Biografie

The Rolling Stones sind eine 1962 gegründete britische Rockband. Die Band zählt zu den langlebigsten und kommerziell erfolgreichsten Gruppen in der Rockgeschichte.

Bandgeschichte
Ende 1961 bis Mai 1963: Die Anfänge

Bandgründung

Ende 1961 begegneten sich Mick Jagger und Keith Richards auf dem Bahnsteig in Dartford in der Grafschaft Kent. Jagger war auf dem Weg zur London School of Economics und wartete auf den Zug nach London. Richards wollte ebenfalls nach London, zum Sidcup Art College. Die beiden kannten sich aus ihren Kindertagen und gemeinsamen Schuljahren, hatten sich aber aus den Augen verloren. Jagger trug Schallplatten von Chuck Berry und Muddy Waters unter dem Arm, und sie stellten fest, dass sie die Begeisterung für diese Künstler teilten. Sie verabredeten sich, um Musik zu hören und Rock ’n’ Roll und Blues zu spielen. Mick Jagger sang, Keith Richards spielte Gitarre.

Jagger traf sich in seiner Freizeit seit längerem mit dem ehemaligen Schulkameraden Dick Taylor (späterer Mitbegründer und Gitarrist der Pretty Things), um zusammen Musik zu machen. Der Zufall wollte es, dass auch Dick Taylor Richards kannte, da er wie dieser zum Sidcup Art College ging. Nachdem Jagger seine Bekanntschaft mit Richards erneuert hatte, beschlossen er und Taylor, ihn miteinzubeziehen. Zu dritt spielten sie in den Hinterzimmern der elterlichen Wohnungen und nannten sich „Little Boy Blue and the Blue Boys“.

Im März 1962 besuchten Mick Jagger und Keith Richards erstmals einen Jazzclub in Ealing, in dem der Bluesmusiker Alexis Korner mit seiner Band Blues Incorporated auftrat. Am 7. April 1962 jammten sie auf der Bühne des Jazzclubs in Ealing mit Alexis Korner. Über Korner lernten sie den aus Cheltenham stammenden Gitarristen Brian Jones kennen, der sich damals Elmo Lewis nannte. Brian Jones fiel als Gitarrist besonders durch seine Bottleneck-Technik auf.

Anders als Jagger und Richards, die noch bei ihren Eltern wohnten und zur Schule gingen, war der etwa eineinhalb Jahre ältere Jones bereits auf sich selbst gestellt und hielt sich mit diversen Jobs über Wasser. Im Juni 1962 bemühte er sich intensiv darum, eine eigene Band zu gründen. Unter den Musikern, mit denen er zusammenspielte, war Ian Stewart, der nebenberuflich als Boogie-Woogie-Pianist in Jazzclubs auftrat. Jones sprach mit Mick Jagger, der Interesse bekundete, in die Band einzusteigen, sofern seine Freunde aus Dartford, Keith Richards und Dick Taylor, auch dabei wären. Dagegen gab es keine Einwände, sodass sie sich daran machten, in den Hinterzimmern von Londoner Kneipen ein Repertoire an R&B-Songs einzuüben. Dick Taylor wechselte von der Gitarre zum E-Bass. Nun waren sie noch auf der Suche nach einem Schlagzeuger.

Brian Jones, Keith Richards und Mick Jagger bezogen gemeinsam eine schäbige Wohnung im Bezirk World's End in Chelsea (London) und widmeten sich der Entwicklung der Band. Richards hatte zuvor seine Ausbildung am Sidcup Art College abgebrochen, und Brian Jones gab seinen Job in einem Kaufhaus auf, während Mick Jagger zunächst parallel zur Musik auch weiterhin die London School of Economics besuchte. In dieser Zeit brachte sich Brian Jones das Spiel auf der Mundharmonika bei, die er nun sogar der Gitarre vorzog. Finanziell waren sie so schlecht gestellt, dass sie zuweilen Lebensmittel im Supermarkt stahlen, für die sie kein Geld mehr besaßen.

Bandname

Folgt man den Ausführungen des späteren Rolling-Stones-Bassisten Bill Wyman, so hatte Brian Jones sich bei dem englischen Bandnamen Rolling Stones (wörtlich übersetzt: „Rollende Steine“) von der Zeile “I’m a rollin’ stone” im Muddy-Waters-Blues Mannish Boy aus dem Jahr 1956 inspirieren lassen. Keith Richards dagegen führt die Wahl des Namens genauso wie Dick Taylor auf das ebenfalls von Muddy Waters aufgenommene Stück Rollin’ Stone zurück. Die in den beiden Liedern verwendete Allegorie „rolling stone“, die je nach Kontext sowohl eine positive als auch negative Konnotation haben kann, ging aus dem englischen Sprichwort “A rolling stone gathers no moss.” hervor und bezeichnet eine Person mit unstetem Lebenswandel. Zu Beginn nannte sich die Gruppe (unter Weglassung des g) noch „The Rollin’ Stones“, laut Dick Taylor aufgrund ebendieser Schreibung des Bluestitels Rollin’ Stone auf einer Schallplatte von Muddy Waters.

Erster Auftritt

Alexis Korners Blues Incorporated spielten inzwischen zweimal wöchentlich im Londoner Marquee Club. Aufgrund eines Aufnahmetermins bei der BBC mussten sie einen für Donnerstag, den 12. Juli 1962 vereinbarten Auftritt absagen. Als Ersatz vermittelte Alexis Korner die Band um Brian Jones. In der Besetzung Mick Jagger (Gesang), Brian Jones (Gitarre), Keith Richards (Gitarre), Dick Taylor (E-Bass), Ian Stewart (Klavier) und – vermutlich – Tony Chapman (Schlagzeug) kamen die Rolling Stones deshalb an diesem Abend zu ihrem ersten Auftritt im Marquee Club. Inkonsistenzen bestehen in der Überlieferung hinsichtlich des Schlagzeugers. Während Bill Wyman angibt, Mick Avory (späteres Gründungsmitglied der Kinks) sei im Marquee der Schlagzeuger der Gruppe gewesen, und Keith Richards in seiner Autobiografie sogar ausdrücklich darauf hinweist, dass Avory und nicht wie oft behauptet Tony Chapman diesen Part übernommen habe, erklärte Avory selbst mehrfach, niemals mit den Rolling Stones aufgetreten zu sein sondern vor dem Konzert im Marquee Club nur zweimal mit diesen geprobt zu haben. Die Gruppe, so Avory, sei auf der Suche nach einem Schlagzeuger gewesen, doch da er zu diesem Zeitpunkt kein Interesse gehabt habe, fest in eine Band einzusteigen, habe er letztlich nicht im Marquee gespielt. Chapman war jedenfalls einer von mehreren Schlagzeugern, die im ersten halben Jahr der Existenz der Rolling Stones mit der Gruppe spielten. Keith Richards bezeichnete ihn 1971 rückblickend als ihren ersten festen, jedoch schlechten Schlagzeuger, der große Schwierigkeiten gehabt habe, das Tempo zu halten.

Frühe Umbesetzungen und erster Plattenvertrag

Tony Chapman war außerdem Mitglied in Bill Wymans Band und als Dick Taylor Ende 1962 aus verschiedenen Gründen die Rolling Stones verließ, unter anderem deshalb, weil er nicht auf eine Rolle als Bassist festgelegt sein, sondern lieber Gitarre spielen wollte, wandte sich Chapman auf der Suche nach Ersatz an Wyman. Dieser stellte sich daraufhin der Band vor und wurde Taylors Nachfolger am Bass. Chapman schied kurz darauf selbst aus. Im Januar 1963 nahm Charlie Watts, den Jones, Jagger und Richards bereits als Mitglied von Alexis Korners Blues Incorporated kannten und der Dick Taylor zufolge bereits zu seiner Zeit mehrmals mit der Band geprobt hatte, die Stelle des Schlagzeugers bei den Rolling Stones ein. Den ersten Auftritt in dieser Formation hatten die Stones am 12. Januar 1963 im Ealing Jazz Club in London.

Der erste Manager der Stones, Giorgio Gomelsky, ließ die Gruppe in seinem Crawdaddy Club auftreten, der in den sechs Monaten von April bis September 1963 zu ihrer Basis wurde. Andrew Loog Oldham, der ehemalige Pressesprecher der Beatles, verschaffte der Band einen Schallplattenvertrag bei Decca und wurde ihr neuer Manager. Auf dessen Geheiß verlor im Mai 1963 Ian Stewart seinen Status als Bandmitglied. Andrew Loog Oldham wollte die Rolling Stones als „böse“ Version der Beatles aufbauen und stilisierte sie anfangs als „Droogs“, jugendliche Kriminelle aus Anthony Burgess' Roman A Clockwork Orange. Stewart schien ihm nicht in dieses Konzept zu passen. Als Pianist und Roadie blieb er der Gruppe aber bis zu seinem Tod im Jahr 1985 erhalten.

Die so entstandene Besetzung aus Mick Jagger, Keith Richards, Brian Jones, Charlie Watts und Bill Wyman sollte für die nächsten sieben Jahre Bestand haben.

