Es gibt Menschen, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob sie mit einer alten Seele zur Welt gekommen sind. Tom Odell ist ein Beispiel dafür: "Long Way Down", das Debüt des britischen Songwriters, präsentiert sich als brüchiges Beziehungs- und Trennungsalbum, dessen Eindringlichkeit einem schier das Herz zerreißt. Die geballte Sehnsucht des Verlassenwerdens läuft beim Anhören der zehn Songs vor dem inneren Auge ebenso als wackliger Handkamerafilm ab wie das Sich-Verlieren im Miteinander. Da zehrt zum Beispiel das spartanische, nur vom Piano begleitete "Sense" mit Textzeilen wie "Could call you up / I could tell you just how much / No no, maybe I'll go just get drunk / and it will all make sense / Or if I weren't so nice, convince my friends that you weren't right / I could promise you my heart don't cry / but would it all make sense?" an der Magengrube. Oder Hoffnung und Angst umarmen sich und hallen mit vorpreschendem Schlagzeug, vielstimmigem Background-Chor und schnellen Klavierläufen im Wechsel mit dunklen Moll-Akkorden wie bei "Can’t Pretend" ("Oh, feel our bodies grow / And our souls they blend / Yeah love I hope you know / How much my heart depends.") aus den Boxen. Kaum zu glauben, dass diese Stimme und diese Worte von dem zarten blonden 22-Jährigen stammen, der einem vom CD-Cover entgegenblickt. Aber viele gibt es wohl auch nicht, die sich bereits in diesem Alter wie Odell mit dem Opener "Grow Old With Me" ("And our hands they might age / And our bodies will change / but we’ll still be the same as we are") hoffnungsvoll nach einer weit entfernten Zukunft sehnen.
Er hat schon mit so ziemlich allen Szenegrößen des deutschen Rap zusammengearbeitet: Der Berliner Wortakrobat Silla fungierte als Feature auf "Rap braucht kein Abitur ", dem mittlerweile indizierten Debütalbum von Bass Sultan Hengzt. Er veröffentlichte mit King Orgasmus One das Kollabo-Album "Schmutzige Euros " und leistete auch einen Beitrag zu Bushidos Gold-prämiertem Werk "Staatsfeind Nr. 1". Seine eigenen Platten "Sillainstinkt" (2011) und "Die Passion Whisky " (2012) sowie die Compilation "Wiederbelebt" (2012) schafften den Sprung in die Longplay-Charts ebenso wie die in Zusammenarbeit mit Fler entstandene Scheibe "Südberlin Maskulin 2 ". Mit dem Gemeinschaftsprojekt konnten die beiden Künstler sogar Platz sechs ergattern. Das Erfolgsrezept des 29-Jährigen liegt nicht zuletzt in seiner schonungslosen Offenheit und der Bereitschaft, in seinen Tracks zu den eigenen Schwächen und Zweifeln zu stehen: Liebe, Hass und der Grenzgang zwischen Licht und Dunkel finden sich als zentrale Themen in seinen Texten wieder. Im Dezember geht Silla, der momentan an seinem sechsten Studioalbum arbeitet, auf eine ausgedehnte Clubtour.