Biografie
Anna Jurjewna Netrebko (international: Anna Netrebko; russ. Анна Юрьевна Нетребко, wiss. Transliteration Anna Jur'evna Netrebko; * 18. September 1971 in Krasnodar) ist eine russische Opernsängerin. Seit 2006 ist sie auch im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft.
Karriere
Anna Netrebko absolvierte ein Gesangsstudium am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Sankt Petersburg. Nachdem sie 1993 den Glinka-Gesangswettbewerb in Moskau gewonnen hatte, wurde sie 1994 für das Mariinski-Theater in Sankt Petersburg engagiert. Dort debütierte sie im gleichen Jahr als Susanna in Mozarts Le nozze di Figaro. Diese Produktion gastierte anschließend auch beim Schleswig-Holstein Musik Festival im Stadeum in Stade (Dirigent: Justus Frantz), wo ihr Deutschland-Debüt am 6. August 1994 stattfand. Ihr Aufstieg begann bereits 1995, als das Mariinski-Theater unter der Leitung von Waleri Gergijew ein Gastspiel in San Francisco gab. Sie spielte die Ljudmila in Glinkas Ruslan und Ljudmila. Nach den hervorragenden Kritiken dieses Gastspiels begann ihre Karriere auf allen berühmten Opernbühnen der Welt. Das San Francisco Chronicle schrieb damals: „Sie ist eine Sängerin, die einfach alles hat: eine Stimme von staunenswerter Reinheit, Präzision und Wandlungsfähigkeit sowie großem dynamischen und tonalen Umfang, Fantasie, Verständnis und Geist - und hinzu kommt ein überwältigendes Charisma.“
Netrebko singt als Sopranistin an der Metropolitan Opera in New York und an der Wiener Staatsoper (als Donna Anna in Mozarts Don Giovanni oder in Gaetano Donizettis L’elisir d’amore). Seit 1998 tritt sie regelmäßig bei den Salzburger Festspielen auf, wo sie 2002 als Donna Anna in Mozarts Don Giovanni unter dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt ihren internationalen Durchbruch feierte. Im gleichen Jahr debütierte sie an der Met als Natascha in Krieg und Frieden.
2003 sang Anna Netrebko die Rolle der Gilda in Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper in München, die Titelrolle in Lucia di Lammermoor an der Los Angeles Opera sowie die Donna Anna am Londoner Royal Opera House.
Nachdem sie bereits einige Tonaufnahmen eingespielt hatte, erschien 2004 die DVD The Woman, The Voice mit MTV-ähnlichen Videos, die Netrebko zu einem Popstar der Opernszene machten. Dennoch macht sie keine Crossover-Kompromisse und singt ausschließlich klassische Musik. Den Hype um Netrebko, der sich häufig nicht mehr nur um die künstlerische Leistung dreht, kommentieren zahlreiche Kritiker negativ, insbesondere der „Gesangspapst“ Jürgen Kesting (Autor des 3-bändigen Werkes Die großen Sänger).
2005 sang sie mit Rolando Villazón sowohl eine viel beachtete Roméo et Juliette als auch die Rolle der Adina in L’elisir d’amore von Gaetano Donizetti. Im selben Jahr übernahm sie bei den Salzburger Festspielen die Titelpartie (Violetta Valéry) in Verdis La traviata (Dirigat: Carlo Rizzi) an der Seite von Rolando Villazón und Thomas Hampson, was von Kritik wie Zuschauern begeistert aufgenommen wurde (auch wegen einer viel beachteten TV-Übertragung). Sie absolvierte 2005 zum ersten Mal eine Japan-Tournee mit einem Liederabend.