Juni 1963 bis Juni 1969: Die Jahre mit Brian Jones

Am 7. Juni 1963 erschien mit Come On, einer Komposition von Chuck Berry, die erste Single der Rolling Stones.

Nach einem Treffen mit John Lennon und Paul McCartney, die zu einem Stones-Auftritt im Crawdaddy Club in Richmond kamen, überließen diese den Stones ihre Komposition I Wanna Be Your Man. Dieses Stück erschien am 1. November 1963 als zweite Single der Rolling Stones. Am 17. Januar 1964 wurde die EP The Rolling Stones veröffentlicht.

Not Fade Away, eine Komposition von Norman Petty und Buddy Holly, war die nächste Single. Sie wurde am 21. Februar 1964 in Großbritannien herausgebracht. Not Fade Away war auch die erste Veröffentlichung (9. März 1964) der Stones in den USA.

Die erste Langspielplatte The Rolling Stones wurde am 16. April 1964 herausgegeben. In den USA erschien die LP unter dem Titel England’s Newest Hitmakers am 30. Mai 1964.

Am 20. April 1964 hatten die Rolling Stones im Rahmen des Rose-d’Or-Festivals im Casino in Montreux ihren ersten Auftritt auf dem europäischen Festland. Neben Petula Clark und anderen Musikern waren sie die Gäste einer dort aufgezeichneten Sondersendung der britischen Fernsehreihe Ready Steady Go!. Vom 5. bis 20. Juni 1964 absolvierten die Stones ihre erste USA-Tournee und nahmen auch erstmals Songs in den Chess-Studios in Chicago auf. Zum Tourneestart wurde in den USA die Eigenkomposition Tell Me als Single veröffentlicht. Jagger und Richards benutzten als Autoren dafür erstmals die Pseudonyme Nanker Phelge.

Mit der am 26. Juni 1964 veröffentlichten Single It’s All Over Now gelangten die Stones erstmals in Großbritannien an die Spitze der Hitparade. Eine weitere EP erschien am 14. August 1964 unter dem Titel Five by Five mit folgenden Stücken: If You Need Me, Empty Heart, Confessin the Blues, 2120 South Michigan Avenue (benannt nach der Adresse von Chess Records in Chicago) und Around and Around. In Großbritannien gab es für diese EP 200.000 Vorbestellungen.

Zu Beginn ihrer Karriere konzentrierten die Rolling Stones ihre musikalische Tätigkeit hauptsächlich auf Bühnen-Auftritte, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Dafür bedienten sie sich vornehmlich aus dem Repertoire US-amerikanischer Bluesmusiker wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Willie Dixon, Robert Johnson, John Lee Hooker und Chuck Berry. Aus Gründen der Vermarktung wurden Jagger und Richards von Oldham angehalten, vermehrt eigene Lieder zu verfassen. Anfangs komponierten Jagger und Richards fast ausschließlich Balladen wie As Tears Go By, das, von Marianne Faithfull gesungen, Mitte 1964 zu einem Top-10-Hit in Großbritannien wurde. Dieses Stück wurde 1965 unter dem Titel Con le mie lacrime von den Stones auch auf italienisch eingespielt und in Italien veröffentlicht.

Die nächste Single, das Bluesstück Little Red Rooster, war eine Coverversion und stammte im Original von Willie Dixon. Es ist geprägt durch das Spiel von Brian Jones auf der Slide-Gitarre und Mick Jaggers Mundharmonika.

Ihr erstes selbstverfasstes Lied, das in England die Hitparade anführte, war die am 26. Februar 1965 veröffentlichte Single The Last Time, die sich allerdings nahe an den Gospel This May Be the Last Time anlehnt, der zuerst 1954 von The Staple Singers aufgenommen wurde und später (1957) ein großer Hit der Blind Boys of Alabama war. Es folgte (I Can’t Get No) Satisfaction. Damit schafften die Stones den weltweiten Durchbruch (Platz 1 in Großbritannien und den USA). Im gleichen Jahr erreichte mit Get Off Of My Cloud (22. Oktober 1965) ein weiteres Stück den ersten Platz in den britischen und den US-Charts.

Im Olympia in Paris gastierte die Band am 17. April 1965, am 29. März 1966 und am 11. April 1967. Während eines Aufenthalts in Irland und Nordirland, wo die Rolling Stones am 3. und 4. September 1965 in Dublin und Belfast auftraten, drehte Peter Whitehead den von Andrew Loog Oldham produzierten Dokumentarfilm Charlie Is My Darling, der im Frühjahr 1966 Premiere hatte. Am 11. September 1965 starteten die Rolling Stones ihre erste Deutschland-Österreich-Tournee.

Galten die Rolling Stones gegenüber den Beatles vornehmlich als bessere Liveband (und umgekehrt als die schlechtere Studio-Band), so wurde ihnen inzwischen auch im Texten und Komponieren eine ähnliche Qualität wie den Liverpoolern attestiert. Das Album Aftermath aus dem Jahre 1966 enthielt ausschließlich eigene Kompositionen.

Die Singles des Jahres 1966 waren 19th Nervous Breakdown (veröffentlicht am 4. Februar 1966), Paint It, Black (veröffentlicht am 7. Mai 1966) und Have You Seen Your Mother, Baby, Standing in the Shadow? (veröffentlicht am 23. September 1966). 1966 erhielt die Band den Silbernen Bravo Otto der deutschen Jugendzeitschrift Bravo.

Die Rolling Stones waren seit 1963 durchgehend auf Konzertreisen, verbrachten nebenher viele Tage und noch viel mehr Nächte in Tonstudios und waren Ende des Jahres 1966 ziemlich ausgebrannt; insbesondere dem gesundheitlich angeschlagenen Brian Jones fiel es schwer, den Weg in dem vorgelegten Tempo mitzugehen.

Am 13. Januar 1967 wurde Let’s Spend the Night Together mit der Rückseite Ruby Tuesday herausgebracht. Das am 20. Januar 1967 veröffentlichte Album Between the Buttons erreichte in Großbritannien Platz 3 und in den USA Platz 2 der Charts. Die europäische Fassung enthielt die beiden Stücke nicht, stattdessen jedoch Backstreet Girl und Please Go Home. Als die Stones 1967 einen Auftritt in der „Ed Sullivan Show“ hatten, mussten sie aus Rücksichtnahme auf die moralische Haltung der US-Amerikaner den Text der Single in „Let’s spend some time together“ ändern.

Ernsthaftere Probleme sollte es im Laufe des Jahres noch geben. In Keith Richards’ Landhaus Redlands in Sussex fand am Wochenende 11./12. Februar 1967 eine Party statt, an der u. a. der Fotograf Michael Cooper, der Kunsthändler Robert Fraser, George Harrison und Pattie Boyd sowie Mick Jagger und Marianne Faithfull teilnahmen. Nachdem George Harrison und Pattie Boyd die Party verlassen hatten, fand eine Razzia statt. Bei Jagger fand man in England verbotene Amphetamine, welche ein Arzt während eines Aufenthaltes in Italien seiner Freundin Marianne Faithfull verschrieben hatte. Richards wurde wegen Duldung des Konsums von Rauschmitteln in seinem Haus angeklagt. Beiden drohten mehrjährige Haftstrafen. Aufgrund eines vom Herausgeber der Times William Rees-Mogg verfassten Zeitungsartikels („Who breaks a butterfly on a wheel?“) schlug die Meinung um, so dass lediglich Geldstrafen ausgesprochen wurden. Mick Jagger verbrachte zu Beginn der Ermittlungen eine Nacht im Gefängnis. Die Rockband The Who zeigte sich solidarisch, indem sie die Stones-Songs The Last Time und Under My Thumb aufnahm und als Single veröffentlichte. Im Mai 1967 wurde Brian Jones verhaftet; bei ihm fand die Polizei Tabletten, Marihuana und Kokain-Spuren. Mit der Auflage, sich in professionelle Hilfe zu begeben, wurde er gegen eine Kaution freigelassen.

Zwischen den Verhaftungen und Gerichtsverhandlungen gingen die Stones auf eine weitere Europa-Tournee (25. März bis 17. April 1967), in deren Verlauf sie zum zweiten Mal in Deutschland und Österreich sowie zum ersten Mal im Rahmen einer Tournee auch in der Schweiz auftraten.

Stücke, die auf den USA-Veröffentlichungen von Aftermath und Between the Buttons nicht enthalten waren, drei neue Lieder (My Girl, Ride on Baby und Sittin’ on a Fence) sowie einige Singles befanden sich auf dem Album Flowers, das am 15. Juli 1967 herausgegeben wurde.

Am 20. August 1967 veröffentlichten die Stones We Love You. Der Song beginnt mit Schritten und dem Zuknallen einer Zellentür sowie einem Piano-Intro von Nicky Hopkins, der bis 1981 regelmäßig Teil des Band-Line-Up's sein sollte. John Lennon und Paul McCartney sind im Backgroundchor zu hören. Offiziell wurde verkündet, dass es sich bei dem Song um einen Dank der Stones an ihre Fans handelte. Wahrscheinlich verhöhnten sie mit We Love You jedoch wohl eher die einschlägige Boulevardpresse, welche sich an den Razzien und Verhaftungen ergötzte.

