Biografie

Jürgen von der Lippe (* 8. Juni 1948 in Bad Salzuflen; bürgerlich Hans-Jürgen Dohrenkamp) ist ein deutscher Fernsehmoderator, Entertainer, Schauspieler und Komiker.

Leben
Jürgen von der Lippe wuchs in Aachen auf, wo er das Kaiser-Karls-Gymnasium besuchte und 1966 mit Abitur abschloss. Nebenbei war er katholischer Messdiener. Sein Vater war Barkeeper in einer Striptease-Bar. Von 1966 bis 1970 absolvierte von der Lippe die Offizierausbildung bei den Fernmeldern der Bundeswehr und verließ die Streitkräfte im Rang eines Leutnants. Ab 1970 studierte er in Aachen und ab 1972 in Berlin Germanistik, Philosophie und Linguistik, brach dieses jedoch ab.

1976 gründete er unter anderem zusammen mit Hans Werner Olm die Gebrüder Blattschuss, denen er bis 1979 angehörte. Seit 1977 war er für den WDR-Hörfunk tätig.

Er war von 1986 bis 1988 in zweiter Ehe mit der Moderatorin Margarethe Schreinemakers verheiratet und lebt heute wieder mit seiner ersten Ehefrau Anne Dohrenkamp zusammen. Er ist heute bekennender Agnostiker.

Künstlername
Sein Künstlername rührt angeblich daher, dass der Fluss Lippe in der Nähe seines Geburtsorts Bad Salzuflen entspringt, was aber ein geografischer Irrtum ist. Jedoch befindet sich sein Geburtsort im Kreis Lippe. Jürgen von der Lippe hat in einem Interview bemerkt, dass er den Namen gewählt habe, weil Journalisten damit viele Wortspiele bilden könnten.

Karriere
Fernsehen und Film
Seine Fernsehkarriere begann 1980 als „Hausmeister“ in dem von Marijke Amado und Frank Laufenberg moderierten WWF Club, in dem er bis 1984 bei 158 Folgen mitwirkte. Nach einigen mäßig erfolgreichen Produktionen gelang ihm ab 1984 der Durchbruch mit So isses, wovon bis 1989 56 Live-Sendungen produziert wurden. Seit 1986 moderierte er außerdem für die ARD die erfolgreiche Spielshow Donnerlippchen. 1989 etablierte er für 12 Jahre mit Geld oder Liebe eine der letzten erfolgreichen Samstagabend-Shows im deutschen Fernsehen. Von 1995 bis 2000 moderierte er die Überraschungstalkshow Wat is? im Ersten, sowie 2000 die Neuauflage Wat is? – Jetzt neu!. Dazwischen machte er noch einige Shows und Comedysendungen sowie die Ausstrahlung seines Bühnenprogramms für das öffentlich-rechtliche Fernsehen und seit 2000 ist er auch für private Sender tätig. Im Frühjahr 2004 spielte er die Hauptrolle als Pfarrer Erdmann in der Comedyserie Der Heiland auf dem Eiland auf RTL. Die erfolgreiche erste Staffel enthielt sechs Folgen. Ab dem 23. Februar 2005 lief die zweite Staffel, diesmal mit 8 Folgen. Bereits in der Komödie Nich’ mit Leo spielte Jürgen von der Lippe bei einer Dreifachrolle einen katholischen Pfarrer, einen Bordellchef und einen Fremdenlegionär. Seit 2006 ist er gelegentlich in der Comedyserie Schillerstraße zu sehen, in der er den Vater von Cordula Stratmann spielt. Außerdem moderiert er auf Sat.1 die Comedyshow Die Meister der Comedy und den Comedy Jahresrückblick Wer zuletzt lacht!. Von 2006 bis 2007 moderierte von der Lippe die Show Extreme Activity auf ProSieben. Seit 2003 werden jedes Jahr Folgen der von ihm moderierten Sendung Was liest du? im WDR Fernsehen ausgestrahlt. In jeder Sendung begrüßt Jürgen von der Lippe einen prominenten Gast und jeder stellt ein komisches Buch vor. Seit 2008 ist er auf Comedy Central mit der Sendung Frag den Lippe und im MDR Fernsehen mit Frei von der Lippe zu sehen.

