In Zeiten, in denen man die Mitglieder zahlreicher Rockbands kaum vom netten Buchhalter von Nebenan unterscheiden kann, leben die Black Lips immer noch den "Rock-'n'-Roll-Lifestyle". Das Quartett aus Atlanta kassiert schon mal Auftrittsverbote, weil jemand auf der Bühne blankzieht, seinen Magen entleert oder gar sein Instrument anzündet. Der von den Amerikanern selbst als "Flower Punk" betitelte Stil der Black Lips klingt musikalisch derweil gar nicht allzu dreckig. Für ihr sechstes Studioalbum "Arabia Mountain" holten sich die Lips erstmals einen Produzenten an Bord, und zwar niemand geringeren als Mark Ronson, der schon Amy Winehouse und Lily Allen den richtigen Schliff verlieh. Dabei herausgekommen ist eine runde Platte zwischen Nostalgie und Punk. Da wabern schon mal sphärische Klänge ("You Keep On Running"), da schrammeln die Gitarren und es kratzt die Stimme ("Mr. Driver", "Family Tree"). Zugleich gehen Songs wie "Modern Art", "Go Out And Get It" oder "Bone Marrow" direkt in die Beine und machen einfach gute Laune. Trotz aller Eskapaden - diese Jungs verstehen es fabelhaft, der 60er-Psychedelic-Nostalgie so viel Punk zu verleihen, dass der Gedanke an Imitation niemals aufkommt.
Es gibt nur wenige Musiker, die sich auf der Crowdfunding-Website "Sellaband" vorstellen und dann tatsächlich darüber die Finanzierung für ihre Projekte gestemmt bekommen. Wenn es jemandem gelingt, steckt in der Regel auch wirklich etwas dahinter. Die polnische Sängerin Julia Marcell sammelte 2007 über die Seite 50.000 Dollar für die Produktion ihres Debütalbums "It Might Like You". Inzwischen hat sie ihr zweites Album veröffentlicht und wird mit ihrem hypnotischen Musikstil häufig in einem Atemzug mit Künstlern wie PJ Harvey, Feist, Tori Amos, Cat Power oder Björk genannt.