Beeinflusst von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles und dem Zeitgeist folgend nahmen die Stones ein psychedelisch geprägtes Album auf: Their Satanic Majesties Request (8. Dezember 1967).

Jumpin’ Jack Flash, erschienen am 24. Mai 1968, wurde ein weiterer Hit für die Stones. Ende 1968 wurde Beggars Banquet veröffentlicht. Die LP enthält Country Blues, Rhythm and Blues und Rock.

Am 11. Dezember 1968 fand in London der „Rolling Stones Rock and Roll Circus“ statt. Es handelte sich dabei um eine Show, die für das Fernsehen aufgezeichnet wurde. Zum R&R-Circus luden die Stones unter anderem John Lennon, Eric Clapton, The Who, Jethro Tull und Taj Mahal ein. Die Show wurde durch Feuerschlucker und Artisten ergänzt. Die Rolling Stones entschieden sich gegen die Ausstrahlung der Sendung, da sie mit ihrem eigenen Auftritt nicht zufrieden waren. Erst 1995 wurde das Projekt auf CD und DVD veröffentlicht.

Aufgrund der persönlichen Probleme von Jagger, Richards und insbesondere Brian Jones, der infolge seines starken Drogenkonsums schon länger körperlich in keiner guten Verfassung mehr war, hatten die Stones bereits seit 1967 kein Konzert mehr gegeben. Der vorbestrafte Jones verließ die Band am 8. Juni 1969 auf Drängen von Jagger und Richards. Er plante, eine neue Band zu gründen, doch dazu sollte es aufgrund seines unerwarteten Todes wenige Wochen später nicht mehr kommen.

Juli 1969 bis 1974: Die Jahre mit Mick Taylor

Am 3. Juli 1969 ertrank Brian Jones unter bis heute ungeklärten Umständen in seinem Swimming Pool. Die offizielle Todesursache lautet nach den damaligen Ermittlungen „Tod durch Unfall“. Immer wieder kamen seitdem Gerüchte um einen gewaltsamen Tod auf; unter anderem führen verschiedene Publikationen angebliche Indizien an, denenzufolge der von Brian Jones beschäftigte Bauleiter Frank Thorogood unter Verdacht gerät, Jones umgebracht zu haben. Das zwei Tage später zur Einführung des neuen Gitarristen Mick Taylor – er kam von John Mayalls Bluesbreakers – geplante Free Concert im Londoner Hyde Park wurde zur Gedenkveranstaltung für Jones. Vor etwa 250.000 Menschen trug Jagger im Gedenken an ihn ein Gedicht von Percy Bysshe Shelley vor, ließ hunderte von Schmetterlingen in die Nachmittagssonne aufsteigen und sang zum ersten Mal live den neuen Nummer-eins-Hit der Stones: Honky Tonk Women.

Im November 1969 wurde Let It Bleed als Nachfolgealbum von Beggars Banquet veröffentlicht. Im selben Monat begann nach zweieinhalbjähriger Bühnenabstinenz eine erfolgreiche USA-Tournee. Das Album Get Yer Ya-Ya’s Out beinhaltet Live-Aufnahmen dieser Tournee aus New York. Die Eindrücke dieser Tournee wurden durch die Ereignisse auf dem nordkalifornischen Altamont Free Concert vom 6. Dezember 1969 getrübt. Bei diesem kurzfristig umorganisierten Konzert, zu dem etwa 300 000 Menschen kamen und an dem auch Jefferson Airplane, Santana, Crosby, Stills, Nash & Young und die Flying Burrito Brothers teilnahmen, starben vier Menschen. Der 18-jährige Meredith Hunter wurde durch einen der als Ordner angeheuerten Hells Angels direkt vor der Bühne, angeblich in Notwehr, erstochen. Er soll mit einer Pistole in Richtung der Bühne gezielt haben. Dieser Vorfall wird im Rückblick als ein Wendepunkt in der Geschichte der überwiegend friedvollen Love-and-Peace-Generation betrachtet. Ein Film über die USA-Tournee wurde durch Albert und David Maysles gedreht und kam unter dem Titel Gimme Shelter in die Kinos.

Anfang der 1970er lief der Plattenvertrag der Rolling Stones mit Decca Records aus. Außerdem trennte sich die Gruppe von ihrem Manager Allen Klein. Die Rechtsstreitigkeiten über die Vertragsauflösung mit ihm zogen sich in der Folge über viele Jahre hin. Tatsächlich waren die Rolling Stones in dieser Zeit finanziell schlecht gestellt, da Decca die Rechte an allen bis dahin veröffentlichten Stücken besitzt. Aufgrund der hohen Steuerbelastungen in England verlegten die Rolling Stones ihre Wohnsitze nach Südfrankreich und gründeten ihr eigenes Plattenlabel: Rolling Stones Records – mit der inzwischen weltbekannten roten Zunge als Markenzeichen, die entgegen landläufiger Meinung nicht von Andy Warhol, sondern von John Pasche entworfen wurde. Die Stones-Zunge wurde zum ersten Mal 1971 auf der Innenhülle des von Kritikern gelobten Albums Sticky Fingers veröffentlicht. Im Laufe der Jahre sollten diverse Abwandlungen des ursprünglichen Designs zum Einsatz kommen. Durch das eigene Plattenlabel wurde eine größere Unabhängigkeit von den großen Plattenfirmen erreicht, und die Rechte aller folgenden Veröffentlichungen lagen bei der Band selbst, wodurch sich die finanzielle Lage der fünf Musiker, vor allem aber der zwei Songschreiber Jagger und Richards, schnell verbesserte.

Für neue Impulse sorgte der mittlerweile fest in die Band integrierte Mick Taylor.

Im Keller der von Keith Richards gemieteten Villa Nellcôte im südfranzösischen Villefranche-sur-Mer begannen wenig später die Aufnahmen zum Doppelalbum Exile on Main St., das im folgenden Jahr in Los Angeles fertiggestellt und veröffentlicht wurde. Von Kritikern zunächst geringgeschätzt, erlangte dieses Album später Anerkennung als eines der besten Rolling-Stones-Alben. In der Liste der 500 besten Alben der Musikgeschichte, die das amerikanische Magazin Rolling Stone 2003 erstellte, wird es auf Platz sieben geführt. Die Berichte über die Entstehung des Albums im Exil, die Aufnahmebedingungen und das Leben in Nellcôte trugen zur Mythosbildung um die Band bei.

Die Tourneen der Jahre 1972 (Nordamerika) und 1973 (Europa, Australien, Asien) knüpften an den Erfolg des Doppelalbums an. Auf der Nordamerika-Tournee wurde in den texanischen Städten Fort Worth und Houston der Konzertfilm Ladies and Gentlemen, the Rolling Stones gedreht. Er kam am 1. März 1974 in die Kinos. Ein anderer, von Mick Jagger in Auftrag gegebener Film, Robert Franks Dokumentation Cocksucker Blues, wurde nicht für das breite Publikum veröffentlicht, da er das Tourneeleben ungeschminkt mit Sex- und Drogenszenen zeigt und die Band fürchtete, er könnte zukünftige Einreisen in die USA gefährden. Jagger ging vor Gericht mit dem Resultat, dass der Film laut Urteil nur wenige Male jährlich in Anwesenheit des Regisseurs vorgeführt werden darf.

Am 18. Januar 1973 gaben die Stones im Forum in Inglewood (Kalifornien) ein Benefizkonzert für die Opfer des Erdbebens 1972 in Nicaragua.

Da Keith Richards wegen Drogen in Konflikt mit dem Gesetz geraten war, verbot die französische Regierung den Rolling Stones während ihrer Europa-Tournee die Einreise nach Frankreich. Die Band gab daraufhin am 17. Oktober 1973 eines von zwei Konzerten in Brüssel speziell für die französischen Fans. Diese konnten mittels von RTL Radio gemieteten Sonderzügen in die belgische Hauptstadt reisen. Für ein Live-Album erstellte Aufnahmen der beiden Auftritte erschienen offiziell erst im November 2011 unter dem Titel The Brussels Affair ’73. Zuvor kursierten Aufzeichnungen davon nur als weit verbreitete Raubpressung.

Zur Tournee 1973 war das Album Goats Head Soup erschienen. Das Folge-Album It’s Only Rock ’n’ Roll (1974) war das erste Album, das Mick Jagger und Keith Richards unter dem Pseudonym The Glimmer Twins produzierten. An der Idee für das titelgebende Lied war Ron Wood, Mitglied der Faces, beteiligt, in dessen Haus auch die erste Version des Stücks aufgenommen wurde und der zur letztlich veröffentlichten Fassung Akustik-Gitarre und Begleitgesang beisteuerte.

