Fehlfarben: Monarchie und Alltag - Live 2017 - Tickets

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„Monarchie und Alltag“:
Die Band Fehlfarben bringt ihr legendäres Album auf die Bühne

Es gab eine Zeit, da war Düsseldorf für ein paar Jahre das Zentrum der deutschen Popmusik. Hier entstand der deutsche Punk, der die Neue Deutsche Welle nach sich zog. Eine Schlüsselrolle in dieser Zeit des musikalischen Aufbruchs spielte die Band Fehlfarben. Gut 36 Jahre ist das alles her. Fehlfarben gibt es immer noch. Ihr legendäres Album „Monarchie und Alltag“ (1980), Jahre später von der Musikzeitschrift Rolling Stone als wichtigstes deutschsprachiges Album eingestuft, war zu keinem Zeitpunkt jemals out of print. Jetzt geht die Band erneut auf Tournee. Sie bringt das Zeitgefühl der 80er auf die großen Bühnen und spielt erstmals alle elf Songs von „Monarchie und Alltag“ in einem Konzert.

„Monarchie und Alltag“ – was für ein Titel für eine epochemachende Punk-Platte! Fragt man den Gitarristen Thomas Schwebel, was es mit diesem Namen auf sich hat, folgt eine unerwartete Begründung: Mitglieder der Band hätten damals einen Jahrmarkt besucht. Dort habe es ein Panoptikum gegeben, das damit warb, Köpfe aus „Monarchie und Alltag“ zur Schau zu stellen. Diese Gegenpole hätten ihnen gefallen. Denn auch die Songs der Band spannen einen Bogen.

Es passte alles zusammen

Wenn man das, was da Ende der 70er-Jahre begann, an einem fixen Punkt festmachen will, dann ist das eine triste Musikkneipe am Rande der Düsseldorfer Altstadt. Dort, im Ratinger Hof, trafen sich all jene, denen die Popmusik der Zeit zu gelackt erschien und die etwas eigenes machen wollten. Zum Stammpublikum gehörten viele, die im deutschen Musikbusiness durchstarteten, darunter Musiker, die später in Bands wie Deutsch Amerikanische Freundschaft und Die Toten Hosen Furore machten. In einem Artikel unter dem Titel „Geschichte wird gemacht“ (ein Zitat aus einem Fehlfarben-Song) brachte es Harald Hordych in der Süddeutschen Zeitung einmal so auf den Punkt: „Der (Ratinger) Hof wurde in einer politisch aufgeheizten Atmosphäre, wo die Zeichen in Kunst und Gesellschaft auf Protest und Verweigerung standen, zum Treffpunkt musikalischer Herumtreiber, die neue Tonattacken suchten.“

Die Jungs um Sänger Peter Hein von Fehlfarben bzw. deren Vorgängerband Mittagspause gehörten zu diesen Suchenden, die seit den späten 70ern mit Freude „gegen die Regeln der etablierten Rock- und Popmusik lossägten“ (Hordych). Damals, in der Endphase der Sozialliberalen Koalition vor Beginn der Ära Helmut Kohl, grassierte die Angst vor einem Atomkrieg. Hinzu kam ein weit verbreitetes Gefühl, es müsse alles irgendwie anders werden. Auch die Musik.

„In den 70er-Jahren war die Musik immer abgehobener geworden“, erinnert sich Thomas Schwebel. „Wir dachten: Mach einfach! Denk nicht so viel. Leg los. Du kannst drei Akkorde spielen, dann gründe eine Band, aber sing auf Deutsch.“ Diese unter den Düsseldorfer Musikern weit verbreitete Grundeinstellung habe auch auf die Bildende Kunst übergegriffen. Schließlich war es vom Ratinger Hof zur Düsseldorfer Kunstakademie nur ein kurzer Weg. Mach einfach und mach es nicht so kompliziert! Finde deinen eigenen Weg! „Punk zelebriert auf finale Weise den Outsider, die gerupfte Gestalt im Regen“, hat Michael Gross einmal treffend formuliert.

