Krachig, aber gefühlvoll. Elektronisch und doch warm. Sänger- und Songwriterin Julia Marcell überrascht auf ihrem zweiten Album mit einem hippen Mix aus Feist und Tori Amos - Björk als Blaupause dabei immer im Herzen tragend. Erscheint dort eine Jethro Tull-Flöte ("June"), scheppern hier die Drums direkt aus einem alternativen Hinterhof-Viertel ("Matrioszka"), immer tragend durch gebrochen-fiepsige Synthies, Violinen ("Since") und groovige Basslines. Die polnische Musikerin hat als Wahlberlinerin den Sound der Hauptstadt aufgesogen und ihn mit ihrem klassischen Stil kongenial verknüpft. Julias Werdegang liest sich passend zu den individuellen Soundteppichen und intim-offenen Lyrics inklusive musikhistorischer Querverweise (90er-Euro-House "Mr. Vain"-Zitat in "Gamelan"!) wie ein modernes Myspace-Märchen. Im Sommer 2007 hatte Marcell eigenhändig Songs beim Start-Up-Unternehmen Sellaband hochgeladen und so ihre Karriere ins Rollen gebracht. Mit "June"setzt sie sich ganz vorne in der europäisch-intellektuellen Pop-Szene fest.
Kakkmaddafakka sind fünf Jungs aus dem norwegischen Bergen, das im Zuge der so genannten "New Bergen Wave" schon Talente wie Röyksopp oder Kings Of Convenience hervorgebracht hat. Und Bergen hält zusammen. Erlend Øye (Kings Of Convenience) produzierte das aktuelle Album "Hest", das Geschichten aus – natürlich – Bergen erzählt. Und erlaubt ist alles – Kakkmaddafakka eben. Diese Band, in der vom Gitarristen bis zum Bassisten jeder zum Mikro greifen darf, hebt den Mittelfinger gegen musikalische Schubladen und paart schrammeligen Pop-Rock mit lässigem Offbeat, Funk, Jazz und Disco. Und wer so sehr sein eigenes Ding durchzieht wie Kakkmaddafakka, der lässt auch bei Live-Auftritten die Kirche nicht im Dorf.