Ron Wood sollte bald darauf eine wesentlich größere Rolle in der Bandgeschichte spielen, als Mick Taylor im Dezember 1974 die Gruppe verließ und Wood zu seinem Nachfolger wurde.

1975 – 1982: Die ersten Jahre mit Ron Wood

Erstmals stand Ron Wood mit den Rolling Stones 1975 während einer aufwendig gestalteten USA-Tournee auf der Bühne, wo er sie zunächst noch als Gastgitarrist unterstützte. Das von Zuhörern als uninspiriert empfundene Auftreten der Rolling Stones nährte Gerüchte über eine Auflösung der Band.

Das letzte von fünf Konzerten im Forum in Inglewood bei Los Angeles, das am 13. Juli 1975 stattfand, wurde im April 2012 als Download-Album L.A. Friday (Live 1975) veröffentlicht.

Ron Woods Integration verlief gut:

„Mit Mick (Taylor) waren die Fronten insoweit abgesteckt, als er für die Soli zuständig war und ich die Rhythmus-Gitarre spielte. Bei Ronnie ist das anders, wir können uns gegenseitig zuspielen.“
– Keith Richards

An dem Album Black and Blue (1976) wirkte Wood erstmals als Bandmitglied mit.

Die Stones fielen seit Ende der sechziger Jahre als Band nicht nur durch ihre Musik auf, sondern auch durch ihre Skandale. Besonders Keith Richards machte durch seinen Drogenkonsum von sich reden. Er lebte damals in einer Beziehung mit dem Fotomodell Anita Pallenberg, die ebenfalls heroinabhängig war. 1977 wurde Richards in Toronto (Kanada) wegen Drogenbesitzes verhaftet. Im Zusammenhang mit dem anschließenden Prozess, bei dem ihm bis zu sieben Jahre Haft drohten, sagte er sich vom Heroin los. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und gab 1979 aufgrund einer Auflage des Gerichts zugunsten einer Blindenstiftung, des Canadian National Institute for the Blind (CNIB), ein Gratiskonzert in Oshawa mit der eigens dafür zusammengestellten Band New Barbarians und mit den Rolling Stones.

Auf Black and Blue folgten die Studioalben Some Girls (1978), Emotional Rescue (1980) und Tattoo You (1981) mit anschließenden Tourneen. Die Konzerte fanden zumeist nur noch in Stadien statt.

1978 tourten die Stones vom 10. Juni bis zum 26. Juli durch die USA. Ein Konzert, das am 18. Juli im Will Rogers Memorial Center in Fort Worth (Texas) stattfand, wurde unter der Regie von Lynn Lenau Calmes filmisch festgehalten. Der Film erfuhr aber erst 2011 unter dem Titel Some Girls – Live In Texas ’78 seine Veröffentlichung im Kino sowie auf DVD und Blu-ray, letzteres auch zusammen mit dem gleichnamigen Live-Album beziehungsweise Soundtrack.

Vom 25. September bis zum 19. Dezember 1981 absolvierten die Rolling Stones die bis dato größte und erfolgreichste Tournee in der Musikbranche; über 2 Millionen Besucher bescherten den Stones einen Verdienst von etwa 50 Millionen Dollar. Das im Juni 1982 veröffentlichte Album Still Life enthält Aufnahmen dieser Tournee. Dokumentiert wurde das Konzertereignis auch für das Kino: Hal Ashby ließ Konzerte der Tournee filmen. Der Film erschien in Deutschland unter dem Titel Rocks Off; in den USA unter dem Titel Let’s Spend the Night Together. Enthalten sind Aufnahmen der Konzerte im Sun Devil Stadium in Tempe (Arizona) und in der Brandan Byrne Arena im Meadowlands Sports Complex in East Rutherford (New Jersey).

Ein an Keith Richards’ 38. Geburtstag am 18. Dezember 1981 im Coliseum in Hampton (Virginia) gegebenes Stadionkonzert wurde im Fernsehen live als eine der ersten Pay-per-View-Sendungen übertragen. Die Aufnahme enthält eine Szene, in der ein junger männlicher Konzertbesucher während des Songs (I Can't Get No) Satisfaction über die Bühne rennt und sich dabei Mick Jagger und Keith Richards bis auf wenige Schritte nähert. Richards unterbricht sein Gitarrenspiel, um den Mann mittels eines Schlages mit der von ihm genutzten Fender Telecaster aufzuhalten. Die Gitarre trifft den Mann möglicherweise, jedoch in der Bildaufzeichnung nicht eindeutig erkennbar, am Oberkopf, als dieser versucht dem Instrument auszuweichen. Nach einem kurzen Handgemenge setzt Richards das Konzert mit eben jener Telecaster fort und der flüchtende Mann wird vom Bühnen- oder Sicherheitspersonal eingeholt. Keith Richards begründete sein Eingreifen später damit, dass er den Konzertbesucher in ihm unklarer Absicht auf Mick Jagger habe zusteuern sehen, weshalb er den Sänger vor einem möglichen körperlichen Angriff habe schützen wollen. Das 1981 aktuelle Studioalbum Tattoo You ist mit den Titeln Start Me Up, Hang Fire, Little T&A, Black Limousine, Neighbours und Waiting On a Friend vertreten. Im Februar 2012 wurde eine Aufnahme des Konzerts als Download-Musikalbum Hampton Coliseum (Live 1981) veröffentlicht.

Im Sommer 1982 gab es erstmals seit 1976 auch wieder Auftritte der Band in Europa. Die Konzerte fanden nun auch in Europa erstmals, bis auf die Konzerte in Frankfurt am Main, ausschließlich in Fußballstadien statt. Die Tournee war äußerst erfolgreich (die Karten für die sechs Konzerte in Deutschland waren binnen eines Tages verkauft, so dass zusätzliche Konzerte stattfanden) und stellte auch in Bezug auf die Zuschauerzahlen neue Bestmarken auf.

Eine Tonaufzeichnung des letzten Konzerts der Tournee, das die Rockgruppe am 25. Juli 1982 in Leeds gab, wurde im November 2012 als Download-Album Live at Leeds – Roundhay Park 1982 veröffentlicht.

1993 – 1988: Die Differenzen zwischen Mick Jagger und Keith Richards

In den 1980ern kam es zu massiven Spannungen innerhalb der Band aufgrund von Differenzen zwischen Richards und Jagger, der partout nicht mit den Stones touren wollte (weder zur 1983 veröffentlichten LP Undercover noch anlässlich der 1986er Veröffentlichung Dirty Work), da er sich seiner Solo-Karriere widmen wollte. So veröffentlichte Jagger die Alben She’s the Boss (Februar 1985) und Primitive Cool (September 1987) und machte sich auch mit darauffolgenden Konzerten selbständig, in deren Verlauf er allerdings hauptsächlich Stones-Stücke spielte, was Keith Richards entsprechend in Rage brachte. Das offensichtliche Vorhaben Jaggers, auch als Solokünstler zum Superstar zu werden, ließ sich nicht umsetzen.

Wohl auch aus Trotz begab sich Keith Richards ins Tonstudio, um mit einigen befreundeten Musikern (u. a. Steve Jordan und Ivan Neville) sein erstes Solo-Album aufzunehmen. Talk Is Cheap erschien am 3. Oktober 1988. Mit den X-Pensive Winos ging er im November/Dezember 1988 auf eine Tournee durch elf Städte in den USA, wo er fast ausschließlich seine Solosongs spielte (Ausnahmen z. B. Happy und Before They Make Me Run).

Vor Veröffentlichung des Albums Dirty Work (März 1986) unterzeichneten die Stones bei CBS-Records einen neuen Vertrag, der ihnen 25 Millionen Dollar einbrachte. Die meisten Songs auf Dirty Work klingen schroff und manches gewollt unfertig. Richards übernimmt zum ersten Mal auf einem Album bei zwei Liedern den Gesang (Sleep Tonight und Too Rude). Zum Gedenken an den 1985 verstorbenen Ian Stewart ist am Ende der zweiten Seite eine 30 Sekunden lange Aufnahme zu hören, in der dieser sein typisches Boogie-Woogie-Klavier spielt. Die Single Harlem Shuffle erreichte in GB und den USA jeweils die Top Ten der Charts.

1989 – 1993: Vom Ende der Streitigkeiten bis zum Ausstieg von Bill Wyman

Im Januar 1989 trafen sich Mick Jagger und Keith Richards mit ein paar Gitarren und Keyboards zu einigen Drinks auf Barbados; sie beendeten ihre Zwistigkeiten und schrieben Songs für ein neues Album. Zur Aufnahme der Band – inklusive Mick Taylor, Ronnie Wood und Ian Stewart – in die Rock and Roll Hall of Fame am 18. Januar 1989 unterbrachen sie ihren Inselaufenthalt.

