Leonce und Lena |
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Ein Lustspiel von Georg Büchner
Für Prinz Leonce aus dem Königreich Popo besitzt das Leben keinen Sinn. Von Beruf Erbe, gibt er sich einer dekadenten Idee von der absoluten Freiheit hin. Jeder Zwang ist ihm zuwider. Als er erfährt, dass für ihn eine Ehe mit der ihm unbekannten Königstochter Lena aus dem Reiche Pipi arrangiert ist, beschließt er, gemeinsam mit Valerio vor dieser Verbindung zu fliehen. Kaum unterwegs, begegnen die beiden einer jungen Frau. Nicht ahnend, dass es sich um Lena handelt, die ebenfalls inkognito reisend der arrangierten Hochzeit zu entkommen versucht, verliebt sich Leonce Hals über Kopf in die Unbekannte. Er hält um ihre Hand an und sie kehren als Automatenpuppen verkleidet nach Popo zurück. Dort versucht König Peter derweil, die geplatzte aber sehr öffentlichkeitswirksame Trauung doch noch stattfinden zu lassen. Nach der Hochzeit werden die Masken gelüftet, und Braut und Bräutigam müssen erkennen, dass sie ihrem vorgezeichneten Weg nicht haben entkommen können. König Peter dankt zugunsten von Leonce ab und Valerio wird als Staatsminister eingesetzt.
Hinter der märchenhaften Handlung erscheint eine skurrile und erschöpfte, nichtsdestotrotz in sich stabile Welt, der Georg Büchner mit dem „Spott des Hasses“ entgegentritt. Jan Bosse inszeniert das 1836 entstandene einzige Lustspiel Büchners als ironisches Zeitstück über den Fluch und die Flucht der Eliten in unserer neofeudalen „Gesellschaft des Spektakels“, in der die Saturiertheit der Einen und die Abhängigkeit der Anderen einander bedingen.
Mit Michael Wittenborn, Mark Waschke, Maja Schöne, Ronald Kukulies, Jan-Peter Kampwirth, Julischka Eichel Regie: Jan Bosse Bühne: Stéphane Laimé
"Vielleicht ist ,Leonce und Lena' das deutscheste aller deutschen Lustspiele, also in Wahrheit eher der Alptraum einer Komödie. Nichts fügt sich in ihr zusammen. Märchenhafte und satirische, wahrhaft ätzende und wild-romantische Momente stehen nebeneinander. Und Jan Bosse betont in seiner zusammen mit der Dramaturgin Andrea Koschwitz erstellten Spielfassung das Sperrige, Zerrissene seiner Vorlage noch einmal." (Halterner Zeitung)
"Eigentlich geht es in dem Stück Büchners um die Unausweichlichkeit des Schicksals. Zwei Menschen, die sich nicht kennen, wollen mit aller Macht der abgesprochenen Ehe miteinander aus dem Wege gehen. Dann aber verlieben sie sich doch noch unwissend ineinander, fernab in Italien, wohin auch Lena geflohen ist, um dem trostlosen Dasein mit einem ungeliebten Gatten zu entgehen. Schon Büchner hat das hier anklingende Happy-End torpediert, indem er die Figuren der Liebenden bei der Generalprobe der Eheschließung als Automatenpuppen auftreten lässt - ferngesteuert, in vermeintlicher Freiheit sich doch nur in vorgegebenen Bahnen bewegend." (Der Westen)
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