So hat das, was einst in jener inzwischen längst abgerissenen Düsseldorfer Musikkneipe begann, weite Kreise gezogen und ist nie ganz abgeebbt, wenngleich sich die populäre Musik dann sehr vielfältig entwickelt hat. In den über dreieinhalb Jahrzehnten nach Veröffentlichung von „Monarchie und Alltag“ ist die Band nie in Vergessenheit geraten. Ihr berühmtes Album wurde immer wieder neu aufgelegt und kontinuierlich weiter verkauft, bis 21 Jahre nach Erscheinen die 250.000 Stück erreicht waren, die man für eine Goldene Schallplatte braucht. Davon habe 1980 keiner von ihnen zu träumen gewagt. Ziel waren 5.000 Stück. Denn schon damit wären die Musiker von Fehlfarben die Helden der überschaubaren Szene gewesen.

Nie in Vergessenheit geraten

Nicht allein die Lieder von „Monarchie und Alltag“ lebten nach 1980 weiter, sondern auch die Band. Zwar gab es mehrfach jahrelange Auftrittspausen und Phasen der Funkstille zwischen den weit verstreut lebenden Musikern, doch man fand immer wieder zusammen, gab neue Alben heraus und trat gemeinsam auf, seit 2002 so viel wie nie zuvor. Und das, obwohl die Punksongs von Fehlfarben praktisch nie im Radio gespielt wurden. Lediglich „Es geht voran“ sei auf dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle kurzzeitig als Single-Auskopplung in den Radiocharts gewesen. Lebendig geblieben sei die Band durch ihre Auftritte, vor allem aber durch die Wertschätzung ihrer Fans, die Fehlfarben offenbar mit dem Lebensgefühl ihrer Jugendzeit verbinden.

Jetzt geht Fehlfarben mit dem Konzertveranstalter Meistersinger fast in Original-besetzung auf Tournee durch große Hallen und Theater. Erstmals bringt die Band dabei an einem Abend alle elf Lieder ihrer Platte auf die Bühne – ergänzt um etliche weitere Songs von späteren Tonträgern. Damit folgt man einem Konzept, das auch international bekannte Interpreten gern anwenden, zum Beispiel Lou Reed mit „Berlin“ oder Patti Smith mit „Horses“, die beide auch gerne einmal ein komplettes Album live durchspielen.

Und so gibt es nun eine Wiederbegegnung mit Songs, an die sich viele erinnern und von denen mancher vielleicht noch Text-Fragmente im Kopf hat. So zum Beispiel die berühmten Zeilen: „Was ich haben will, das krieg ich nicht, und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht“ aus dem erklärten Lieblingslied der Band „Paul ist tot“. Diese Textpassage habe ihnen Mitte der 80er-Jahre eine DDR-Tour vermasselt, erzählt Schwebel. Als man damals bei der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrepublik eine Tournee-Erlaubnis beantragte, mussten auch die Texte eingereicht werden. „Und diese zwei Zeilen gingen aus Sicht der SED natürlich gar nicht.“ Wer jetzt wissen will, wer der in dem Songtitel angeführte tote Paul eigentlich war, erhält eine profane Antwort: „Paul“ war der Flipper-Automat im Ratinger Hof, der eines Tages verschwunden war. Alles nach Punk-Art: eben ganz einfach. Das beim Publikum zweifellos bekannteste fehlfarbige Lied trägt den Titel „Ein Jahr (Es geht voran)“. Der Song wurde aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen zur Hymne der Hausbesetzer in der Hamburger Hafenstraße und anderswo im Lande.

Kultivierte Krachmacher

Alle Lieder von „Monarchie und Alltag“ in einem Konzert, darauf freuen sich die Bandmitglieder. Mehr als zwei, drei dieser Songs habe man auf keinem der vielen hundert Konzerte der letzten Jahre gespielt. Im Kern klingen die Lieder noch genauso direkt wie seinerzeit im Ratinger Hof. Sänger Peter Hein ist nach wie vor ein starker Performer. Vielleicht aber wirken die Songs heute nicht mehr ganz so hingerotzt, und vor allem entspannter. Weniger hektisch. Damals sei das doch alles noch sehr wettbewerbsorientiert gewesen. „Heute spielen wir die alten Lieder mit genauso viel Freude wie früher, aber mit nicht mehr ganz so viel Druck auf dem Kessel.“ Damit, dass alle in der Band (und ihre Fans) älter geworden seien, habe das nichts zu tun. Musikgefühl sei keine Frage des Lebensalters.