Die Stones nahmen im Juni und Juli das Album Steel Wheels (veröffentlicht am 29. August 1989) auf. Die vorab erschienene Single Mixed Emotions erreichte in GB und den USA jeweils die Top Ten der Charts. Am 31. August 1989 begannen die Stones nach sieben Jahren erstmals wieder eine Tournee. Unterstützt wurden sie von den Keyboardern Chuck Leavell und Matt Clifford, dem Saxofonisten Bobby Keys, Lisa Fischer, Cindi Mizelle und Bernhard Fowler als Backgroundsänger sowie den Uptown Horns. Die Veranstalter garantierten den Stones für die US-Tournee, die unter dem Titel Steel Wheels lief, eine Einnahme von 70 Millionen Dollar.

Die Europa-Tournee lief 1990 unter dem Titel Urban Jungle. Es fanden zwei Konzerte mit der Steel-Wheels-Bühne von der USA-Tournee in Berlin-Weißensee statt. Um die Bühne nach Europa zu schaffen, wurden zwei Boeing 747 benötigt. Die Stones präsentierten ihren Fans erstmals seit langer Zeit auch mehrere Songs aus den 1960er Jahren, wie zum Beispiel Paint It, Black, Ruby Tuesday und 2000 Light Years from Home. Die Inszenierung der Konzerte mit Kulissenaufbauten, aufblasbaren Puppen, Videowänden und Lichteffekten erreichte neue Dimensionen und stand zumindest gleichwertig neben der Musik. Das im April 1991 veröffentlichte Live-Album Flashpoint beinhaltete Aufnahmen dieser Tournee sowie die zwei neuen Studioaufnahmen „Sex Drive“ und „Highwire“, in dem sie kritisch zum Golfkrieg Stellung bezogen, was die Liste der Songs erweiterte, die durch die BBC aus dem Radioprogramm verbannt wurden.

Nachdem der Vertrag mit CBS-Records endete, fanden die Stones in Virgin-Records 1991 (bei einer Gage von umgerechnet 38,1 Millionen Euro) einen neuen Vertriebspartner.

1993 verließ Bill Wyman die Band aus persönlichen Gründen. Auf den folgenden Platten und Tourneen spielte der Bassist Darryl Jones, der allerdings nicht als offizielles Bandmitglied gilt.

Die Stones setzten ihre Welttourneen fort, während derer sie in riesigen Stadien auftraten. Die Gigantomanie und der Perfektionismus dieser vollständig durchorganisierten Großtourneen erstickten nach Meinung von Kritikern allerdings jegliche Spontanität. Auch die überaus durchgreifende Vermarktung dieser Tourneen (z. B. Sponsoring durch Volkswagen oder American Express) stieß auf Kritik.

1994 – 1999: Voodoo Lounge und Bridges to Babylon

Love is strong kündigte als Single-Auskopplung am 4. Juli 1994 die neue LP sowie eine weitere Welttournee an. Voodoo Lounge erschien am 11. Juli 1994 und wurde zu einem der bestverkauften Alben der Stones; die Voodoo-Lounge-Tournee avancierte zur bis dahin erfolgreichsten Tournee der Musikgeschichte. Die Bühnenpräsentation setzte neue Maßstäbe: Der Mittelpunkt des Bühnenaufbaus war eine chromblitzende, dem Hals und Kopf einer Kobra nachempfundene, feuerspeiende Säule. Auf überdimensionalen Videowänden wurden nicht nur die Musiker gezeigt, sondern auch computeranimierte Darstellungen wie etwa der Ritt einer leichtbekleideten Frau auf einer „Stones-Zunge“. Zum Song Honky Tonk Women wurden alte Schwarzweißaufnahmen von Frauen gezeigt, die sich – für damalige Verhältnisse – recht frivol zur Schau stellten. Anfang 1995 erhielt die Band für Voodoo Lounge den neu geschaffenen Grammy Award for Best Rock Album.

Während der Voodoo-Lounge-Tournee gaben die Stones auch einige wenige Konzerte in Clubs, wie dem Paradiso in Amsterdam. Mitschnitte davon sowie auf akustischen Gitarren basierende neue Studio-Aufnahmen bekannter Stones-Songs beinhaltet das am 13. November 1995 veröffentlichte Album Stripped.

Am 22. September 1997 veröffentlichten die Stones Anybody seen my Baby vom Album Bridges to Babylon, das am 27. September 1997 erschien. Die Tournee begann am 23. September 1997 – wie gewohnt – in den USA und führte die Stones 1998 auch nach Europa, wobei sich der Tourneestart verzögerte, weil Keith Richards angeblich von einer Leiter in seiner Bibliothek gefallen war. Das Bühnenbild war geprägt von einem riesigen, kreisrunden Videoschirm sowie goldenen Büsten und Statuen. Zu Beginn der Show wurde eine donnernde Explosion simuliert, an deren Ende Keith Richards (mit Eidechsen-Sonnenbrille und Leopardenmantelimitat) seine markanten Riffs zu dem Eröffnungssong (I Can’t Get No) Satisfaction spielte.

Live-Aufnahmen der Bridges-to-Babylon-Tournee wurden auf dem Album No Security am 2. November 1998 veröffentlicht. Erstmals folgte zu einem Live-Album eine Tournee: Vom 25. Januar bis zum 20. April 1999 fand die No-Security-Tournee durch Nordamerika statt.

Um die im Jahre 1998 ausgefallenen Konzerte (inklusive einiger Zusatzauftritte) nachzuholen, setzten die Stones vom 29. Mai bis 20. Juni 1999 die Bridges-to-Babylon-Tournee in Europa fort.

2000 – 2003: 40jähriges Bestehen

Zum 40-jährigen Bestehen begannen die Rolling Stones am 3. September 2002 in Boston die Forty-Licks-Tournee, die sie wiederum rund um die Welt führte. Am 30. September 2002 erschien die Doppel-CD Forty Licks. Auf dem Album sind erstmals Songs der Stones aus allen Perioden (also auch aus der Decca-Zeit) enthalten; es bietet so einen umfassenden Greatest-Hits-Überblick. Außerdem beinhaltet das Album vier neue Songs.

Zum ersten Mal seit den frühen 70er Jahren spielten die Rolling Stones auf der Forty-Licks-Tour nicht nur in Stadien, sondern auch in ausgesuchten Clubs und kleineren Hallen wie zum Beispiel dem Kronebau des Circus Krone in München. Ausschnitte aus diesen Konzerten sind auf der Box „Four Flicks“ enthalten, die am 3. November 2003 veröffentlicht wurde und auf drei DVDs je eine der unterschiedlichen Stadion-, Arena- und Theatershows enthält. Auf der vierten DVD ist die Vorbereitung der Tournee (einschließlich Proben der Band) dokumentiert, zudem sind einige Stationen der Tournee in Licks around the World enthalten.

Zwischen zwei Auftritten in Europa flogen die Stones Ende Juli 2003 nach Kanada, um an einem Open-Air-Konzert in Toronto, deren Erlöse zur Bekämpfung von der SARS-Epidemie verwendet wurden, teilzunehmen. Dokumentiert ist dies auf der DVD „SARStock“. An der Veranstaltung nahmen auch AC/DC und Justin Timberlake teil. Aufgrund der SARS-Epidemie fielen die im Frühjahr 2003 geplanten Konzerte in Hongkong aus; sie wurden am 7. und 9. November 2003 nachgeholt.

2004 – 2008: A Bigger Bang und Shine a Light

Am 10. Mai 2005 kündigten die Stones anlässlich eines Minikonzerts vor Hunderten von Fans und Journalisten auf dem Platz vor der New Yorker Juilliard-Musikhochschule eine neue Welttournee an. Dabei stellten sie der Öffentlichkeit den Titel Oh No, Not You Again vom kommenden neuen Album vor. A Bigger Bang, das erste Studioalbum der Gruppe seit Bridges to Babylon (1997), erschien am 5. September. Zum Tourneestart wurde am 22. August die Single Streets of Love veröffentlicht. Die durch Amerika führende Tournee startete am 21. August in Boston.

Die Aufzeichnung eines der Tournee vorausgegangenen, überraschend angekündigten Klubkonzerts am 10. August im Phoenix Concert Theatre in Toronto wurde im Oktober 2012 als Download-Album mit dem Titel Light the Fuse – A Bigger Bang Tour, Toronto Live 2005 veröffentlicht.

Das größte Konzert der Rolling Stones fand am 18. Februar 2006 in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro statt. Rund 1,2 Millionen Zuschauer drängten sich am Strand des Stadtteils Copacabana vor einer monströsen Bühne. Der Besuch des Konzerts war kostenlos; die Stadt zahlte allerdings 750.000 Dollar für den Auftritt, der zudem durch Sponsorengelder finanziert wurde.

Im Rahmen der A-Bigger-Bang-Tournee traten die Stones am 8. April 2006 erstmals in Shanghai (Grand Stage) auf. Vor 8.000 Zuschauern verzichtete die Gruppe auf Bitten der chinesischen Regierung auf das Spielen von Songs mit sexuellem Inhalt (Honky Tonk Women, Brown Sugar, Let’s Spend the Night Together). Der Beginn der Bigger-Bang-Europa-Tournee verzögerte sich aufgrund einer Kopfverletzung von Keith Richards, die sich dieser bei einem Sturz von einem Baum auf den Fidschi-Inseln zugezogen hatte. Am 11. Juli 2006 begann dann die Europa-Tournee in Mailand; sie endete am 6. September 2006 mit einem Konzert in Horsens (Dänemark). Bereits am 20. September 2006 gingen die Stones wieder auf eine Tournee durch Nordamerika.