2006 singt Netrebko an der New Yorker Metropolitan Opera in Donizettis Don Pasquale unter der Regie von Otto Schenk und der musikalischen Leitung von Maurizio Benini (mit Juan Diego Flórez und Simone Alberghini). Am 7. Juli 2006 gab sie zwei Tage vor dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Berlin gemeinsam mit Plácido Domingo und Rolando Villazón ein Konzert in der Tradition der Drei-Tenöre-Konzerte, mit denen die Weltmeisterschaften von 1990 bis 1998 zu Ende gegangen waren. Das Konzert wurde weltweit übertragen und ist das bis dato meistgesehene Klassikkonzert. Im Juli und August 2006 trat Netrebko bei den Salzburger Festspielen als Susanna in der von Harnoncourt dirigierten Neuinszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro auf (auch Fernsehübertragung auf ORF und ARD), mit der das neu erbaute Haus für Mozart am 26. Juli eröffnet wurde. Im November 2006 gab Anna Netrebko ihr Rollendebüt als Amina in Vincenzo Bellinis bekannter Belcanto-Oper La Sonnambula an der Wiener Staatsoper.
Im März 2007 trat Netrebko an der Wiener Staatsoper in der Neuproduktion von Jules Massenets Manon unter dem Dirigenten Bertrand de Billy und dem Regisseur Andrei Şerban auf, die live im österreichischen Fernsehen ORF übertragen wurde. Seit April 2007 singt Netrebko mit Rolando Villazón ebenfalls Massenets Manon an der Berliner Staatsoper, eine Koproduktion mit der Los Angeles Opera.
Aufsehen erregte Anna Netrebko im Sommer 2007, als sie aufgrund von Stimmbandproblemen ihr Engagement bei den Salzburger Festspielen kurzfristig absagte und durch ihr Nichterscheinen eine Diskussion über die „Belastbarkeit von Opernstars“ auslöste. Bei der Last Night of the Proms am 8. September 2007 in der Londoner Royal Albert Hall präsentierte sie sich jedoch wieder in gewohnter Qualität. Darauf folgt im November 2007 eine Serie von drei Vorstellungen der Oper La traviata an der Deutschen Oper Berlin. 2008 spielte und sang sie an der Seite von Rolando Villazón in La Bohème auch im Kino.
Am 14. Januar 2009 kehrte sie im St. Petersburger Mariinksy Theater in der Rolle der Lucia in Lucia di Lammermoor, nach ihrer Schwangerschaft und anschließender Auszeit, wieder auf die Bühne zurück. Ende November 2009 erschien Anna Netrebkos erstes Best Of-Album auf dem ausgewählte Arien und Duette wie zum Beispiel mit Elīna Garanča, Rolando Villazón und Thomas Quasthoff zu hören sind.
Familie
Anna Netrebko ist die Tochter einer Ingenieurin und eines Geologen. Im Frühsommer 2007 trennte sie sich von ihrem bisherigen Lebensgefährten, dem Bariton Simone Alberghini. Ende 2007 verlobte Netrebko sich mit dem uruguayischen Bassbariton Erwin Schrott. Im April 2008 sagte sie in einem Interview, dass sie ihn geheiratet habe. Die beiden haben einen Sohn.
Staatsbürgerschaft
Ihren Wohnsitz hat Netrebko in Sankt Petersburg, wo sie auch Mitglied des Ensembles am Mariinski-Theater bleibt. Ihre Auftritte in Sankt Petersburg sind allerdings rar (zum Beispiel ein Liederabend im Juli 2004 im Mariinski-Theater im Zuge des Weiße-Nächte-Festivals). Weitere, häufiger genutzte Wohnsitze sind Wien (seit Februar/März 2007) und New York.
Nachdem Netrebko im März 2006 in Wien um die österreichische Staatsbürgerschaft angesucht hatte, wurde ihre Einbürgerung im Ministerrat vom 25. Juli 2006 von der österreichischen Bundesregierung beschlossen. Zuvor war Netrebko in ihrem Heimatland vereinzelt als „charakterlos“ und „Verräterin“ bezeichnet worden, Netrebko verwies aber auf die rigorosen Visabestimmungen für russische Bürger, die es ihr unmöglich machten, international in vollem Umfange künstlerisch tätig zu sein. Netrebko wolle die russische Staatsbürgerschaft behalten: „Natürlich bin und bleibe ich Russin“.
Am 1. August 2006 wurde Netrebko in Salzburg offiziell die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.
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