Heimweh und Fernweh. Es mag paradox klingen, doch beides zieht sich zugleich als roter Faden durch Frank Turners neuestes Werk "England Keep My Bones". Da schmettert Turner in "I Am Disappeared": "I sleep with my passport / one eye on the backdoor / so I can always run", erklärt in "Rivers" aber deutlich "Though I've seen a thousand rivers / From the Mississippi to the Rhine / The only place that I'll lay my hat down / Is by an English riverside." Nicht nur textlich, auch stilistisch wechselt das Album ständig zwischen Altem und Neuem. Der Singer-Songwriter, der einst bei der Punkband Million Dead am Mikro stand, begeistert auf dem Longplayer so vor allem durch das breite Spektrum seiner Songs. "English Curse" kommt als Pubgesang komplett ohne Instrumente aus. Bei "One Foot Before The Other" ballert ganz klar der Punk aus den Boxen, "Nights Become Days" überzeugt als sanfte Folk-Ballade und "Glory Hallelujah" überrascht mit Gospel-Elementen. Besser geht's nicht.
Gut Ding will Weile haben. Sieben Jahre hat Jonathan Jeremiah an seinem Debüt "A Solitary Man" (VÖ:05.08.2011) geschraubt und sein Erstlingswerk im Alleingang produziert und aufgenommen. Stets an seiner Seite: das 24-köpfige Heritage Orchestra. Herausgekommen ist ein Album, das derart zeitlos und authentisch ist, dass sich die britische Musikpresse förmlich in Lobeshymnen für den Singer-Songwriter überschlägt. Im Oktober kommt der Londoner auf Clubtour, um seine mal opulenten, mal minimalistischen, aber immer melodiösen Songs zwischen Folk und Soul live zu präsentieren.