Der letzte Teil ihrer seit 2005 laufenden A-Bigger-Bang-Tournee begann am 5. Juni 2007 in Belgien und endete am 26. August 2007 in London. Mit dieser Tournee erwirtschafteten sie mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

Am 27. Juni 2007 erschien das vier DVDs umfassende Box-Set The Biggest Bang, u. a. mit Aufnahmen der Konzerte in Rio de Janeiro und Austin (Texas).

Neue Chartregeln von Media Control brachten Ende Juli 2007 nach 38 Jahren ihren Nummer-eins-Hit Paint It, Black zurück in die Single-Charts auf Platz 49. In den Top 100 wurden jetzt auch Titel berücksichtigt, die nur als Download, nicht als Maxi-CD erhältlich sind.

Laut Pressemeldungen zahlten die Rolling Stones in den letzten zwanzig Jahren auf Einkünfte von 450 Mio. US-Dollar lediglich 7,2 Mio. Dollar Steuern – eine Quote von rund 1,5 Prozent.

Martin Scorseses Konzertfilm Shine a Light über die Rolling Stones eröffnete in Anwesenheit von Band und Regisseur am 7. Februar 2008 die Berlinale. Am 4. April kam er in die Kinos. Der Film zeigt Aufnahmen, die während zweier Konzerte der Band am 29. Oktober und 1. November 2006 im New Yorker Beacon Theatre entstanden. Dabei war der erste Auftritt Teil einer Benefizveranstaltung von Bill Clinton anlässlich seines sechzigsten Geburtstages. Während der Vorbereitungen zu diesem Konzert zog sich Ahmet Ertegün, der Gründer des Plattenlabels Atlantic Records, bei einem Sturz eine Hirnblutung zu und verstarb nach längerem Koma am 14. Dezember 2006. Der Film ist ihm im Abspann gewidmet.

Ebenfalls am 4. April 2008 wurde das gleichnamige Live-Album als Soundtrack zum Film veröffentlicht. Es erschien bei der Universal Music Group, mit der die Rolling Stones einen zunächst auf dieses Album beschränkten Vertrag abgeschlossen hatten. Wenig später, als ihr Vertrag mit EMI Music endete, entschied sich die Band langfristig für Universal Music als Plattenfirma für ihre zukünftigen Veröffentlichungen.

2009 – 2011: Archivarbeit

Während der nächsten Jahre widmeten sich die Rolling Stones diversem Ton- und Bildmaterial aus ihrer Vergangenheit, das sie nun erstmals auf den Markt brachten. Als Band kamen sie erst Ende 2011 wieder zusammen. So erschien am 27. November 2009 das Live-Album Get Yer Ya-Ya’s Out! von 1970 anlässlich des vierzigsten Jahrestages der darauf dokumentierten Rolling-Stones-Konzerte im Madison Square Garden als Teil eines Boxsets, das auch fünf bis dahin offiziell unveröffentlichte Konzertaufnahmen enthält.

Ein weiteres neu aufgelegtes Album, das 1972er Studioalbum Exile on Main St., kam am 14. Mai 2010 als erweiterte Ausgabe in den deutschen Handel. Das Album beinhaltet zehn zusätzliche, bis dahin offiziell unveröffentlichte Lieder und Alternativaufnahmen, für die Archivmaterial herangezogen und teilweise überarbeitet wurde. Plundered My Soul war bereits am 16. April als Vinyl-Single und als digitaler Download ausgekoppelt worden. Der Dokumentarfilm Stones in Exile von Stephen Kijak über die Produktionsphase des Albums 1971/72 feierte am 11. Mai im Beisein der Executive Producers Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts seine Premiere im Museum of Modern Art in New York. Er wurde auch bei der Quinzaine des Réalisateurs im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes gezeigt. Im Juni erschien er auf DVD im Handel.

Eine restaurierte und überarbeitete Fassung des Konzertfilms Ladies & Gentlemen: The Rolling Stones von Rollin Binzer aus dem Jahr 1974 lief im September 2010 weltweit in einmaligen Vorführungen in einigen ausgewählten Kinos, am 23. September auch an deutschen und österreichischen Standorten der UCI Kinowelt. Der Film zeigt Konzertaufnahmen der Tournee 1972, die sich an die Veröffentlichung von Exile on Main St. anschloss. Am 8. Oktober wurde er auf DVD und Blu-ray herausgegeben.

Keith Richards’ am 26. Oktober 2010 erschienene Autobiografie Life löste ein monatelanges Medieninteresse an den kritischen und teils derben Äußerungen Richards’ über Mick Jagger sowie Spekulationen über ein daraus resultierendes, erneut angespanntes Verhältnis zwischen den beiden aus. Für Schlagzeilen sorgte neben der Aussage, dass Mick Jagger in den 1980ern immer unerträglicher geworden sei, vor allem die Bemerkung, Jagger habe einen kleinen Penis, mit dem Richards’ Freundin Anita Pallenberg ‚keinen Spaß‘ gehabt habe, als sie, wie Richards annimmt, mit dem Sänger zur Zeit der Dreharbeiten von Performance eine kurze Affäre hatte. In einem im März 2012 vom Rolling Stone veröffentlichten Interviewauszug bestätigte Keith Richards, dass Mick Jagger sich tatsächlich durch einzelne Abschnitte seines Buches und deren Präsenz in den Medien gekränkt gefühlt habe, was er bedaure. Richards freute sich über ihm wichtige Gespräche, die der Sänger und er während des vorigen Jahres geführt hätten. „Er hat sich bei mir persönlich entschuldigt“, sagte Jagger später, laut ihm die Bedingung für eine zukünftige Bandarbeit mit Richards. Dieser distanzierte sich allerdings im Folgenden der Presse gegenüber von einer Entschuldigung, indem er angab, seine Worte hätten nur dazu gedient, Mick Jagger zur Wiederaufnahme der Arbeit mit der Gruppe zu bewegen. Er ziehe keine der Äußerungen aus seinem Buch zurück.

Für das im April 2011 erschienene Boogie- und Blues-Album Boogie 4 Stu des britischen Pianisten Ben Waters, das dieser zu Ehren des 1985 verstorbenen Ian Stewart initiierte, nahmen Ron Wood, Keith Richards, Charlie Watts und Mick Jagger zum ersten Mal seit 1991 gemeinsam mit Bill Wyman ein Lied auf – das Stück Watching the River Flow von Bob Dylan. Die Zusammenarbeit erfolgte allerdings nicht unter dem Namen „The Rolling Stones“. An dem Titel wirkten weitere Musiker mit, unter anderem Ben Waters am Klavier. Ron Wood, Bill Wyman und Keith Richards sind jeweils in zwei weiteren Stücken des Albums zu hören, Charlie Watts spielt bei der Mehrzahl der Titel Schlagzeug. Die Beiträge von Jagger, Richards, Watts, Wood und Wyman wurden getrennt voneinander an verschiedenen Orten aufgenommen.

Im November 2011 bot der neu eingeführte US-amerikanische Musik-Internetdienst Google Music mit dem Album The Brussels Affair ’73 die erste von sechs, bis dahin nicht offiziell erschienenen Aufnahmen von Rolling-Stones-Konzerten zum Kauf an. Die als digitale Downloads erhältlichen Alben dieser Rolling Stones Bootleg Series werden ausschließlich über den Online-Shop von Google Play (in das Google Music seit März 2012 integriert ist, davor Android Market) vertrieben. Nur für Kunden aus Ländern, in denen Google Play nicht verfügbar ist, gibt es die Konzerte in Zusammenarbeit mit Google Music im Online-Shop des Rolling Stones Archive, einer ebenfalls im November ins Leben gerufenen Internetseite, zu kaufen. Die Rolling Stones gaben bekannt, mit dieser Seite „die Tür zu ihrem Archiv“ zu öffnen. Sie wird von Bravado, dem Merchandising-Unternehmen von Universal Music, betrieben. The Brussels Affair ’73 enthält Mitschnitte zweier Konzerte vom 17. Oktober 1973 im Forest National in Brüssel. Die fünf anderen Livealben erschienen im Laufe des folgenden Jahres.

