Gibt es leichtfüßigen Liebeskummer? Lauscht man Emmy The Great, könnte man genau diesen Eindruck gewinnen. Die Britin mit chinesischen Wurzeln hat auf ihrem aktuellen Album "Virtue" eigentlich einen großen Batzen Wut verarbeitet. Ihr Verlobter ließ sie quasi vor dem Altar stehen, um sich als christlicher Missionar zu verdingen. Man erwartet nach dieser Info eigentlich ein komplett düsteres, schwermütiges Werk. Und das ist "Virtue" in gewisser Weise auch. Das Album strotzt vor Zukunftsangst ("A Woman, A Woman, A Century Of Sleep"), Fernweh ("North") und Sinnsuche ("Creation"). Auch hadert die Sängerin deutlich mit dem Glauben und vor allem einer gewissen Scheinheiligkeit des Ex-Verlobten ("Trellick Tower"). Trotz aller Schwermut fehlt aber nicht der berühmte Silberstreif am Horizont: "I'm blessed, just to be, more or less" erklärt Emma Lee-Moss, wie die Musikerin mit bürgerlichem Namen heißt, beispielsweise im "Paper Forest". Lee-Moss verpackt auch düsterste Gedanken in märchenhafte, weichgezeichnete Bilder. Und ein beschwingtes Klanggewand, dominiert von Gitarre, Piano und Ambient-Sounds, trägt wie ein fliegender Teppich aus Wut und Trauer heraus. Emmy, die Großartige, ist damit weich gelandet. Und inzwischen auch wieder vergeben. Happy Ends gibt’s also doch.
Wenn sich fünf Musiker zusammentun, die zuvor mit eigenen Bands oder solo erfolgreich waren, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder das gemeinsame Baby scheitert an den vielen starken Persönlichkeiten, oder – es gedeiht und wächst behütet auf. Die letzte Wendung hat die Geschichte bei den Australiern Boy & Bear genommen. Die Band aus Sydney eroberte ihre Heimat im Sturm, dort spielen die Neo-Folker bereits in ausverkauften Locations und konnten sich mit ihrem Debütalbum "Moonfire" Platz zwei der Charts sichern. Hierzulande überzeugte das Quintett bereits im Vorprogramm von Laura Marling - Ende April bringen die Jungs ihren energetisch getriebenen Indie-Folk auf Clubtour wieder live nach Deutschland.