wegbegleiter. In den Vordergrund rückte sie auch wieder durch die Zusammenarbeit mit Thomas D und den Bands Oomph! und Apocalyptica.

Seit ihrer Trennung von den späteren Spliff-Musikern 1979 wirkte sie neben ihren eigenen Plattenaufnahmen bei unzähligen Projekten mit. Die Anzahl sämtlicher weltweit erschienener Platten- und CD-Veröffentlichungen, auf denen Nina Hagens Gesang zu hören ist, dürfte bei annähernd 500 liegen. Das "Nina-Hagen-Archiv" etwa zeigte im Oktober 2005 206 Vinylplatten, 180 CDs und 30 Audiocassetten, sowie 21 Videocassetten und 12 DVDs. Die erste bekannte Veröffentlichung ist die Single "Eine Violine bin ich nicht" von Fritzens Dampferband mit Nina Hagen als Gastsängerin (DDR 1972).

2001 sprach sie für die Rilke Projekt CD "Bis an alle Sterne" die Gedichte "Die Welt die monden ist" und "Wie das Gestirn" ein. Im Dezember 2002 erschien die Biografie "Nina Hagen. That’s why the lady is a punk" vom Schriftsteller Marcel Feige in enger Zusammenarbeit mit Nina Hagen. Das Buch wurde 2003 mit der Corine, einem internationalen Buchpreis, ausgezeichnet.

2005 gastierte Hagen auf Frank Zanders Album "Rabenschwarz II" und sang mit ihm eine von der Neuen Deutschen Härte geprägte Cover-Version des Schlagers "Liebeskummer lohnt sich nicht" von Siw Malmkvist. In den Jahren 2006 und 2007 war Nina Hagen Jury-Mitglied bei der Casting-Show "Popstars" und half mit, die Mitglieder für die Bands "Monrose" und "Room2012" auszusuchen. 2006 begann Nina Hagen die musikalische Zusammenarbeit mit The Capital Dance Orchestra. Mit dem Album "Irgendwo auf der Welt" sang sie Filmschlager im neuen Gewand im Big-Band-Sound. Mit dem gleichnamigen Konzertprogramm ging sie dann 2006 auch mit dem Capital Dance Orchestra im deutschsprachigen Raum auf Tournee. Im März 2008 veranstalte Nina Hagen in Berlin eine Aufklärungsshow, die sie später über das Internet publizierte ("Nina Hagen unzensiert"). Dort kritisierte sie öffentlich die Medien, die ihrer Meinung nach nicht verfassungsgerecht über aktuelle Ereignisse in der Politik und Wirtschaft berichteten. Am 17. Mai 2008 präsentierte Nina Hagen auf dem Life Ball in Wien den Song "Kinky Melody", der auch auf einer CD des Modelabels Agent Provocateur erschien. Sie ließ sich im August 2009 in Schüttorf von Pastor Karl-Wilhelm ter Horst evangelisch-reformiert taufen, nachdem sie sich schon länger zu Jesus Christus bekannt hat.

Kontroversen In der österreichischen Spätabend-Diskussionssendung Club 2 vom 9. August 1979 zum Thema Jugendkultur erregte Nina Hagen großes öffentliches Aufsehen, als sie vor laufender Kamera – zwar angezogen, aber explizit – verschiedene Stellungen zur weiblichen Masturbation demonstrierte. Der Diskussionsleiter musste deswegen später als Gastgeber der Sendung zurücktreten.

In der Talkshow "Menschen bei Maischberger" vom 6. September 2005 trat Hagen als Wahlkämpferin für die Grünen auf und wurde daraufhin von Jutta Ditfurth für ihre esoterischen Ansichten kritisiert. Daraufhin äußerte Nina Hagen: "Ich finde es furchtbar, was diese dicke Frau mit mir macht. Jutta Ditfurth ist eine blöde, blöde Kuh. Mit dir werde ich nie wieder reden in der Öffentlichkeit!" Bei "Menschen bei Maischberger" erregte Nina Hagen abermals am 30. Oktober 2007 Aufsehen durch ihre Äußerungen und ihr Diskussionsverhalten. In der Sendung zum Thema "Ufos, Engel, Außerirdische – sind wir nicht allein?" äußerte sie Mitgefühl für von Außerirdischen entführte Menschen, sprach von "satanischem Einfluss" in der Welt und provozierte den ebenfalls anwesenden Physiker und Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath, nachdem dieser Skepsis an der Existenz von Außerirdischen oder Esoterik geäußert hatte, mit Grimassen und Beleidigungen zum Verlassen der Live-Sendung. Moderatorin Sandra Maischberger erklärte schließlich: "Nina, ich habe das Gefühl, dass in deinem Kopf viel durcheinander geht."

Persönliches 1981 brachte Hagen ihre Tochter Cosma Shiva zur Welt. Der Vater ist der 1988 verstorbene niederländische Gitarrist Ferdinand Karmelk. 1987 heiratete Hagen in einer "Punkhochzeit" auf Ibiza den damals 17-jährigen Musiker "Iroquois" aus der Londoner Hausbesetzer-Szene. Nach nur einer Woche trennte sich das Paar wieder. 1989 war sie mit dem Franzosen Frank Chevallier liiert. Aus dieser Beziehung stammt der Sohn Otis (Name abgeleitet vom amerikanischen Aufzugbauer Otis, da sie während der Schwangerschaft in solch einem Aufzug steckenblieb) Chevallier-Hagen. Im Mai 1996 heiratete Hagen den 15 Jahre jüngeren David Lynn. Das Paar trennte sich im Jahre 2000. Im Januar 2004 heiratete Hagen den 22 Jahre jüngeren dänischen Sänger Lucas Alexander Breinholm. Die Trennung erfolgte im Januar 2005. Hagens derzeitiger Lebensgefährte ist River, ein 27-jähriger Physiotherapeut aus Kanada.

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