Im November 2011 wurde außerdem der Konzertfilm Some Girls – Live In Texas ’78 auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Der Film, der den Mitschnitt eines Konzerts vom 18. Juli 1978 im Will Rogers Memorial Center in Fort Worth (Texas) zeigt, war zuvor in einigen Kinos vorgeführt worden. Das gleichnamige Live-Album wurde zusammen mit der DVD oder Blu-ray auf CD vertrieben und enthält den Soundtrack. Film und Live-Album bieten unter anderem die Lieder When the Whip Comes Down, Beast of Burden, Miss You, Shattered, Respectable, Far Away Eyes und den Cover-Song Just My Imagination (Running Away with Me) vom 1978er Studioalbum Some Girls. Die Veröffentlichung stand im Kontext einer Neuauflage dieses Studioalbums, das als erweiterte Ausgabe mit zusätzlichen, auf nicht verwendeten Studioaufnahmen basierenden Stücken am 18. November auf CD in den deutschen Handel kam. Mit Ausnahme des Liedes So Young, das bereits in einer anderen Version auf der CD-Maxi-Single Love Is Strong zum 1994er-Album Voodoo Lounge erschienen war, handelt es sich bei den zwölf neuen Titeln um bis dahin offiziell unveröffentlichte Werke. Damit wurde das Konzept, das im Vorjahr schon bei der Neuauflage von Exile on Main St. Anwendung fand, wiederholt.

Angesichts des im Juli 2012 anstehenden 50-jährigen Bestehens der Rolling Stones (bezogen auf den ersten Auftritt der Band unter ihrem Namen im Marquee Club) mehrten sich ab 2011 in der Presse und unter Fans die Spekulationen über vorgesehene Konzerte oder eine Tournee zum Jubiläum. Bis 2012 äußerten sich die Rolling Stones jedoch diesbezüglich zu keinen konkreten Plänen. Eine erste Wiederaufnahme der Bandaktivitäten fand im Dezember 2011 statt, als sich Keith Richards, Charlie Watts, Ron Wood und Mick Jagger zu einer Jamsession in London trafen und erstmals seit dem Ende der A-Bigger-Bang-Tournee 2007 wieder zusammen spielten. Mit von der Partie war auch Bill Wyman, der seit seinem Austritt aus der Band 1992 nicht mehr mit den Rolling Stones gearbeitet hatte. Bereits im November hatte Richards den Jam in Aussicht gestellt und es in Betracht gezogen, die ehemaligen Mitglieder Bill Wyman und Mick Taylor dazu einzuladen und in die Jubiläumspläne miteinzubeziehen.

2012 – 2014: Vom 50jährigen Bestehen bis heute
Fortsetzung der Bootleg Series und Restauration von Charlie Is My Darling

2012 wurde parallel zu verschiedenen Publikationen und Veranstaltungen anlässlich des Bandjubiläums die Ende 2011 begonnene Bootleg Series fortgeführt. Als zweites Download-Album nach The Brussels Affair ’73 erschien im Februar Hampton Coliseum (Live 1981), die Aufnahme eines am 18. Dezember 1981 in Hampton (Virginia) gegebenen und live im Fernsehen übertragenen Konzerts (siehe oben).

L.A. Friday (Live 1975) folgte im April. Das Album dokumentiert einen Auftritt vom 13. Juli 1975 im Forum in Inglewood bei Los Angeles. Der Albumtitel stammt von einer Bootleg-Aufnahme des Konzerts, die, obwohl der 13. Juli ein Sonntag und kein Freitag („Friday“) war, seit den 1970ern irrtümlich unter diesem Namen verbreitet wurde. Die Lieder If You Can't Rock Me, It’s Only Rock ’n’ Roll, Fingerprint File und der Cover-Song Ain't Too Proud To Beg sind Stücke vom 1974er Album It’s Only Rock ’n’ Roll. Keyboarder Billy Preston singt als Gastmusiker zwei seiner eigenen Stücke, Outta Space und That’s Life.

Im Juli kam Folge vier der Serie heraus. Live at the Tokyo Domeenthält die Aufnahme eines Konzerts vom 26. Februar 1990 im Tokyo Dome in Tokio mit unter anderem Sad Sad Sad, Almost Hear You Sigh, Rock and a Hard Place, Mixed Emotions und Can't Be Seen vom 1989-er Album Steel Wheels.

Der historisch jüngste Konzertmitschnitt der Reihe, Light the Fuse – A Bigger Bang Tour, Toronto Live 2005, war ab Mitte Oktober erhältlich. Es handelt sich um die Aufnahme eines Überraschungskonzerts am 10. August 2005 im Phoenix Concert Theatre in Toronto vor Beginn der A-Bigger-Bang-Tournee. Die Band spielte dort unter anderem Lieder vom neuen Album A Bigger Bang (Rough Justice, Back of My Hand, Infamy und Oh No, Not You Again) und Coverversionen von Otis Reddings Mr. Pitiful und Bob Marleys Get Up, Stand Up.

Den sechsten Teil und Abschluss der Bootleg Series bildete im November Live at Leeds – Roundhay Park 1982.Das Album präsentiert eine Aufnahme vom letzten Auftritt der Europa-Tournee 1982 am 25. Juli in Leeds, dem allerletzten Konzert mit dem 1985 verstorbenen Pianisten Ian Stewart.

Der Brian-Jones-Ära wurde sich anderweitig gewidmet. Eine unter Regie von Mick Gochanour restaurierte und erweiterte Fassung des Dokumentarfilms Charlie Is My Darling (Regie: Peter Whitehead, 1966) feierte als Charlie Is My Darling – Ireland 1965 am 29. September 2012 ihre Premiere auf dem New York Film Festival. Am 2. November 2012 erschien das Werk auf DVD und Blu-ray sowie zusammen mit dem Soundtrack und weiteren Liveaufnahmen des Jahres 1965 als Teil eines Boxsets.

The Rolling Stones: 50, Crossfire Hurricane und Grrr!

Zum 50-jährigen Bandbestehen kam am 9. Juli 2012 The Rolling Stones: 50, ein unter Mitwirkung der Rolling Stones entstandener Jubiläums-Bildband, in den Handel. Er enthält Fotografien aus der Bandgeschichte sowie begleitende Texte der Bandmitglieder. Weltweit zum ersten Mal wurde das Buch am 6. Juli im Stones-Fan-Museum in Lüchow (Wendland) vorgestellt. Anlässlich der Buchveröffentlichung fand vom 13. Juli bis zum 2. September eine retrospektive Fotoausstellung im Somerset House in London statt. Zur Eröffnungsfeier am 12. Juli, dem 50. Jahrestag des ersten Auftritts der Rolling Stones, präsentierten sich alle Bandmitglieder erstmals seit 2008 zusammen in der Öffentlichkeit. Als Gäste kamen auch Bill Wyman und Mick Taylor.

Im September 2012 kündigten die Rolling Stones im Rahmen einer großangelegten Werbekampagne, die Erweiterte Realität einsetzte, für November eine neue Hits-Kompilation mit dem Titel Grrr! an. Das im Verlauf der Kampagne enthüllte Albumcover zeigt einen von Walton Ford gemalten Gorilla mit herausgestreckter Rolling-Stones-Zunge, der mithilfe der kostenlosen App uView für Smartphones oder andere kompatible Geräte als 3-D-Animation ‚zum Leben erweckt‘ werden konnte. Die Website der Band kommentierte den Einsatz der App: „Die Nutzung einer der derzeit modernsten Formen von Mobiltechnik festigt den Status der Rolling Stones als eine der innovativsten Bands der Welt, die so relevant ist wie eh und je.“ Unter dem Namen „GRRRegory“ erhielt der Gorilla Anfang Oktober ein eigenes Twitter-Konto, über das Aktuelles zur Band verbreitet wird.

Brett Morgens Dokumentarfilm über die Bandgeschichte mit dem Titel Crossfire Hurricane – The Rise of the Stones (nach einer Textpassage aus dem Lied Jumpin’ Jack Flash), hatte am 18. Oktober 2012 Weltpremiere auf dem London Film Festival. Er wurde einschließlich Aufnahmen der Bandmitglieder vom roten Teppich live in ausgewählte digitale Kinos in Europa übertragen. Bill Wyman ließ sich neben seinen ehemaligen Kollegen auf dem Teppich fotografieren, Mick Taylor war unter den Gästen. Jagger war für den Film als Produzent tätig, Richards, Watts und Wood fungierten als Executive Producers, Wyman als historischer Berater. Am 4. Januar 2013 kam Crossfire Hurricane auf DVD und Blu-ray in den Verkauf.

Doom and Gloom, ein neues Lied von dem neuen Hits-Album Grrr!, wurde am 11. Oktober 2012 vorab als Download-Single veröffentlicht. Die am 9. November erschienene Kompilation enthält mit One More Shot noch ein zweites im August des Jahres aufgenommenes Lied. Es sind die ersten neuen Kompositionen der Rolling Stones seit A Bigger Bang (2005) abgesehen von den 2010 und 2011 erschienen, teils erst vollendeten Titeln für die erweiterten Ausgaben schon veröffentlichter Alben. Grrr! kam in Ausgaben unterschiedlichen Umfangs in den Handel. Das Musikvideo zu Doom and Gloom mit Noomi Rapace in der Hauptrolle wurde Mitte November veröffentlicht.

