"Feel free to lose yourself / I do this all the time / Love is a blinding sun / We are songs to be sung"... auch wenn die Textzeile aus dem Track "Mountains Still Asleep" hier aus dem Zusammenhang gerissen ist – nichts ist leichter, als sich in Damien Jurados melancholischer Songpoesie zu verlieren und treiben zu lassen. Jurado gehört zur Riege der musikalischen Perlen, die von Kritikern regelmäßig mit Lob überschüttet werden, zur breiten Öffentlichkeit aber wenig vordringen. Ein Verlust für all jene, die sich dieses Schmankerl entgehen lassen. Vielseitiger als es der US-Amerikaner auf seiner neuen Scheibe macht, lässt sich das Songwriter-Genre kaum ausfüllen. So erinnert beispielsweise der Opener "Nothing Is The News" mit seinen psychedelischen Anklängen und Gitarren-Soli vage an The Doors. "This Time Next Year" arbeitet mit einem Gitarreneffekt, der durch den Beitrag der Centurions zum "Pulp-Fiction"-Soundtrack Bekanntheit erlangte. Und "Museum Of Flight" klingt, als hätten Coldplay einen ihrer Songs rigoros auf das Wesentliche reduziert und auf jeglichen Pomp verzichtet. Bei allen Raffinessen im Songwriting versäumt der seit 1997 aktive Musiker aber nicht, in den Vordergrund zu stellen, was seine Songs so besonders macht: die nachdenklichen, poetischen Texte.
Im britischen "Observer" war kürzlich zu lesen, Brittany Howard, die Sängerin der Alabama Shakes, sähe eher aus wie "eine Lehrerin oder jemand, der einem den Führerschein verlängert", als nach der Leadsängerin einer Band. Das war es dann aber auch mit der Kritik. Mit ihrem ganz eigenen Stil zwischen Rock, Soul und Blues, schafft die Band nämlich gekonnt eine Gratwanderung, die kaum zu meistern ist. Sie stimmen nostalgisch, als stünde Janis Joplin persönlich wieder auf der Bühne. Als sei Otis Redding auferstanden. Und als würden beide mit modernen Rockgrößen wie den Kings Of Leon oder den White Stripes jammen. Im April spielen die Alabama Shakes live in Hamburg und Berlin.