Angenehmer Abend von Frank, 28.09.12
zugegeben schon auf dem Bildschirm finde ich sie sympathisch. Katia Saalfrank live ist eine andere Dimension. Ohne große Erwartungen über eine Informationsveranstaltung hinaus bin ich nach Bernburg gefahren. Die Stadt war zugehängt mit Plakaten. Als Auswärtiger hatte ich mich genau informiert, wo das Kurhaus ist. Dort hinzukommen war allerdings
eine Herausforderung. Verkehrsleitschilder habe ich keine gesehen, stattdessen war der Raum um das Kurhaus großräumig wegen Baustellen abgesperrt. Mit Glück bin ich einem Eingeborenen der in die richtige Himmelsrichtung fuhr auf verschlungenen Pfaden hinterhergefahren und zufällig am Kurhaus rausgekommen.
Hungrig und nervös bald in einer unbekannten Menschenmenge aufzugehen, von der ich keine Ahnung habe wie die drauf sind, wollte ich im Kurhaus schön gemütlich Abendessen. Leider gabs da gar nichts zum Essen nicht mal einen Snack. Dafür verbreitete der große Saal beruhigende Wohnzimmeratmosphäre. Eigentlich erstaunlich, der ist wirklich riesig groß und hoch. Ich denke das warme dunkle Braun der Holztäfelung und die gut ausgeleuchtete und lustige Bühnendeko von Katia bringen diese paradoxe Wirkung.
Im Foyer vor dem Saal warten die Leute an den Stehtischen auf den Beginn und es war die Art von Atmosphäre, wie ich sie gar nicht mag: Spannung liegt in der Luft, du kennst keinen, keiner sagt was, gefühlt alle schauen auf den Neuankömmling und man fühlt sich bewertet.
Pünktlich 20:00 kam eine sichtbar gut aufgelegte strahlende Katia Saalfrank auf die Bühne und verbreite mit legerer sportlicher Kleidung und einer herzlichen Begrüßung sofort Wohlfühlstimmung. (Mein erster Gedanke war, die ist ja noch netter als im Fernsehen.) Ihr natürlicher gelassener Umgang mit einem kleinen Tonproblem und ihr offenes Eingeständnis, das auch sie ein bisschen nervös ist, was sie heute hier erwartet, schafft Verbundenheit und bricht das Eis im Saal. Es ist genau das Gegenteil von der schrecklichen Schulkinderfahrung: dort vorne die allwissende perfekte strenge Lehrerin und hier ich das kleine dumme ihr ausgelieferte Erziehungsobjekt. Sie signalisiert: wir machen uns einen interessanten schönen Abend der hoffentlich hilfreich für Euch ist und ich gebe was ich kann dafür. Und so war es auch. Es war nicht eine Sekunde langweilig und verging viel zu schnell. Klare leicht verständliche praktische nützliche Infos ohne pseudoakademischen dünkelhaften Schnörkel drumherum. Keine eitle Selbstdarstellung sondern Erkenntnisweitergabe. Es wird das Verständnis vermittelt was Kinder brauchen, warum sie sich manchmal so verhalten, das es zum Problem wird. Das was Katia ausgeführt hat war sehr gut durchdacht und druckreif. Ein Buch könnte nicht besser sein. Aus meinen Erfahrungen heraus - das ist jetzt meine subjektive Meinung - ist ihr Ansatz völlig richtig und ich kann jeden am Dienstag von ihr gesprochenen Satz paraphieren. Vor der Pause wies sie darauf hin das jeder die Möglichkeit hat auf einem Kärtchen eine Frage an sie aufzuschreiben, die sie dann im Interaktionsteil nach der Pause beantwortet. Ich war sehr überrascht und ihr sah man die Enttäuschung an, dass nur eine Karte mit einer Frage von Eltern nach der Pause vorlag. Aber es braucht oft nur einen Anfang, dann kamen mündlich weitere Fragen und es wurde locker und heiter. Ich selbst dachte angestrengt nach und mir fiel keine Frage ein, dafür etwas viel Besseres, ich erkannte plötzlich, warum ich keine Frage an Katia hatte:
Ich habe den Kern ihrer Botschaft verinnerlicht, mit dem ich selbst weiß, was ich wie und warum zu tun habe. Danke dafür Katia. Manche Fragen an Katia waren so gestellt, das man als Antwort ein Ja, Nein, z.B. bei der Taschengeldhöhe eine konkrete Zahl, oder eine detaillierte Verhaltensbeschreibung wie bei einem Speiserezept (man nehme so-und-so-viel davon, dann einen Teelöffel..) erwartete. Ich war dann erstmal enttäuscht, das das nicht kam, und als dann Katia die Situation des Fragestellers näher nachfragte, über meine eigene simpel-naive Erwartungshaltung erschrocken und wieder bewußt wie komplex und auch dynamisch menschliche Interaktion ist. Und als ich das Bild der Supernanny auf RTL erinnernd vor meinem Auge hatte, wie sie einem Kind oder Elternteil gegenüber sitzt und sich die Zeit nimmt, sich in diesen einzufühlen, um die richtigen Worte zu finden oder einfach eine bestimmte Einstellung zu diesem Menschen ausstrahlt, wurde mir noch mal klar, worum es im Wesentlichen geht und was ihr Erfolgsgeheimnis ist.
Nach der Veranstaltung stand Katia allen für Autogramm- und Fotowünsche oder für eine persönliche Verabschiedung zur Verfügung.
Und obwohl das recht lange dauerte, blieb sie sich selbst treu (wichtig ist weniger was, sondern wie und warum) und gab einem das Gefühl des Willkommen-Seins und echter Freude statt formaler Pflichterfüllung.
Ich hatte einige Zeit hin und her überlegt, ob ich den weiten Weg nach Bernburg fahre und möglicherweise einen trockenen Elternabend dafür riskiere, und nun bin ich sehr froh richtig gewählt und Katia persönlich kennengelernt zu haben.