50-&-Counting-Tournee

Im Herbst 2012 kündigten die Rolling Stones für das Jahresende fünf Jubiläumskonzerte in Großbritannien und den USA an. Um sich aufzuwärmen gaben sie am 25. Oktober überraschend ein Klubkonzert im Le Trabendo in Paris – ihr erstes Konzert seit 2007. Dort spielten sie das neue Lied Doom and Gloom erstmals vor Publikum. Es folgte am 29. Oktober ein privates Konzert im Pariser Théâtre Mogador ausschließlich für das französische Investmenthaus Carmignac Gestion und dessen geladene Gäste.

Unter dem Motto „50 & Counting...“ fanden am 25. und 29. November in der Londoner O₂-Arena die ersten beiden der fünf Konzerte statt. Daran schlossen sich am 8. Dezember ein Auftritt im New Yorker Barclays Center sowie am 13. und 15. Dezember zwei Konzerte im Prudential Center in Newark (New Jersey) an. Als Gastmusiker wurden zu den Shows in London Mick Taylor und Bill Wyman eingeladen, die sich für einzelne Songs (Taylor: Midnight Rambler, Wyman: Honky Tonk Women und It’s Only Rock ’n’ Roll) zu ihren ehemaligen Bandkollegen gesellten. Während Mick Taylor auch in Newark spielte, hatte sich Bill Wyman eine größere Beteiligung bei den Auftritten erwartet und lehnte es ab, für nur zwei Lieder je Konzert in die USA zu reisen. Entsprechend unterschiedlich bewerteten sie auch ihre Erfahrung, wieder mit den Rolling Stones aufzutreten:

„Ich war fünf Minuten da und fort. Darüber war ich etwas enttäuscht. [...] Mir ist klar geworden, dass man nicht wirklich Jahre später zu etwas aus der Vergangenheit zurückkehren kann, weil es nicht dasselbe ist.“
– Bill Wyman

„Mir war nicht klar, wie sehr es mir gefehlt hat mit ihnen zusammen zu sein, bis wir wieder gemeinsam gespielt haben[.] [...] Sobald ich auf die Bühne kam, fühlte ich mich vollkommen zuhause und ganz in meinem Element.“ „Jeden Abend elf Minuten mit ihnen zu spielen hat mir als Mensch, und als Künstler, ganz neue Energie gegeben.“
– Mick Taylor

Im Laufe der Veranstaltungen standen außerdem Jeff Beck, Mary J. Blige, Eric Clapton, Florence Welch, Gary Clark Jr., John Mayer, Bruce Springsteen, Lady Gaga und The Black Keys als Gäste auf der Bühne. Beim Stück You Can’t Always Get What You Want kamen verschiedene lokale Chöre zum Einsatz, womit die Band dieses Element des originalen Liedarrangements der Aufnahme vom Studioalbum Let It Bleed erstmals live aufgriff. Für die Bühnengestaltung ließ sich Mark Fisher vom Bandlogo inspirieren: Der Bühnenhintergrund wurde am Anfang jedes Konzerts von aufblasbaren, metallisch aussehenden Lippen eingenommen, während von der Bühne ein Steg, der eine Zunge nachbildete, in das Publikum führte, sodass sich innerhalb dieser ‚Zunge‘ ein VIP-Zuschauerraum ergab. Eine ähnliche Idee Fishers war bereits 2005 für den Auftritt der Rolling Stones beim Superbowl umgesetzt worden. Das letzte Konzert am 15. Dezember wurde international mittels Pay-per-View live im Fernsehen und Internet ausgestrahlt. Zwischen ihren eigenen Auftritten beteiligten sich die Rolling Stones am 12. Dezember am Benefizkonzert 12-12-12 in New York zugunsten der Opfer des Hurrikans Sandy. Die Konzerte brachten den Rolling Stones bei der Verleihung der NME Awards im Februar 2013 den Preis für die beste Liveband des Jahres 2012 ein.

Im Mai und Juni 2013 setzte die Gruppe ihre 50-&-Counting-Auftritte mit einer Tournee durch Nordamerika fort, begleitet von Mick Taylor als regelmäßigem Gastgitarristen. Außer jedes Mal bei Midnight Rambler trat Taylor ab und an auch bei den Liedern (I Can’t Get No) Satisfaction, Can’t You Hear Me Knocking und Sway in Aktion, beim Aufwärm-Klubkonzert im Echoplex in Los Angeles außerdem bei Love in Vain. Sonstige Gastmusiker bei einzelnen Konzerten waren unter anderem Tom Waits, Katy Perry, Dave Grohl, Taylor Swift und Aaron Neville sowie weitere lokale Chöre bei den Darbietungen von You Can’t Always Get What You Want.

Den Ausklang der 50-&-Counting-Tournee bildeten im Juni/Juli 2013 drei Freiluftkonzerte in Großbritannien, eingeleitet vom Debüt der Rolling Stones auf dem Glastonbury-Festival am 29. Juni. Zu diesem Anlass spielte die Band eine Abwandlung ihres Liedes Factory Girl vom Album Beggars Banquet, das sie unter dem Titel Glastonbury Girl mit einem auf das Festival zugeschnittenen neuen Text darbot. Es folgten am 6. und 13. Juli im Rahmen des British-Summer-Time-Festivals zwei Konzerte im Londoner Hyde Park – 44 Jahre nach ihrem ersten und bis dahin einzigen Konzert auf dem Gelände im Juli 1969, an das Mick Jagger mit der ein oder anderen Anspielung anknüpfte. So trug er zu Honky Tonk Women eine weiße Tunika ähnlich der, in die er sich 1969 gekleidet hatte, und in Erinnerung an die damals freigelassenen Schmetterlinge eine mit Schmetterlingsmotiven versehene Jacke, während er Miss You sang und auf den Bildschirmen Schmetterlingsanimationen zu sehen waren. Diese und weitere Bühnenkleidung Mick Jaggers für die Tournee – unter anderem ein mit Straußenfedern besetzter Umhang, der das Fell des Gorillas vom Grrr!-Albumcover imitieren sollte – beruhten auf Entwürfen seiner Lebensgefährtin, der Designerin L’Wren Scott. Bei allen drei Festival-Auftritten hatte Mick Taylor sein im Verlauf der Tournee etabliertes kurzes Gastspiel mit der Band. Am 22. Juli erschien ein Download-Album namens Hyde Park Live, das eine Zusammenstellung von Live-Mitschnitten der beiden zuvor gegebenen Londoner Konzerte enthält. Der auf den Auftritten basierende Konzertfilm Sweet Summer Sun – Hyde Park Live wurde am 8. November auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, nachdem er zuvor weltweit in wenigen Vorführungen in einigen Kinos gezeigt worden war, darunter auch in Deutschland (ab 23. Oktober), Österreich (ab 30. Oktober) und der deutschsprachigen Schweiz (4. November). Im Paket mit dem Film wurde die Musik auch auf CD und LP angeboten. Am 1. Januar 2014 kam bei iTunes außerdem eine Download-Single zu Sweet Summer Sun heraus, die unter anderem die bis dahin unveröffentlichte Darbietung von Beast of Burden der Hyde-Park-Konzerte enthält.

14-on-Fire-Tournee

Die Rolling Stones gingen am 21. Februar 2014 erneut auf eine Tournee, für die bis in den Juni hinein bereits Konzerttermine angekündigt sind und noch weitere folgen sollen. Nach einer Asien-Australien-Etappe mit Auftritten in Abu Dhabi, Tokio, China, Singapur, Australien und Neuseeland sind Veranstaltungen in Europa geplant. Fest stehen bislang Auftritte beim niederländischen Pinkpop Festival, beim belgischen TW Classic Festival in Rom, sowie auf der Waldbühne Berlin und in der ESPRIT Arena in Düsseldorf. An den unter dem Titel „14 on Fire“ stehenden Konzerten wirkt wie schon bei der vorherigen Tournee Mick Taylor als Gastgitarrist mit.

Diskografie

Bis heute gibt es keine Gesamtausgabe des musikalischen Werkes der Rolling Stones, etwa in Form einer Mehrfach-CD-Box, die auch unveröffentlichte Stücke enthält. Mit der Veröffentlichung von Forty Licks im Jahr 2002 sind zum ersten Mal die bekanntesten Songs aus beiden Epochen (1964 bis 1970 und nach 1971 bis heute) enthalten. Das 2005 veröffentlichte Album Rarities enthielt nicht die von den Fans erwarteten Raritäten.

Die meisten Live-Alben sind nicht komplett live aufgenommen. Viele Lieder wurden im Nachhinein durch Zumischungen (Overdubs) und Bearbeitungen derart verändert, dass sie teilweise die Konzertsituation nur noch eingeschränkt wiedergeben.

Bis zur Veröffentlichung von Their Satanic Majesties Request wurden von der Plattenfirma der Rolling Stones jeweils verschiedene Versionen der Platten für die Märkte USA und Großbritannien produziert. Ausschließlich für den deutschen Markt produziert wurde das Album Around & Around, das im September 1964 veröffentlicht wurde. Durch diese Aufteilung in verschiedene Märkte unterscheiden sich die US-amerikanischen und britischen Tonträger bis zum Album Between the Buttons bezüglich der enthaltenen Titel.



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