„Wir nehmen unsere Zuhörer mit auf eine Reise in eine andere Zeit“, sagt Schwebel. „Und dann erleben die Leute, dass der Sound jener Tage auch heute noch Freude bereitet.“ Dies vielleicht auch deshalb, weil die Welt inzwischen so kompliziert geworden ist, dass etwas, das straight forward daherkommt, geradezu erfrischend wirkt. (Text: Dr. Mathias R. Schmidt)

Die Besetzung der Band Fehlfarben

Peter Hein (Gesang)
Thomas Schneider (Gitarre)
Michael Kemner (Bass)
Saskia von Klitzing (Drums)
Frank Fenstermacher (Saxophon und Keyboards)
Pyrolator (Synthesizer, Keyboards)
Gast : Thomas Schwebel (Gitarre)
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    Fehlfarben
      4.4 Sterne, aus 16 Fan-Reports
  • MEMMINGEN - Kaminwerk

    19.05.17

    Geile Zeitreise :-) von Undertaker, 04.06.17
    War ein geiles Konzert, verbunden mit einer Zeitreise in die Jugend... Monarchie und Alltag komplett durchgespielt und immer noch super gut drauf. Die Location war auch sehr nur leider sehr wenig Leute da. :-( Schade für FEHLFARBEN, die hätten deutlich mehr Zuhörer verdient. Haben aber für die paar Leute alles gegeben, DANKE!!!
  • BIELEFELD - Ringlokschuppen

    11.05.17

    großartige Band von wbetty77, 29.05.17
    Monarchie und Alltag in einem Guss, mit viel Spielfreude und Spaß an der Sache dargeboten. Im zweiten Teil fehlten allerdings Stücke von der Knietief im Dispo oder Politdisko etc. Diese hätten die Abend besser abgerundet und den Wandel, den Janie mit dem Wechsel des Bühnenoutfits während der Show als Häutung vollzog noch unterstrichen. Tolles Konzert...immer wieder eine großartige Band!
  • Ludwighafen - Kulturzentrum DAS HAUS

    20.05.17

    Nostalgie und Alltag von Egon, 23.05.17
    Eine zwiespältige Sache: einerseits begeben sich die Fehlfarben mit der Ankündigung, Monarchie und Alltag komplett zu spielen in die Gesellschaft von Nostalgie-affinen Bands wie Yes, Rush, usw, andererseits ist es dann doch genau das was wir hören wollen. Nicht ganz ohne Risiko war es, die Platte gleich am Anfang zu spielen. Das wirkte einerseits so, als wolle man es hinter sich bringen (was diverse Äußerungen des wie gewohnt sarkastischen Peter Hein untermauerten), andererseits zeugte es von großem Selbstbewusstsein was die neuen Stücke angeht, die den Rest des Konzertes ausmachten. Das Konzept ging auf - das Publikum feierte Monarchie ab, und machte danach einfach weiter; die Stimmung hielt bis zum Schluss. Auch als man als Zugabe keine Klassiker mehr im Ärmel hatte und stattdessen einfach neue Songs spielte. Cooler Zug. Spielerisch war die Band natürlich nicht mehr so extrem wie früher; ein Punk-Konzert war das nicht gerade. Aber Peter Hein als ironischer Conferencier schmiss den Laden und schien Spaß zu haben, ebenso wie Drummerin Saskia von Klitzing. Nur die beiden Alt-Mitglieder Pyrolator (Kurt Dahlke) und Frank Fenstermacher standen eher reglos hinter ihren Keyboards, was der Musik aber keinen Abbruch tat. Vermisst wurde der 2008 ausgestiegene Thomas Schwebel an Gitarre und Gesang, auch wenn Nachfolger Thomas Schneider seinen Job auch sehr gut machte. Einen Tag vorher hatten am selben Ort die schroffen Berliner Lärmkünstler Mutter gespielt, deren bleibender Eindruck war das negativste was man über Fehlfarben sagen konnte: An diesem Wochenende nur Zweitbeste. Trotzdem jederzeit wieder.

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