Gesang
Er war 1976 Mitbegründer der Gebrüder Blattschuss, mit denen er den Hit Kreuzberger Nächte hatte. 1979 verließ er die Gruppe. Seitdem ist er als Solomusiker mit meist humoristischen Liedern aktiv. Sein größter musikalischer Erfolg war bisher Guten Morgen, liebe Sorgen, der im Juli und August 1987 in der ZDF-Hitparade Platz eins einnahm.

Bühnenprogramme
In seinen zahlreichen auch auf Ton- und Bildträgern herausgebrachten Bühnenprogrammen seziert von der Lippe Merkwürdigkeiten und Begebenheiten des Alltags und nimmt diese auf die Schippe. Meist trägt er dabei die Hawaiihemden, sein personliches Kennzeichen. Er nutzt oft die Gegebenheiten der deutschen Sprache mit ihren vielen Fremdwörtern und Synonymen. Hauptthemen seiner Programme sind die Ehe, die Beziehung zwischen Mann und Frau, Verhaltensweisen von Menschen in bestimmten Situationen und als autobiographisch dargebotene fiktive Szenen aus seiner Kinder- und Jugendzeit, meist mit der Kernfigur Udo Lohmeier – seinem erfundenen Erzfeind aus frühen Tagen. Das Grundthema eines jeden Programms zieht sich wie ein roter Faden durch die Aufführung und hakt in nahezu jede Darbietung ein. Auf Tourneen variiert von der Lippe auch gern den Inhalt seiner Bühnenshows und bringt teilweise auch aktuelle Geschehnisse mit ein.

Als so genannter Running Gag erwiesen sich im Laufe der Jahre von der Lippes Parodien bekannter deutscher Persönlichkeiten aus dem Showgeschäft, vor allem die von Udo Lindenberg, Peter Maffay und Helge Schneider. Eine Parodie auf Kosten von Peter Maffay führte zeitweise zu einer Verärgerung des Sänger, durch ein Wortspiel wurde aus dem Rumänen eine Muräne.

Figuren
Im Laufe seiner Karriere erfand er auch etliche Kunstfiguren, welche immer wieder in Monologen und Liedern auftauchen und von ihm auf der Bühne in jeweiligen Kostümen auch selbst dargestellt werden. Dazu zählen:

Hochwürden
Die Karikatur eines (katholischen) Geistlichen, der sich mit kindlicher Naivität Gedanken über den Sinn menschlicher Verhaltensweisen (meist sexueller Hinsicht) macht und seinen als Predigt gedachten Vortrag stets mit „Meine lieben Schafe …“ (und dem dazu obligatorisch folgenden Schafblöken vom Band) beginnt.

Hubert Lippenblüter
Diese Figur ist Postbeamter in einer mittleren Kleinstadt im Sauerland, die von der Lippe in der entsprechenden Mundart darstellt. Lippenblüter wird stets als „der letzte Junggeselle des Sauerlandes“ beschrieben, der sich der Avancen diverser Damen seiner Umgebung erwehren muss. Seine besten Freunde sind Willi Husemann (Husemann's Willi), der Betreiber eines lokalen Sportgeschäftes, und die Lehrerin Fräulein Liesenkötter, zu der Lippenblüter ein gespaltenes Verhältnis pflegt. Obwohl beide eigentlich wollen, kommen die leicht emanzipierte Erzieherin und der leicht tollpatschige Sofapatriarch nie auf einen Nenner. Schauplatz der meisten Geschehnisse ist die Stammkneipe aller, der „Kühle Grund“. Seine Schilderungen beendet Hubert stets mit „In diesem Sinne!“.

Da Lippenblüter in den Bühnenprogrammen nur spärlich auftritt, hat von der Lippe dessen weitere Abenteuer in einem Buch „In diesem Sinne, Ihr Hubert Lippenblüter – Erlebnisse eines Junggesellen“ verarbeitet.

Kalle
Die Figur des Kalle ist eine Mischung aus Prolet, Heavy-Metal-Fan und resozialisiertem Häftling mit einem die Selbstjustiz tangierenden Hang zur Gewalttätigkeit. Er stammt sprachlich aus dem Berliner Raum und beginnt seinen Vortrag immer mit „Laff änd pies, wa?!“ (Love & Peace). Kalle dient von der Lippe meist als Ventil für den harten und schwarzen Humor, der unter die Gürtellinie zielt.


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