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12.04.16 Der Comedian spricht über sein neues Programm „Planet Deutschland“

In den vergangenen 20 Jahren hat sich Kaya Yanar zu einem der beliebtesten Comedians des Landes emporgespielt. Mit „Planet Deutschland“ präsentiert er uns nun endlich sein heiß erwartetes neues Programm, mit dem er bis Ende des Jahres in Deutschland unterwegs ist.

Obwohl er in der Schweiz glücklich ist, vermisst Kaya Yanar Deutschland sehr. Daher hat er mit „Planet Deutschland“ das ultimative Werbeprogramm für seine Heimat entworfen, in dem er die Eigenheiten von sich und seinen Landsgenossen aufs Korn nimmt. Deutsche „Tugenden“ und Unarten bekommen darin genauso ihr Fett weg wie die wundersamen Dialekte unseres Landes.

Im Interview erzählt uns der beliebte Comedian mehr über sein neues Programm.

Moin Kaya. Dein neues Programm „Planet Deutschland“ kommt bislang ganz gut an, oder?
Ja, läuft gut – es ist ein gutes Thema.

Hast du erst mal durchgeatmet, als du das gemerkt hast, oder weiß man nach 20 Jahren im Geschäft schon vorher, ob ein Programm funktioniert?
Also ich arbeite ja allein – ich habe keine Autoren, Produzenten, Regisseure, nichts…

Ist das ungewöhnlich?
Ich glaube, es ist so 50/50. Es gibt viele Kollegen, die ihr Programm zusammen mit Autoren und Regisseuren schreiben. Das ist ja auch legitim, Hauptsache das Programm wird gut. Letzten Endes interessiert es keine Socke, ob du es allein machst oder nicht. Aber wenn du es allein machst so wie zum Beispiel meine Wenigkeit, dann hast du überhaupt keinen blassen Schimmer, ob es gut ankommt oder die Gags funktionieren. Natürlich hast du auch einen gewissen Erfahrungsschatz nach 20 Jahren auf der Bühne. Mein Kerngebiet sind zum Beispiel Sprachen und Dialekte. Aber das allein ist ja noch nicht witzig, du musst ja irgendwas damit anfangen – was ist das Gesamtthema des Programms? Ich habe mich jetzt halt entschieden, ein „Werbeprogramm für Deutschland“ zu schreiben – was auch nicht so einfach ist, aber zum Glück ist es mir gelungen. Und um noch mal auf deine Frage zurückzukommen: Ja, ich war extremst erleichtert, als die ersten Previews vorüber waren und die Leute es gemocht haben. Denn egal wie lange du auf der Bühne stehst – du bist a) immer nur so gut wie deine letzte Show und b) fängst du immer wieder von vorne an. Es gibt keine Lachgarantie, keine Witzegarantie. Ich sage immer, das ist wie Dartspielen im Dunkeln: Erst wenn das Licht angeht, weißt du, ob du getroffen hast oder nicht. Ist wirklich so.

Wie ist es denn dann nach 50 Shows? Ist es nicht verdammt schwierig, die Spannung über so einen langen Zeitraum hochzuhalten und immer wieder aufs Neue witzig sein zu müssen?
Das ist die zweite Herausforderung. Die erste ist, ein Programm zusammenzukriegen, bei dem du sagst „Das kommt gut an, ich mag das, es macht Spaß das zu spielen.“ Momentan habe ich mit dem neuen Programm etwa 15 Shows gespielt, und ungefähr nach dem zehnten Gig habe ich es da gehabt, wo ich es haben wollte. Jetzt genieße ich das, ich bin noch in der Honeymoon-Phase. Aber irgendwann hast du dein Programm dann auch schon mal an einem Punkt, wo du es ein bisschen über hast. Und dann musst du halt anfangen, das immer wieder zu erneuern, neue Sachen und Zeitgeist reinzukriegen, Panama Papers, Erdogan, Flüchtlingskrise – du musst immer wieder neue Sachen einbauen, damit das auch für dich interessant bleibt.

Erzähl doch noch kurz was zu deinem neuen Programm „Planet Deutschland“.
Das Programm ist entstanden, weil ich seit vier Jahren der Liebe wegen in der Schweiz lebe. Ich fühle mich wohl da, ich habe sogar ein Schweizer Programm geschrieben, und natürlich geht’s mir da, wo meine Freundin glücklich ist, auch gut. Aber ich merke, dass ich langsam denke „Wie lange bleiben wir da eigentlich noch?“ Inzwischen sind es ja doch schon vier Jahre geworden. Langsam versuche ich also, meine Freundin ein bisschen in Richtung Deutschland zu leiten: Schau, guck mal da, ist doch auch kein schlechtes Land. Und da ist mir dann die Idee gekommen, ein Comedy-Programm darüber zu schreiben – wie kann man besser für ein Land werben als Späße darüber zu machen?

Ist es derzeit nicht etwas schwierig, für Deutschland Werbung zu machen?
Momentan habe ich es natürlich nicht einfach, weil meine Freundin ständig fragt „Was passiert denn bei euch in Sachsen? Die Leute schreien ‚Wir sind das Volk!‘“ Und dann sag ich „Ja, die sind ein Volk – wir sind ein anderes Volk“. Es ist gerade nicht einfach, aber es ist natürlich auch die Herausforderung für einen Comedian, genau darüber Gags zu machen. Aber es lohnt sich: In schwierigen Zeiten brauchst du natürlich die Comedy. Ich glaube, gute Comedy kann eine soziale Aufgabe erfüllen. Es gibt natürlich Comedy, die ein bisschen oberflächlicher ist – ich werte das nicht, denn es gibt Leute, die eine 80-Stunden-Woche haben und einfach nur mal lachen und nichts mit dem Tagesgeschehen zu tun haben wollen. Ich mache halt eine Comedy, die auf den Bauch und den nächsten Gag zielt, dabei aber auch den Zeitgeist nicht vernachlässigt.

Danke fürs Gespräch, lieber Kaya. Viel Erfolg mit „Planet Deutschland“!

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Bilder: Nadine Dilly