Ist ja bekannt – alles, was Spaß macht, ist verboten. Fast alles: Aufs Anhören des neuen Deichkind-Albums steht glücklicherweise keine Strafe. Konsequenz ist zwar, sich ertappt zu fühlen wegen all der Schlechtigkeiten, die zur eigenen Befriedigung beitragen ("Leider Geil"), aber es ist leider (fast) alles wahr – und der Song eben, naja, leider geil. Mit abgefahrenen Effekten auf den Vocals, fetten Beats und wabernden Synthies bieten Deichkind genau das, was man von ihnen möchte: Witz, Ironie, eine gute Portion Egomanie ("Egolution", "Pferd aus Glas") und auch mal ein wenig spitzfindige Kritik am System Kapitalismus ("Bück dich hoch") – alles jederzeit tanzbar. Passend lautet der "Befehl von ganz unten", den der Titeltrack rausbrüllt: Feiern! Das wird zwar auch den Deichkindern manchmal zu viel, so dass sie sich ins Weltall flüchten möchten ("Der Mond"), allerdings fehlt dann die menschliche Gesellschaft schon sehr. Also zurück zur Erde, und sei es nur, um kollektiv als "Illegale Fans" den anarchistischen Widerstand gegen die Musikindustrie und die Gema aufzunehmen. Oder um "Die Rote Kiste" auszupacken und die nächsten Liveshows in Angriff zu nehmen.
Manchmal braucht man das: Lieder übers Verlassen und übers Verlassen werden. Was Adele mit gesanglicher Perfektion und großen Tönen begleitet ganz nach oben gebracht hat, das liefert Soko mit gebrochener Stimme, Englisch mit französischem Akzent, bröckelnd, nah am Sprechgesang. Begleitet von akustischen Gitarrenklängen, die zeitweilig an alte Leonard-Cohen-Songs erinnern ("Treat Your Woman Right"), zwischen Folk und Pop sang sich die Französin 2007 aus der musikalischen Anonymität heraus. Ihr Überraschungserfolg "I’ll Kill Her" machte sie über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannt. Anfang März erscheint mit "I Thought I Was An Alien" das Debütalbum der Mittzwanzigerin, ab Ende März ist sie auf Clubtour in Deutschland unterwegs.