Die Schiffshupe dröhnt. Der Kahn läuft mit brennenden Segeln auf Grund. Ein mit schnarrender Stimme rezitiertes Gedicht lockt einen an Bord des bunt bemalten, vom Schweizer „Kaiser“ Tobias Jundt kommandierten Bonaparte-Schoners "Sorry, We're Open“ - dem dritten Streich des in Berlin ansässigen Pop-Trash-Punk-Kollektivs. "The end of entertainment is the beginning of war" ("Das Ende der Unterhaltung ist der Beginn des Krieges") deklariert die Band im Titeltrack und widmet sich auf dem Longplayer ausgiebig der Kriegsvermeidung: Scheppernde Gitarren, groovende Bongos, dröhnende Synthies, Mariachi-Trompeten, mit Vehemenz ausgespuckte Lyrics – es ist einfacher, zu beschreiben, welche Soundeffekte die Truppe NICHT nutzt, als alle aufzuzählen, derer sie sich bedient. Ja, es ist glaubhaft, wenn Jundt in "Quarantine (feat. Housemeister)" erklärt, er sei "a little meshugge in the head". Tanzdrang und Power sind bei dieser Scheibe garantiert – egal, ob die Combo, die live für schrilles Punk-Theater mit viel nackter Haut und schrägen Masken bekannt ist, eine Zusammenfassung der klangvollsten französischen Schimpfwörter liefert ("C'est à moi qu' tu parles?") oder gemeinsam mit Deichkind einen Party-Kracher abliefert, der thematisiert, wie schwierig es ist, immer noch neue ausgefallene Bühnenideen zu entwickeln ("Alles schon gesehen"). Doch Bonaparte können auch nachdenklich: "In The Breaks" zeigt sich als eingängig-brüchiger Break-Up-Song zwischen Trauer und Wut.
"Viele wollen, dass ihre Beats möglichst perfekt und klar klingen. Ich finde das langweilig. Ich arbeite sehr gerne mit unüblichen Samples", erklärte Deutsch-Rapper Ahzumjot einst gegenüber dem Magazin "Juice" zu seiner Musik. Es ist das Nicht-perfekte, das Kantige, das die Musik von Alan Julian Asare, wie der Hamburger mit bürgerlichem Namen heißt, so besonders macht. Die gewagte Mischung, die die Intro als "Irgendwo zwischen Dubstep-Bässen, dreckigen Synthies und 080-Drums" beschreibt, hat das gewisse Etwas. Erfrischend auch, dass Ahzumjot nicht versucht, jemand zu sein, der er nicht ist: Glaubwürdig im Hier und Jetzt beschäftigt sich der Nachwuchs-Musiker textlich hauptsächlich mit den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Im November und Dezember geht er unter dem Titel "Keine Sorge, Mama" erstmals auf Headliner-Tournee.